Gründung und Verwaltung von Offshore-Gesellschaften

Unter welchen Voraussetzungen Offshore-Gesellschaften heute noch Sinn machen

Es gibt wohl kaum einen Begriff aus der Steuerwelt, mit dem augenblicklich mehr krumme Machenschaften assoziiert werden, als mit Offshore-Gesellschaften. Briefkastenfirmen, Kriminalität, Geldwäsche und Co. – das sind nur ein paar der Begriffe, die oft im Zusammenhang mit diesen Firmen auftauchen.

Entgegen ihrer negativen Reputation, können Offshore-Firmen aber vollkommen legal verwendet werden. Während zahlreiche Regelungen und Meldepflichten solche Gesellschaften in europäischen Ländern wie Deutschland, Österreich, Frankreich und vielen anderen schlicht und ergreifend uninteressant machen, gibt es Fälle, in denen ihre Verwendung durchaus Sinn macht. Welche das sind und worauf Sie als Unternehmer beim Thema Offshore achten sollten, erfahren Sie auf dieser Seite.

First things first – die Rahmenbedingungen

Grundsätzlich ist klar, dass die Praktikabilität eines Offshore-Unternehmens in erster Linie von Ihrem Wohnsitzland abhängt. Hier gilt es vorab zu klären, ob die Gründung einer solchen Gesellschaft überhaupt erlaubt ist

Eine Offshore-Gesellschaft, die von in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtigen Personen gegründet wird, gilt in der Regel sofort als illegale Zwischengesellschaft. Sie wurde ganz offensichtlich nur installiert, um Steuern zu sparen. Da ist dann auch der Vorwurf der Umgehung bzw. der Steuerhinterziehung nicht mehr weit. Für die Gründung einer Auslandsgesellschaft muss es immer gute wirtschaftliche Gründe geben. Steuern zu sparen ist kein guter wirtschaftlicher Grund. Betreiben Sie zum Beispiel ein Hotel auf den Bahamas, verfügen Sie über einen guten wirtschaftlichen Grund, dort eine Gesellschaft zu gründen. Wer eine Zementfabrik in Belize betreibt, dem wird das Finanzamt keine Schwierigkeiten bereiten. Auch wer landwirtschaftliche Betriebe in Paraguay besitzt, kann selbstverständlich eine Gesellschaft dafür gründen. In allen anderen Szenarien wird es sehr schnell sehr schwierig.

Aber selbst wenn es nicht so weit kommt, Gesellschaften in Nullsteueroasen oder auch in Niedrigsteuerländern fallen fast immer unter die Hinzurechnungsbesteuerung. Dies bedeutet, dass vom Finanzamt geschätzte fiktive Gewinne der Gesellschaft in Deutschland mit Einkommenssteuer versteuert werden müssen. So kann Ihr Finanzamt beispielsweise “schätzen”, dass die Offshore-Gesellschaft 1 Million Euro Gewinne erwirtschaftet hat, ohne dafür jemals Einsicht in irgendwelche Unterlagen genommen zu haben. Nehmen wir an, Sie sind mit dem Spitzensteuersatz in Deutschland veranlagt, schulden Sie dem Finanzamt auf diese Weise schnell fast eine halbe Million. Außer den genannten Ausnahmen, die wir oben erwähnt haben (Landwirtschaft, Baustelle, Fabrik, Hotel etc.), ist daher der Betrieb von Gesellschaften in Nullsteueroasen für in Deutschland lebende Personen de facto unmöglich oder so kompliziert und mit so vielen Auflagen verbunden, dass es wirtschaftlich sinnlos ist, eine solche Firma zu betreiben. Ähnliches gilt für Mandanten, die in anderen Hochsteuerländern wie Frankreich, Italien usw. steuerpflichtig sind.

Außerdem sind Offshore-Firmen nur dann wirklich sinnvoll, wenn die Außensteuergesetze und CFC-Rules ihre Verwendung auch in der Praxis entsprechend zulassen. Ein gutes Beispiel für einen Staat in dem beide Faktoren zutreffen, ist die Schweiz. Aber auch Non-Dom-Länder oder Thailand und Dubai eignen sich für derartige Vorhaben. Erfüllt der Staat in dem Sie leben diese Voraussetzungen, so steht einer Offshore-Gestaltung theoretisch nichts im Wege.

Wo machen Offshore-Gesellschaften Sinn?

Wie bereits erwähnt gibt es eine ganze Reihe an Ländern, wo ein Offshore-Unternehmen keinerlei Sinn macht. Auch all jene, die meinen, mit einer solchen Firma steuerliche Erleichterungen erfahren zu können, müssen wir an dieser Stelle enttäuschen.

Bei Offshore-Vorhaben geht es nicht darum, sich illegale Steuervorteile zu verschaffen, sondern um konkrete, völlig legale Gründe. Entgegen dem schlechten Ruf, der diesen Firmen vorauseilt, handelt es sich also um legitime Vorhaben – ohne Verschleierung, ganz transparent.

In Branchen wie Dienstleistungen oder Verkauf sind die Verwendungsmöglichkeiten von Offshore-Unternehmen extrem dezimiert. Sowohl Rechnungsstellung als auch andere geschäftliche Tätigkeiten werden stark eingeschränkt und in vielen Ländern erst gar nicht akzeptiert.

Es gibt aber einige Szenarien in denen eine Offshore-Firma durchaus Sinn macht. Dazu gehören vor allem folgende:

  • Verträge: Sie können mit dem einem solchen Unternehmen Verträge eingehen und unterzeichnen. Die Offshore-Firma eignet sich auch als Vertragspartner oder hält als Holding-Gesellschaft Anteile anderer Unternehmen.
  • Immobilien: Auch der Erwerb von Grundstücken oder Immobilien ist mit einer derartigen Gestaltung vorstellbar.
  • Geistiges Eigentum: Wenn Sie zum Beispiel Patente bzw. Lizenzen eintragen oder registrieren lassen wollen, so spricht nichts dagegen, das über ein Offshore-Unternehmen zu tun.
  • Cryptowährung: Auch im Cryptobereich können sich Offshore-Firmen anbieten. Da sämtliche Zahlungen des Unternehmens mittels Crypto-Wallet abgewickelt werden, ist man hier nicht auf ein Konto bei einer traditionellen Bank angewiesen. Stimmen die übrigen Parameter, steht dieser Gestaltung nichts im Wege.
  • Umzug: Die steuerlich vorteilhafteste Option ist eine Offshore-Gesellschaft für all jene, die tatsächlich vorhaben in das jeweilige Land umzuziehen bzw. einen Betrieb vor Ort zu installieren. Eine Strategie die vor allem unter Brokern und Finanzdienstleistern sowie bei Software-Unternehmen sehr beliebt ist. Nicht ohne Grund befinden sich deren Firmensitze oftmals in Singapur, Jersey und Co.
  • Privatsphäre: Auch zum Schutz der Privatsphäre kann eine Offshore-Firma interessant sein. Es gibt viele Unternehmer, die als Eigentümer anonym bleiben und private Informationen aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich preisgeben wollen.

Einschränkungen für Offshore-Firmen

Jedem Unternehmer, der ein Offshore-Unternehmen plant, muss klar sein, dass dies mit einigen Problemen einhergeht. Es gibt viele Restriktionen, die die Handlungsfähigkeit und die tatsächliche Verwendung solcher Gesellschaften massiv einschränken. Natürlich kann eine Offshore-Firma trotzdem in einzelnen Fällen eine interessante Option darstellen.

Eine der größten Schwierigkeiten im Umgang mit Offshore-Vorhaben sind die Banken. Sie stellen in der Regel keine Bankkonten für derartige Firmen aus. Auch renommierte Kreditkartenunternehmen wie Visa und Mastercard und PayPal lehnen eine Zusammenarbeit mit Offshore-Gesellschaften seit einigen Jahren kategorisch ab.

Das Thema Glaubwürdigkeit bildet einen weiteren Stolperstein für Offshore-Firmen. Es gibt natürlich auch zahlreiche schwarze Schafe, die Gesellschaften auf den Bahamas & Co. tatsächlich für ihre zwielichtigen Geschäfte einsetzen. Sie sorgen dafür, dass diese diese Art von Vorhaben in Verruf geraten und machen damit die Verwendung von Offshore-Unternehmen in der Praxis schwierig. 

 

Standorte für Ihre Offshore-Gesellschaft

Hier stellen wir Ihnen die Offshore-Destinationen vor, die unsere Kanzlei empfiehlt. Bei der Gründung einer Gesellschaft an einem dieser Orte können wir Sie in vollem Umfang unterstützen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir Vorhaben dieser Art natürlich eingangs gründlich auf ihre Legitimität und Legalität prüfen. Wir haben selbstverständlich kein Interesse daran, in anrüchige bzw. illegale Geschäfte verwickelt zu werden und distanzieren uns klar von diesen.

British Virgin Islands

Die British Virgin Islands, üblicherweise kurz mit BVI bezeichnet, befinden sich unmittelbar östlich von Puerto Rico im atlantischen Ozean. Als britisches Überseegebiet verfügt die Inselgruppe über eine solide Infrastruktur mit gutem Telefon-, Internet- und Postnetz. Mit über 500.000 registrierten Unternehmen und der Amtssprache Englisch zählen die British Virgin Islands weltweit zu einer der beliebtesten Jurisdiktionen. Und das aus gutem Grund – im International Business Companies Act wurde 1984 die Gründung von International Business Companies, sogenannten IBCs, geregelt. Diese Verordnung ist vor allem deshalb interessant, weil sie Gesellschaften auf den BVI vollständige Steuerfreiheit garantiert.

Bahamas

Die Bahamas gehören zu den beliebtesten Offshore-Destinationen der Karibik. Mit seinem großen Bankensektor eignet sich das Archipel hervorragend für Vorhaben dieser Art. Auch im internationalen Vergleich bemühen sich die Bahamas um eine gute Reputation und kooperieren deshalb mit der OECD um Steuerhinterziehung und Geldwäsche entgegenzuwirken. Damit wurden Sie von der EU zuletzt auf die weiße Liste gesetzt. Eine steuerfreie International Business Company auf den Bahamas ist also eine gute Wahl für jene Unternehmer, die Privatsphäre schätzen und eine Offshore-Firma gründen wollen.

Belize

An der Ostküste Mittelamerikas gelegen befindet sich mit Belize der nächste Offshore-Standort unseres Angebots. Auch hier profitieren Sie von einem zuverlässigen Bankensystem und guter Infrastruktur. Das Land ist beliebt für Offshore-Firmen zur internationalen Vermögensplanung. Steuerfreie IBCs in Belize werden oft und gerne für Lizenzierungen, Patente oder Franchising sowie Online-Businesses eingesetzt und stellen eine solide Wahl für Offshore-Vorhaben dar.

Cayman Islands

Die Cayman Islands, oder auf Deutsch Kaimaninseln, sind ein weiteres britisches Überseegebiet im östlichen Karibischen Meer, südlich von Kuba. Mit Englisch als Amtssprache und über 600 Banken bilden sie eine populäre Jurisdiktion für Offshore-Firmengründungen. Steuerfreie International Business Companies auf den Cayman Island eignen sich für sämtliche der oben angeführten Zwecke.

 

Alternative zu Offshore-Firmen

Unsere Kanzlei empfiehlt Mandanten, die mit dem Gedanken an die Installation einer Offshore-Gesellschaft spielen, alternativ eine steuerfreie LLC. Wohnen Sie in einem Non-Dom-Staat oder einem Land mit ähnlichen Steuergesetzen für Auslandseinkünfte, so kann die Gründung einer solchen LLC eine attraktive Möglichkeit darstellen. 

Eine US-LLC mit einer natürlichen Personen als Eigentümer wird von den amerikanischen Steuerbehörden als Disregarded Entity angesehen. Haben Sie mit dem Unternehmen keinen geschäftlichen Bezug der einen Nexus in den Staaten auslöst, so können Sie Gewinne mit dieser LLC steuerfrei vereinnahmen.

Oft überschneiden sich die Beweggründe für eine Offshore-Gesellschaft mit den Vorteilen, die eine solche LLC bietet. Im Vergleich zum Offshore-Geschäft verfügen Sie mit der LLC allerdings über ein vollwertiges Unternehmen in den USA, ganz ohne die Einschränkungen bzgl. Glaubwürdigkeit, Kontoeröffnung etc. Unsere Kanzlei unterstützt Sie selbstverständlich gerne dabei herauszufinden, welche Strukturierung für Sie steuerlich gesehen am vorteilhaftesten ist.

Mehr zur steuerfreien LLC erfahren Sie auf dieser Seite

Zusammengefasst bieten Offshore-Gesellschaften entgegen allgemeiner Meinung in spezifischen Fällen eine völlig legale Option zur internationalen Steuerplanung, die keinesfalls mit kriminellen Geschäften gleichzusetzen ist. In vielen Fällen ist die Installation eines solchen Unternehmens jedoch mit großem Aufwand und oft auch Einschränkungen verbunden. Ist man sich dieser Probleme aber im Vorfeld bewusst und hat trotzdem triftige Gründe für die Offshore-Firmengründung, dann spricht aus rechtlicher Sicht nichts gegen ein Vorhaben dieser Art.

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