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US Visa & Immigration

Dein Gesicht wird künftig zweimal gelesen: Amerika biometriert ab sofort auch die Ausreise

Eine Schlussregel vom 27. Oktober 2025 erlaubt es, alle Ausländer bei der Einreise und bei der Ausreise zu fotografieren. Die Beschränkung auf Pilotprogramme und einzelne Flughäfen fällt weg. Wirksam ab dem 26. Dezember.

28. Oktober 2025 | 8 Min. Lesezeit | Kanzlei Mount Bonnell, Austin TX

Du kennst den Moment. Du stehst an der Kabine, der Beamte deutet auf die kleine Kamera, du siehst hinein, es blitzt nicht einmal. Zwei Sekunden. Willkommen in den Vereinigten Staaten.

Was du bisher nicht kanntest: derselbe Vorgang beim Hinausgehen. Genau das ändert sich jetzt, und zwar nicht als Versuch an einem Flughafen, sondern als Regel für das ganze Land.

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Was am 27. Oktober beschlossen wurde

Das Heimatschutzministerium hat eine Schlussregel veröffentlicht, die seine eigenen Vorschriften an einer entscheidenden Stelle umschreibt. Sie besagt, dass das Ministerium alle Ausländer bei der Einreise und bei der Ausreise fotografieren darf, und dass es von nicht ausgenommenen Personen auch weitere biometrische Daten verlangen kann.

Der zweite Teil ist der eigentlich große: Die Regel streicht die Verweise auf Pilotprogramme und die Beschränkung auf bestimmte Häfen. Bisher war die Ausreisekontrolle ein Versuchsbetrieb an ausgewählten Flughäfen. Künftig darf sie an Flughäfen, Landgrenzen, Seehäfen und an jedem anderen zugelassenen Ausreisepunkt stattfinden.

Wirksam wird das Ganze am 26. Dezember 2025. Wer über die Feiertage fliegt, erlebt den Übergang also unter Umständen mitten in der Reise.

Zusätzlich bittet das Ministerium um Stellungnahmen zum konkreten Erhebungsverfahren und zu Kosten und Nutzen bei neuen Verkehrsarten. Übersetzt heißt das: Die Ausbaustufen sind noch nicht ausgereizt.

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Warum das kein technisches Detail ist

Bisher wusste das amerikanische System sehr genau, wann du hereingekommen bist, und erstaunlich ungenau, wann du wieder gegangen bist. Deine Ausreise wurde im Wesentlichen aus den Passagierlisten der Fluggesellschaften rekonstruiert. Das funktionierte, aber es hatte Lücken, und es war eine Ableitung, kein Nachweis.

Mit einer flächendeckenden biometrischen Ausreisekontrolle verschwindet die Lücke. Jede Ausreise wird ein Datensatz mit Gesicht, Zeitstempel und Ort. Und in dem Moment, in dem das System deine Ausreisen so sauber kennt wie deine Einreisen, kann es etwas tun, was es vorher nur schätzen konnte: deine Aufenthaltstage exakt zählen.

Für die allermeisten Reisenden ist das vollkommen egal. Wer zwei Wochen Urlaub macht und zurückfliegt, hat nichts zu befürchten. Für eine bestimmte Gruppe von Europäern ändert sich dagegen alles, und diese Gruppe weiß es meistens nicht.

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Wie das an der Grenze konkret aussehen wird

Wer den Ablauf aus Europa nicht kennt: Bei der Einreise ist die biometrische Erfassung längst Routine. Du legst den Pass auf, siehst in eine Kamera, das System vergleicht dein Gesicht mit dem gespeicherten Passbild und mit den Daten, die deine Fluggesellschaft übermittelt hat. Die Entscheidung trifft weiterhin der Beamte, aber die Identitätsprüfung läuft maschinell.

Bei der Ausreise gibt es diesen Schalter nicht. Amerikanische Flughäfen kennen keine Ausreisekontrolle im europäischen Sinne. Es gibt keine Kabine, keinen Stempel, kein Gegenüber. Deshalb wird die biometrische Ausreiseerfassung dort stattfinden, wo du ohnehin stehst: am Gate, beim Boarding, über eine Kamera, die dein Gesicht mit der Passagierliste abgleicht.

Für dich als Reisenden ändert sich der Ablauf damit kaum. Es wird eine Kamera mehr geben, und du wirst wahrscheinlich nicht einmal merken, dass sie mehr tut als vorher. Genau das ist der Punkt: Diese Änderung ist für den Einzelnen unsichtbar und für das System fundamental.

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Der Unterschied zwischen Ausnahme und Regel

Die Vorschrift spricht von nicht ausgenommenen Personen. Ausgenommen sind in der Regel amerikanische Staatsbürger, wobei diese sich in der Praxis oft freiwillig ebenfalls erfassen lassen, weil es schneller geht. Ausgenommen sind je nach Konstellation bestimmte Altersgruppen und einzelne Statuskategorien.

Wer eine Greencard hat, ist kein amerikanischer Staatsbürger. Er ist ein Ausländer mit dauerhafter Aufenthaltsberechtigung, und er fällt damit unter diese Regel. Das ist ein Punkt, den viele Greencard-Inhaber aus Europa gedanklich anders einsortiert haben.

Es ist auch der Punkt, an dem sich für manche die Frage nach der Einbürgerung neu stellt. Nicht wegen der Kamera. Sondern weil jede dieser Regeln daran erinnert, wie unterschiedlich das Recht zwischen einem Bürger und einem dauerhaft Aufenthaltsberechtigten trennt.

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Die Gruppe, die es trifft

Es sind die Pendler. Die Unternehmerin mit Kunden in Kalifornien, die sechsmal im Jahr fliegt. Der Familienvater, dessen Frau Amerikanerin ist und der die Sommer drüben verbringt. Der Rentner mit dem Haus in Florida, der jedes Jahr fünf Monate bleibt und dann heimfliegt.

Alle drei bewegen sich in einer Grauzone, die bisher deshalb funktionierte, weil niemand genau nachzählte. Das Visa Waiver Program erlaubt 90 Tage pro Einreise. Wer öfter kommt, sammelt Aufenthalte, die sich in der Summe wie ein Wohnsitz lesen.

Und es gibt eine zweite, härtere Zählung: den Substantial Presence Test des amerikanischen Steuerrechts. Er addiert deine Anwesenheitstage des laufenden Jahres, ein Drittel der Tage des Vorjahres und ein Sechstel der Tage des Jahres davor. Kommen dabei 183 Tage zusammen, und warst du im laufenden Jahr mindestens 31 Tage im Land, dann bist du für den IRS steuerlich ansässig. Mit allem, was daran hängt: Erklärungspflicht auf dein Welteinkommen, deine deutsche Wohnung, dein Schweizer Depot, deine GmbH-Anteile.

Bisher war diese Zählung eine Selbstauskunft. Künftig hat die Gegenseite die Daten.

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Was du jetzt konkret tun solltest

Führe eine eigene Tagesliste. Jede Einreise, jede Ausreise, mit Datum. Nicht weil dir jemand misstraut, sondern weil du in einer Auseinandersetzung mit einer Behörde nur dann eine Chance hast, wenn du eigene Aufzeichnungen hast. Boardingkarten reichen nicht, ein Kalender reicht.

Rechne den Substantial Presence Test einmal für die letzten drei Jahre durch. Es dauert zehn Minuten und es ist die wichtigste Rechnung, die viele Amerikapendler nie gemacht haben. Wenn du über 183 kommst, sprich mit einem Steuerberater, bevor das Jahr endet, nicht danach.

Prüfe, ob eine Ausnahme greift. Es gibt Konstellationen, in denen Tage nicht mitzählen, und es gibt für bestimmte Fälle den Antrag auf Anerkennung engerer Verbindungen zu einem anderen Land. Beides funktioniert nur mit Formularen und Fristen, nicht mit guten Absichten.

Und wenn dein Leben ohnehin drüben stattfindet, hör auf, es als Reihe von Besuchen zu tarnen. Das ist der ehrlichste Rat, den man geben kann. Wer faktisch in den Vereinigten Staaten lebt und arbeitet, braucht einen Status, der das abbildet. Alles andere ist ein Risiko, das mit jeder Verbesserung der Datenlage größer wird. Wie die deutsche Seite dieser Frage aussieht, von der Ansässigkeit bis zum sauberen Wegzug, behandelt unsere Schwesterseite Wohnsitz Ausland.

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Der Datenschutz, und warum die europäische Empörung hier nicht hilft

Man kann diese Regel aus deutscher Sicht empörend finden. Biometrische Erfassung aller Ausländer, ohne Anlass, an jeder Grenze. In Europa wäre eine solche Regelung Gegenstand jahrelanger Verfahren.

Nur ändert das nichts an der Lage. Die Vereinigten Staaten behandeln die Grenze rechtlich als einen Raum mit stark reduzierten Schutzrechten, und das gilt für Durchsuchungen ebenso wie für Datenerhebungen. Wer einreist, tut dies zu den Bedingungen des Gastlandes. Das ist unbequem, aber es ist die Ausgangslage jeder Planung.

Was du dagegen sehr wohl beeinflussen kannst, ist deine eigene Position. Ein Mensch mit einem sauberen Status, sauberen Steuerjahren und sauberen Aufzeichnungen hat von einer besseren Datenlage nichts zu befürchten. Sie schützt ihn sogar, weil sie belegt, dass er sich an die Regeln gehalten hat.

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Und noch etwas aus derselben Woche

Fast unbemerkt kam am 30. Oktober 2025 eine zweite Regel, die viele Betriebe härter trifft als die Kamera an der Ausreise. Das Heimatschutzministerium hat die automatische Verlängerung von Arbeitserlaubnissen abgeschafft.

Bisher galt: Wer seine Arbeitserlaubnis rechtzeitig zur Verlängerung einreichte, durfte in bestimmten Kategorien weiterarbeiten, auch wenn die Behörde noch nicht entschieden hatte. Diese Brücke ist weg, für Anträge ab dem 30. Oktober 2025. Bereits vorher automatisch verlängerte Dokumente bleiben davon unberührt.

Für Arbeitgeber heißt das: Ein Mitarbeiter, dessen Karte abläuft, während sein Verlängerungsantrag bei der Behörde liegt, darf nicht weiterarbeiten. Für Betroffene heißt es: Reiche so früh ein, wie die Vorschriften es zulassen, und plane die Bearbeitungszeit als echtes Risiko ein, nicht als Formalie.

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Drei Sätze, die du dir merken solltest

Erstens: Ab dem 26. Dezember 2025 kann jede Ausreise aus den Vereinigten Staaten biometrisch erfasst werden, an jedem zugelassenen Ausreisepunkt, nicht mehr nur an ausgewählten Flughäfen im Versuchsbetrieb.

Zweitens: Wer regelmäßig zwischen Europa und Amerika pendelt, sollte seine Anwesenheitstage ab sofort selbst zählen, weil die Gegenseite es künftig lückenlos tut. Der Substantial Presence Test ist die Rechnung, an der sich entscheidet, ob du für den IRS ein Besucher oder ein Steuerpflichtiger bist.

Drittens: Seit dem 30. Oktober 2025 gibt es keine automatische Verlängerung von Arbeitserlaubnissen mehr für neu gestellte Anträge. Wer Mitarbeiter mit befristeter Arbeitserlaubnis beschäftigt, braucht ab jetzt einen Fristenkalender, nicht ein gutes Gefühl.

Und ein vierter, unjuristischer Satz zum Schluss. Es gibt einen Punkt in jedem Amerika-Vorhaben, an dem das Improvisieren aufhört und die Struktur anfangen muss. Diese Woche ist für viele Pendler genau dieser Punkt. Nicht weil eine Kamera dazukommt, sondern weil die Lücke verschwindet, in der man jahrelang bequem leben konnte, ohne sich zu entscheiden.

Wer sich entscheidet, gewinnt Ruhe. Wer weiter zwischen zwei Ländern lebt und in keinem davon richtig gemeldet ist, gewinnt Zeit, bis das System aufholt. Und das System holt gerade auf.

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Was daraus folgt

Zwei Regeln in vier Tagen, beide unspektakulär formuliert, beide mit erheblicher Wirkung. Sie zeigen dieselbe Richtung: Das amerikanische System will genauer wissen, wer sich wie lange im Land aufhält und wer wann arbeiten darf. Es schließt die Stellen, an denen bisher Unschärfe herrschte.

Wer in Amerika etwas aufbaut, sollte darin keine Bedrohung sehen, sondern eine Aufforderung zur Ordentlichkeit. Dieses Land ist außergewöhnlich großzügig zu denen, die ihre Papiere im Griff haben, und außergewöhnlich unversöhnlich zu denen, die es darauf ankommen lassen.

Wenn du wissen willst, wie deine Aufenthaltstage und dein Status zueinander stehen, sprich mit der Kanzlei Mount Bonnell in Austin, Texas. Den Rahmen dazu findest du in der Säule US-Visum und Greencard, die steuerliche Seite in Steuerliche Betreuung natürlicher Personen und, wenn dahinter ein echter Umzug steht, in Dein US-Umzug.

Beratung & Umsetzung

Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.

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