Am vierten Juli merkst du, ob du angekommen bist
Die Unabhängigkeitserklärung wurde am 4. Juli 1776 angenommen. Dieses Wochenende hat Amerika seinen 250. Geburtstag gefeiert. Über ein Land, das sich selbst ernster nimmt, als Europäer es verstehen.
Es gibt einen Moment, an dem jeder deutsche Auswanderer merkt, dass er in einem anderen Land lebt, und er hat nichts mit Steuern oder Visa zu tun. Er kommt an einem Samstagabend Anfang Juli, wenn die Nachbarn Stühle auf den Rasen stellen, jemand eine Flagge aufhängt und Kinder mit Wunderkerzen über die Straße rennen.
An diesem Wochenende war es der 250. Geburtstag. Am 4. Juli 1776 wurde in Philadelphia die Unabhängigkeitserklärung angenommen. Zweihundertfünfzig Jahre später steht dieses Land in einem Jahr voller Streit, und trotzdem stand am Samstag jeder auf, als die Nationalhymne kam.
Warum Deutsche das erst nicht verstehen
Es ist eine der größten kulturellen Hürden für Zugezogene aus dem deutschsprachigen Raum, und sie wird selten benannt: Amerikaner sind unverlegen patriotisch, und zwar querbeet, unabhängig von Herkunft, Partei und Einkommen.
Die Flagge hängt am Haus des Demokraten wie am Haus des Republikaners. Die Hymne wird bei Schulveranstaltungen gesungen, vor Sportereignissen, bei Einbürgerungsfeiern. Kinder sprechen morgens ein Treuegelöbnis.
Für jemanden, der in Deutschland aufgewachsen ist, ist das zunächst befremdlich, weil unser Verhältnis zu solchen Symbolen aus guten historischen Gründen gebrochen ist. Man steht in den ersten Jahren etwas steif daneben und weiß nicht, wohin mit den Händen.
Und dann passiert etwas Merkwürdiges. Irgendwann steht man mit auf.
Was dieser Patriotismus tatsächlich ist
Er ist nicht ethnisch, und das ist der entscheidende Unterschied. In Amerika bezieht sich Zugehörigkeit auf ein Bekenntnis, nicht auf eine Abstammung. Das Land ist als Idee gegründet worden und definiert sich bis heute über Dokumente, nicht über Blut.
Deshalb kann ein Mensch, der vor drei Jahren aus Nigeria oder aus Bayern gekommen ist, bei einer Einbürgerungsfeier den Eid sprechen und in derselben Sekunde vollständig dazugehören. Niemand fragt ihn danach, wo er herkommt, jedenfalls nicht in dem Ton, in dem diese Frage in Europa gestellt wird.
Das ist die freundlichste Eigenschaft dieses Landes, und sie steht in einem harten Kontrast zu den Debatten, die es über Einwanderung führt. Beides ist wahr, gleichzeitig, und man muss beides aushalten, wenn man hier lebt.
Und was Texas daraus macht
Texas hat zusätzlich eine eigene Geschichte, und es lässt niemanden das vergessen. Dieser Bundesstaat war neun Jahre lang eine unabhängige Republik, bevor er 1845 beitrat. Die Flagge des Staates hängt hier gleichberechtigt neben der Bundesflagge, oft auf gleicher Höhe, was anderswo als Anmaßung gälte.
Für Zugezogene bedeutet das eine doppelte Zugehörigkeit, in die man leichter hineinwächst, als man denkt. Man wird Amerikaner, und man wird Texaner, und das zweite geht in der Praxis schneller.
Es gehört zu den angenehmen Überraschungen dieses Bundesstaats, wie schnell er einen aufnimmt. Wer arbeitet, sich einbringt und nicht erklärt, wie man es zu Hause besser macht, ist nach zwei Jahren dabei.
Was am 4. Juli tatsächlich passiert
Für alle, die es noch nicht erlebt haben: Es ist kein Staatsakt. Es ist Nachbarschaft.
Der Tag beginnt in vielen Kleinstädten mit einer Parade, an der Feuerwehr, Highschool-Kapelle, Veteranenverband und ein Dutzend geschmückter Pickups teilnehmen. Nachmittags grillt jeder. Abends gibt es ein Feuerwerk, bezahlt von der Stadt oder von Spenden, und alle liegen auf Decken im Park.
Es ist erstaunlich unpolitisch und erstaunlich unironisch. Menschen, die sich seit Monaten über Politik streiten, sitzen nebeneinander und sehen dasselbe Feuerwerk.
Und wenn man aus Deutschland kommt, dauert es ein paar Jahre, bis man aufhört, das zu analysieren, und anfängt, es einfach zu mögen.
Der Unterschied zwischen Ankommen und Wohnen
In der Beratung höre ich oft dieselbe Frage: Wie lange dauert es, bis man sich zu Hause fühlt?
Meine ehrliche Antwort: Wohnen kannst du sofort. Ankommen dauert etwa drei Jahre, und es hängt fast vollständig davon ab, ob du dich einlässt.
Wer seine deutschen Nachrichten liest, seine deutschen Freunde anruft und seine deutschen Gewohnheiten pflegt, wohnt nach zehn Jahren immer noch in Amerika. Wer in den Elternbeirat geht, sich in einen Verein einträgt und beim Nachbarschaftsfest hilft, gehört nach zwei Jahren dazu.
Das ist keine Frage der Sprache und keine des Status. Es ist eine Frage der Entscheidung, und sie fällt jeden Tag neu.
Was Amerikaner von Zugezogenen erwarten
Erstaunlich wenig, und das ist der große Unterschied zu Europa. Man erwartet nicht, dass du deine Herkunft ablegst. Deutsche Herkunft gilt hier als Qualität, verbunden mit Vorstellungen über Ingenieurskunst, Verlässlichkeit und Bier, gegen die man sich nicht wehren muss.
Was erwartet wird, ist Beteiligung. Wer mitmacht, ist dabei. Wer sich zurückhält, bleibt der Deutsche, freundlich behandelt und nie ganz zugehörig.
Und was nicht gut ankommt, ist der Vergleich. Der Satz, dass man das in Deutschland besser macht, ist der schnellste Weg, sich unbeliebt zu machen, und Deutsche sagen ihn oft, ohne es zu merken.
Was das mit deinem Unternehmen zu tun hat
Mehr, als man denkt. Amerikanisches Geschäft läuft über Beziehungen, und Beziehungen entstehen dort, wo man sich sieht: in der Kirche, im Verein, beim Sport der Kinder, bei der Handelskammer der Kleinstadt.
Ein deutscher Unternehmer, der hierherkommt und erwartet, dass gute Produkte für sich sprechen, wird zwei Jahre brauchen, um zu verstehen, warum sein Wettbewerber mit schlechterer Ware mehr verkauft.
Wer dagegen im ersten Jahr Zeit investiert, Hände schüttelt und in seiner Gemeinde sichtbar wird, hat im zweiten Jahr Kunden, die ihn empfehlen. Das ist keine Folklore, das ist der wichtigste Vertriebskanal in diesem Land.
Wenn du deinen Markteintritt planst, sprich mit der Kanzlei Mount Bonnell in Austin, Texas. Wir sind selbst diesen Weg gegangen. Wie das Land abseits der Zahlen aussieht, steht in Die Deutschen und Amerika und in Small Town USA.
Zweihundertfünfzig Jahre, in einem Absatz
Es lohnt sich, an einem solchen Wochenende kurz innezuhalten, weil man sonst vergisst, in was für einem Land man lebt.
Vor zweihundertfünfzig Jahren haben sich dreizehn Kolonien am Rand der bekannten Welt von der stärksten Macht ihrer Zeit losgesagt, mit einem Dokument, das die Gleichheit aller Menschen behauptete, während seine Verfasser Sklaven hielten. Dieser Widerspruch ist nicht nebenbei entstanden, er steht am Anfang, und dieses Land arbeitet sich seit zweieinhalb Jahrhunderten daran ab.
Wer hierherzieht, kommt in ein Land, das sich permanent selbst korrigiert, laut, öffentlich und mit einer Härte, die Europäer erschreckt. Es ist derselbe Mechanismus, der in diesem Jahr zweimal dafür gesorgt hat, dass ein Gericht dem Präsidenten Grenzen gesetzt hat.
Man muss dieses Land nicht idealisieren, um zu sehen, dass diese Selbstkorrektur funktioniert. Und man sollte sie nicht übersehen, wenn man nur die Schlagzeilen liest.
Und was aus deutscher Sicht schwer bleibt
Der Ehrlichkeit halber gehört das dazu. Nicht alles am amerikanischen Alltag ist ein Gewinn.
Die Entfernungen. Man fährt hier für alles, und ein spontaner Spaziergang zum Bäcker existiert in den meisten Vorstädten nicht.
Die Urlaubstage. Zwei Wochen sind der Normalfall, und viele nehmen sie nicht einmal. Wer aus einem Land mit dreißig Tagen kommt, verliert hier ein Stück Leben, das sich mit Geld nicht zurückkaufen lässt.
Und die Absicherung. Es gibt kein Netz, das dich auffängt. Krankheit, Jobverlust und Alter sind hier private Risiken, und man trägt sie selbst.
Wer das gegen die Freiheit aufrechnet, die dieses Land bietet, kommt zu einem Ergebnis, das bei jedem anders ausfällt. Was man nicht tun sollte, ist, nur eine Seite zu rechnen. Wir haben beide Seiten in Warum überhaupt als Unternehmer nach Amerika umziehen aufgeschrieben, samt der Gründe, die dagegen sprechen. Und wer die Entscheidung noch grundsätzlicher stellt, ob Amerika oder ein anderes Land, findet bei Perspektive Ausland den Vergleich über die Ländergrenzen hinweg.
Was ein Jubiläumsjahr für Reisende bedeutet
Ganz praktisch: Es wird voll. Amerikanische Städte haben für dieses Jahr Programme aufgelegt, historische Orte an der Ostküste sind über Monate ausgebucht, und Inlandsflüge sind teurer als üblich.
Wer Besuch aus Deutschland erwartet oder selbst reisen will, sollte früh buchen. Und wer Verwandte einlädt, sollte ihnen sagen, dass die Reisegenehmigung inzwischen vierzig Dollar kostet, fünf Jahre Social-Media-Angaben verlangt und mindestens 72 Stunden Vorlauf braucht.
Das ist ein guter Anlass, den Unterschied zwischen Besuch und Aufenthalt noch einmal zu erklären: Das Visa Waiver Program erlaubt höchstens 90 Tage, es erlaubt keine Erwerbstätigkeit, und die Entscheidung fällt am Ende an der Kabine. Wer Eltern für drei Monate einlädt, sollte das wissen.
Der Teil, der Familien betrifft
Kinder machen diesen Übergang schneller als ihre Eltern, und das ist für viele Familien die eigentliche Erfahrung des Auswanderns.
Nach einem Jahr sprechen sie akzentfrei. Nach zwei Jahren haben sie amerikanische Freunde, amerikanische Gewohnheiten und ein amerikanisches Verhältnis zu ihrer Schule. Nach drei Jahren korrigieren sie das Englisch ihrer Eltern.
Das ist wunderbar und es tut ein bisschen weh. Wer mit Kindern auswandert, sollte wissen, dass er ihnen damit eine Identität gibt, die er selbst nie ganz haben wird.
Und er sollte bewusst entscheiden, was er von zu Hause mitnimmt. Sprache am Küchentisch, Weihnachten wie zu Hause, Besuche bei den Großeltern. Das passiert nicht von selbst, und in fünf Jahren ist es zu spät, damit anzufangen.
Und ein persönliches Wort zum Schluss
Auswandern ist keine Optimierung. Es ist eine Entscheidung darüber, wo das eigene Leben stattfindet, und sie lässt sich nicht vollständig durchrechnen.
Ich habe in diesem Jahr Woche für Woche über Gebühren, Fristen, Verordnungen und Gerichtsurteile geschrieben, weil das die Dinge sind, an denen Vorhaben scheitern. Aber sie sind nicht der Grund, warum Menschen kommen.
Der Grund steht an einem Samstagabend Anfang Juli auf einer Wiese, wenn dreihundert Menschen, die einander sonst wenig verbindet, gemeinsam in einen Himmel schauen. Wer das einmal erlebt und dabei gespürt hat, dass er dazugehört, weiß, warum er die Formulare auf sich nimmt.
Beratung & Umsetzung
Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.