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Politik

Amerika hat gewählt, und in New York regiert bald ein Sozialist

Ein Wahltag ohne Präsidentschaftswahl, und trotzdem ein Signal, das bis nach Europa reicht. Für deine amerikanische Gesellschaft ist die interessantere Frage nicht, wer gewonnen hat, sondern welche Ebene über ihr Geld entscheidet.

4. November 2025 | 8 Min. Lesezeit | Kanzlei Mount Bonnell, Austin TX

Es war einer dieser amerikanischen Abende, an denen ein ganzes Land vor Bildschirmen sitzt und Landkreise blau und rot werden sieht. Kein Präsident stand zur Wahl, kein Kongress. Und trotzdem hat dieser 4. November 2025 mehr Gespräche in europäischen Vorstandsetagen ausgelöst als manche Präsidentschaftswahl.

New York City hat Zohran Mamdani zum Bürgermeister gewählt, einen Demokratischen Sozialisten Mitte dreißig. Virginia hat mit Abigail Spanberger zum ersten Mal eine Frau an die Spitze des Bundesstaats gestellt, New Jersey mit Mikie Sherrill ebenso. In allen drei Fällen gewannen die Demokraten, in New York gegen einen früheren Gouverneur derselben Partei.

Wenn du eine amerikanische Gesellschaft hast oder eine planst, ist die spannende Frage nicht, was das für Washington bedeutet. Sondern was davon überhaupt bei dir ankommt.

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Die Ebene, die über dein Geld entscheidet

Hier liegt der größte Denkfehler, den europäische Unternehmer im Umgang mit Amerika machen. Sie lesen amerikanische Politik wie deutsche Politik, also von oben nach unten. In den Vereinigten Staaten läuft das anders.

Deine Gesellschaft entsteht nach dem Recht eines Bundesstaats. Deine laufenden Pflichten, deine Jahresmeldung, deine Gesellschaftssteuer, dein Registered Agent hängen an diesem Bundesstaat. Ob du Umsatzsteuer erhebst und in welcher Höhe, entscheidet der Bundesstaat und oft die Gemeinde. Ob du Grundsteuer zahlst und wie viel, entscheidet der Landkreis.

Auf Bundesebene liegt die Einkommen- und Körperschaftsteuer, das Einwanderungsrecht, der Außenhandel. Wichtig, aber weiter weg von deinem Alltag als die meisten glauben.

Ein Bürgermeister in New York kann deine Bundessteuer nicht anfassen. Er kann sehr wohl entscheiden, wie teuer es ist, dort ein Ladenlokal zu betreiben, wie hoch die kommunalen Abgaben liegen, wie streng Mieten reguliert sind und wie freundlich die Stadt zu Arbeitgebern ist.

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Was in New York realistisch passiert

Bleiben wir nüchtern, weil rund um diese Wahl viel Aufgeregtes geschrieben wird. Ein Bürgermeister von New York City hat erhebliche Macht über die Verwaltung der Stadt, über Polizei, Schulen, Wohnungsbau und die städtischen Abgaben, soweit das Landesrecht sie ihm überlässt.

Was er nicht allein kann: die Einkommensteuer des Bundesstaats New York ändern. Dafür braucht es Albany, also Gouverneurin und Parlament des Bundesstaats. Wer also Schlagzeilen über neue Reichensteuern liest, sollte prüfen, welche Ebene gemeint ist. Zwischen einer Ankündigung im Wahlkampf und einem Gesetz in Albany liegen Legislaturperioden.

Für dich als europäischen Unternehmer bedeutet das: Wenn du ohnehin in New York sitzt, verfolge die kommunale Ebene aufmerksam, insbesondere alles, was Gewerbeimmobilien und Abgaben betrifft. Wenn du erwägst, dort zu sitzen, ist heute ein guter Tag, die Frage neu zu stellen.

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Die Frage, die viel wichtiger ist als jedes Wahlergebnis

Sie lautet: In welchem Bundesstaat soll deine Gesellschaft eigentlich sitzen, und warum?

Erstaunlich viele Europäer beantworten sie mit einem Namen, den sie irgendwo gehört haben. Delaware, weil das alle machen. Wyoming, weil es in einem Forum stand. Kalifornien, weil dort die Kunden sind.

Die richtige Antwort ergibt sich aus vier Fragen. Wo entsteht deine Wertschöpfung tatsächlich. Wo hast du Personal, Lager, Büro, also das, was amerikanisches Recht mit dem Wort Nexus belegt. Wie hoch sind Gesellschaftssteuern und Jahresgebühren des Staats. Und wie leicht ist es, dort Geschäfte zu machen, Konten zu führen und Leute einzustellen.

Wir haben das in Welcher Bundesstaat, welche Rechtsform und in Von uns empfohlene Sitzstaaten auseinandergenommen. Wer sich fragt, warum Delaware überhaupt so einen Ruf hat, findet die ehrliche Antwort in Darum ist Delaware so attraktiv, samt der Fälle, in denen es die falsche Wahl ist.

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Warum Texas in solchen Nächten gut aussieht

Ich sitze in Austin, insofern nimm das mit dem gebotenen Abstand. Aber der Grund, warum so viele europäische Unternehmer in den letzten Jahren hier gelandet sind, hat wenig mit Ideologie zu tun und viel mit Rechnungen.

Texas erhebt keine Einkommensteuer auf Ebene des Bundesstaats. Es hat eine Gesellschaftsabgabe, die Franchise Tax, mit einer Freigrenze, unter der die allermeisten kleinen und mittleren Betriebe schlicht nichts zahlen. Es hat Grundsteuern, die im Gegenzug spürbar sind, und es hat einen Arbeitsmarkt, in dem man Leute findet.

Dazu kommt etwas, das man schwerer beziffern kann: Dieser Bundesstaat behandelt Unternehmertum nicht als Verdachtsfall. Wer aus Deutschland kommt, spürt diesen Unterschied in der ersten Woche.

Was dafür und dagegen spricht, steht in Texas als US-Standort und in Firma in Texas gründen. Und wer wissen will, wie sich das Leben hier anfühlt und nicht nur die Bilanz, findet das in Ist Austin die beste Stadt in den USA.

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Was Wahlen in Amerika mit deinem Geschäft machen, und was nicht

Über die Jahre lässt sich das ziemlich klar sortieren. Es gibt drei Kanäle, über die amerikanische Politik in einem europäischen Unternehmen ankommt, und sie wirken unterschiedlich schnell.

Der schnelle Kanal ist der Außenhandel. Zölle, Einfuhrbeschränkungen, Sanktionslisten. Diese Dinge können innerhalb von Tagen wirksam werden, sie hängen weitgehend an der Exekutive, und sie treffen jeden, der Waren über die Grenze bewegt. Wer importiert, sollte diesen Kanal aufmerksam beobachten. Nichts an deinem Geschäft ist so schnell änderbar wie der Preis, zu dem deine Ware an der Grenze ankommt.

Der mittlere Kanal ist das Einwanderungsrecht. Es bewegt sich über Verordnungen, Proklamationen und Gebühren, also über Monate. Wer Mitarbeiter aus Europa holt oder selbst einen Status braucht, merkt Veränderungen mit einer Verzögerung von einigen Monaten, und meistens dann, wenn ein Verfahren gerade läuft.

Der langsame Kanal ist das Steuerrecht. Es braucht Gesetze, und Gesetze brauchen Mehrheiten in beiden Kammern. Deshalb sind Steuersätze in den Vereinigten Staaten über lange Strecken erstaunlich stabil und ändern sich dann in großen Sprüngen, wenn ein Paket durchgeht.

Ein Bürgermeisterwechsel in New York wirkt auf keinen dieser drei Kanäle. Er wirkt auf einen vierten, den man leicht übersieht: das Klima vor Ort. Mieten, Genehmigungen, Kontrollen, das Verhältnis der Verwaltung zu Gewerbetreibenden. Für ein Ladengeschäft in Brooklyn ist das entscheidend. Für eine Gesellschaft in Delaware mit Kunden in ganz Amerika ist es irrelevant.

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Die Standortfrage einmal ehrlich gerechnet

Nimm ein realistisches Beispiel. Eine deutsche Softwarefirma will in den amerikanischen Markt, drei Mitarbeiter im ersten Jahr, Kunden über das ganze Land verteilt, kein Lager, kein Ladengeschäft.

In diesem Fall ist die Frage nach New York oder Texas keine Steuerfrage, sondern eine Personalfrage. Wo finde ich Leute, was kostet ihr Lebensunterhalt, und wie viel Gehalt muss ich deshalb zahlen. Ein Entwickler in Manhattan kostet ein Vielfaches dessen, was derselbe Entwickler in Austin oder Raleigh kostet, und der Unterschied kommt nicht aus der Steuer, sondern aus der Miete.

Erst wenn Substanz dazukommt, also Lager, Fertigung, Fahrzeuge, Grundbesitz, wird die Steuerfrage groß. Dann zählen Grundsteuersätze, Gesellschaftsabgaben und die Frage, in welchen Bundesstaaten du überhaupt umsatzsteuerpflichtig wirst. Das ist die Nexus-Frage, und sie ist für europäische E-Commerce-Anbieter regelmäßig die teuerste Überraschung. Der Einstieg dazu steht in Nexus und Sales Tax.

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Und was ich Mandanten in solchen Wochen sage

Fast immer dasselbe: Trenne die Nachricht von der Entscheidung. Eine Wahlnacht produziert Nachrichten im Stundentakt und Entscheidungen frühestens im nächsten Quartal. Wer beides vermischt, trifft schlechte Entscheidungen zur falschen Zeit.

Konkret heißt das: Wenn du ohnehin gerade gründest, gründe. Wenn du ohnehin gerade den Sitz prüfst, prüfe zu Ende. Wenn du seit zwei Jahren zögerst, hilft dir keine Wahl der Welt bei dieser Entscheidung, weil dein Zögern nicht an Amerika liegt.

Und wenn dich ein Wahlergebnis wirklich beunruhigt, dann frage dich, welcher Teil deines Vorhabens von genau dieser Ebene abhängt. In neun von zehn Fällen lautet die ehrliche Antwort: kein Teil. In dem einen Fall, in dem es doch so ist, weißt du jetzt, worauf du achten musst.

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Der lange Blick

Amerikanische Zwischenwahlen und Kommunalwahlen gelten in Europa als Randnotiz. Tatsächlich sind sie der beste verfügbare Frühindikator dafür, wohin sich dieses Land bewegt, weil sie ein Jahr vor den großen Wahlen stattfinden und weil sie in Bundesstaaten entschieden werden, in denen sich Mehrheiten tatsächlich drehen.

Im November 2026 wird der gesamte Kongress neu bestimmt, dazu ein Drittel des Senats. Was in dieser Nacht in Virginia und New Jersey passiert ist, ist die erste Messung eines Stimmungsbildes, das dann entscheidend wird. Wer in Amerika investiert, sollte diesen Kalender kennen, nicht um zu spekulieren, sondern um zu wissen, wann große Gesetzesvorhaben realistisch sind und wann nicht.

Und um eines zu verstehen, das Europäer oft überrascht: Dieses Land korrigiert sich ständig, laut und öffentlich. Was heute wie ein Bruch aussieht, ist meistens ein Ausschlag. Wer hier baut, sollte für Ausschläge gebaut sein.

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Was du aus dieser Wahlnacht mitnehmen solltest

Erstens: Amerikanische Politik schwingt. Sie schwingt schneller und weiter als die deutsche, und sie schwingt auf jeder Ebene für sich. Wer seine Standortentscheidung an einer Wahlnacht ausrichtet, richtet sie an einer Momentaufnahme aus.

Zweitens: Genau deshalb ist der Föderalismus dein Freund. Du bist nicht einem Land ausgeliefert, du wählst innerhalb eines Landes zwischen fünfzig Rechtsordnungen. Wenn dir eine nicht mehr passt, kannst du den Sitz verlegen. Das ist Arbeit, aber es ist möglich, und es passiert in diesem Land ständig.

Drittens: Lass dich von Schlagzeilen nicht dazu bringen, Amerika als Ganzes zu bewerten. Es gibt kein amerikanisches Steuerklima. Es gibt fünfzig, plus eines auf Bundesebene, und sie unterscheiden sich mehr voneinander als Deutschland von Österreich.

Wenn du deine Standortfrage einmal sauber durchrechnen willst, statt sie aus Foren zu beantworten, sprich mit der Kanzlei Mount Bonnell. Und wer noch weiter oben ansetzt und fragt, ob es überhaupt Amerika sein soll, findet den Vergleich bei Perspektive Ausland.

Beratung & Umsetzung

Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.

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