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36 Tage: So lange stand Amerika noch nie still, und die Rechnung zahlt der, der wartet

Am 5. November 2025 hat der Verwaltungsstillstand mit Tag 36 den bisherigen Rekord gebrochen. Was als Haushaltsstreit begann, ist längst eine Frage geworden, die jeden betrifft, der ein Verfahren in Washington laufen hat.

11. November 2025 | 8 Min. Lesezeit | Kanzlei Mount Bonnell, Austin TX

Rekorde in Amerika sind normalerweise laut. Dieser hier ist still. Am 5. November 2025 lief der Verwaltungsstillstand in Washington in seinen 36. Tag und übertraf damit den bisherigen Höchststand von 35 Tagen aus dem Winter 2018 auf 2019. Es gab keine Meldung, keinen Moment, keine Zeremonie. Es wurde einfach ein Tag später, und dann noch einer.

Seit dem 1. Oktober hat die amerikanische Bundesregierung kein Haushaltsgesetz. Seit dem 1. Oktober sind rund 900.000 Bundesbedienstete beurlaubt, und ein weiterer großer Teil arbeitet ohne Bezahlung, weil seine Tätigkeit als unverzichtbar gilt.

Für dich in Europa ist das erst einmal eine Nachricht unter vielen. Wenn du ein Verfahren in den Vereinigten Staaten laufen hast, ist es das nicht.

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Wie ein Land sich selbst anhält

Der Mechanismus dahinter ist für europäische Augen kaum zu glauben. Amerikanische Behörden dürfen ohne bewilligte Mittel kein Geld ausgeben und in der Folge auch keine Arbeitsleistung entgegennehmen. Nicht weil jemand streikt, sondern weil ein Gesetz aus dem 19. Jahrhundert es verbietet, Verpflichtungen einzugehen, für die kein Haushalt existiert.

Die Folge ist eine Zweiteilung, die jeden Shutdown prägt. Wer als unverzichtbar eingestuft ist, arbeitet weiter, unbezahlt, mit Nachzahlung irgendwann später. Wer es nicht ist, bleibt zu Hause, ebenfalls unbezahlt, ebenfalls mit Nachzahlung irgendwann später. Nur eben, ohne dass in der Zwischenzeit irgendetwas passiert.

Und dann gibt es die dritte Gruppe, die im deutschen Denken keinen Platz hat: die gebührenfinanzierten Behörden, die weiterlaufen, weil sie ihr Geld nicht aus dem Haushalt bekommen, sondern von dir. Die Einwanderungsbehörde gehört dazu, die Konsulate im Wesentlichen auch.

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Was sich nach fünf Wochen tatsächlich staut

In der ersten Woche merkt kaum jemand etwas. In der fünften sieht das anders aus.

Bei den arbeitsrechtlichen Vorstufen. Alles, was über das Arbeitsministerium läuft, liegt seit Anfang Oktober. Wer eine Fachkraft aus Europa in die Vereinigten Staaten holen wollte und dafür eine Lohnbescheinigung braucht, wartet nicht auf die Einwanderungsbehörde, sondern auf ein Ministerium, das gerade niemanden an den Schreibtischen hat. Der Stau baut sich lautlos auf und wird sich nach dem Ende in Bearbeitungszeiten zeigen, die monatelang nachwirken.

Beim IRS. Wer eine ITIN beantragt hat, wer auf eine Bestätigung wartet, wer eine Rückfrage beantwortet hat und auf Antwort hofft, steht in einer Schlange, die nicht vorrückt. Die eigenen Fristen laufen weiter. Das ist die Asymmetrie, die dieses Land in solchen Phasen unangenehm macht.

Bei den Daten. Auch die Statistikbehörden sind betroffen. Zahlen, die sonst monatlich erscheinen und an denen Märkte, Unternehmen und Notenbank ihre Entscheidungen ausrichten, kommen verspätet oder gar nicht. Ein Land, das seine eigenen Preise nicht mehr misst, steuert im Nebel.

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Was das für Unternehmer aus Europa praktisch bedeutet

Erstens, und das ist die gute Nachricht: Deine Gesellschaft ist davon nicht betroffen. Gründungen, Jahresmeldungen, Sitzverlegungen, Registered-Agent-Wechsel laufen über die Bundesstaaten, und die Bundesstaaten haben ihre eigenen Haushalte. Delaware, Wyoming, Texas und Florida arbeiten unverändert.

Zweitens: Was auf Bundesebene liegt, verzögert sich. Am spürbarsten bei der Steuernummer. Wer eine amerikanische Gesellschaft ohne amerikanischen Gesellschafter gründet, kann die EIN nicht online ziehen, sondern muss den längeren Weg gehen. Dieser Weg ist gerade noch länger. Wie das Verfahren funktioniert, steht in EIN beantragen.

Drittens: Plane Bankgespräche mit Puffer. Amerikanische Banken verlangen für die Kontoeröffnung in aller Regel die Gründungsurkunde und die Steuernummer. Wenn eines von beidem hängt, hängt das Konto. Was dabei hilft, steht in Kontoeröffnung und Banking.

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Der Teil, den man in Europa unterschätzt

In Deutschland würde ein solcher Zustand als Staatsversagen gelten. In den Vereinigten Staaten gilt er als Ergebnis eines funktionierenden Verfahrens, das eben auch dieses Ergebnis zulässt. Der Kongress hat die Macht über den Haushalt, und wenn er sie nicht ausübt, gibt es keinen Ersatzmechanismus, der einspringt.

Man kann das für gefährlich halten. Man sollte aber sehen, was daraus folgt: In diesem Land ist der Staat kein Hintergrundrauschen, auf das man sich verlässt. Er ist ein Akteur, der ausfallen kann. Wer hier baut, baut so, dass sein Geschäft einen ausgefallenen Staat übersteht.

Das ist, ehrlich gesagt, eine der besten Lehren, die Amerika für einen europäischen Unternehmer bereithält. Wir sind es gewohnt, dass Behörden da sind. Langsam, gründlich, aber da. Hier musst du damit rechnen, dass die Gegenseite fünf Wochen lang nicht ans Telefon geht, und trotzdem lieferst du.

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Was ein Rekord über ein Land sagt

Fünfunddreißig Tage waren der bisherige Höchststand, aufgestellt im Winter 2018 auf 2019. Dass dieser Wert jetzt gefallen ist, sagt weniger über einen einzelnen Streit als über einen Trend, der seit den Neunzigerjahren läuft: Der amerikanische Haushaltsprozess funktioniert immer seltener wie vorgesehen.

Vorgesehen wäre, dass der Kongress zwölf Einzelhaushalte beschließt, bevor das Haushaltsjahr am 1. Oktober beginnt. In der Praxis geschieht das seit Jahrzehnten fast nie. Stattdessen werden Übergangshaushalte verlängert, oft mehrfach, bis irgendwann ein großes Paket alles auf einmal regelt. Ein Shutdown ist der Moment, in dem diese Kette reißt.

Für einen europäischen Unternehmer ist daran zweierlei interessant. Erstens: Diese Kette reißt immer wieder, du wirst das also mehr als einmal erleben, wenn du länger hier bist. Zweitens: Sie reißt an einer vorhersehbaren Stelle, nämlich am Ende eines Haushaltsjahres oder am Ende eines Übergangshaushalts. Diese Daten kannst du dir in den Kalender schreiben.

Wer im September ein Verfahren startet, das auf eine Bundesbehörde angewiesen ist, geht ein Risiko ein, das er im Juni nicht gehabt hätte. Das ist kein Naturgesetz, aber es ist ein Muster, und Muster sind in der Planung mehr wert als Prognosen.

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Und der Nebeneffekt, den kaum jemand auf dem Zettel hat

Wenn Statistikbehörden nicht arbeiten, fehlen Zahlen. Nicht nur den Nachrichten, sondern auch der Notenbank, den Banken und jedem, der Verträge an Indexwerte gebunden hat.

Für dich kann das sehr konkret werden. Mietverträge für Gewerbeflächen enthalten in den Vereinigten Staaten häufig Anpassungsklauseln, die an den Verbraucherpreisindex gekoppelt sind. Wenn dieser Index für einen Monat nicht veröffentlicht wird, muss der Vertrag sagen, was dann gilt. Die meisten Verträge sagen dazu nichts.

Das ist die Art von Detail, die man in ruhigen Jahren für Kleinkram hält und die in einem Jahr wie diesem eine Verhandlung auslöst. Wer gerade einen Mietvertrag oder einen langfristigen Liefervertrag verhandelt, sollte hineinschreiben lassen, was passiert, wenn ein amtlicher Index ausfällt.

Es ist ein kleiner Satz. Er kostet nichts, wenn man ihn beim Aufsetzen einfügt, und er kostet viel, wenn man ihn nachträglich braucht.

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Was der Stillstand über den amerikanischen Arbeitsmarkt verrät

Es gibt ein Detail an diesem Shutdown, das für europäische Unternehmer lehrreicher ist als der ganze politische Streit: wie amerikanische Arbeitnehmer damit umgehen.

In Deutschland wäre die Vorstellung, fünf Wochen ohne Gehalt zur Arbeit zu erscheinen, undenkbar. Hier passiert es. Nicht klaglos, aber es passiert. Fluglotsen erscheinen zum Dienst, Grenzbeamte stehen an den Kabinen, Sicherheitspersonal kontrolliert weiter. Parallel entstehen an Flughäfen Essensausgaben, Kollegen legen zusammen, Nachbarschaften organisieren Hilfe.

Das ist die Seite Amerikas, die man in europäischen Debatten selten hört: eine erstaunliche Fähigkeit, ohne den Staat auszukommen, weil man nie gelernt hat, sich vollständig auf ihn zu verlassen. Es ist zugleich die härteste Seite, weil sie ein soziales Netz ersetzt, das es nicht gibt.

Wer als Arbeitgeber hierherkommt, sollte beides sehen. Du wirst Mitarbeiter finden, die pragmatischer, schneller und weniger abgesichert arbeiten als in Europa. Und du wirst Verantwortung tragen, die in Deutschland eine Institution trägt. Krankenversicherung ist hier eine Leistung des Arbeitgebers, nicht des Staates. Ein Jobverlust hat hier eine andere Fallhöhe.

Genau deshalb sind gute amerikanische Arbeitgeber so loyal umgeben. Wer in diesem Land verlässlich ist, wird belohnt, und zwar in einer Währung, die europäische Personalabteilungen unterschätzen.

Wenn du Personal in den Vereinigten Staaten aufbauen willst, fang bei diesem Punkt an, nicht beim Arbeitsvertrag. Wie Lohnabrechnung, Versicherungen und Pflichten praktisch zusammenspielen, steht in Lohnbuchhaltung und Payroll.

Und noch eine Beobachtung, die sich in diesen Wochen bestätigt hat: Amerikanische Unternehmen planen Ausfälle des Staates aktiv ein. Größere Betriebe halten für solche Phasen Liquiditätspuffer, sie verschieben Einreichungen, sie haben zweite Wege für Genehmigungen. Was in Europa als übertriebene Vorsicht gälte, ist hier normale Betriebsführung.

Für dich heißt das: Übernimm diese Haltung, bevor du sie brauchst. Ein amerikanisches Unternehmen, das drei Monate ohne jede Behördenentscheidung weiterarbeiten kann, ist kein besonders vorsichtiges Unternehmen. Es ist ein normales.

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Wie es weitergeht, und was du bis dahin tust

Shutdowns enden. Jeder einzelne bisher hat geendet, und dieser wird enden, sobald der politische Preis für die eine oder andere Seite höher wird als der Nutzen. Wann das ist, weiß niemand, und jeder, der dir ein Datum nennt, rät.

Bis dahin gilt eine einfache Reihenfolge. Erledige alles, was auf Ebene des Bundesstaats läuft, sofort. Erledige alles, was gebührenfinanziert ist, ebenfalls, denn diese Kassen sind offen. Und stelle alles, was am Haushalt hängt, in eine Warteschlange mit Datum, damit du am Tag der Wiederöffnung der Erste bist und nicht der Fünfzigste.

Wer diese Reihenfolge einhält, verliert Wochen. Wer sie nicht einhält, verliert Monate.

Und wer sich fragt, ob ein Land, das sich selbst anhalten kann, der richtige Ort für sein Unternehmen ist, dem sei eine unbequeme Zahl entgegengehalten: In derselben Zeit, in der Washington stillsteht, entstehen in den Vereinigten Staaten weiterhin täglich tausende neue Gesellschaften. Der Motor dieses Landes läuft nicht in der Hauptstadt.

Wenn du deine offenen Verfahren sortieren willst, sprich mit der Kanzlei Mount Bonnell in Austin, Texas. Wir sagen dir, was jetzt geht und was warten muss.

Beratung & Umsetzung

Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.

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