Maschinen und Roboter: 180 Tage Frist, danach drohen US-Zölle
Mit Proklamation 11077 vom 28. Oktober 2026, veröffentlicht am 2. November, erklärt Washington die Einfuhr von Robotern, Industriemaschinen und ihren Teilen zum Sicherheitsrisiko. Einen Zollsatz gibt es noch nicht, aber bis zum 26. April 2027 wird verhandelt, danach hat der Präsident freie Hand.
Es ist kurz nach sieben in einer Montagehalle bei Ravensburg, und Katrin Albrecht steht neben der Anlage, die in drei Wochen nach Ohio geht. Zwölf Meter Stahl, Servomotoren, Greifer, ein Schaltschrank, in dem vierzig Jahre Familienwissen stecken. Ihr Vater hat die Firma gegründet, sie führt sie seit neun Jahren. Auf ihrem Telefon liegt eine Nachricht ihres größten amerikanischen Kunden, abgeschickt mitten in der Nacht nach deutscher Zeit: „Habt ihr das aus Washington gesehen? Was heißt das für euren Preis im nächsten Jahr?“
Katrin hat es gesehen. Am 28. Oktober 2026 hat der amerikanische Präsident eine Proklamation unterschrieben, die am 2. November im Federal Register erschienen ist. Sie trägt die Nummer 11077 und betrifft genau das, was in dieser Halle gebaut wird: Industriemaschinen, Roboter und ihre Teile. Einen Zoll verhängt sie noch nicht. Sie startet eine Uhr.
Für tausende Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die ihre Maschinen nach Amerika verkaufen, beginnt damit ein halbes Jahr, in dem niemand weiß, was am Ende auf der Rechnung steht. Und in dem trotzdem jeder entscheiden muss, wie er sich aufstellt.
Eine Proklamation ohne Zollsatz
Der Text ist kürzer, als seine Wirkung vermuten lässt. Das Handelsministerium hat untersucht, ob die Einfuhr von Robotern, Industriemaschinen und deren Teilen und Komponenten die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährdet. Der Minister hat diese Frage bejaht und seinen Bericht dem Präsidenten übergeben. Der Präsident schließt sich dem Befund an: Diese Waren würden in solchen Mengen und unter solchen Umständen eingeführt, dass sie die nationale Sicherheit zu beeinträchtigen drohen.
Die Begründung ist breit. Roboter und Industriemaschinen seien für nahezu jede moderne Fertigung unverzichtbar, für Rüstung ebenso wie für zivile Industrie. Die Proklamation nennt dazu zwei Zahlen aus dem Jahr 2024: rund 7,1 Billionen Dollar an ausgelieferten Industriegütern, die mit solchen Maschinen hergestellt werden, und eine eigene Produktion von Ausrüstung im Wert von rund 86 Milliarden Dollar. Amerika verbrauche mehr Robotik und Industrieausrüstung, als es selbst herstelle, und hänge für die meisten Arten von Maschinen und Komponenten an Importen.
Und dann kommt der Satz, auf den es ankommt. Der Präsident hält es für notwendig und angemessen, mit Handelspartnern zu verhandeln. Handelsminister und Handelsbeauftragter sollen gemeinsam Abkommen aushandeln, mit jedem Partner, den sie für geeignet halten. Je nach Stand oder Ergebnis dieser Verhandlungen, so steht es wörtlich da, könne der Präsident künftig andere Maßnahmen erwägen: Zölle, Abgaben, Quoten und Gebühren.
Die Uhr läuft bis zum 26. April 2027
Spätestens 180 Tage nach dem 28. Oktober 2026 müssen Minister und Handelsbeauftragter dem Präsidenten berichten, wie weit die Verhandlungen sind. Das ist der 26. April 2027.
Diese Frist ist nicht beliebig. Sie stammt aus dem Gesetz, auf das sich die Proklamation stützt, Section 232 des Trade Expansion Act von 1962. Die Proklamation zitiert die Regel selbst: Wenn der Präsident zur Abwehr einer Gefahr für die nationale Sicherheit ein Abkommen verhandeln lässt, darf er andere Maßnahmen ergreifen, wenn innerhalb von 180 Tagen kein Abkommen zustande kommt, wenn es nicht umgesetzt wird oder wenn es nicht wirkt.
Übersetzt heißt das: Bis Ende April verhandelt Washington, und danach hat der Präsident ausdrücklich freie Hand. Er muss nicht zuschlagen. Aber er hat sich die Tür offen gehalten und das Datum selbst ins Federal Register geschrieben.
Warum diese Rechtsgrundlage hält
Wer im Februar die Nachrichten verfolgt hat, könnte denken, Zölle des Präsidenten stünden rechtlich auf wackligen Beinen. Damals hat der Supreme Court entschieden, dass das Notstandsgesetz IEEPA keine Zölle trägt. Was das für Importeure bedeutete, haben wir in Sechs zu drei nimmt der Supreme Court dem Präsidenten die Zölle weg beschrieben.
Section 232 ist ein anderes Instrument. Dieses Gesetz verlangt eine Untersuchung des Handelsministeriums, einen Befund zur nationalen Sicherheit und eine Entscheidung des Präsidenten, und es nennt ausdrücklich Maßnahmen gegen die Einfuhr. Auf dieser Grundlage hat der Präsident mit Proklamationen vom 8. März 2018 Zölle auf Aluminium und Stahl eingeführt und mit einer Proklamation vom 30. Juli 2025 Zölle auf Kupfer. Wer damals geglaubt hat, eine Untersuchung zur nationalen Sicherheit sei eine Geste, hat es an seiner Stahlrechnung gemerkt.
Das ist der Grund, warum Katrin die Nachricht aus Ohio nicht beiseitelegt. Eine Proklamation nach Section 232 ohne Zollsatz ist kein Freispruch. Sie ist der erste Akt.
Teile und Komponenten stehen mit im Text
Ein Detail wird in den ersten Meldungen leicht überlesen, und für Maschinenbauer ist es das wichtigste. Die Untersuchung und die Proklamation umfassen nicht nur fertige Roboter und Maschinen, sondern ausdrücklich auch ihre Teile und Komponenten. Der Text spricht durchgehend von „robotics, industrial machinery, and their parts and components“.
Das verändert die Rechnung jedes Betriebs, der darüber nachdenkt, „einfach in Amerika zu montieren“. Wer seine Baugruppen weiter in Deutschland, Österreich oder der Schweiz fertigt und nur die Endmontage nach Texas oder Ohio verlegt, führt weiterhin Teile ein, die in den Bereich dieser Untersuchung fallen. Welche Teile ein künftiger Zoll im Einzelnen erfassen würde, ist offen; die Proklamation enthält keine Liste von Zolltarifnummern. Sicher ist nur, dass Teile nicht automatisch außen vor sind.
Dazu kommt ein zweiter Befund des Ministers, den die Proklamation ebenfalls wiedergibt: Roboter und Maschinen bestimmter ausländischer Hersteller verarbeiten und speichern sensible Daten und seien deshalb ein Sicherheitsrisiko. Wer vernetzte Anlagen mit Fernwartung verkauft, sollte damit rechnen, dass diese Frage in Verhandlungen und Ausschreibungen häufiger gestellt wird.
Wer den Zoll am Ende zahlt
Bevor die Zahlen kommen, ein Satz zur Mechanik, die in Europa oft missverstanden wird. Den amerikanischen Zoll schuldet der Importeur, nicht der ausländische Hersteller. Liefert ein Betrieb aus Baden-Württemberg direkt an einen Kunden in Ohio, der die Maschine selbst einführt, zahlt der Kunde. Liefert er über eine eigene amerikanische Gesellschaft, zahlt die Gesellschaft. Berechnet wird der Zoll in aller Regel auf den Transaktionswert, also den Preis, der für die Ware beim Verkauf zur Ausfuhr nach Amerika tatsächlich gezahlt wird, nicht auf den späteren Verkaufspreis in Amerika. Bei verbundenen Unternehmen wie Mutter und Tochter akzeptiert der Zoll diesen Preis nur, wenn die Verbindung ihn nicht beeinflusst hat.
Darum fragt Katrins Kunde nach dem Preis. Er weiß, dass ein Zoll zuerst bei ihm landet. Und er weiß, dass er ihn an den Lieferanten weiterreichen wird, sobald er kann.
Katrin Albrecht rechnet zwei Wege durch
Katrins Betrieb verkauft jedes Jahr zwölf Verpackungsanlagen nach Amerika, jede für 850.000 Dollar. Das sind 10.200.000 Dollar Umsatz in den Vereinigten Staaten. Nach allen Kosten bleiben ihr auf diesem Geschäft zwölf Prozent, also 1.224.000 Dollar im Jahr.
Einen Zollsatz gibt es nicht. Um zu sehen, was auf dem Spiel steht, nimmt Katrin deshalb einen angenommenen Satz von 15 Prozent. Das ist ihre Rechenannahme, keine Ankündigung aus Washington. Jeder Prozentpunkt kostet bei ihrem heutigen Modell 102.000 Dollar.
Weg eins, alles wie bisher: Der Kunde führt die fertige Anlage ein. 15 Prozent auf 10.200.000 Dollar sind 1.530.000 Dollar Zoll im Jahr. Das ist mehr als ihr gesamter Gewinn aus dem Amerikageschäft. Wenn der Kunde diesen Betrag über den Preis zurückholt, arbeitet Katrin in Amerika mit 306.000 Dollar Verlust.
Weg zwei, eine eigene Gesellschaft in Texas: Die Tochter kauft in Deutschland nur die Kernbaugruppen ein, Steuerung, Antriebe, Greiftechnik, im Wert von 55 Prozent der Anlage, also 467.500 Dollar je Stück. Rahmen, Verkleidung, Verkabelung und Endmontage entstehen in Texas. Eingeführt werden dann zwölf mal 467.500 Dollar, zusammen 5.610.000 Dollar. 15 Prozent davon sind 841.500 Dollar. Gegenüber Weg eins bleiben 688.500 Dollar im Jahr im Unternehmen.
Das ist kein Rezept, sondern eine Größenordnung. Ob ein künftiger Zoll Katrins Baugruppen tatsächlich erfasst, hängt an Tariflisten, die es noch nicht gibt. Die amerikanische Fertigung kostet Geld, Miete, Löhne, Anlaufverluste. Aber die Rechnung zeigt, worüber sie in den nächsten Monaten mit ihrem Steuerberater, ihrer Bank und ihrer Familie spricht: nicht über ein paar Prozent Marge, sondern über die Frage, ob ihr Amerikageschäft in seiner heutigen Form noch trägt.
Zweimal in einer Woche
Die Maschinen sind nicht allein. Sechs Tage vorher, am 22. Oktober 2026, hat der Präsident mit Proklamation 11074 dasselbe Muster auf Windturbinen und ihre Komponenten angewandt: Befund zur nationalen Sicherheit, Verhandlungen statt sofortiger Zölle, ein Bericht binnen 180 Tagen. Diese Proklamation sagt ausdrücklich, dass sie die bestehenden Zölle auf Aluminium, Stahl und Kupfer nicht verändert.
Wer beide Texte nebeneinanderlegt, erkennt eine Methode. Washington legt für eine Branche nach der anderen fest, dass ihre Einfuhren ein Sicherheitsproblem sind, und setzt dann den Handelspartnern eine Frist. Die Verhandlungen laufen, aber sie laufen mit einer Zahl im Hintergrund, die noch niemand ausgesprochen hat.
Der Satz über neue Fabriken
Ganz am Ende der Proklamation steht ein Halbsatz, den viele überlesen werden. Unter den Maßnahmen, die der Präsident je nach Ausgang der Verhandlungen erwägen könnte, nennt er neben Zöllen auch ein Programm, das neue Investitionen in die amerikanische Produktion von Robotern, Industriemaschinen und ihren Teilen anreizen soll.
Ein solches Programm gibt es noch nicht, und niemand kann sagen, wie es aussähe. Aber die Richtung ist unmissverständlich. Amerika will nicht nur weniger Maschinen einführen, es will mehr Maschinen im eigenen Land bauen lassen. Wer dort schon eine Gesellschaft, eine Halle und Mitarbeiter hat, steht auf der richtigen Seite dieses Satzes, wenn er irgendwann mit Inhalt gefüllt wird.
Eine Tochter in Amerika, bevor es eilt
Für einen Mittelständler ist der übliche erste Schritt eine amerikanische Tochtergesellschaft, die importiert, montiert, verkauft und Service leistet. Bei Betrieben, die später Investoren aufnehmen oder Gewinne in Amerika stehen lassen wollen, ist das häufig eine Corporation. In Texas findest du Industrieflächen, Fachkräfte und kurze Wege zu den großen Abnehmern im Süden und Mittleren Westen. Wie eine solche Gesellschaft entsteht, beschreiben wir unter Texas C-Corporation gründen; wer eher in einer Personengesellschaft denkt, findet die Texas LLC. Eine Übersicht aller Staaten und Rechtsformen steht unter Firmengründung USA, und was den Standort selbst ausmacht, unter Texas.
Die Gründung ist dabei der einfache Teil. Seit dem 8. Oktober lässt sich in Texas eine Eintragung am selben Tag online buchen, wie wir in Texas gründet deine LLC jetzt online am selben Tag berichtet haben. Schwieriger ist die Frage, wie Mutter und Tochter miteinander abrechnen. Zu welchem Preis die GmbH ihre Baugruppen an die Tochter verkauft, bestimmt gleichzeitig den Zollwert in Amerika, den Gewinn in Amerika und den Gewinn zu Hause. Wer diesen Preis nicht vorher sauber begründet, riskiert Streit mit zwei Finanzverwaltungen und einer Zollbehörde. Genau diese Abstimmung, Bund, Bundesstaat und Heimatland zusammen, erarbeiten wir schriftlich im Steuerkonzept.
Manche Familienbetriebe gehen weiter und fragen, ob das ganze Unternehmen hinübergehen kann. Ob und wie das gelingt, hängt zuerst vom Recht des Heimatlandes ab; die Wege beschreiben wir unter GmbH in die USA verlegen.
Menschen, die mitgehen
Eine Tochter ohne Menschen ist ein Briefkasten. Wer in Texas montieren will, braucht dort jemanden, der die Anlage kennt, die Monteure einarbeitet und mit dem Kunden spricht. Für Fach- und Führungskräfte, die schon bei der Muttergesellschaft arbeiten, gibt es das L-1 Visum, den Weg für Versetzungen innerhalb eines Unternehmens. Wer selbst investiert und die Gesellschaft führt, prüft das E-2 Investorenvisum. Über beide entscheidet die Behörde, nicht der Kalender des Unternehmers, und wie streng sie bei Verlängerungen inzwischen hinschauen will, steht in USCIS will bei jeder Verlängerung wieder bei null anfangen.
Und dann ist da noch das Geld. Die Tochter braucht ein Geschäftskonto, bevor die erste Miete fällig wird, und eine eigene Bonität, bevor eine Bank ihr eine Halle oder eine Produktionslinie finanziert. Viele Gründer arbeiten für den Anfang mit Mercury oder Wise. Für die Bonität der Gesellschaft gibt es unser Credit Builder Business, das idealerweise mit der Gründung beginnt, denn eine Kreditgeschichte wächst nur mit der Zeit.
Sechs Monate, die du nutzen kannst
Katrin hat ihrem Kunden in Ohio am selben Morgen geantwortet. Nicht mit einem neuen Preis, denn den kann heute niemand seriös nennen, sondern mit einem Satz: „Wir bereiten uns darauf vor, auch in Amerika zu bauen.“ Ihr Kunde hat mit einem Daumen nach oben geantwortet. Er will keinen Lieferanten verlieren. Er will einen, der in sechs Monaten noch liefern kann.
Das ist der eigentliche Gehalt der Proklamation 11077. Sie sagt dir nicht, was du zahlen wirst. Sie sagt dir, bis wann du Zeit hast, dich zu entscheiden. Bis zum 26. April 2027 kannst du rechnen, eine Gesellschaft gründen, eine Fläche suchen, Menschen vorbereiten und deine Preise mit deinen Kunden besprechen, ohne dass ein Zoll dich treibt. Danach entscheidet ein anderer über dein Tempo.
Wir begleiten seit 2008 Unternehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf diesem Weg, von der ersten Rechnung bis zur eingetragenen Gesellschaft. Wenn du für deinen Betrieb eine amerikanische Tochter aufbauen willst, beginnt der Weg bei der Gründung deiner Texas C-Corporation. Alle unsere Leistungen für Unternehmen findest du unter Leistungen.
Beratung & Umsetzung
Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.