43 Tage Stillstand sind vorbei, der Rückstau nicht
Am 12. November hat der Präsident das Gesetz unterschrieben, das die Mittel wieder freigibt. Der Stillstand ist beendet, die Finanzierung reicht bis Ende Januar. Deine Akte liegt trotzdem hinten, und genau jetzt beginnt der Teil, den niemand plant.
Es gibt ein Gefühl, das jeder kennt, der schon einmal nach einem Streik am Flughafen stand. Der Streik ist vorbei, alle atmen auf, und dann merkst du: Die Maschinen stehen an den falschen Orten, die Crews haben ihre Ruhezeiten überzogen, und dein Flug geht trotzdem erst übermorgen. Das Ende des Problems ist nicht die Lösung des Problems.
Genau da steht Amerika in dieser Woche. Am 12. November 2025 ist das Gesetz in Kraft getreten, das die Mittel wieder freigibt. Es trägt den sperrigen Titel eines Fortführungsgesetzes für Landwirtschaft, Legislative und Veteranenangelegenheiten und schreibt die Finanzierung der übrigen Behörden fort. 43 Tage nach dem 1. Oktober arbeiten die Bundesbehörden wieder.
Wenn du in den vergangenen Wochen auf irgendetwas gewartet hast, ist heute nicht der Tag, an dem du es bekommst. Heute ist der Tag, an dem sich entscheidet, an welcher Stelle der Schlange du stehst.
Was das Gesetz tatsächlich regelt
Drei Bereiche bekommen einen vollen Jahreshaushalt: Landwirtschaft, Militärbau und Veteranenangelegenheiten sowie die Legislative selbst. Alles andere, und das ist der weitaus größte Teil des Bundesapparats, wird fortgeschrieben. Bis zum 30. Januar 2026.
Lies diesen letzten Satz noch einmal. Was gerade beendet wurde, ist nicht der Haushaltsstreit. Es ist eine Pause im Haushaltsstreit, mit einem Ablaufdatum, das in zweieinhalb Monaten liegt.
Für die Planung heißt das etwas sehr Konkretes: Ende Januar steht dieselbe Frage wieder im Raum. Wer ein Verfahren hat, das bis dahin nicht abgeschlossen ist, sollte das im Hinterkopf behalten. Und wer ein Verfahren startet, sollte es lieber im November starten als im Januar.
Warum ein Rückstau schlimmer ist als eine Pause
Eine Behörde, die fünf Wochen nicht arbeitet, hat danach nicht fünf Wochen Arbeit nachzuholen. Sie hat mehr. Denn während der Pause sind neue Vorgänge weiter eingegangen, und Menschen, die keine Antwort bekamen, haben nachgefragt, angerufen, nachgereicht, Anwälte eingeschaltet. Jeder dieser Kontakte erzeugt selbst wieder Arbeit.
Deshalb dauert der Abbau eines Rückstaus in aller Regel deutlich länger als der Stau selbst. Wer jetzt hört, es sei alles wieder normal, sollte für die nächsten Monate mit spürbar längeren Bearbeitungszeiten rechnen, und zwar dort, wo es besonders weh tut.
Beim Arbeitsministerium. Fünf Wochen ohne Bearbeitung der arbeitsrechtlichen Vorstufen bedeuten einen Berg von Anträgen, der sich jetzt auf einmal in die Warteschlange schiebt. Wer eine Fachkraft aus Europa einstellen wollte, verliert nicht fünf Wochen, sondern eher ein Quartal.
Beim IRS. Die Steuerbehörde ist selbst in normalen Jahren notorisch überlastet. Fünf Wochen reduzierter Betrieb, unmittelbar bevor die Vorbereitung der nächsten Steuersaison anläuft, wirken bis weit ins Frühjahr. Wer eine ITIN beantragt hat, wer auf eine Bestätigung wartet, wer eine Rückfrage beantwortet hat, sollte sich auf Geduld einstellen und vor allem: nachfassen, mit Datum und Nachweis.
Bei den Statistikbehörden. Zahlen, die nicht erhoben wurden, lassen sich nicht nachholen. Preise vom Oktober kann im November niemand mehr messen. Was in diesen Wochen an Daten fehlt, fehlt dauerhaft, und das hat Folgen weit über die Statistik hinaus. Darauf komme ich in einer der nächsten Wochen zurück, weil es unterschätzt wird.
Was du in dieser Woche konkret tun solltest
Nachfassen, schriftlich, mit Datum. Wenn du einen Vorgang laufen hast, der still liegt, schreibe eine kurze, sachliche Statusanfrage und hebe sie auf. In amerikanischen Verfahren ist die dokumentierte Nachfrage später oft der Unterschied zwischen einem Ermessen zu deinen Gunsten und einem zu deinen Lasten.
Fristen neu rechnen. Was du im September für Anfang Dezember geplant hattest, verschiebt sich. Wenn davon Reisen, Verträge, Mietbeginn oder ein Schuljahr abhängen, ziehe die Konsequenzen jetzt und nicht in vier Wochen.
Alles einreichen, was vor Ende Januar noch entschieden werden soll. Der 30. Januar ist kein weiches Datum. Er ist der Tag, an dem die Fortschreibung ausläuft. Wer bis dahin eine Entscheidung braucht, sollte jetzt einreichen und nicht im Dezember.
Und die Reihenfolge beibehalten, die während des Stillstands galt. Erst der Bundesstaat, dann die gebührenfinanzierten Behörden, dann der Rest. Diese Reihenfolge hat sich in den letzten Wochen bewährt und sie kostet dich auch in normalen Zeiten nichts.
Der Teil, den europäische Unternehmer meistens falsch einschätzen
In Deutschland ist eine überlastete Behörde ein Ärgernis, aber kein strategisches Risiko. Du bekommst deinen Bescheid später, gut. In den Vereinigten Staaten kann Verzögerung teuer werden, weil hier vieles an harten Statusgrenzen hängt.
Ein Beispiel. Ein Mitarbeiter mit befristeter Arbeitserlaubnis darf ab dem Tag des Ablaufs nicht mehr arbeiten. Nicht: darf mit Einschränkungen weiterarbeiten. Nicht: darf mit Duldung weiterarbeiten. Er darf nicht. Und sein Arbeitgeber darf ihn nicht beschäftigen. Seit dem 30. Oktober gibt es für neu gestellte Verlängerungsanträge auch keine automatische Brücke mehr.
Ein zweites Beispiel. Wer sich im Land aufhält, während sein Status abläuft, sammelt unter Umständen unerlaubte Aufenthaltszeit an. Ab bestimmten Schwellen zieht das Einreisesperren von mehreren Jahren nach sich, die auch dann greifen, wenn die eigentliche Ursache eine überlastete Behörde war.
Das ist der Grund, warum ich Mandanten in solchen Phasen immer dasselbe sage: Verlass dich nie darauf, dass eine Behörde rechtzeitig entscheidet. Baue deine Termine so, dass du auch dann sauber bleibst, wenn sie es nicht tut.
Was fünf Wochen Stillstand über dieses Land erzählen
Man kann diesen Herbst als Beleg für Verfall lesen. Ein Land, das sich selbst anhält, in dem Beamte unbezahlt zur Arbeit erscheinen, in dem Statistiken ausfallen.
Man kann ihn auch anders lesen. In diesen 43 Tagen sind in den Vereinigten Staaten weiterhin täglich tausende Gesellschaften gegründet worden. Bundesstaaten haben registriert, Banken haben Konten eröffnet, Verträge wurden geschlossen, Waren bewegt, Löhne gezahlt. Der wirtschaftliche Betrieb dieses Landes ist von seinem Bundesapparat viel unabhängiger, als Europäer es sich vorstellen können.
Für dich als Unternehmer ist genau das die relevante Beobachtung. Du brauchst Washington seltener, als du denkst. Du brauchst es an drei Stellen: für deine Steuernummer, für dein Visum, für Zölle. Alles andere passiert auf Ebenen, die weiterlaufen.
Wer seine Struktur so baut, dass diese drei Stellen früh und einmal erledigt sind, statt dauernd, ist gegen jeden künftigen Stillstand weitgehend immun. Das ist keine Theorie, das ist der praktische Unterschied zwischen den Mandanten, die im Oktober nervös waren, und denen, die es nicht waren.
Was der Stillstand gekostet hat, und wer die Rechnung trägt
Die Beurlaubten bekommen ihr Geld nach. Das ist gesetzlich geregelt und es passiert auch. Wer allerdings glaubt, damit sei die Sache erledigt, hat nie erlebt, wie es ist, sechs Wochen lang keine Miete überweisen zu können und dann alles auf einmal nachgezahlt zu bekommen.
In diesen Wochen sind an amerikanischen Flughäfen Essensausgaben für Fluglotsen und Sicherheitspersonal entstanden. Nicht als Symbolik, sondern weil Menschen mit einem Haushaltseinkommen von 60.000 oder 80.000 Dollar in einem Land ohne Lohnfortzahlung und ohne staatliches Netz nach vier Wochen ohne Gehalt tatsächlich Probleme mit dem Einkauf bekommen.
Für europäische Unternehmer ist das mehr als eine Randnotiz. Es ist der klarste Anschauungsunterricht darüber, wie dieses Land soziale Risiken verteilt. Hier gibt es kein Kurzarbeitergeld, keine Lohnfortzahlung im großen Stil, keine Institution, die zwischen dich und den Ausfall tritt. Es gibt Rücklagen, Familie, Nachbarn und den Arbeitgeber.
Wer hier Leute einstellt, übernimmt damit eine Rolle, die in Deutschland der Staat spielt. Das ist teurer, als die niedrigeren Lohnnebenkosten vermuten lassen, und es ist der Grund, warum gute amerikanische Arbeitgeber eine Loyalität ernten, die man in Europa selten sieht. Was daran konkret hängt, steht in Lohnbuchhaltung und Payroll in den USA.
Drei Dinge, die ich Mandanten für die nächsten Wochen empfehle
Erstens: den Dezember als Arbeitsfenster behandeln, nicht als Feiertagsmonat. Amerikanische Behörden arbeiten zwischen Thanksgiving und Neujahr langsamer, das ist normal. In diesem Jahr trifft diese Verlangsamung auf einen Rückstau. Wer im Dezember einreicht, steht vor denen, die im Januar einreichen, und Januar wird voll.
Zweitens: Bankgeschäfte vorziehen. Kontoeröffnungen für neue Gesellschaften hängen an der Steuernummer, und die Steuernummer hängt an einer Behörde, die gerade aufholt. Wer im Frühjahr operativ sein will, sollte die Kette jetzt anstoßen und nicht im Februar.
Drittens: den 30. Januar in den Vertragskalender schreiben. Wenn du in diesen Wochen Verträge verhandelst, die von behördlichen Genehmigungen abhängen, gehört eine Klausel hinein, die regelt, was bei einer erneuten Haushaltssperre passiert. Es ist ein Satz. Er kostet nichts beim Aufsetzen und viel, wenn er fehlt.
Und der Blick auf den 30. Januar
Zweieinhalb Monate sind eine kurze Zeit für einen Kongress, der gerade sechs Wochen gebraucht hat, um überhaupt wieder handlungsfähig zu werden. Ob es Ende Januar erneut zum Stillstand kommt, weiß niemand, und jeder, der es behauptet, rät.
Was du dagegen sicher weißt: Der Termin steht im Kalender. Und im Unterschied zu allen anderen Beteiligten kannst du deine Planung darauf einstellen, ohne eine einzige Prognose zu wagen.
Erledige das, was von Bundesbehörden abhängt, im Dezember. Lege dir für Ende Januar keinen Termin, der von einer Entscheidung aus Washington abhängt. Und wenn du ohnehin gerade gründest, dann gründe jetzt, solange alle Räder laufen.
Und ein letzter Gedanke, der über diesen Herbst hinausgeht. Wer in Amerika baut, sollte sich angewöhnen, den Staat als Wetter zu behandeln und nicht als Fundament. Man plant nicht dagegen an, man plant damit. Das klingt zynisch und ist in Wahrheit befreiend, weil es die Verantwortung dorthin legt, wo sie in diesem Land ohnehin liegt: bei dir.
Wenn du wissen willst, welche deiner offenen Punkte an welcher Ebene hängen, sprich mit der Kanzlei Mount Bonnell in Austin, Texas. Wir sortieren das auf Deutsch, mit Fristen und nicht mit Vermutungen. Die praktischen Einstiege dazu stehen in EIN beantragen, in Kontoeröffnung und Banking und im Überblick zur US-Firmengründung.
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Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.