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US Visa & Immigration

Wer seinen Job verliert, soll am selben Tag gehen: Amerika will die 60 Tage Schonfrist für Arbeitsvisa streichen

Ein Verordnungsentwurf vom 11. September 2026 soll die Schonfrist von bis zu 60 Tagen für E-, H-1B-, L-1- und O-1-Visa abschaffen. Noch gilt sie, Stellungnahmen sind bis zum 10. November möglich.

15. September 2026 | 8 Min. Lesezeit | Kanzlei Mount Bonnell, Austin TX

Es ist ein Freitag, kurz nach elf, als Daniel in den Besprechungsraum im vierten Stock gebeten wird. Draußen glitzert der Lady Bird Lake in der Septembersonne, drinnen sitzen zwei Menschen aus der Personalabteilung, und einer von ihnen hat einen Umschlag vor sich liegen.

Die amerikanische Tochter des Maschinenbauers aus dem Schwarzwald wird umgebaut. Daniels Stelle fällt weg. Ab Montag ist er freigestellt.

Auf dem Weg zum Parkplatz denkt er nicht an seinen Job. Er denkt an seine Frau, die gerade eine Stelle an der Grundschule in Round Rock angefangen hat, an die beiden Kinder, die seit drei Wochen in der vierten und in der sechsten Klasse sitzen, an den Mietvertrag, der bis Juni läuft. Und an das kleine Wort auf seinem Einreisedokument: L-1A.

Bis heute hätte Daniel in dieser Lage eine Atempause gehabt. Wenn es nach dem Heimatschutzministerium geht, gibt es diese Atempause bald nicht mehr.

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Der Entwurf vom 11. September

Am 11. September 2026 hat das Department of Homeland Security im Federal Register einen Verordnungsentwurf mit dem Titel "Eliminating the Discretionary 60-Day Grace Period" veröffentlicht. Er sieht vor, eine einzige Vorschrift zu streichen, die Bestimmung in Titel 8 des Code of Federal Regulations, Paragraf 214.1, Absatz l, Nummer 2.

Diese Vorschrift gewährt Menschen mit bestimmten Arbeitsvisa und ihren Familien eine Schonfrist von bis zu 60 Tagen, wenn ihre Beschäftigung vor dem Ende des genehmigten Aufenthalts endet. In dieser Zeit gilt ihr Status nicht als verletzt, nur weil sie nicht mehr arbeiten. Sie können eine neue Stelle suchen, einen neuen Antrag stellen lassen oder geordnet ausreisen.

Der Entwurf will diese Frist vollständig abschaffen. Wer seine Beschäftigung verliert, soll die Vereinigten Staaten nach dem Willen des Ministeriums sofort verlassen, es sei denn, er hat aus einem anderen Grund ein Recht zu bleiben.

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Wen das betrifft

Die Liste im Entwurf ist kurz und für Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz trotzdem sehr relevant. Betroffen sind die Kategorien E-1, E-2 und E-3, H-1B und H-1B1, L-1, O-1 und TN, jeweils mit den Familienangehörigen.

Das sind genau die Visa, mit denen Menschen aus dem deutschsprachigen Raum am häufigsten in Amerika leben und arbeiten. Das E-2 für Investoren aus Vertragsstaaten. Das L-1 für die Entsendung in eine amerikanische Tochter. Das O-1 für außergewöhnliche Fähigkeiten. Und das H-1B für Fachkräfte.

Nicht betroffen sind Studierende, für die eigene Fristen gelten, über die wir im Juli in Das Studium hat jetzt ein Ablaufdatum geschrieben haben. Und nicht betroffen sind Menschen mit Green Card.

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Wie es vor 2017 war, und wie es wieder werden soll

Der Entwurf beschreibt selbst, dass diese Schonfrist keine alte Selbstverständlichkeit ist. Bis 2017 gab es sie nicht. Wer damals seine Stelle verlor, galt ab dem folgenden Tag als jemand, der seinen Status nicht mehr aufrechterhält, und wurde ausreisepflichtig.

Mit einer Verordnung, die im Januar 2017 in Kraft trat, führte das Ministerium die Frist von bis zu 60 Tagen ein. Die Begründung damals: Menschen, die unverschuldet ihre Stelle verlieren, sollten die Möglichkeit haben, im Land zu bleiben und einen neuen Weg zu finden, und Arbeitgeber sollten es leichter haben, Fachkräfte zu übernehmen, die schon hier sind.

Heute sagt das Ministerium, diese Regel habe den Aufenthaltsstatus von seinem eigentlichen Grund abgekoppelt. Wer mit einem Arbeitsvisum im Land ist, sei wegen dieser Arbeit hier, und wenn die Arbeit endet, ende auch der Grund. Außerdem verursache die Frist Verwaltungsaufwand.

Der Entwurf benennt die Folgen offen. In einer Fußnote steht, dass Betroffene und ihre Angehörigen das Land am Tag des Endes ihrer Beschäftigung verlassen müssten, um die Folgen eines Statusverstoßes zu vermeiden.

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Ein Statusverstoß hat lange Folgen

Das klingt nach Verwaltungssprache, und es ist trotzdem der Kern. Wer seinen Status nicht mehr aufrechterhält, kann in aller Regel weder eine Verlängerung noch einen Wechsel in eine andere Kategorie innerhalb der USA beantragen. Er muss für jeden neuen Anlauf ausreisen und das Visum bei einem Konsulat neu beantragen.

Und je nachdem, wann er ausreist, droht mehr. Der Entwurf erinnert selbst daran, dass ein unrechtmäßiger Aufenthalt zu Einreisesperren von drei oder zehn Jahren führen kann. Wer zu lange bleibt, verbaut sich unter Umständen die Rückkehr.

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Daniel, durchgerechnet

Nach der heutigen Rechtslage hat Daniel bis zu 60 Tage. Er hat einen Freitag im September seinen letzten Arbeitstag, damit reicht die Frist bis in den November, höchstens aber bis zum Ende der genehmigten Aufenthaltsdauer auf seinem Dokument.

In diesen Wochen kann ein anderer Arbeitgeber für ihn einen Antrag stellen, zum Beispiel ein amerikanisches Unternehmen, das ihn als Fachkraft einstellen möchte. Oder Daniel kann, wenn er sich selbständig machen will, mit einer eigenen Gesellschaft und einer Investition einen Antrag auf Wechsel in das E-2 stellen lassen. Die Kinder bleiben in der Schule, die Familie bleibt in ihrem Haus, der Umzug findet, wenn überhaupt, geordnet statt.

Nach dem Entwurf hätte Daniel diese Wochen nicht. Rechnen wir, was das für die Familie heißt. Die Miete von 2.800 Dollar im Monat läuft bis Juni weiter, neun Monate, zusammen 25.200 Dollar, wenn der Vermieter nicht vorzeitig entlässt. Ein Rückumzug mit Container von Texas nach Baden-Württemberg kostet je nach Volumen einen fünfstelligen Betrag. Vier Flüge. Die Stelle seiner Frau, die mit ihrem Status an seinem hängt, endet ebenfalls. Und die Kinder verlassen ihre Schule mitten im Halbjahr.

Das ist der Preis, den eine Familie für einen Freitag im September zahlen kann. Nicht weil sie etwas falsch gemacht hat, sondern weil ein Unternehmen umbaut.

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Noch ist es ein Entwurf

Das ist die wichtigste Zeile dieses Beitrags, und sie gehört nicht ans Ende. Bis heute gilt die Schonfrist. Der Entwurf ist ein Vorschlag. Bis zum 10. November 2026 kann jeder über das Portal regulations.gov dazu Stellung nehmen, Unternehmen, Verbände, Betroffene. Danach muss das Ministerium die Stellungnahmen auswerten und eine endgültige Regel veröffentlichen, wenn es an seinem Plan festhält.

Wann das geschieht, ist offen. Erfahrungsgemäß vergehen zwischen Entwurf und Schlussregel Monate. Für die Planung gilt trotzdem: Wer heute mit einem dieser Visa in Amerika lebt, sollte so planen, als würde die Schonfrist im kommenden Jahr wegfallen.

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Was das für Investoren mit E-2 heißt

Für E-2-Investoren hat die Änderung eine eigene Färbung. Ihr Status hängt nicht an einem Arbeitgeber, sondern an ihrem eigenen Unternehmen. Er endet, wenn das Unternehmen verkauft wird, aufgegeben wird oder die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt.

Wer seinen Laden in Austin verkaufen will, um ein größeres Geschäft aufzubauen, hat heute eine gewisse Spanne, um den Übergang zu gestalten. Ohne Schonfrist muss der neue Antrag stehen, bevor der Verkauf vollzogen ist. Das verlangt eine ganz andere Reihenfolge der Schritte, und es verlangt sie vorher.

Dasselbe gilt für die Angestellten eines E-2-Unternehmens, die selbst mit einem E-2 als Fachkraft oder Führungskraft dort arbeiten. Für sie ist der Arbeitgeber ein kleines Unternehmen, und kleine Unternehmen können schneller in Schwierigkeiten geraten als große.

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Vier Schritte für diesen Herbst

Kenne dein Datum. Auf deinem I-94, dem elektronischen Einreisenachweis, steht, bis wann dein Aufenthalt genehmigt ist. Dieses Datum ist wichtiger als das Ablaufdatum des Visums im Pass, und viele verwechseln die beiden.

Habe einen zweiten Weg vorbereitet. Wer in einem Konzern mit L-1 arbeitet, sollte wissen, welcher Weg ihm offensteht, wenn die Stelle wegfällt. Eine eigene Gesellschaft für ein E-2? Ein Antrag auf eine Green Card in einer Kategorie, die nicht vom Arbeitgeber abhängt? Wer diese Frage erst im Besprechungsraum stellt, hat nach dem Entwurf keine Zeit mehr, sie zu beantworten.

Denke an die Familie. Der Status von Ehepartnern und Kindern hängt am Status der Hauptperson. Wer seiner Frau eine Stelle in Amerika vorschlägt, sollte wissen, was mit dieser Stelle passiert, wenn seine eigene endet.

Und sprich mit deinem Arbeitgeber. Unternehmen, die Mitarbeiter aus Europa entsenden, sollten ihre Abläufe für Kündigungen und Umstrukturierungen anpassen. Ein Umbau mit einer Frist von drei Monaten statt drei Tagen kann für einen entsandten Mitarbeiter den Unterschied zwischen einem geordneten Übergang und einem Notfall bedeuten.

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Einordnung: ein Jahr der festen Fristen

Wer die Entwicklung der letzten Monate verfolgt hat, erkennt das Muster. Feste Aufenthaltsdauer für Studierende, ein Visum gegen Kaution, eine neue Gebühr für H-1B, die wir zuletzt in Was ein Gericht gestrichen hat, schreibt die Behörde jetzt neu beschrieben haben. Jetzt das Ende der Schonfrist.

Das Muster lautet: Die Grauzonen verschwinden. Wer in Amerika lebt, soll jederzeit genau wissen, auf welcher Grundlage er hier ist, und diese Grundlage soll lückenlos sein. Das ist streng, aber es ist auch berechenbar. Wer seine Grundlage kennt und einen zweiten Weg vorbereitet hat, muss diese Strenge nicht fürchten.

Deshalb ist die Frage, die dieser Entwurf stellt, nicht: Was passiert, wenn ich meine Stelle verliere? Sondern: Habe ich einen Plan, der nicht an einer einzigen Stelle hängt?

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Daniels Plan B

Daniel hat Glück, denn für ihn gilt noch die alte Regel. Er hat an diesem Wochenende mit seiner Frau am Küchentisch gesessen, die Kinder schliefen, und sie haben aufgeschrieben, was sie wirklich wollen. Das Ergebnis hat beide überrascht: Sie wollen bleiben, und zwar nicht als Angestellte eines Konzerns, sondern mit einem eigenen kleinen Ingenieurbüro in Texas.

Das ist ein E-2-Fall. Er braucht eine Gesellschaft, eine echte Investition, einen tragfähigen Geschäftsplan. Und er braucht die richtige Reihenfolge, bevor die Frist abläuft.

Wer wie Daniel einen Weg sucht, der nicht an einem Arbeitgeber hängt, bekommt mit unserem Visa-Fahrplan eine schriftliche Ausarbeitung: welche Kategorie in Frage kommt, welche Unterlagen nötig sind, in welcher Reihenfolge die Schritte laufen und welche Fristen dabei gelten. Die Behörde entscheidet über jeden Antrag selbst. Aber wer seinen Weg kennt, bevor der Freitag kommt, dem kann ein Freitag nicht mehr das Leben umwerfen. Alle Visakategorien im Überblick stehen in der Säule US-Visum und Greencard, alle unsere Leistungen unter Leistungen.

Am Lady Bird Lake glitzert das Wasser übrigens auch am Montag noch. Die Frage ist nur, ob du dann noch dort sein darfst.

Nachtrag: Wie es weitergeht, steht in USCIS will bei jeder Verlängerung wieder bei null anfangen, auch bei deinem L-1 und deinem E-2.

Beratung & Umsetzung

Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.

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