100.000 Dollar für einen Arbeitsplatz in Amerika: Ein Gericht sagt ja, und die Lotterie wird zur Gehaltsfrage
Kurz vor Jahresende zwei Entscheidungen zum H-1B: Ein Bundesgericht lässt die Gebühr von 100.000 Dollar stehen, und eine Schlussregel macht aus der Lotterie ein nach Gehalt gewichtetes Verfahren.
Das H-1B war jahrzehntelang der Weg, auf dem Amerika sich Ingenieure, Entwickler und Ärzte aus der ganzen Welt geholt hat. Ein Arbeitgeber, eine Petition, eine Lotterie, ein Los. Wer gewann, kam. Wer nicht, versuchte es im nächsten Jahr.
In den letzten Dezembertagen 2025 ist aus diesem Weg etwas anderes geworden. Zwei Entscheidungen, wenige Tage auseinander, und zusammen verändern sie die Frage von Glück zu Geld.
Die erste Entscheidung: die Gebühr bleibt
Im September 2025 hatte der Präsident per Proklamation angeordnet, dass Petitionen für neue H-1B-Kräfte eine Zahlung von 100.000 Dollar je Petition voraussetzen, zu leisten vor der Einreichung.
Hunderttausend Dollar. Nicht für den Arbeitnehmer, sondern für den Arbeitgeber, und nicht als Investition, sondern als Gebühr.
Dagegen wurde geklagt, unter anderem von der amerikanischen Handelskammer. Am 23. Dezember 2025 hat ein Bundesgericht in Washington die Gebühr bestätigt und sie als von der weitreichenden präsidialen Befugnis gedeckt angesehen. Das Verfahren geht in die nächste Instanz, und in anderen Gerichtsbezirken laufen weitere Klagen. Aber vorerst gilt: Die Gebühr steht.
Die zweite Entscheidung: die Lotterie wird gewichtet
Am 29. Dezember 2025 erschien die Schlussregel zum Auswahlverfahren. Sie tritt am 27. Februar 2026 in Kraft, also rechtzeitig vor der nächsten Registrierungsrunde.
Der Kern ist schnell erzählt und in seinen Folgen gewaltig. Bisher hatte jede Registrierung ein Los. Künftig richtet sich die Zahl der Lose nach der Lohnstufe, in die die Stelle eingeordnet ist. Wer eine Stelle der höchsten Stufe registriert, bekommt vier Lose. Wer die niedrigste Stufe registriert, entsprechend weniger.
Die Behörde schreibt selbst, das Verfahren werde die Zuteilung generell zugunsten höher qualifizierter und höher bezahlter Kräfte verschieben, ohne Arbeitgebern die Möglichkeit zu nehmen, auf allen Lohnstufen einzustellen.
Um die Größenordnung greifbar zu machen, nennt das Papier eigene Zahlen: In den Computer- und Mathematikberufen lag das mittlere Gehalt von H-1B-Kräften im Haushaltsjahr 2024 bei rund 89.000 Dollar in der ersten Stufe und bei rund 163.000 Dollar in der vierten.
Was die Lohnstufe überhaupt ist
Weil dieser Begriff jetzt über Lose entscheidet, lohnt sich ein Blick darauf, wie er zustande kommt. Das amerikanische Arbeitsministerium veröffentlicht für jede Berufsgruppe und jede Region vier Lohnstufen. Sie leiten sich aus einer Erhebung ab und bilden ab, was in diesem Beruf an diesem Ort üblich ist.
Die erste Stufe entspricht dem Berufseinstieg, die vierte der vollen Beherrschung des Fachs. Ein Arbeitgeber ordnet eine Stelle nach ihren tatsächlichen Anforderungen ein und muss mindestens den zugehörigen Lohn zahlen.
Bisher war diese Einstufung eine Frage der Lohnkosten. Künftig ist sie zusätzlich eine Frage der Auswahlwahrscheinlichkeit, und das erzeugt einen Anreiz, der offensichtlich ist: Stellen höher einzustufen, als sie es verdienen.
Wer das tut, sollte wissen, dass eine Einstufung, die nicht zur beschriebenen Tätigkeit passt, angreifbar ist. Der Lohn muss tatsächlich gezahlt werden, und die Stellenbeschreibung muss die Anforderungen tragen. Amerikanische Prüfungen in diesem Bereich sind unangenehm gründlich.
Was das zusammengenommen bedeutet
Rechne es einmal durch, aus der Sicht eines Arbeitgebers. Eine Einstiegsstelle mit 89.000 Dollar Jahresgehalt, dazu eine Gebühr von 100.000 Dollar, dazu die üblichen Antrags- und Anwaltskosten. Das erste Jahr dieses Mitarbeiters kostet mehr als das Doppelte seines Gehalts. Und selbst dann ist die Auswahl nicht sicher, sondern nur wahrscheinlicher geworden, wenn man ihn hoch einstuft.
Die Folge liegt auf der Hand. Für Einstiegspositionen ist dieser Weg tot. Für Berufsanfänger aus dem Ausland, für frisch Promovierte, für alle, die über eine niedrig bezahlte erste Stelle in den amerikanischen Arbeitsmarkt kommen wollten, schließt sich hier eine Tür.
Für hoch bezahlte Spezialisten bleibt er offen und wird sogar berechenbarer, weil weniger Konkurrenz um dieselben Kontingente kämpft. Die Obergrenzen selbst bleiben unverändert: 65.000 reguläre Plätze und 20.000 zusätzliche für Absolventen amerikanischer Masterprogramme.
Warum das für europäische Unternehmer wichtig ist
Weil viele deutsche, österreichische und Schweizer Mittelständler ihre amerikanische Tochter mit einer Mischung besetzen wollen: ein paar erfahrene Leute aus der Zentrale, dazu jüngere Kräfte, die man aufbaut.
Genau dieses Modell wird über das H-1B unbezahlbar. Wer weiterhin Menschen aus Europa in die amerikanische Gesellschaft bringen will, sollte sich deshalb die Wege ansehen, die nicht über eine Lotterie führen.
Die Alternativen, die es tatsächlich gibt
Das L-1 für die Entsendung. Wer im europäischen Unternehmen mindestens ein Jahr in leitender Funktion oder mit Spezialwissen gearbeitet hat, kann in die amerikanische Tochter entsandt werden. Keine Lotterie, keine Jahresquote, kein Zufall. Dafür Anforderungen an die Verbindung zwischen den Gesellschaften und an die Rolle. Der Leitfaden dazu steht in L-1-Visum.
Das E-2 für Investoren aus Vertragsstaaten. Deutschland, Österreich und die Schweiz sind Vertragsstaaten. Wer substanziell in ein amerikanisches Unternehmen investiert und es leitet, kann darüber kommen, und Mitarbeiter derselben Staatsangehörigkeit in Schlüsselpositionen unter Umständen mit. Der Einstieg steht in E-2 Investorenvisum, der Vergleich in L-1 gegen E-2.
Das O-1 für außergewöhnliche Fähigkeiten. Kein Massenweg, aber für Menschen mit nachweisbarer Spitzenleistung in Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst oder Sport der schnellste. Details in O-1-Visum.
Und für Führungskräfte die EB-1. Wer die Voraussetzungen erfüllt, sollte prüfen, ob der Weg direkt in die dauerhafte Aufenthaltsberechtigung führt, statt über eine befristete Zwischenstufe. Siehe EB-1A Greencard.
Was die Rechtslage gerade unübersichtlich macht
Zwei Dinge laufen parallel und widersprechen sich in ihrer Wirkung. Die Gebühr steht auf einer Proklamation, deren Rechtmäßigkeit gerichtlich umstritten ist und in mehreren Verfahren geprüft wird. Die gewichtete Auswahl steht auf einer ordentlichen Verordnung mit Kommentarverfahren und ist damit deutlich fester verankert.
Für die Planung heißt das: Die gewichtete Lotterie wird kommen und bleiben. Die Gebühr kann fallen, und wenn sie fällt, entsteht eine unangenehme Frage nach Rückzahlungen für alle, die inzwischen gezahlt haben.
Wer in dieser Lage einen Mitarbeiter einstellen will, sollte das nicht auf Hoffnung bauen, sondern auf einen Weg, der von diesen Verfahren unabhängig ist.
Was Arbeitgeber jetzt praktisch tun
Stellen ehrlich einordnen und die Beschreibung dazu passend schreiben. Nicht umgekehrt.
Die Frage stellen, ob es H-1B überhaupt sein muss. Für viele Rollen in europäisch geführten Gesellschaften ist es das nicht. Ein Entsandter aus der Muttergesellschaft, ein Investor, eine Fachkraft mit außergewöhnlichem Profil, alle drei kommen ohne Lotterie.
Und die amerikanische Belegschaft ernst nehmen. Der häufigste Denkfehler europäischer Mittelständler ist die Annahme, man müsse seine Leute mitbringen, weil es hier keine gibt. Der amerikanische Arbeitsmarkt ist tief, beweglich und in vielen Regionen besser als der deutsche. Wer hier baut, sollte hier einstellen und die Entsendung auf die Rollen beschränken, für die sie unverzichtbar ist.
Was das für den amerikanischen Arbeitsmarkt bedeutet
Die Debatte um das H-1B wird in den Vereinigten Staaten seit Jahren hart geführt, und beide Seiten haben Argumente, die man kennen sollte, wenn man hier Personal aufbaut.
Die eine Seite sagt: Das Programm hat amerikanische Löhne gedrückt, weil Unternehmen ausländische Kräfte zu Einstiegslöhnen holen konnten, die an den Arbeitgeber gebunden waren und deshalb nicht verhandeln konnten. Die gewichtete Auswahl ist die direkte Antwort darauf.
Die andere Seite sagt: Amerikas Vorsprung in Technologie und Forschung beruht wesentlich auf Zuwanderung, und wer den Einstieg verteuert, verliert die nächste Generation an andere Länder. Auch das ist nicht falsch.
Für dich als europäischen Unternehmer ist relevant, dass beide Entwicklungen dieselbe praktische Folge haben: Der amerikanische Arbeitsmarkt für hoch qualifizierte Kräfte wird enger und teurer. Wer eine Rolle vor Ort besetzen will, für die es weltweit Konkurrenz gibt, sollte mit amerikanischen Gehältern rechnen und nicht mit europäischen.
Und der Kalender für das kommende Jahr
Die Registrierung für das nächste Kontingent findet üblicherweise im März statt, das Kontingentjahr beginnt am 1. Oktober. Zwischen Registrierung und tatsächlichem Arbeitsbeginn liegen also gut sechs Monate, im ungünstigen Fall länger.
Wer eine Stelle im Sommer besetzen muss, kann das über dieses Programm nicht tun. Das ist kein neues Problem, aber es wird durch die zusätzlichen Hürden dringlicher. Planungshorizonte von einem Jahr sind bei amerikanischen Arbeitsvisa die Untergrenze, nicht der Ausnahmefall.
Wer schneller sein muss, landet zwangsläufig bei den Wegen ohne Quote. Das L-1 kennt keine Jahresgrenze. Das E-2 auch nicht. Beide sind an Voraussetzungen geknüpft, die man aufbauen kann, wenn man früh genug damit anfängt. Und genau das ist der Punkt: Diese Wege belohnen Vorbereitung, während die Lotterie nur Glück belohnt hat.
Was daraus für die nächsten Monate folgt
Die Registrierung für das kommende Kontingent findet im Frühjahr statt, unter neuen Regeln. Wer daran teilnehmen will, sollte die Einstufung seiner Stellen jetzt prüfen, denn sie entscheidet über die Zahl der Lose.
Und wer eine amerikanische Präsenz aufbaut, sollte die Personalfrage von hinten denken. Nicht: Wie hole ich meine Leute rüber. Sondern: Welche Rollen müssen aus Europa kommen, und welche kann ich vor Ort besetzen. Die Antwort auf die zweite Frage ist in den Vereinigten Staaten fast immer größer, als europäische Unternehmer glauben.
Wenn du die Personalplanung deiner amerikanischen Gesellschaft aufsetzen willst, sprich mit der Kanzlei Mount Bonnell in Austin, Texas. Was die Beschäftigung vor Ort praktisch bedeutet, steht in Lohnbuchhaltung und Payroll und in Entsendung von Mitarbeitern.
Zwei Sätze zum Jahresende
Das H-1B war jahrzehntelang der demokratischste Weg in den amerikanischen Arbeitsmarkt, weil er nur eine Frage stellte: Will dich ein Arbeitgeber. Alles andere entschied ein Zufallsgenerator, und der kannte weder Herkunft noch Vermögen.
Was jetzt entsteht, ist etwas anderes. Ein Verfahren, in dem Geld die Wahrscheinlichkeit erhöht, und eine Gebühr, die kleine Arbeitgeber ausschließt. Man kann das für richtig halten oder für falsch, und in Amerika wird beides mit guten Gründen vertreten. Was man nicht tun sollte, ist so zu planen, als sei der alte Weg noch da.
Beratung & Umsetzung
Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.