Was der Einkaufswagen in Amerika wirklich kostet: Die Zahlen für Januar liegen auf dem Tisch
Die Preise für Lebensmittel zum Verbrauch zu Hause lagen im Januar 2026 rund zwei Prozent über dem Vorjahr, die Gesamtinflation bei 2,4 Prozent. Was das für einen deutschen Haushalt bedeutet, steht nicht in dieser Zahl.
Es ist die meistgestellte Frage, die uns aus Deutschland erreicht, und sie kommt nie in der Sprache von Ökonomen. Sie lautet nicht, wie hoch die Inflation sei. Sie lautet: Was kostet ein Wocheneinkauf da drüben?
Nach dem Loch im Oktober gibt es für Januar wieder Zahlen. Die amerikanische Statistik weist für Lebensmittel zum Verbrauch zu Hause einen Anstieg von gut zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Die Gesamtinflation lag bei 2,4 Prozent.
Beide Zahlen sind unauffällig. Und beide beantworten die Frage nicht, die eigentlich gestellt wird.
Warum die Inflationsrate dir nichts sagt
Eine Inflationsrate misst die Veränderung eines Preisniveaus. Sie sagt dir, ob etwas teurer geworden ist. Sie sagt dir nicht, ob es teuer ist.
Für dich als Auswanderer ist die zweite Frage die relevante. Du vergleichst nicht Amerika mit Amerika im Vorjahr. Du vergleichst Amerika mit Deutschland, und dieser Vergleich funktioniert über Niveaus, nicht über Veränderungsraten.
Und das Niveau ist beim Einkaufen die vielleicht größte Überraschung, die Deutsche in Amerika erleben. Nicht weil alles teurer wäre. Sondern weil die Struktur eine völlig andere ist.
Was in Amerika billiger ist
Fleisch, und zwar deutlich. Geflügel, Rind und Schwein sind in den Vereinigten Staaten in aller Regel günstiger als in Deutschland, bei größeren Packungsgrößen.
Verarbeitete Lebensmittel, Konserven, Tiefkühlware, Getränke und alles, was industriell hergestellt und in großen Mengen verkauft wird. Der amerikanische Handel ist auf Volumen ausgelegt, und das schlägt auf den Preis durch.
Ebenfalls günstiger: Benzin, Autos, Elektronik, Kleidung großer Marken, Möbel, Haushaltsgeräte. Und Restaurantbesuche, gemessen an dem, was auf dem Teller liegt.
Was teurer ist, und zwar oft erheblich
Frisches Obst und Gemüse außerhalb der Saison und außerhalb der Anbauregionen. Wer in Wisconsin im Februar Beeren kauft, zahlt dafür.
Milchprodukte in europäischer Qualität. Amerikanischer Standardkäse ist billig, ein anständiger Bergkäse kostet ein Vielfaches des deutschen Preises. Dasselbe gilt für Butter, Joghurt ohne Zusätze und Brot, das diesen Namen verdient.
Und die berühmte Ausnahme: Bäckerei. Wer aus Deutschland kommt, wird in den ersten Monaten regelmäßig vor amerikanischem Brot stehen und sich fragen, ob das ein Missverständnis ist. Es gibt exzellente Bäckereien, in jeder größeren Stadt. Sie kosten das Drei- bis Vierfache dessen, was du gewohnt bist.
Die drei Rechenfehler, die jeder Neuankömmling macht
Der Nettopreis am Regal. In Amerika steht der Preis ohne Umsatzsteuer. Die kommt an der Kasse dazu, je nach Bundesstaat und Gemeinde. In Texas sind das gut acht Prozent, in Kalifornien mehr, in Delaware, Montana, New Hampshire und Oregon gar nichts. Lebensmittel sind in vielen Bundesstaaten allerdings ausgenommen oder ermäßigt, was den Vergleich noch unübersichtlicher macht.
Die Packungsgrößen. Der amerikanische Handel verkauft größer. Ein Preis, der pro Packung höher aussieht, ist pro Kilo oft niedriger. Wer im Kopf vergleicht, vergleicht falsch. Wer den Grundpreis liest, sieht die Wahrheit.
Das Trinkgeld. Es gehört zwar nicht zum Einkauf, aber zur Haushaltsrechnung. Achtzehn bis zweiundzwanzig Prozent im Restaurant sind der Normalfall, nicht die Ausnahme, und sie sind kein freiwilliges Extra, sondern ein Teil des Lohns der Bedienung.
Die Zahl, die tatsächlich zählt
Sie heißt verfügbares Einkommen nach Steuern, nach Versicherung und nach Wohnkosten. Alles andere ist Beiwerk.
Nimm eine Familie mit zwei Kindern und einem Haushaltseinkommen, das in Deutschland brutto 120.000 Euro entspricht. In Deutschland bleibt davon nach Steuern und Sozialabgaben ein bekannter Betrag, und Gesundheit und Bildung sind darin enthalten.
In den Vereinigten Staaten bleibt vom vergleichbaren Bruttoeinkommen deutlich mehr übrig, weil die Abgabenlast niedriger ist. Davon gehen dann Krankenversicherung, gegebenenfalls Kinderbetreuung und höhere Wohnkosten ab, wenn man in einer guten Schulregion wohnen will.
Das Ergebnis ist in vielen Konstellationen positiv für Amerika, in manchen negativ, und es hängt fast vollständig an drei Größen: Alter, Familiengröße und Wohnort. Wer diese Rechnung nicht macht, hat keine Grundlage für seine Entscheidung, egal wie viele Inflationszahlen er liest.
Wo man in Amerika günstig lebt
Die Spanne innerhalb der Vereinigten Staaten ist größer als die Spanne zwischen Deutschland und Amerika. Das ist der Satz, den ich Mandanten am häufigsten sage und der am seltensten geglaubt wird.
Dieselbe Familie mit demselben Einkommen lebt in San Francisco, in Austin und in Cincinnati in drei völlig verschiedenen finanziellen Realitäten. Die Miete kann sich um den Faktor drei unterscheiden, die Grundsteuer um den Faktor zwei, die Krankenversicherung erheblich, die Lebensmittelpreise dagegen kaum.
Wer also spart, spart über den Ort, nicht über den Einkauf. Deshalb ist die Standortfrage in Amerika keine Geschmacksfrage, sondern die zentrale wirtschaftliche Entscheidung eines Umzugs.
Wir haben die Bundesstaaten dazu einzeln aufbereitet, samt Steuerlage und Lebenshaltung, unter US-Bundesstaaten im Überblick. Der direkte Preisvergleich steht in Lebenshaltungskosten Deutschland und USA.
Ein realistischer Wocheneinkauf, aufgeschrieben
Damit die Zahlen greifbar werden, hier ein typischer Einkauf für einen Vierpersonenhaushalt in einer mittelgroßen amerikanischen Stadt, ohne besondere Ansprüche und ohne Bioanspruch.
Man kommt für Grundnahrungsmittel, Fleisch, Milchprodukte, Obst, Gemüse, Getränke und Haushaltswaren auf eine Größenordnung von 200 bis 300 Dollar pro Woche. Wer bewusster einkauft, europäische Produkte sucht und auf Qualität bei Milch und Brot achtet, landet schnell bei 350 bis 400.
Das ist, umgerechnet, in derselben Größenordnung wie in Deutschland, mit einer wichtigen Abweichung: Die Streuung nach oben ist erheblich größer. In Deutschland kostet guter Käse etwas mehr. In Amerika kostet er ein Vielfaches.
Für einen Haushalt heißt das: Der Grundbedarf ist bezahlbar, europäische Gewohnheiten sind teuer. Wer sich auf das Land einlässt, gibt weniger aus als jemand, der versucht, seinen deutschen Einkaufszettel eins zu eins zu übertragen.
Die Posten, die den Unterschied wirklich machen
Wenn ich die Haushaltsrechnung einer deutschen Familie in Amerika neben ihre alte in Deutschland lege, sind es nie die Lebensmittel, die das Ergebnis kippen. Es sind vier andere Posten.
Krankenversicherung. Für eine vierköpfige Familie ohne Arbeitgeberversicherung schnell 20.000 bis 30.000 Dollar im Jahr. Das ist der Posten, der alles andere überschreibt.
Wohnkosten inklusive Grundsteuer. In Texas ist die Grundsteuer hoch, dafür gibt es keine Einkommensteuer des Bundesstaats. In Kalifornien ist es umgekehrt. Wer nur auf die Miete oder den Kaufpreis schaut, übersieht mehrere hundert Dollar im Monat.
Betreuung und Bildung. Öffentliche Schulen sind kostenlos, ihre Qualität hängt am Schulbezirk und damit am Wohnort. Kinderbetreuung vor der Schulzeit ist teuer, oft deutlich teurer als in Deutschland.
Mobilität. Zwei Autos sind in den meisten Regionen keine Wahl. Dafür sind Anschaffung, Benzin und Versicherung günstiger als in Europa.
Diese vier Posten entscheiden. Der Einkaufswagen entscheidet nie.
Warum Deutsche die Preise falsch erinnern
Es gibt einen psychologischen Effekt, den fast jeder Rückkehrer beschreibt. Man erinnert sich an amerikanische Preise als niedrig, weil die ersten Eindrücke aus dem Urlaub stammen: Benzin, Elektronik, Restaurantportionen, Outletpreise.
Genau diese Kategorien sind tatsächlich günstig, und genau sie machen im Haushalt eines Einwohners den kleinsten Teil aus. Was ein Bewohner zahlt, zahlt kein Tourist: Versicherung, Grundsteuer, Betreuung, Zahnarzt, Handwerker.
Deshalb ist der Urlaubseindruck der schlechteste denkbare Ratgeber für eine Umzugsentscheidung. Wer ernsthaft plant, sollte einmal vier Wochen wie ein Bewohner leben: mit Wocheneinkauf, Arztbesuch, Autoversicherung und einem Blick in die Nebenkostenabrechnung einer Mietwohnung.
Der Einkauf als Kulturfrage
Und zum Schluss etwas, das keine Zahl abbildet. Der amerikanische Lebensmittelhandel ist auf Bequemlichkeit ausgelegt, in einem Ausmaß, das Europäer erst irritiert und dann verwöhnt. Riesige Öffnungszeiten, Lieferung am selben Tag, Abholung ohne Aussteigen, kulanteste Rückgabe.
Was fehlt, ist der Wochenmarkt in der Fußgängerzone und der Bäcker um die Ecke, jedenfalls in den meisten Vorstädten. Es gibt beides, aber man fährt hin, statt vorbeizugehen.
Ob das ein Verlust ist, entscheidet der eigene Alltag. Es gehört jedenfalls in die Rechnung, weil es ein Teil dessen ist, was man aufgibt und was man gewinnt. Wie das Leben hier abseits der Zahlen aussieht, haben wir in Small Town USA und in Wo in Amerika lebt sich's am besten beschrieben.
Was ich Familien vor dem Umzug rate
Stell eine Tabelle mit zwei Spalten auf, Deutschland und Zielort. Trage zwölf Zeilen ein: Wohnen, Grundsteuer oder Nebenkosten, Krankenversicherung, Betreuung, Schule, zwei Autos, Versicherungen, Lebensmittel, Essen außer Haus, Telekommunikation, Strom und Wasser, Rücklage.
Fülle beide Spalten mit echten Zahlen, nicht mit Schätzungen aus Foren. Für den Zielort bekommst du Mieten, Grundsteuersätze und Versicherungsprämien innerhalb einer Stunde online.
Am Ende hast du zwei Summen und einen Vergleich, der etwas wert ist. Und du wirst, wie fast alle, feststellen: Die Entscheidung hängt nicht am Einkaufswagen und nicht am Steuersatz. Sie hängt an drei Zeilen, und welche das sind, ist bei jeder Familie anders.
Und das, was keine Statistik erfasst
Ein Wocheneinkauf in Amerika fühlt sich anders an, und das hat wenig mit Preisen zu tun. Die Läden sind größer, die Auswahl ist absurd, es gibt vierzig Sorten Frühstücksflocken und drei Sorten Quark. Man findet alles und vermisst trotzdem drei Dinge.
Nach einem halben Jahr hat sich das erledigt. Man kennt seine Läden, man weiß, wo es den guten Käse gibt, man kauft anders ein als zu Hause und nicht schlechter.
Wer sich davor fürchtet, sollte es einmal umdrehen: Die Frage ist nie, ob man in Amerika gut essen kann. Die Frage ist, ob dein Haushalt die Fixkosten trägt, die neben dem Einkauf stehen. Der Einkauf ist es nie, der eine Auswanderung scheitern lässt.
Und wer die Rechnung ehrlich gemacht hat und trotzdem geht, geht aus den richtigen Gründen.
Wenn du deine Haushaltsrechnung für einen konkreten Ort aufstellen willst, sprich mit der Kanzlei Mount Bonnell in Austin, Texas.
Beratung & Umsetzung
Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.