Am 1. Januar kehrt die 400-Prozent-Klippe zurück: Ein Dollar zu viel Einkommen, und dein ganzer Zuschuss ist weg
Die erhöhten Zuschüsse zur amerikanischen Krankenversicherung galten nach dem Gesetz nur für Steuerjahre vor 2026. Seit Neujahr gilt wieder die alte Einkommensgrenze, und sie ist eine harte Kante.
Es gibt in der amerikanischen Sozialgesetzgebung eine Zahl, die Europäern das Blut in den Adern gefrieren lässt, wenn sie sie zum ersten Mal verstehen. Sie heißt 400 Prozent der Armutsgrenze, und sie ist keine Rampe. Sie ist eine Kante.
Verdienst du einen Dollar weniger, bekommst du einen Zuschuss zu deiner Krankenversicherung. Verdienst du einen Dollar mehr, bekommst du nichts. Nicht weniger. Nichts.
Diese Kante war für die Jahre 2021 bis 2025 abgeschafft. Seit dem 1. Januar 2026 ist sie zurück.
Was genau ausgelaufen ist
Im Gesetzestext liest es sich unspektakulär. Eine Regelung aus dem Jahr 2022 hatte zwei Vorschriften des Steuergesetzbuchs geändert und dabei jeweils die Formulierung eingesetzt: für Steuerjahre nach dem 31. Dezember 2020 und vor dem 1. Januar 2026.
Die erste dieser Vorschriften senkte den Eigenanteil, den ein Haushalt an seiner Prämie tragen muss. Die zweite hob die Einkommensobergrenze auf, oberhalb derer es überhaupt keinen Zuschuss mehr gibt.
Beide Regelungen hatten ein Verfallsdatum, und beide sind zum Jahreswechsel abgelaufen. Es brauchte dafür kein neues Gesetz und keinen neuen Beschluss. Es brauchte nur, dass der Kongress nichts tat.
Was das in Dollar bedeutet
Zwei Wirkungen, und die zweite ist die brutalere.
Erstens steigt der Eigenanteil für alle Bezugsberechtigten. Wer bisher einen bestimmten Prozentsatz seines Einkommens für die Prämie aufbringen musste, bringt jetzt mehr auf. Das trifft Millionen Haushalte und betrifft alle Einkommensstufen im Zuschussbereich.
Zweitens fällt oberhalb der Grenze der Zuschuss komplett weg. Das ist der Teil, der für europäische Auswanderer relevant wird, weil viele von uns genau in diesem Bereich landen: zu wohlhabend für Unterstützung, zu jung für die staatliche Altersversicherung, ohne Arbeitgeber, der eine Gruppenversicherung stellt.
Ein Ehepaar Mitte fünfzig ohne Arbeitgeberversicherung zahlt am Markt schnell zwischen 1.500 und 2.500 Dollar im Monat, je nach Bundesstaat und Tarif. Mit Zuschuss war das eine unangenehme Zahl. Ohne Zuschuss ist es für viele die größte Einzelposition ihres Haushalts, größer als die Miete.
Warum das für deutsche Auswanderer die zentrale Zahl ist
Wenn ich eine einzige Zahl nennen dürfte, die über den Erfolg eines Umzugs in die Vereinigten Staaten entscheidet, dann wäre es nicht der Steuersatz und nicht die Miete. Es wäre die Krankenversicherungsprämie.
Der Grund ist strukturell. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Gesundheitsversorgung ein Beitrag, der sich am Einkommen orientiert. In den Vereinigten Staaten ist sie ein Produkt, das sich am Alter, am Wohnort und am Tarif orientiert. Wer wenig verdient, zahlt nicht weniger, er bekommt nur eventuell einen Zuschuss. Fällt der weg, zahlt er den vollen Preis.
Deshalb ist die Frage nach der Krankenversicherung in Amerika nie eine Nebenfrage. Sie ist die Frage, an der Umzugspläne scheitern, und zwar meistens erst im zweiten Jahr, wenn die Realität die Kalkulation eingeholt hat.
Was das für die verschiedenen Gruppen heißt
Angestellte in einer amerikanischen Gesellschaft. Ihr seid am besten dran. Arbeitgeberversicherungen sind in den Vereinigten Staaten der Normalfall für qualifizierte Stellen, der Arbeitgeber trägt typischerweise den größeren Teil der Prämie, und der Marktplatz mit seinen Zuschüssen spielt für euch keine Rolle.
Selbständige und Gesellschafter kleiner Gesellschaften. Ihr seid die Gruppe, die es trifft. Wer über den Marktplatz versichert ist und mit dem Einkommen über der Grenze liegt, zahlt ab diesem Jahr voll.
Rentner unter 65. Die härteste Konstellation. Die staatliche Absicherung greift erst mit 65. Wer mit 58 auswandert, hat sieben Jahre voll zu finanzieren, in genau der Lebensphase, in der Prämien am höchsten sind. Wie Ruheständler Krankenversicherung und Länderwahl grundsätzlich angehen, behandelt unsere Schwesterseite Ruhestand im Ausland.
Wer über 65 ist, muss die Anwartschaften prüfen. Die amerikanische Altersversorgung im Gesundheitsbereich setzt Beitragszeiten voraus, die ein Einwanderer im späten Lebensalter oft nicht mehr erreicht.
Was du praktisch tun kannst
Rechne mit der Prämie, nicht mit dem Zuschuss. Jede Planung, die auf einem Zuschuss aufbaut, hängt an einer politischen Entscheidung. Genau das haben wir gerade erlebt.
Prüfe die Gruppenversicherung über die eigene Gesellschaft. Wer eine amerikanische Kapitalgesellschaft hat und dort angestellt ist, kann unter Umständen eine Gruppenversicherung abschließen, die anders kalkuliert ist als der Einzelmarkt. Das ist eine der wenigen Stellen, an denen die Wahl der Rechtsform unmittelbar auf die Lebenshaltung durchschlägt.
Verstehe die Begriffe, bevor du unterschreibst. Deductible, Coinsurance, Out-of-Pocket-Maximum, Netzwerk. Ein Tarif mit niedriger Prämie und 15.000 Dollar Selbstbehalt ist keine Versicherung im europäischen Sinne, sondern ein Katastrophenschutz. Wir haben das in Selbstbehalt, in Coinsurance und in HMO, PPO, POS und EPO auseinandergenommen.
Und plane das Einkommen des Jahres bewusst. Das ist der unangenehmste, aber ehrlichste Rat. Wo eine harte Einkommenskante existiert, entscheidet die Steuerplanung mit darüber, auf welcher Seite du landest. Für Selbständige mit gestaltbaren Einkünften ist das kein Trick, sondern normale Vorsorge.
Die politische Lage, nüchtern
Der Streit um genau diese Zuschüsse war einer der Auslöser des Haushaltsstillstands im Herbst. Er ist mit dem Auslaufen nicht beendet, sondern nur in ein neues Jahr verschoben.
Ob eine rückwirkende Verlängerung kommt, weiß niemand. Was du sicher weißt: Für das laufende Jahr gilt die Rechtslage, wie sie ist. Wer seine Versicherung auf eine mögliche spätere Gesetzesänderung stützt, versichert sich bei der Politik statt bei einem Versicherer.
Wie du die Prämie realistisch schätzt, bevor du umziehst
Der einzige belastbare Weg führt über die offiziellen Marktplätze der Bundesstaaten, und zwar mit echten Daten: dein Alter, das Alter deines Partners, das Alter der Kinder, die Postleitzahl deines Zielorts und dein geschätztes Haushaltseinkommen für das kommende Jahr.
Zwei Dinge überraschen Europäer dabei fast immer. Erstens: Die Prämie hängt massiv am Alter. Zwischen einem Fünfundvierzigjährigen und einem Sechzigjährigen liegt im selben Tarif oft der Faktor zwei bis drei. Zweitens: Sie hängt am Ort. Derselbe Haushalt zahlt in einem Bundesstaat deutlich mehr als in einem anderen, und innerhalb eines Bundesstaats unterscheiden sich die Regionen.
Das heißt: Die Frage, wo du in Amerika wohnst, ist auch eine Gesundheitskostenfrage. Wer flexibel ist, sollte die Prämien für seine engere Auswahl an Orten nebeneinanderlegen, bevor er sich entscheidet. Der Unterschied kann größer sein als die Mietdifferenz.
Die zwei Fallen, in die deutsche Auswanderer regelmäßig laufen
Die Reiseversicherung als Dauerlösung. Internationale Krankenversicherungen für Expatriates sind attraktiv kalkuliert, solange man jung und gesund ist. Sie sind aber in aller Regel keine Versicherung, die den amerikanischen Anforderungen genügt, und sie kündigen oder verteuern sich, wenn es ernst wird. Für einen befristeten Aufenthalt können sie richtig sein. Für einen Umzug sind sie es fast nie.
Der Verzicht auf Vorsorge, um die Selbstbeteiligung zu vermeiden. Das ist die stillste und teuerste Falle. Wer einen Tarif mit hohem Selbstbehalt hat, verschiebt Untersuchungen, weil jede etwas kostet. Diagnosen kommen später und Behandlungen werden teurer. Amerikanische Tarife sehen deshalb Vorsorgeleistungen üblicherweise ohne Selbstbehalt vor. Man muss nur wissen, welche das sind, und sie nutzen.
Was die deutsche Seite dazu sagt
Ein Punkt, den fast alle vergessen: Wer Deutschland verlässt, verlässt auch die gesetzliche Krankenversicherung. Eine Anwartschaft kann man in bestimmten Konstellationen erhalten, eine private Versicherung kann man ruhen lassen, beides kostet und beides muss vor dem Wegzug geregelt werden.
Wer nach zehn Jahren Amerika zurückkommt und dann feststellt, dass der Weg zurück in die gesetzliche Versicherung versperrt ist, hat ein Problem, das mit Geld nur schwer zu lösen ist. Das gehört auf die Liste der Dinge, die vor dem Umzug geklärt werden, zusammen mit der Rentenversicherung und den steuerlichen Folgen des Wegzugs. Was der Wegzug aus Deutschland steuerlich auslöst, sortiert unsere Schwesterseite Wohnsitz Ausland.
Eine Rechnung, die man einmal aufschreiben sollte
Nimm ein Ehepaar, 54 und 52, zwei Kinder, Selbständige, Zielort mittelgroße Stadt in Texas. Ein solides Familienangebot am Markt liegt schnell bei 1.800 bis 2.200 Dollar Monatsprämie, dazu ein Familienselbstbehalt im mittleren vierstelligen Bereich und eine jährliche Höchstbelastung, die je nach Tarif fünfstellig wird.
Realistisch kalkuliert bedeutet das für ein Jahr ohne besondere Ereignisse rund 25.000 Dollar. In einem Jahr mit einer ernsten Erkrankung eher 35.000. Das ist die Zahl, die in eine ehrliche Umzugsplanung gehört, und sie ist unabhängig davon, wie gut das Geschäft läuft.
Dagegen steht die Entlastung auf der Steuerseite. Ein Paar mit diesem Profil zahlt in Texas keine Landeseinkommensteuer und liegt auf Bundesebene je nach Gewinn deutlich unter der deutschen Gesamtbelastung aus Einkommensteuer und Sozialabgaben. Für viele Selbständige gleicht sich das aus, für manche mehr als das.
Aber es gleicht sich nur aus, wenn man beide Seiten aufschreibt. Wer nur den Steuersatz vergleicht, kommt zu einem falschen Ergebnis, und zwar systematisch zugunsten Amerikas.
Der Satz, den ich Mandanten mitgebe
Gesundheit ist in den Vereinigten Staaten kein soziales Recht, sondern ein Vertrag. Verträge kann man verhandeln, vergleichen und optimieren, aber man muss sie abschließen, lesen und bezahlen.
Wer das akzeptiert, hat in diesem Land Zugang zu einer Medizin, die einen im Ernstfall staunen lässt. Wer darauf hofft, dass es schon irgendwie geregelt sein wird, wie zu Hause, erlebt die härteste Enttäuschung, die dieses Land bereithält.
Was das über das Land sagt
Man kann dieses System für grausam halten. Viele Amerikaner tun das auch, und die Debatte darüber ist eine der bittersten dieses Landes.
Man sollte aber die andere Seite kennen. Die medizinische Versorgung in den Vereinigten Staaten ist, wenn man Zugang hat, außergewöhnlich. Kurze Wartezeiten, moderne Geräte, Spezialisten ohne Überweisungskette, Behandlungen, die in Europa erst Jahre später ankommen.
Der Handel, den dieses Land anbietet, ist also nicht schlechte Medizin gegen niedrige Steuern. Es ist exzellente Medizin gegen ein finanzielles Risiko, das du selbst tragen musst. Wer dieses Risiko einpreist, kann hier sehr gut leben. Wer es verdrängt, geht ein Wagnis ein, das im Ernstfall existenziell wird.
Wenn du deine Absicherung vor dem Umzug durchrechnen willst, sprich mit der Kanzlei Mount Bonnell in Austin, Texas. Der Überblick über das System steht in US-Gesundheitswesen und Krankenversicherung, der Kostenteil in Krankenversicherung und Gesundheitswesen.
Beratung & Umsetzung
Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.