Viele Europäer, die Amerika nicht kennen, gehen davon aus, dass die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung gar nicht oder nur unzureichend krankenversichert ist. Dies ist natürlich nicht der Fall. Nach den Zahlen des U.S. Census Bureau waren 86,6 % der Amerikaner bereits 2013 krankenversichert, im letzten Jahr vor den großen Ausbaustufen von Obamacare; 2024 waren es 92 %, also 310 Millionen Menschen (Bericht P60-288, September 2025).
US-Gesundheitswesen & Krankenversicherung: der Themen-Hub
Alle Fachbeiträge auf einen Blick: von HMO, PPO und Obamacare über Selbstbehalt und Coinsurance bis zu den aktuellen Prämien.

Die Mehrheit der US-Bevölkerung ist über den Arbeitgeber privat krankenversichert. Ehepartner und Kinder sind üblicherweise mitversichert. Personen ab 65 nutzen das staatliche Programm Medicare. Der Staat finanziert damit die medizinische Versorgung aller Senioren. Veteranen und ihre Familien haben kostenlosen Zugang zu einem separaten staatlichen Gesundheitssystem mit eigenen Ärzten und Krankenhäusern. Sozialhilfeempfänger sind über das staatliche Gesundheitsfürsorgeprogramm Medicaid abgesichert.
Das Elend der Unterversorgung und Obamacare
Freilich ist die medizinische Unterversorgung der nicht Krankenversicherten ein großes gesellschaftliches Problem, das zu Leid und Elend führt. Und nach europäischem Verständnis gibt es zu Recht die Erwartung, dass der Staat hier beschützend eingreifen muss. Die medizinische Versorgung in einem wohlhabenden Land sollte als ein Grundrecht für alle Bürger anerkannt werden: leider teilen viele US-Politiker diese Ansicht nicht.

Mit Obamacare wurde 2010 eine Versicherungspflicht für alle US-Bürger eingeführt. Die Strafzahlung dafür liegt seit 2019 bei null, die Pflicht ist auf Bundesebene also nicht mehr bewehrt. Personen, die die Krankenversicherung nicht bezahlen können, erhalten staatliche Zuschüsse. Die Versicherungsunternehmen dürfen auch niemanden mehr aufgrund von Vorerkrankungen ausschließen. Obamacare soll somit jene US-Bürger absichern, die keine Versicherung über den Arbeitgeber erhalten, noch nicht 65 sind und zu viel verdienen, um Medicaid nutzen zu können.
Aus meiner Sicht ist Obamacare nicht perfekt, aber ein wichtiger und ein mutiger Schritt in die richtige Richtung. Dass die Republikaner das Gesetz laufend torpedieren ist beispielhaft für die tiefe politische Kluft und Parteipolitik, die das politische Leben in den USA seit Jahren lähmen.
Obamacare hin oder her: Wenn du in die USA umziehst, wirst du sehr umfassend krankenversichert sein und mit der überwältigenden Mehrheit der Amerikaner ein Gesundheitssystem nutzen können, das an Komfort und Modernität seinesgleichen sucht.
Erfahrungsbericht zum US-Gesundheitssystem: Nachts um 22 Uhr in die Notaufnahme
Wie service-orientiert die medizinische Versorgung in den USA ist, soll ein Erfahrungsbericht aus meiner Zeit in den USA verdeutlichen: In 2017 hatte meine damalige Freundin auf einmal ungewöhnlich starke Magenschmerzen. Als diese auch spät abends nicht besser wurden, beschloss ich, sie in die Notaufnahme eines nahe gelegenen Krankenhauses zu fahren. Meine Freundin war, wie in den USA üblich, über den Arbeitgeber versichert.

10 Minuten nach Ankunft in der Notaufnahme war sie dann bereits im Behandlungszimmer. Nach weiteren 10 Minuten kam der Arzt und verabreichte ihr erstmals eine Opium-Spritze gegen die Schmerzen.
Dann ging es im schnellen Takt weiter: Von Ultraschall bis Computertomografie und Röntgen wurde meine Freundin in den nächsten eineinhalb Stunden komplett durchgecheckt. Heraus kam: nichts. Es waren tatsächlich nur Magenschmerzen.
Meine Freundin musste übrigens im Krankenhaus gar nichts bezahlen. Das Krankenhaus rechnete direkt mit der Krankenversicherung ab.
An obigem Beispiel wird auch das Problem des amerikanischen Gesundheitswesens deutlich: Die Behandlung artet schnell in den totalen Overkill aus und es werden medizinische Maßnahmen angeordnet, die augenscheinlich absolut unnötig und ineffizient sind.
Wie so oft in Amerika geht es auch beim Gesundheitssystem ums Business und ums Geldverdienen. Gesundheit ist in den USA ein Geschäft und nicht Caritas. Kein Land gibt pro Kopf mehr für Gesundheit aus als die USA. Kein Land gibt pro Kopf mehr für Gesundheit aus. Nach den National Health Expenditure Accounts der US-Behörde CMS lagen die US-Gesundheitsausgaben 2024 bei 18,0 % des Bruttoinlandsprodukts und 15.474 Dollar je Kopf; in Deutschland sind es rund 12 %.
Mehr zu deinen Visa-Optionen, wenn du selbst in die USA ziehen möchtest, findest du hier.
Gute Versorgung, steigende Prämien
Zur Einordnung die heutigen Zahlen: Nach der Arbeitgeberbefragung der Kaiser Family Foundation kostete eine Familienpolice 2025 im Schnitt 26.993 Dollar im Jahr, wovon Beschäftigte im Mittel 6.850 Dollar selbst tragen; eine Einzelpolice lag bei 9.325 Dollar. Der durchschnittliche Selbstbehalt betrug 1.886 Dollar. Alle aktuellen Werte und ihre Quellen stehen auf unserer Seite zur durchschnittlichen US-Krankenversicherungsprämie. Der folgende Erfahrungsbericht stammt aus dem Jahr 2017 und zeigt die Größenordnung von damals.
Aber man muss anerkennen, dass auch den meisten Normalbürgern in den USA hervorragende medizinische Behandlung zur Verfügung steht. Dies gilt insbesondere für den Zugang zu den neuesten Medikamenten (z.B. in der Krebsbehandlung), die oftmals in Europa von den Kassen gar nicht bezahlt werden.

Natürlich hat das System seinen Preis und die Prämien zur Krankenversicherung werden immer teurer. In 2017 betrug die monatliche Prämie für die Krankenversicherung für mich und meine Kinder 1.600 $ im Monat. Der Selbstbehalt für die Krankenhaus-Behandlung betrug pro Familienmitglied 3.000 $/Jahr (maximal 7.500 $ für die ganze Familie). Bei jedem Hausarztbesuch war eine Praxisprämie von 40 $ fällig. Aber das war meine konkrete Police. Freilich gibt es zahllose Variationen und Optionen hinsichtlich Versicherungsgesellschaften und verfügbaren Policen. Als Grundsatz gilt dabei: Je höher die Prämie, desto geringer die Zuzahlungen.
Aber der Punkt ist eben der: Wenn du einigermaßen gut verdienst (und nur dann würdest du ja in die USA umziehen), sind auch solche Versicherungsprämien absolut hinnehmbar und finanzierbar. Außerdem würdest du die Police ohnehin über deinen US-Betrieb laufen lassen und somit die Kosten als Betriebsausgaben absetzen. Mehr Informationen und eine detaillierte Übersicht zur US-Krankenversicherung findest du hier. Die wichtigsten Begriffe und Informationen rund um die US-Krankenversicherung findest du hier.
Alle weiteren Aspekte deines Umzugs, von den Lebenshaltungskosten über das Schulwesen bis zur US-Steuerplanung, findest du in unserer Übersicht zum Umzug in die USA.