Die USA sind das mit Abstand größte Ziel ausländischer Direktinvestitionen der Welt. Aber die Frage, in welche Bundesstaaten dieses Geld tatsächlich fließt, wird selten sauber beantwortet, weil fast jede Liste ein anderes Maß verwendet und keine sagt, welches.
Wir sagen es: Diese Seite rangiert nach den Erstjahresausgaben ausländischer Direktinvestoren, erhoben vom U.S. Bureau of Economic Analysis (BEA), summiert über die Jahre 2024 und 2025. Das ist Geld, das nachweislich geflossen ist, nicht Geld, das jemand angekündigt hat. Der Datensatz wurde am 10. Juni 2026 veröffentlicht und ist damit der aktuellste vollständige Staatenvergleich, den es gibt.
Die Zahl, die alles andere erklärt
Bevor du dir die Rangliste ansiehst, eine Zahl, die den meisten Standortbroschüren fehlt. Von den 232,2 Milliarden Dollar, die ausländische Investoren 2025 in den USA ausgegeben haben, entfielen 218,4 Milliarden auf den Kauf bestehender US-Unternehmen. Auf die Gründung neuer Betriebe entfielen 4,6 Milliarden, auf die Erweiterung bestehender 9,2 Milliarden.
Anders gesagt: Rund 94 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in den USA sind Übernahmen, keine Neugründungen. 2024 war das Verhältnis praktisch identisch. Wenn du also liest, ein Bundesstaat sei „der beliebteste für ausländische Investoren", dann heißt das in aller Regel: Dort wurden Firmen gekauft. Es heißt nicht, dass dort besonders gute Bedingungen für den Aufbau eines neuen Betriebs herrschen. Diese Unterscheidung ist für dich als Gründer die wichtigste auf dieser Seite, und wir kommen weiter unten auf sie zurück.
Die 10 beliebtesten US-Bundesstaaten
Erstjahresausgaben ausländischer Direktinvestoren, 2024 und 2025 zusammen, in Milliarden Dollar. In Klammern die Beschäftigten, die 2025 in den neu erworbenen, gegründeten oder erweiterten US-Betrieben arbeiteten.
- Kalifornien: 73,1 Mrd. $ (37.200 Beschäftigte)
- Texas: 43,5 Mrd. $ (16.500)
- Illinois: 29,0 Mrd. $ (17.600)
- Massachusetts: 25,0 Mrd. $ (4.600)
- Pennsylvania: 22,5 Mrd. $ (12.800)
- New Jersey: 20,7 Mrd. $ (2.800)
- Michigan: 17,6 Mrd. $ (8.600)
- Georgia: 17,2 Mrd. $ (3.700)
- North Carolina: 15,1 Mrd. $ (5.300)
- New York: 12,9 Mrd. $ (7.400)
1. Kalifornien
Kalifornien steht wieder an der Spitze, und zwar deutlich. Allein 2025 flossen 59,7 Milliarden Dollar in den Staat, mehr als in die Plätze 3 und 4 zusammen. Ältere Übersichten, auch unsere frühere Fassung dieser Seite, sahen Texas vorn. Das war ein anderes Jahr und ein anderes Maß.
Bemerkenswert ist die Zusammensetzung: 98,8 Prozent der kalifornischen Summe sind Firmenkäufe. Kalifornien ist der Ort, an dem ausländische Konzerne amerikanische Unternehmen kaufen, nicht der Ort, an dem sie Fabriken bauen. Für den Kaufpreis eines kalifornischen Softwarehauses bekommst du anderswo ein Werk.
2. Texas
Texas ist mit 43,5 Milliarden Dollar über beide Jahre der einzige Staat, der 2024 und 2025 jeweils über 21 Milliarden anzog, also ohne Ausreißerjahr. Wichtiger für dich: Mit 2,76 Milliarden Dollar in Neugründungen und Erweiterungen ist Texas nach Louisiana der zweitstärkste Greenfield-Standort der USA und der einzige, der das mit einem großen Übernahmemarkt kombiniert. Keine Einkommensteuer auf Ebene des Bundesstaates, ein tiefer Arbeitsmarkt, Häfen am Golf. Unsere Kanzlei sitzt in Austin, und wir sagen dazu mehr unter Texas als US-Standort.
3. Illinois
Illinois zieht in beiden Jahren zweistellige Milliardenbeträge an und liegt bei den Beschäftigten mit 17.600 sogar vor Texas. Chicago ist die Drehscheibe des amerikanischen Binnenlands, mit Schienengüterverkehr, Lebensmittelindustrie und Maschinenbau. Der Greenfield-Anteil ist mit 0,1 Prozent allerdings der niedrigste im Feld: Hier wird gekauft, nicht gebaut.
4. Massachusetts
Der Neuzugang in dieser Liste. 2025 flossen 19,2 Milliarden Dollar nach Massachusetts, nahezu vollständig in Übernahmen. Der Grund liegt in der Konzentration von Biotechnologie und Pharmaforschung rund um Boston und Cambridge. Wer als europäisches Unternehmen amerikanische Forschungskapazität einkaufen will, kauft sie hier.
5. Pennsylvania
Pennsylvania ist der auffälligste Sprung: 1,6 Milliarden Dollar 2024, dann 20,9 Milliarden 2025. Ein einzelnes Jahr mit einer sehr großen Transaktion kann einen Staat in dieser Statistik nach oben katapultieren. Genau deshalb rechnen wir zwei Jahre zusammen und nennen beide Werte einzeln.
6. New Jersey
Spiegelbildlich zu Pennsylvania: 18,9 Milliarden Dollar 2024, nur noch 1,8 Milliarden 2025. New Jersey hat die höchste Bevölkerungsdichte der USA, liegt im Rücken des Hafens von New York und ist traditionell Standort der Pharmaindustrie. Auffällig ist die niedrige Beschäftigtenzahl von 2.800: Es wurden wenige, sehr teure Unternehmen gekauft.
7. Michigan
Michigan zog 2025 mit 15,6 Milliarden Dollar mehr an als in den Jahren davor. Der Staat ist und bleibt das Zentrum der amerikanischen Automobilindustrie, und die Verschiebung der Antriebstechnik hält den Markt für Zulieferer in Bewegung. Für deutsche und österreichische Zulieferer ist Michigan der Ort, an dem der Kunde sitzt.
8. Georgia
Georgia trug 2024 mit 16,3 Milliarden Dollar den größeren Teil bei. Der Hafen von Savannah und die Ansiedlungen entlang der Interstate 85 haben den Staat zu einem Schwerpunkt der Fertigung im Südosten gemacht. Die Beschäftigtenzahl von 3.700 zeigt aber auch hier: kapitalintensiv, nicht arbeitsintensiv.
9. North Carolina
Der interessanteste Staat auf dieser Liste, wenn du bauen willst statt kaufen. North Carolina hat mit 1,47 Milliarden Dollar in Neugründungen und Erweiterungen einen Greenfield-Anteil von 9,7 Prozent, den höchsten unter den zehn Größten und weit über dem Bundesdurchschnitt von rund 6 Prozent. Dahinter stehen der Research Triangle Park mit seiner Biotechnologie- und Pharmadichte sowie Ansiedlungen in der Fläche.
10. New York
New York schließt die Liste mit 12,9 Milliarden Dollar. Der Staat ist Finanzplatz und Sitzstaat für Nordamerikazentralen, nicht Produktionsstandort. Wer eine Repräsentanz sucht, findet hier alles. Wer eine Rechtsform mit niedrigen laufenden Kosten sucht, sollte New York genau durchrechnen: Der Staat hat eine eigene Einkommensteuer von 4 bis 10,9 Prozent, und New York City erhebt zusätzlich eine kommunale.
Wenn du bauen willst statt kaufen: eine andere Rangliste
Nimmt man nur die Neugründungen und Erweiterungen, also das, was ein europäischer Mittelständler beim Markteintritt tatsächlich tut, dreht sich das Bild vollständig. Erstjahresausgaben für neu gegründete und erweiterte Betriebe, 2024 und 2025 zusammen, in Millionen Dollar:
- Louisiana: 2.956
- Texas: 2.760
- Arizona: 2.749
- Wyoming: 2.601
- New Mexico: 1.600
- North Carolina: 1.472
- Delaware: 1.367
- Virginia: 1.028
- Florida: 1.024
- Kalifornien: 897
Louisiana, Arizona, Wyoming und New Mexico tauchen in der Gesamtliste gar nicht auf, führen aber beim Neubau. Das sind Standorte mit billiger Energie, viel Fläche und aktiver Ansiedlungspolitik. Wenn du eine Produktion, ein Lager oder ein Rechenzentrum planst, ist das die Liste, die dich angeht, nicht die obere.
Woher das Geld kommt
2025 stand Japan mit 50,5 Milliarden Dollar an der Spitze der Herkunftsländer, gemessen am wirtschaftlich Berechtigten. Dahinter folgt Deutschland mit 26,7 Milliarden Dollar, dann Kanada mit 23,5 Milliarden. Auf Europa insgesamt entfielen 116,6 Milliarden Dollar und damit 50,2 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in den USA, auf Asien und den Pazifikraum 71,9 Milliarden.
Deutschland ist also das zweitgrößte Herkunftsland der Welt für Direktinvestitionen in den USA. Du bist mit deinem Vorhaben in bester Gesellschaft, und du triffst vor Ort auf ein Beratungs- und Zuliefererumfeld, das mit deutschen Unternehmen umgehen kann.
Nach Branchen ging 2025 der größte Teil in das verarbeitende Gewerbe: 121,8 Milliarden Dollar oder 52,5 Prozent der Gesamtsumme. Innerhalb der Industrie führten das Verlagswesen mit 50,7 Milliarden, die Chemie mit 45,4 Milliarden und die Kunststoff- und Gummiverarbeitung mit 19,0 Milliarden.
Was diese Zahlen nicht sagen
Drei Einschränkungen, die du kennen solltest, bevor du eine Standortentscheidung darauf stützt:
- Ein Jahr ist keine Reihe. Eine einzige Milliardenübernahme verschiebt einen Bundesstaat um zehn Plätze. Pennsylvania und New Jersey sind in dieser Liste jeweils Beispiele dafür. Deshalb zwei Jahre, deshalb beide Einzelwerte.
- Zufluss ist nicht Bestand. Die Erstjahresausgaben messen, was neu hinzukommt. Was bereits da ist, misst das BEA getrennt: Die mehrheitlich ausländisch kontrollierten US-Tochtergesellschaften beschäftigten 2024 rund 8,57 Millionen Menschen in den USA, also 6,1 Prozent aller Beschäftigten der Privatwirtschaft. Diese Zahl stammt aus der Erhebung vom 10. Juli 2026 und bewegt sich von Jahr zu Jahr kaum.
- Beliebt heißt nicht günstig. Kalifornien und New York stehen weit oben, obwohl beide zu den teuersten und steuerlich anspruchsvollsten Bundesstaaten gehören. Das Kapital folgt dort dem Zielunternehmen, nicht dem Steuersatz.
Was das für deinen US-Markteintritt heißt
Für die meisten unserer Mandanten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die entscheidende Erkenntnis dieser Seite die 94-Prozent-Zahl. Der typische ausländische Direktinvestor in den USA ist ein Konzern, der ein amerikanisches Unternehmen kauft. Du bist das nicht. Du gründest, und dafür gelten andere Kriterien: Steuerbelastung, Verfügbarkeit von Personal, Nähe zum Kunden, Aufwand der laufenden Compliance.
Der Bundesstaat, in dem du deine Gesellschaft registrierst, muss außerdem nicht der sein, in dem du tätig bist. Das sind zwei getrennte Entscheidungen mit unterschiedlichen Kriterien, und wir behandeln sie unter Welcher US-Bundesstaat ist der beste Standort sowie unter Bundesstaat und Rechtsform.
Weiter zum Thema: unsere Übersicht zu ausländischen Direktinvestitionen in den USA ordnet die rechtlichen Rahmenbedingungen ein, von der Meldepflicht bis zur Prüfung durch das CFIUS. Wenn du wissen willst, wohin die Menschen ziehen statt das Kapital, findest du das unter Wo in Amerika lebt sich's am besten. Und zur steuerlichen Seite deines Markteintritts geht es zu den steuerlichen Überlegungen beim Markteintritt.
Datenstand: U.S. Bureau of Economic Analysis, New Foreign Direct Investment in the United States 2025, veröffentlicht am 10. Juni 2026 (Tabellen 3 und 18, Erstjahresausgaben und Beschäftigung nach Bundesstaat, Datenjahre 2024 und 2025); BEA, Activities of U.S. Affiliates of Foreign Multinational Enterprises 2024, veröffentlicht am 10. Juli 2026. Nächste Fortschreibung mit dem BEA-Datenjahr 2026 im Juni 2027.