Der Ausgang aus Amerika kostet ab April 450 statt 2.350 Dollar, und das ist keine gute Nachricht
Das State Department senkt die Gebühr für die Bescheinigung über den Verlust der Staatsangehörigkeit von 2.350 auf 450 Dollar. Wer jetzt aufatmet, hat den teureren Teil noch nicht gesehen.
Es ist eine der bittersten Entscheidungen, die ein Mensch treffen kann, und für erstaunlich viele Deutsche ist sie die richtige: die amerikanische Staatsbürgerschaft aufzugeben.
238 Mal im Jahr sucht jemand aus dem deutschsprachigen Raum bei uns danach. Das sind keine Steuerflüchtlinge. Das sind Menschen, die in Boston geboren wurden und seit dreißig Jahren in Bayern leben, deren Bank Fragen stellt und deren Steuerberater seit Jahren mit einer Erklärungspflicht kämpft, von der sie bis vor Kurzem nichts wussten.
Für diese Menschen ist am 13. März 2026 eine gute Nachricht erschienen. Und eine, die man richtig einordnen muss.
Was beschlossen wurde
Das amerikanische Außenministerium hat seine Gebührenordnung für konsularische Leistungen geändert. Die Gebühr für die Bearbeitung eines Antrags auf eine Bescheinigung über den Verlust der amerikanischen Staatsangehörigkeit sinkt von 2.350 auf 450 Dollar.
Die Regel wird am 13. April 2026 wirksam. Veröffentlicht wurde sie am 13. März 2026 im Federal Register, dem amerikanischen Bundesanzeiger, als endgültige Regel.
Zur Einordnung: 2.350 Dollar waren mit Abstand die höchste Gebühr dieser Art weltweit. Sie war 2014 von 450 auf diesen Betrag angehoben worden und stand seither in der Kritik, weil sie ein verfassungsrechtlich verbürgtes Recht faktisch verteuerte.
Jetzt geht es zurück auf den alten Wert.
Warum das trotzdem keine gute Nachricht ist
Weil die Gebühr nie das Problem war. Sie war das Sichtbare an einem Vorgang, dessen eigentliche Kosten woanders liegen.
Wer die amerikanische Staatsbürgerschaft aufgibt, muss steuerlich sauber sein. Das heißt konkret: Er muss für die letzten fünf Jahre nachweisen, dass er seinen amerikanischen Steuerpflichten nachgekommen ist. Wer das nicht kann, wird als sogenannter deckungspflichtiger Ausbürgerer behandelt, und dann greift eine Regelung, die es in sich hat.
Sie behandelt das gesamte Vermögen so, als wäre es am Tag vor der Ausbürgerung verkauft worden. Der fiktive Gewinn wird besteuert, über einem Freibetrag. Für jemanden mit einer abbezahlten Immobilie, einem gewachsenen Depot und einer Unternehmensbeteiligung kann das eine sechsstellige Rechnung sein.
Die 450 Dollar sind also der Preis für den Termin. Nicht der Preis für den Vorgang.
Wer überhaupt betroffen ist
Die Gruppe ist größer und stiller, als man denkt. Sie besteht im deutschsprachigen Raum vor allem aus drei Arten von Menschen.
Zufallsamerikaner. In den Vereinigten Staaten geboren, als Kind weggezogen, nie dort gelebt. Nach dem vierzehnten Zusatzartikel Staatsbürger, mit allen steuerlichen Folgen. Viele erfahren davon durch ihre Bank, weil Geldinstitute im Rahmen des amerikanischen Meldesystems den Geburtsort prüfen.
Rückkehrer. Menschen, die Jahre in Amerika gelebt und dort eingebürgert wurden, dann zurückgingen und jetzt feststellen, dass die Steuerpflicht mitgereist ist.
Kinder von Amerikanern. Wer im Ausland geboren wurde und mindestens einen amerikanischen Elternteil mit ausreichender Aufenthaltszeit hat, kann die Staatsangehörigkeit abgeleitet haben, ohne je registriert worden zu sein.
Der Weg, den man gehen sollte, bevor man aufgibt
In sehr vielen Fällen ist die Ausbürgerung nicht die beste Lösung, sondern die letzte. Vorher steht die Frage, ob die steuerliche Belastung überhaupt so hoch ist, wie sie sich anfühlt.
Die Wahrheit ist für die meisten Betroffenen erleichternd: Wer in Deutschland lebt, dort Steuern zahlt und ein normales Einkommen hat, zahlt in den Vereinigten Staaten am Ende oft null. Das Doppelbesteuerungsabkommen und die Anrechnung ausländischer Steuern sorgen dafür. Was bleibt, ist Erklärungsaufwand, nicht Steuerlast.
Unangenehm wird es in bestimmten Konstellationen: bei Anteilen an ausländischen Kapitalgesellschaften, bei Fondsanlagen, die das amerikanische Recht als passive ausländische Investmentgesellschaft behandelt, bei bestimmten Formen der Altersvorsorge und beim Verkauf einer selbstgenutzten Immobilie mit hohem Gewinn.
Wer also überlegt, sollte zuerst rechnen lassen, was die Beibehaltung tatsächlich kostet. Für viele ist die Antwort: erstaunlich wenig.
Und wenn die Antwort doch Ausbürgerung lautet
Dann führt der Weg über eine Reihenfolge, die man nicht umdrehen darf.
Zuerst die steuerliche Sanierung. Wer Erklärungen versäumt hat, holt sie nach, in aller Regel über das vereinfachte Verfahren für nicht vorsätzliche Versäumnisse. Das steht nur offen, solange die Behörde nicht selbst auf dich zugekommen ist. Der Ablauf steht in Streamlined Filing.
Dann die Prüfung, ob die Ausbürgerungssteuer greift. Sie hängt an Vermögensgrenzen, an der durchschnittlichen Steuerlast der letzten Jahre und an der Frage, ob die fünf Jahre bestätigt werden können.
Erst danach der konsularische Termin, der Eid und die Bescheinigung. Und im Jahr darauf noch eine letzte Erklärung, die den Vorgang abschließt.
Wer diese Reihenfolge umdreht und zuerst zum Konsulat geht, verliert Gestaltungsmöglichkeiten, die er vorher noch hatte.
Die Zahlen hinter dem Thema
Das amerikanische Finanzministerium veröffentlicht vierteljährlich eine Liste der Personen, die ihre Staatsangehörigkeit aufgegeben haben. Diese Liste ist öffentlich, und sie ist ein bemerkenswertes Dokument.
Über Jahrzehnte lagen die Zahlen im niedrigen dreistelligen Bereich pro Jahr. Seit der Einführung des amerikanischen Meldesystems für ausländische Konten und der damit verbundenen Sichtbarkeit sind sie sprunghaft gestiegen und liegen seither regelmäßig im vierstelligen Bereich, in Spitzenjahren deutlich darüber.
Der Grund ist selten Steuerlast. Er ist Aufwand und Zugang. Menschen geben ihren Pass auf, weil europäische Banken ihnen keine Depots mehr eröffnen, weil Altersvorsorgeprodukte für sie nicht verfügbar sind, weil ihr Steuerberater jedes Jahr vierstellig kostet für eine Erklärung, die am Ende null ergibt.
Das ist die stille Tragik dieses Themas: Es trifft überwiegend Menschen mit normalen Einkommen, für die der amerikanische Pass keinen praktischen Wert mehr hat und nur noch Reibung erzeugt.
Was du auf keinen Fall tun solltest
Einfach aufhören zu erklären. Die Staatsangehörigkeit erlischt nicht durch Nichtstun. Sie erlischt durch einen förmlichen Akt vor einem Konsularbeamten. Wer nur aufhört, hat eine wachsende Lücke und keine Lösung.
Den Pass ablaufen lassen. Ein abgelaufener Pass beendet keine Staatsangehörigkeit. Er beendet nur die Möglichkeit, damit zu reisen, und schafft an der amerikanischen Grenze ein zusätzliches Problem, weil amerikanische Staatsbürger mit amerikanischem Pass einreisen müssen.
Das Thema den Kindern vererben. Wer die Staatsangehörigkeit an seine Kinder weitergegeben hat, ohne es zu wissen, sollte das klären, solange die Kinder jung sind. Für Minderjährige gelten eigene Regeln, und die Vermögenslage eines Achtzehnjährigen ist einfacher als die eines Fünfzigjährigen.
Der Grundsatz lautet: Dieses Thema wird mit der Zeit nicht kleiner. Es wird teurer, weil Vermögen wächst und Lücken sich addieren.
Die Alternative, die viele übersehen
Zwischen dem Behalten und dem Aufgeben liegt ein dritter Weg, der für einen Teil der Betroffenen der richtige ist: die Staatsangehörigkeit behalten und die Reibung reduzieren.
Das heißt in der Praxis: Anlageformen wählen, die das amerikanische Recht nicht bestraft. Also keine europäischen Investmentfonds, die als passive ausländische Investmentgesellschaften behandelt werden, sondern direkte Wertpapiere oder amerikanische Fonds. Also keine Konstruktionen mit ausländischen Kapitalgesellschaften ohne Not.
Wer sein Vermögen so aufstellt, dass es aus amerikanischer Sicht unauffällig ist, hat eine Steuererklärung, die Aufwand macht und wenig kostet. Wer das nicht tut, hat jedes Jahr eine Diskussion.
Für einen Zufallsamerikaner mit einem Depot und einem Haus ist das oft die vernünftigere Entscheidung als eine Ausbürgerung mit allem, was daran hängt.
Wie das Verfahren im Konsulat abläuft
Für die, die diesen Weg gehen, hier der praktische Ablauf, weil er sich von allem unterscheidet, was man aus deutschen Behörden kennt.
Der Vorgang findet in einem amerikanischen Konsulat statt, in Deutschland in Frankfurt, München oder Berlin. Er kann nicht schriftlich, nicht digital und nicht in den Vereinigten Staaten erledigt werden. Es braucht einen persönlichen Termin, und in vielen Konsulaten braucht es zwei.
Beim Termin erklärst du unter Eid, dass du deine Staatsangehörigkeit freiwillig und in Kenntnis der Folgen aufgibst. Der Beamte ist verpflichtet, dich auf die Folgen hinzuweisen, und er ist verpflichtet, sich zu vergewissern, dass du sie verstanden hast.
Danach geht der Vorgang nach Washington und kommt als Bescheinigung zurück. Das kann Monate dauern. Wirksam ist die Aufgabe rückwirkend zum Tag des Eides.
Und dann folgt im nächsten Jahr noch eine letzte Steuererklärung, die das Jahr der Ausbürgerung in zwei Teile teilt. Wer diesen Schritt vergisst, hat den Vorgang nicht abgeschlossen.
Was der amerikanische Pass tatsächlich wert ist
Zum Schluss die Seite, die in dieser Debatte untergeht. Ein amerikanischer Pass ist eine der stärksten Positionen, die ein Mensch haben kann.
Er erlaubt, jederzeit einzureisen, zu leben und zu arbeiten, in einem Land mit dem größten Binnenmarkt der Welt. Er kann nicht entzogen werden, weil man zu lange weg war. Er gilt für die Kinder. Und er öffnet einen Arbeitsmarkt, für den andere Menschen jahrelang Lotterie spielen.
Wer ihn aufgibt, gibt das auf, endgültig. Es gibt keinen Weg zurück außer einer neuen Einwanderung von vorn, und ehemalige Staatsbürger stehen dabei unter Umständen schlechter da als jeder andere Bewerber.
Deshalb der wichtigste Satz dieses Textes: Diese Entscheidung trifft man nicht wegen einer Gebühr, in keine Richtung. Man trifft sie, wenn man beide Seiten gerechnet hat, und dann trifft man sie einmal.
Warum eine Senkung dieser Gebühr überhaupt kommt
Die offizielle Begründung solcher Anpassungen ist immer dieselbe: Die Gebühr soll den tatsächlichen Aufwand decken. 2.350 Dollar für einen Verwaltungsvorgang, der in einem Konsulat wenige Stunden Arbeit macht, ließen sich damit schwer rechtfertigen.
Was man daraus nicht ableiten sollte, ist eine grundsätzliche Erleichterung. Die steuerlichen Regeln bleiben unverändert. Was billiger wird, ist die Tür. Nicht der Weg dorthin.
Wenn du wissen willst, was deine Situation tatsächlich kostet, mit und ohne Pass, sprich mit der Kanzlei Mount Bonnell in Austin, Texas. Der Einstieg steht in US-Staatsbürger werden und in Steuerliche Betreuung natürlicher Personen.
Beratung & Umsetzung
Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.