Du zahlst deine Steuern in Europa. Washington will trotzdem jedes Jahr Post von dir.
US-Steuerpflicht im Ausland: Was dein US-Pass in Deutschland, Österreich und der Schweiz jedes Jahr von dir verlangt
Die USA besteuern nicht nach dem Wohnort, sondern nach dem Pass. Wer US-Bürger ist oder eine Green Card hat, bleibt mit seinem Welteinkommen in den USA steuerpflichtig und hat dieselben Erklärungspflichten wie jemand, der in Ohio lebt, auch wenn er seit dreißig Jahren in Hamburg, Graz oder Basel wohnt und dort jeden Cent ordentlich versteuert. Diese Seite ist die Landkarte dafür: wer abgeben muss, welche Formulare dazugehören, wie die doppelte Steuer vermieden wird, was die Bank meldet, welche Fristen gelten und wie du aufholst oder aussteigst. Zu jedem Thema führt ein eigener Beitrag in die Tiefe.
1Wer in den USA steuerpflichtig bleibt, auch wenn er in Europa lebt
Die IRS schreibt es in ihrer Publication 54 ohne Umschweife: Als US-Bürger oder Resident Alien unterliegt dein weltweites Einkommen grundsätzlich der US-Einkommensteuer, egal wo du lebst, und es gelten dieselben Erklärungspflichten wie für jemanden im Inland. Betroffen sind drei Gruppen, die sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz oft überschneiden.
1.1US-Bürger, auch die ungewollten
US-Bürger ist, wer in den USA geboren wurde. Das steht im 14. Zusatzartikel der Verfassung, und die IRS erinnert ausdrücklich daran, dass praktisch jede in den USA geborene Person die Staatsbürgerschaft bei Geburt erwirbt. Wer im Ausland als Kind eines US-Elternteils geboren wurde, kann sie ebenfalls bei Geburt erworben haben, wenn die Eltern die Voraussetzungen des Immigration and Nationality Act erfüllen. Die IRS selbst spricht von Menschen, die von ihrem Status nichts wissen oder seine Folgen nicht kennen. Im Deutschen hat sich dafür der Begriff Accidental American eingebürgert: in Boston geboren, mit drei Jahren zurück nach Bayern, nie wieder drüben gewesen. Ein Pass ist dafür nicht nötig, die Pflicht hängt an der Staatsbürgerschaft.
1.2Green-Card-Inhaber
Wer zu irgendeinem Zeitpunkt des Jahres eine Green Card hatte, ist für dieses Jahr nach dem Green Card Test steuerlich in den USA ansässig. Das ändert sich nicht dadurch, dass du nach Europa zurückziehst. Erst wenn der Status förmlich endet, zum Beispiel durch Abgabe der Green Card mit Formular I-407, oder wenn du dich unter einem Doppelbesteuerungsabkommen als in Europa ansässig behandeln lässt, endet die Ansässigkeit. Beides hat Folgen, die du vorher kennen solltest.
1.3Doppelstaatsbürger
Wer neben dem US-Pass einen deutschen, österreichischen oder Schweizer Pass hat, ist in beiden Ländern Staatsbürger und in beiden Systemen zu Hause. Steuerlich heißt das: Wohnsitzland und USA wollen beide eine Erklärung sehen, und welche Seite welches Einkommen zuerst besteuert, regeln Abkommen und Anrechnung.
2Die US-Steuererklärung: Form 1040 und die Schwellen
Ob du eine Steuererklärung abgeben musst, hängt an deinem Bruttoeinkommen, deiner Veranlagungsart und deinem Alter. Die Schwellen stehen in den Charts der Anleitung zu Form 1040. Für Ledige unter 65 lag die Grenze für 2025 bei $15.750, für Ehepaare, die zusammen veranlagen, bei $31.500.
Zwei Feinheiten werden im Ausland regelmäßig übersehen. Erstens zählt zum Bruttoeinkommen auch das Gehalt, das du später über die Foreign Earned Income Exclusion steuerfrei stellst. Wer in München $90.000 verdient, muss also abgeben, auch wenn am Ende keine US-Steuer übrig bleibt. Zweitens liegt die Schwelle bei getrennter Veranlagung von Ehepaaren bei $5. Wer mit einem Partner ohne US-Pass verheiratet ist und deshalb getrennt veranlagt, hat praktisch keine Untergrenze. Selbstständige müssen ab $400 Nettogewinn aus selbstständiger Tätigkeit abgeben.
Die Erklärung selbst ist die normale Form 1040. Was sie für Amerikaner im Ausland aufwendig macht, sind die Anlagen: Form 2555 für die Exclusion, Form 1116 für die Anrechnung ausländischer Steuer, Form 8938 für Auslandsvermögen, Form 8621 für Fonds, je nach Lage Form 5471 für eigene Gesellschaften und Form 3520 für Schenkungen und bestimmte Altersvorsorge. Für Kinder und für einen Ehepartner ohne US-Pass brauchst du eine Social Security Number oder eine ITIN, je nachdem, wofür die Person in der Erklärung steht.
Wer keine US-Steuer schuldet, kann die Erklärung als reine Formsache betrachten. Das ist sie nicht ganz: Viele Vergünstigungen gibt es nur, wenn du sie mit einer eingereichten Erklärung beanspruchst. Die IRS schreibt das ausdrücklich für die Exclusion und den Foreign Tax Credit.
| Veranlagung | Alter Ende 2025 | Pflicht ab Bruttoeinkommen |
|---|---|---|
| Ledig | unter 65 | $15.750 |
| Ledig | 65 oder älter | $17.750 |
| Zusammen veranlagt | beide unter 65 | $31.500 |
| Getrennt veranlagt (Married Filing Separately) | jedes Alter | $5 |
| Selbstständig | jedes Alter | $400 Nettogewinn aus selbstständiger Tätigkeit |
Quelle: IRS, Instructions for Form 1040 (2025), Chart A; IRS Publication 54 (12-2025), Filing Requirements. Zum Bruttoeinkommen zählt auch Gehalt, das über die Foreign Earned Income Exclusion steuerfrei gestellt wird.
3Gehalt aus Europa: Foreign Earned Income Exclusion oder Foreign Tax Credit
Damit ein Gehalt aus Frankfurt nicht zweimal voll besteuert wird, hat das US-Recht zwei Werkzeuge. Das erste ist die Foreign Earned Income Exclusion nach Section 911. Sie stellt Arbeitseinkommen aus dem Ausland bis zu einem jährlich angepassten Betrag steuerfrei: $130.000 für 2025 und $132.900 für 2026. Dazu kommt unter Umständen ein Freibetrag für Wohnkosten. Voraussetzung ist ein steuerlicher Lebensmittelpunkt im Ausland und einer von zwei Tests: Du bist ein ganzes Kalenderjahr lang ununterbrochen im Ausland ansässig (Bona Fide Residence Test), oder du verbringst in einem Zeitraum von zwölf Monaten mindestens 330 volle Tage außerhalb der USA (Physical Presence Test). Beantragt wird sie mit Form 2555.
Das zweite Werkzeug ist der Foreign Tax Credit auf Form 1116. Hier rechnest du die in Europa gezahlte Einkommensteuer auf die US-Steuer an. Bei Gehältern in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die europäische Steuer oft höher als die US-Steuer auf denselben Betrag, sodass die Anrechnung die US-Steuer auf dieses Einkommen auf null bringen kann.
Welcher Weg besser ist, hängt an Einkommen, Familie und Plänen. Die Exclusion senkt nicht die US-Sozialversicherungsabgabe auf selbstständiges Einkommen; wer sie wählt, kann für dasselbe Einkommen keine Steuer anrechnen; und für das übrige Einkommen gilt der Steuersatz, der ohne Exclusion gegolten hätte. Renten und Kapitalerträge sind kein Arbeitseinkommen und fallen nie unter die Exclusion.
4Das Doppelbesteuerungsabkommen und die Saving Clause
Viele gehen davon aus, das Doppelbesteuerungsabkommen regle alles. Für US-Bürger stimmt das nur zum Teil. Jedes US-Abkommen enthält eine Saving Clause: Die USA behalten sich vor, ihre Bürger so zu besteuern, als gäbe es das Abkommen nicht. Im Abkommen mit Deutschland steht sie seit dem Protokoll von 2006, in Kraft seit dem 28. Dezember 2007, in Artikel 1 Absatz 4. Im Abkommen mit Österreich steht sie ebenfalls in Artikel 1 Absatz 4, im Abkommen mit der Schweiz in Artikel 1 Absatz 2.
Wichtig sind die Ausnahmen. Im deutschen Abkommen bleiben unter anderem die Regeln zur Sozialversicherungsrente, die Regeln zu Pensionsplänen in Artikel 18A und vor allem Artikel 23 zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auch für US-Bürger anwendbar. Artikel 23 Absatz 5 enthält eine eigene Rechnung für US-Bürger mit Wohnsitz in Deutschland: Deutschland rechnet bei US-Einkünften nur die Steuer an, die die USA auch von einem Deutschen ohne US-Pass erheben dürften, und die USA rechnen die danach verbleibende deutsche Steuer an und behandeln das Einkommen dafür als in Deutschland entstanden. Das österreichische Abkommen hat dieselbe Mechanik in Artikel 22 Absatz 2, das Schweizer in Artikel 23 Absatz 3.
Für ehemalige Bürger und langjährige Green-Card-Inhaber erlaubt das deutsche Abkommen den USA zehn Jahre lang nach dem Verlust des Status die Besteuerung nach US-Recht. Das ist einer der Gründe, warum ein Ausstieg Planung braucht.
Deine US-Steuerpflicht als Amerikaner in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
5Konten melden: FBAR und Form 8938
Unabhängig von der Steuererklärung musst du deine Konten außerhalb der USA dem US-Finanzministerium melden, sobald ihr zusammengerechneter Höchstwert zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahr $10.000 überstieg. Diese Meldung heißt FBAR (Report of Foreign Bank and Financial Accounts) und läuft auf FinCEN Form 114 über das BSA E-Filing System. Sie geht nicht an die IRS mit der Steuererklärung, sondern elektronisch an FinCEN. Ob das Konto Erträge bringt, ist egal; Girokonto, Tagesgeld und Depot zählen mit, und auch eine Vollmacht über ein fremdes Konto, etwa das der Eltern, kann die Pflicht auslösen.
Daneben steht Form 8938, die Anlage zur Steuererklärung nach dem FATCA-Gesetz. Sie erfasst ausländisches Finanzvermögen im weiteren Sinn, hat aber für Menschen mit Wohnsitz im Ausland deutlich höhere Schwellen: für Ledige mehr als $200.000 am Jahresende oder mehr als $300.000 im Jahresverlauf, für zusammen veranlagte Ehepaare das Doppelte. Die gesetzliche Rente aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz musst du dort nicht angeben, eine betriebliche oder private Altersvorsorge kann dagegen meldepflichtig sein.
Wer beide Meldungen verwechselt, meldet oft nur eine. Die Tabelle zeigt, warum es fast immer beide braucht, sobald das Vermögen wächst.
| Punkt | FBAR (FinCEN Form 114) | Form 8938 |
|---|---|---|
| Empfänger | FinCEN, elektronisch über BSA E-Filing | IRS, als Anlage zur Form 1040 |
| Schwelle ledig | Summe aller Auslandskonten über $10.000 zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahr | über $200.000 am Jahresende oder über $300.000 im Jahresverlauf |
| Schwelle zusammen veranlagt | keine gemeinsame Schwelle; jede Person zählt ihre Konten | über $400.000 am Jahresende oder über $600.000 im Jahresverlauf |
| Frist | 15. April, automatisch verlängert bis 15. Oktober | mit der Steuererklärung, einschließlich Fristverlängerung |
| Strafe bei Versäumnis | zivilrechtliche Höchstbeträge, jährlich an die Inflation angepasst | $10.000, nach Mahnung bis zu weiteren $50.000 |
Quelle: IRS, Report of Foreign Bank and Financial Accounts (FBAR); FinCEN, Report Foreign Bank and Financial Accounts; IRS, Instructions for Form 8938 (Reporting Thresholds, Penalties). Die Schwellen der Form 8938 gelten mit Steuerwohnsitz im Ausland und erfülltem Presence-Abroad-Test.
6Was deine Bank meldet: FATCA in Deutschland, Österreich und der Schweiz
FATCA verpflichtet Banken weltweit, die Konten von US-Personen zu erkennen und zu melden. Wie das läuft, regelt ein Abkommen zwischen den USA und dem jeweiligen Land. Deutschland hat ein Abkommen nach Modell 1, in Kraft seit dem 11. Dezember 2013: Deutsche Banken melden die Daten bis zum 31. Juli des Folgejahres an das Bundeszentralamt für Steuern, das sie bis zum 30. September an die IRS weiterleitet. Österreich hat ein Abkommen nach Modell 2, in Kraft seit dem 9. Dezember 2014; dort melden die Banken direkt an die IRS. Auch die Schweiz arbeitet nach Modell 2, in Kraft seit dem 2. Juni 2014. Ein Abkommen nach Modell 1 haben die Schweiz und die USA am 27. Juni 2024 unterzeichnet; die Schweiz sieht sein Inkrafttreten frühestens zum 1. Januar 2029 vor.
Für dich bedeutet das: Die Bank fragt bei Kontoeröffnung nach einer Selbstauskunft und nach deiner US-Steuernummer, und sie fragt nach, wenn sie Hinweise auf einen US-Bezug findet, etwa einen Geburtsort in den USA oder eine US-Adresse. Wer in den USA geboren ist, aber kein US-Bürger mehr ist, kann das mit einer Bescheinigung über den Verlust der Staatsangehörigkeit oder einer nachvollziehbaren Erklärung belegen. Wer US-Bürger ist, füllt in der Regel ein Formular W-9 aus. Die Meldung der Bank ersetzt weder deinen FBAR noch deine Steuererklärung.
7Fonds, ETFs und das Depot: die PFIC-Falle
Der Sparplan auf einen breit gestreuten europäischen ETF ist für viele Deutsche, Österreicher und Schweizer die naheliegende Geldanlage. Für US-Bürger behandelt das US-Steuerrecht ihn besonders ungünstig. Der Grund ist das PFIC-Regime: Eine ausländische Gesellschaft gilt als Passive Foreign Investment Company, wenn mindestens 75 Prozent ihrer Bruttoerträge passiv sind oder mindestens 50 Prozent ihres Vermögens passive Erträge abwerfen. Als passiv gelten unter anderem Dividenden, Zinsen und Kursgewinne. Ein in Europa aufgelegter Investmentfonds, der Wertpapiere hält, erfüllt deshalb typischerweise einen der beiden Tests.
Ohne besondere Wahlrechte werden Gewinne aus dem Verkauf und überhöhte Ausschüttungen eines PFIC auf die Haltedauer verteilt, zum Höchststeuersatz der jeweiligen Jahre besteuert und mit einem Zinszuschlag belegt. Die Wahlrechte, die das abmildern, setzen entweder voraus, dass der Fonds eine jährliche Informationserklärung nach US-Vorgaben liefert (Qualified Electing Fund), oder sie besteuern die Kursgewinne jedes Jahr, auch ohne Verkauf (Mark-to-Market). Für jeden Fonds ist außerdem Form 8621 abzugeben, außer der Gesamtwert deiner PFIC-Anteile liegt am Jahresende bei höchstens $25.000, bei Zusammenveranlagung $50.000, und es gab weder überhöhte Ausschüttungen noch Verkäufe.
Die naheliegende Lösung, US-Fonds zu kaufen, scheitert in Europa oft an der Bank: Ohne Basisinformationsblatt nach der PRIIP-Verordnung führen Banken nach Angaben der BaFin in der Regel keine Käufe für Privatkunden aus. Zwischen beiden Problemen liegt die Frage, wo ein US-Bürger in Europa überhaupt ein Depot bekommt.
8Die eigene GmbH oder AG als US-Bürger
Wer als US-Bürger in Europa eine GmbH, eine österreichische GmbH oder eine Schweizer AG hält, hat aus US-Sicht eine ausländische Gesellschaft. Hält er sie mehrheitlich, wird sie zur Controlled Foreign Corporation, und Teile ihres Gewinns können in den USA beim Gesellschafter besteuert werden, bevor ein Euro ausgeschüttet ist. Die IRS weist eigens darauf hin, dass bestimmte Personen mit Bezug zu ausländischen Gesellschaften Form 5471 abgeben müssen, eine umfangreiche Informationserklärung mit Bilanz und Gewinnrechnung der Gesellschaft.
Für den Freiberufler, der seine Praxis als GmbH führt, oder die Gründerin mit einer Holding ist das kein Randthema, sondern der größte Posten der jährlichen US-Erklärung. Ob und wie die Steuer in Europa auf die US-Steuer angerechnet wird, hängt an Wahlrechten, die man kennen und jedes Jahr richtig setzen muss.
9Familie: Kindergeld, Child Tax Credit und ein Ehepartner ohne US-Pass
Kinder sind in der US-Erklärung ein Posten, der Geld bringen kann. Der Child Tax Credit beträgt für 2025 bis zu $2.200 je Kind, davon können bis zu $1.700 als Additional Child Tax Credit erstattet werden. Seit dem One Big Beautiful Bill Act setzt er Social Security Numbers voraus. Ob ein Kind eine hat, hängt davon ab, ob es selbst US-Bürger ist, und das hängt wiederum an den Voraussetzungen für den Erwerb bei Geburt im Ausland.
Daneben steht die Frage, wie du mit einem Ehepartner veranlagst, der kein US-Bürger ist. Das US-Recht erlaubt unter Bedingungen, ihn für die Zusammenveranlagung wie einen Ansässigen zu behandeln, dann allerdings mit seinem Welteinkommen. Ob das günstiger ist als die getrennte Veranlagung, ergibt nur eine Vergleichsrechnung. Wer zusätzlich Kindergeld aus Deutschland, Familienbeihilfe aus Österreich oder Kinderzulagen aus der Schweiz bezieht, nimmt sie in dieselbe Rechnung auf.
10Renten über den Atlantik
Bei Renten ist das Abkommen für US-Bürger besonders wichtig, weil hier die Ausnahmen von der Saving Clause greifen. Nach Artikel 18 Absatz 5 des deutschen Abkommens darf eine Sozialversicherungsrente, die ein Staat an eine im anderen Staat ansässige Person zahlt, nur im Wohnsitzstaat besteuert werden. Weil diese Regel zu den Ausnahmen der Saving Clause gehört, gilt sie auch für US-Bürger: Wer in Deutschland lebt und eine Social-Security-Rente bezieht, versteuert sie in Deutschland. Das österreichische Abkommen geht den umgekehrten Weg und weist die gesetzliche Rente dem Staat zu, der sie zahlt. Im Schweizer Abkommen darf der Wohnsitzstaat besteuern, der zahlende Staat aber bis zu 15 Prozent.
Betriebsrenten, private Altersvorsorge, die Schweizer Pensionskasse, ein 401(k) oder eine IRA folgen jeweils eigenen Regeln. Die IRS weist darauf hin, dass ausländische Pensionspläne unter Umständen als Trust gelten und auf Form 3520 gemeldet werden müssen. Für Amerikaner, die aus den USA nach Deutschland zurückkehren, haben wir die Besteuerung von 401(k), IRA und Social Security in einem eigenen Beitrag zur US-Rente in Deutschland beschrieben.
11Schenken und Erben über den Atlantik
Wenn die Eltern in Deutschland dir als US-Bürger etwas schenken oder vererben, fällt in den USA in der Regel keine Schenkungsteuer an, aber eine Meldung. Wer als US-Person von einer im Ausland ansässigen Person ohne US-Pass oder aus einem ausländischen Nachlass im Jahr mehr als $100.000 erhält, meldet das auf Form 3520. Die Strafe bei versäumter Meldung beträgt 5 Prozent des Werts je Monat, höchstens 25 Prozent, wenn kein vernünftiger Grund vorliegt.
Umgekehrt unterliegen US-Bürger mit ihrem weltweiten Vermögen der US-Nachlass- und Schenkungsteuer, mit einem hohen Freibetrag. Mit Deutschland und Österreich haben die USA Abkommen zur Erbschaft- und Schenkungsteuer, mit der Schweiz eines zur Erbschaftsteuer. Wer als Deutscher ohne US-Pass US-Vermögen hinterlässt, findet die Regeln in unserem Beitrag zur US-Erbschaftsteuer für Nicht-US-Bürger.
12Die Fristen im Jahr
Das Grunddatum ist der 15. April des Folgejahres. Wer am Stichtag außerhalb der USA lebt und dort arbeitet, bekommt automatisch zwei Monate mehr, bis zum 15. Juni, und legt der Erklärung eine kurze Begründung bei. Mit Form 4868, die bis zum 15. Juni eingehen muss, verlängert sich die Abgabefrist auf den 15. Oktober. Wer danach noch mehr Zeit braucht, kann die IRS bis zum 15. Oktober per Brief um zwei weitere Monate bis zum 15. Dezember bitten; das ist eine Ermessensentscheidung, und die IRS meldet sich nur bei Ablehnung.
Das Entscheidende steht im Kleingedruckten: Die Fristverlängerung verschiebt die Abgabe, nicht die Zahlung. Zinsen laufen ab dem 15. April, Säumniszuschläge bei Wohnsitz im Ausland ab dem 15. Juni. Der FBAR ist ebenfalls am 15. April fällig und automatisch bis zum 15. Oktober verlängert, ohne Antrag. Dazu kommen die Fristen in Europa: die deutsche Einkommensteuererklärung, die österreichische Arbeitnehmerveranlagung oder Einkommensteuererklärung, die Schweizer Steuererklärung des Kantons. Weil die US-Erklärung die europäische Steuer anrechnet, lohnt es sich, die europäische zuerst fertig zu haben.
| Was | Frist | Hinweis |
|---|---|---|
| Zahlung der US-Steuer | 15. April 2026 | Zinsen laufen ab diesem Tag, auch bei Fristverlängerung |
| Form 1040, automatische Verlängerung | 15. Juni 2026 | Erklärung mit Hinweis auf Wohnsitz und Arbeit im Ausland beifügen |
| Form 1040 mit Form 4868 | 15. Oktober 2026 | Antrag bis 15. Juni stellen, Zeile 8 ankreuzen |
| Zusätzliche Verlängerung nach Ermessen | 15. Dezember 2026 | Brief an die IRS bis 15. Oktober |
| FBAR | 15. April 2026, automatisch 15. Oktober 2026 | kein Antrag nötig |
| Meldung deiner Bank in Deutschland an das BZSt | 31. Juli 2026 | Weiterleitung an die IRS bis 30. September 2026 |
Quelle: IRS Publication 54 (12-2025), Extensions; IRS, U.S. citizens and resident aliens abroad; IRS, FBAR; § 8 Abs. 3 und § 9 Abs. 1 FATCA-USA-Umsetzungsverordnung. Fällt ein Termin auf ein Wochenende oder einen US-Feiertag, verschiebt er sich auf den nächsten Werktag.
13Wenn Jahre fehlen: nachholen ohne Strafe
Wer über FATCA oder ein Schreiben seiner Bank von seiner US-Steuerpflicht erfährt, hat oft jahrelang nichts abgegeben. Für sie hat die IRS die Streamlined Filing Compliance Procedures geschaffen, erstmals angeboten am 1. September 2012 und später erweitert. Für Menschen mit Wohnsitz im Ausland heißt der Weg Streamlined Foreign Offshore Procedures. Voraussetzung ist, dass du in mindestens einem der letzten drei Jahre keinen Wohnsitz (abode) in den USA hattest und mindestens 330 volle Tage außerhalb der USA warst, dass dein Versäumnis nicht vorsätzlich war und dass die IRS keine Prüfung gegen dich eröffnet hat. Die IRS nennt als Beispiel selbst einen in den USA geborenen Mann, der mit fünf Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland gezogen ist und dort geblieben ist.
Einzureichen sind die Steuererklärungen der letzten drei Jahre mit allen Anlagen, die FBAR der letzten sechs Jahre und die unterschriebene Erklärung auf Form 14653. Wer die Vorgaben erfüllt, zahlt keine Strafen für verspätete Abgabe, verspätete Zahlung, Informationserklärungen oder FBAR, wohl aber die Steuer und die Zinsen. Auch wer schon einzelne Jahre nachgereicht hat, kann das Verfahren nach den Hinweisen der IRS noch nutzen; bereits festgesetzte Strafen werden dann allerdings nicht erlassen.
Wer nur FBAR versäumt, aber alle Einkünfte erklärt hat, hat einen eigenen, einfacheren Weg. Wie die erste Abgabe als Accidental American richtig beginnt, beschreibt unser Beitrag zur ersten Abgabe als Accidental American.
Versäumte US-Steuererklärungen und FBARs über das Streamlined-Verfahren nachholen.
14Der US-Bundesstaat, den du verlassen hast
Die Bundessteuer ist nicht die einzige. Wer aus Kalifornien, New York oder Virginia nach Europa zieht, sollte prüfen, ob der Bundesstaat ihn weiter als ansässig betrachtet. Die Bundesstaaten haben eigene Regeln dafür, wann ein Wohnsitz endet, und sie sind nicht an die Regeln des Bundes gebunden. Was der eigene Staat verlangt, gehört vor dem Umzug geprüft, nicht erst, wenn ein Schreiben kommt.
Wer nie in den USA gelebt hat, hat dieses Problem nicht. Wer dagegen nach einigen Jahren in den USA nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz zurückkehrt, sollte den Wegzug aus dem Bundesstaat genauso sauber dokumentieren wie den Zuzug in Europa. Für das Jahr des Umzugs selbst gelten auf Bundesebene eigene Regeln zum Teiljahr.
15Aussteigen: Staatsbürgerschaft oder Green Card aufgeben
Wer die Pflichten dauerhaft loswerden will, kann die US-Staatsbürgerschaft vor einem US-Konsularbeamten im Ausland aufgeben oder als Green-Card-Inhaber seinen Status beenden. Die Gebühr für die Bescheinigung über den Verlust der Staatsangehörigkeit (Certificate of Loss of Nationality) beträgt seit dem 13. April 2026 $450; zuvor waren es $2.350. Was wir zu dieser Änderung zu sagen haben, steht in unserem Beitrag zur Gebühr.
Steuerlich entscheidet eine Frage über den Ausgang: Bist du Covered Expatriate? Das bist du, wenn deine durchschnittliche jährliche US-Einkommensteuer der letzten fünf Jahre über $211.000 lag (Wert für 2026), dein Nettovermögen am Tag des Ausstiegs mindestens 2 Millionen Dollar beträgt oder du auf Form 8854 nicht bestätigen kannst, dass du die letzten fünf Jahre alle Pflichten erfüllt hast. Dann gilt dein gesamtes Vermögen am Vortag als verkauft, und der Gewinn wird oberhalb eines Freibetrags von $910.000 (2026) versteuert. Wer bei Geburt zugleich US-Bürger und Bürger eines anderen Landes wurde, dort weiter Bürger und steuerlich ansässig ist und höchstens zehn der letzten fünfzehn Jahre in den USA ansässig war, fällt bei den ersten beiden Tests heraus, nicht aber beim dritten.
Für Green-Card-Inhaber gelten dieselben Regeln, wenn sie in mindestens acht der letzten fünfzehn Steuerjahre eine Green Card hatten. Den Ablauf am Konsulat haben wir in unserer Anleitung zur Aufgabe der US-Staatsbürgerschaft beschrieben.
Deine US-Steuerpflicht als Amerikaner in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
- US-Bürger und Green-Card-Inhaber sind mit ihrem Welteinkommen in den USA steuerpflichtig, auch wenn sie in Deutschland, Österreich oder der Schweiz leben; das gilt auch für Accidental Americans.
- Ob eine Form 1040 fällig ist, entscheidet das Bruttoeinkommen; für Ledige unter 65 lag die Schwelle für 2025 bei $15.750, steuerfrei gestelltes Auslandsgehalt zählt mit.
- Doppelte Steuer vermeiden die Foreign Earned Income Exclusion und der Foreign Tax Credit; das Doppelbesteuerungsabkommen hilft US-Bürgern wegen der Saving Clause nur an bestimmten Stellen.
- Neben der Steuererklärung stehen FBAR, Form 8938, Form 8621 für Fonds und je nach Lage Form 5471 und Form 3520; deine Bank meldet über FATCA parallel.
- Wer Jahre versäumt hat, kann über die Streamlined Foreign Offshore Procedures nachholen; wer aussteigen will, braucht die letzten fünf Jahre sauber und Form 8854.
Häufige Fragen
Muss ich als US-Bürger in Deutschland eine US-Steuererklärung abgeben?
Ja, sobald dein weltweites Bruttoeinkommen die Schwelle für deine Veranlagungsart erreicht. Für 2025 waren das bei Ledigen unter 65 Jahren $15.750, bei getrennter Veranlagung von Ehepaaren schon $5 und bei Selbstständigen $400 Nettogewinn. Wo du wohnst, spielt keine Rolle.
Gilt das auch, wenn ich nie in den USA gelebt habe?
Ja. Wer in den USA geboren ist oder die Staatsbürgerschaft über einen US-Elternteil bei Geburt erworben hat, ist US-Bürger und hat dieselben Pflichten wie jeder andere US-Bürger im Ausland, auch ohne US-Pass und ohne Social Security Number.
Zahle ich dann doppelt Steuern?
In den meisten Fällen nicht. Gehalt aus Europa kannst du bis $130.000 (2025) über die Foreign Earned Income Exclusion freistellen oder die europäische Steuer über den Foreign Tax Credit anrechnen. Weil die Steuersätze in Deutschland, Österreich und der Schweiz für Gehälter oft höher liegen, bleibt in den USA häufig nichts zu zahlen. Die Erklärung musst du trotzdem abgeben.
Was ist der Unterschied zwischen FBAR und FATCA?
Den FBAR gibst du selbst ab, sobald deine Auslandskonten zusammen zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahr über $10.000 lagen. FATCA ist das Gesetz, nach dem deine Bank deine Konten meldet. Dazu kommt Form 8938, die du mit deiner Steuererklärung einreichst, wenn dein Auslandsvermögen die höheren Schwellen übersteigt.
Bis wann muss ich meine US-Steuererklärung aus dem Ausland abgeben?
Mit Wohnsitz im Ausland verlängert sich die Abgabefrist automatisch auf den 15. Juni, mit Form 4868 auf den 15. Oktober. Die Steuer selbst ist am 15. April fällig, ab dann laufen Zinsen. Der FBAR ist am 15. April fällig und automatisch bis 15. Oktober verlängert.
Ich habe nie abgegeben. Was jetzt?
Wenn dein Versäumnis nicht vorsätzlich war und die IRS noch keine Prüfung begonnen hat, sind die Streamlined Foreign Offshore Procedures der vorgesehene Weg: Steuererklärungen für die letzten drei Jahre, FBAR für die letzten sechs Jahre und Form 14653. Wer alle Vorgaben erfüllt, zahlt dabei keine Strafen für verspätete Abgabe, verspätete Zahlung oder versäumte FBAR.
So helfen wir dir
- US-Steuern für Amerikaner im AuslandDeine US-Steuerpflicht als Amerikaner in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
- Streamlined FilingVersäumte US-Steuererklärungen und FBARs über das Streamlined-Verfahren nachholen.
- Beratung zu US-SteuernDeine US-Steuerfrage, beantwortet von Leuten, die beide Seiten kennen.
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