Ein Fragebogen deiner Bank, ein Kästchen zum Ankreuzen. Dahinter steht ein US-Gesetz.
FATCA in Deutschland: Was deine Bank über dich nach Washington meldet, warum sie ein W-9 will und was gilt, wenn sie kündigt
Teil des Leitfadens US-Steuerpflicht im Ausland: Was dein US-Pass in Deutschland, Österreich und der Schweiz jedes Jahr von dir verlangt
Irgendwann kommt der Brief. Deine Bank in Frankfurt, Linz oder Zürich möchte wissen, ob du eine US-Person im Sinne des US-Steuerrechts bist, und legt ein Formular bei, das W-9 heißt. Viele, die in den USA geboren sind und seit Jahrzehnten in Europa leben, hören an dieser Stelle zum ersten Mal von FATCA. Dieser Beitrag erklärt, was hinter dem Brief steht: welches Abkommen deine Bank verpflichtet, was sie über dich meldet und an wen, woran sie einen US-Bezug erkennt, wofür das W-9 dient, was gilt, wenn die Bank das Konto kündigen will, und was die Meldung der Bank für deine eigenen Pflichten bedeutet.
1Was FATCA ist und warum deine Bank es anwendet
Der Foreign Account Tax Compliance Act ist ein US-Gesetz, verabschiedet am 18. März 2010. Er verlangt von Finanzinstituten außerhalb der USA, ihre Kunden darauf zu prüfen, ob sie US-Bürger sind, und die Konten dieser Kunden zu melden. Ein US-Gesetz kann eine deutsche Bank nicht unmittelbar verpflichten. Deshalb haben die USA mit vielen Staaten zwischenstaatliche Abkommen geschlossen, die das Verfahren in nationales Recht übertragen. Deine Bank wendet also nicht amerikanisches Recht an, sondern ein Abkommen, das ihr eigener Staat unterschrieben hat, und in Deutschland eine Verordnung, die es umsetzt.
Für das US-Steuerrecht ist ein US-Bürger immer eine US-Person, auch wenn er zugleich in Deutschland, Österreich oder der Schweiz steuerlich ansässig ist. Das deutsche Abkommen schreibt das für neue Konten ausdrücklich: Ein US-Bürger gilt für die Selbstauskunft als in den USA steuerlich ansässig, auch wenn er zugleich in einem anderen Land ansässig ist. Ob du dich als Amerikaner fühlst, ob du einen US-Pass hast oder je in den USA gelebt hast, spielt dafür keine Rolle.
Wie die Pflichten auf deiner Seite aussehen, also Steuererklärung, FBAR und Form 8938, fasst unsere Übersicht zur US-Steuerpflicht für Amerikaner im Ausland zusammen. Die Frage, warum die USA beim Informationsaustausch viel bekommen und wenig zurückgeben, behandelt unser Beitrag zu FATCA, CRS und dem automatischen Informationsaustausch.
2Drei Länder, zwei Modelle
Die Abkommen gibt es in zwei Grundformen. Nach Modell 1 meldet die Bank an die eigene Steuerbehörde, und die leitet die Daten an die IRS weiter. Nach Modell 2 meldet die Bank direkt an die IRS. Deutschland hat sich für Modell 1 entschieden, Österreich und die Schweiz für Modell 2.
2.1Deutschland
Das deutsche Abkommen nach Modell 1 ist seit dem 11. Dezember 2013 in Kraft. Umgesetzt wird es durch die FATCA-USA-Umsetzungsverordnung. Danach übermitteln die Banken die Daten bis zum 31. Juli des Folgejahres an das Bundeszentralamt für Steuern, und das Bundeszentralamt leitet sie bis zum 30. September an die IRS weiter. Das Abkommen ist gegenseitig: Das Bundeszentralamt nimmt auch die Meldungen der USA über Konten in Deutschland Ansässiger bei US-Banken entgegen und gibt sie an das zuständige Finanzamt weiter.
2.2Österreich
Österreich hat ein Abkommen nach Modell 2, in Kraft seit dem 9. Dezember 2014. Österreichische Banken melden direkt an die IRS.
2.3Schweiz
Auch in der Schweiz gilt Modell 2, in Kraft seit dem 2. Juni 2014. Nach den Angaben des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen melden Schweizer Finanzinstitute die Kontodaten mit Zustimmung der betroffenen US-Kunden direkt an die IRS; Daten über Kunden, die nicht zustimmen, müssen die USA auf dem Weg der Amtshilfe anfordern. Am 27. Juni 2024 haben die Schweiz und die USA ein Abkommen nach Modell 1 unterzeichnet, das einen automatischen und gegenseitigen Austausch zwischen den Behörden vorsieht. Sein Inkrafttreten ist frühestens zum 1. Januar 2029 vorgesehen.
| Land | Modell | In Kraft seit | Wohin die Bank meldet |
|---|---|---|---|
| Deutschland | Modell 1 | 11. Dezember 2013 | an das Bundeszentralamt für Steuern, das an die IRS weiterleitet |
| Österreich | Modell 2 | 9. Dezember 2014 | direkt an die IRS |
| Schweiz | Modell 2 | 2. Juni 2014 | direkt an die IRS, mit Zustimmung des Kunden; ohne Zustimmung über Amtshilfe |
| Schweiz, neues Abkommen | Modell 1 | unterzeichnet am 27. Juni 2024, Inkrafttreten frühestens 1. Januar 2029 | künftig über die Behörden, gegenseitig |
Quelle: US Treasury, Foreign Account Tax Compliance Act, Table of FATCA Agreements and Understandings by Jurisdiction; Staatssekretariat für internationale Finanzfragen SIF, FATCA-Abkommen; Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Amtshilfe gemäss FATCA.
3Was die Bank meldet und wann
Für Deutschland steht die Liste in § 8 der Umsetzungsverordnung. Die Bank erhebt Name, Anschrift und US-Steueridentifikationsnummer des Kontoinhabers, die Kontonummer, den Kontostand oder Kontowert zum Ende des Kalenderjahres oder, wenn das Konto im Laufe des Jahres aufgelöst wurde, unmittelbar vor der Auflösung. Bei Depots kommen die Bruttoerträge aus Zinsen, Dividenden und anderen Einkünften hinzu und die Bruttoerlöse aus Verkäufen, bei Einlagenkonten wie Giro- oder Tagesgeldkonto die Zinsen. Fehlt der Bank deine US-Steuernummer, darf sie ersatzweise unter anderem dein Geburtsdatum melden.
Für die Umrechnung der Dollar-Schwellen bei Euro-Konten nimmt die deutsche Bank den Euro-Referenzkurs der Europäischen Zentralbank zum letzten Tag des Vorjahres. Diese Schwellen betreffen vor allem die Frage, welche Konten die Bank überhaupt prüfen muss. Ein neues Einlagenkonto einer Privatperson muss sie nach dem Abkommen erst prüfen und melden, wenn der Kontostand zum Jahresende $50.000 übersteigt. Das Abkommen erlaubt der Bank aber, auf diese Ausnahme zu verzichten, und für Depots gilt sie nicht.
Wichtig für das Verständnis: Die Bank meldet Stände und Erträge, sie berechnet keine US-Steuer und gibt für dich keine Erklärung ab. Was sie meldet, kann die IRS mit deiner Steuererklärung und deinem FBAR abgleichen. Wer keine Erklärung abgibt, steht mit seinem Konto dennoch in den Daten der IRS.
| Angabe | Bei welchem Konto |
|---|---|
| Name, Anschrift und US-Steueridentifikationsnummer des Kontoinhabers | alle |
| Kontonummer, Name und Identifikationsnummer der Bank | alle |
| Kontostand oder Kontowert zum Jahresende, bei Auflösung unmittelbar davor | alle |
| Zinsen, Dividenden und andere Erträge, Bruttoerlöse aus Verkäufen | Depots (Verwahrkonten) |
| Zinsen | Einlagenkonten wie Giro- und Tagesgeldkonto |
| Übermittlung an das Bundeszentralamt für Steuern | bis 31. Juli des Folgejahres |
| Weiterleitung an die IRS | bis 30. September des Folgejahres |
Quelle: § 8 Abs. 1 und 3, § 9 Abs. 1 FATCA-USA-Umsetzungsverordnung (gesetze-im-internet.de).
Deine US-Steuerpflicht als Amerikaner in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
4Woran die Bank einen US-Bezug erkennt
Bei bestehenden Konten sucht die Bank in ihren Unterlagen nach Hinweisen, im Abkommen US-Indizien genannt. Das deutsche Abkommen zählt sieben auf:
- der Kontoinhaber ist als US-Bürger oder in den USA Ansässiger erfasst,
- ein eindeutiger Geburtsort in den USA,
- eine US-Post- oder Wohnadresse, auch ein US-Postfach,
- eine US-Telefonnummer,
- ein Dauerauftrag auf ein Konto in den USA,
- eine Vollmacht oder Zeichnungsberechtigung für eine Person mit US-Adresse,
- eine c/o- oder banklagernde Adresse als einzige Adresse des Kunden.
Findet die Bank einen dieser Hinweise, muss sie das Konto als meldepflichtig behandeln, es sei denn, du räumst den Hinweis mit Unterlagen aus. Bei neuen Konten fragt die Bank direkt: Sie holt bei Eröffnung eine Selbstauskunft ein, mit der sie bestimmen kann, ob du in den USA steuerlich ansässig bist, und prüft sie auf Plausibilität anhand der Unterlagen, die sie ohnehin zur Geldwäscheprüfung erhebt.
Der häufigste Auslöser in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Geburtsort. Wer in den USA geboren ist, ist in aller Regel US-Bürger, auch wenn er mit drei Jahren zurück nach Europa kam. Die IRS weist darauf hin, dass ein Kunde, den die Bank anhand solcher Hinweise als US-Bürger einstuft, entweder seine Social Security Number angeben oder belegen muss, dass er kein US-Bürger mehr ist.
5Die Selbstauskunft und das Formular W-9
Das Formular W-9 ist das Formular, mit dem eine US-Person einer meldenden Stelle ihre US-Steuernummer mitteilt. Das deutsche Abkommen verlangt bei US-Kunden eine Selbstauskunft mit US-Steuernummer und nennt dafür ausdrücklich das W-9 oder ein vergleichbares Formular. Für US-Bürger ist die Steuernummer die Social Security Number. Wer keine hat, beantragt sie mit Formular SS-5 über die Auslandsdienste der Social Security Administration.
Wer kein US-Bürger ist, aber einen US-Hinweis in den Unterlagen hat, gibt stattdessen eine Selbstauskunft ab, dass er weder US-Bürger noch in den USA steuerlich ansässig ist. Das kann ein Formular W-8 sein oder ein vergleichbares Formular der Bank. Wie sich W-8 und W-9 unterscheiden und welches Formular du wann brauchst, erklärt unser Beitrag zu den IRS-Formularen W-8.
5.1In den USA geboren, aber kein US-Bürger mehr
Für diesen Fall nennt das Abkommen drei Unterlagen: eine Selbstauskunft, dass du weder US-Bürger noch in den USA steuerlich ansässig bist, einen nicht amerikanischen Pass oder ein anderes amtliches Ausweisdokument und eine Kopie deines Certificate of Loss of Nationality. Fehlt das Certificate, reicht nach dem Abkommen eine nachvollziehbare Erklärung, warum du es trotz Aufgabe der Staatsbürgerschaft nicht hast oder warum du die US-Staatsbürgerschaft bei Geburt nicht erworben hast.
5.2Was du vor dem Unterschreiben klären solltest
Mit dem W-9 bestätigst du unter Strafandrohung, dass die Angaben stimmen. Wer zum ersten Mal ein W-9 ausfüllt und noch nie eine US-Steuererklärung abgegeben hat, sollte vorher wissen, wie er die Vergangenheit ordnet. Deine Bank meldet ab jetzt jedes Jahr, und die IRS kann die Meldung mit ihren eigenen Daten abgleichen. Der vorgesehene Weg für Versäumnisse ohne Vorsatz sind die Streamlined Foreign Offshore Procedures, und wie die erste Abgabe als Accidental American richtig beginnt, steht in unserem Beitrag zur ersten Abgabe als Accidental American.
6Wenn die Bank kündigt oder das Konto verweigert
Dass Banken US-Kunden Kündigungen androhen oder aussprechen, ist kein Gerücht. Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage zu sogenannten Zufalls-Amerikanern bestätigt, dass einzelne solche Fälle bekannt geworden sind; statistische Angaben dazu lagen ihr nicht vor. Das Recht in Deutschland und Österreich setzt einer Kündigung aber Grenzen, und es gibt einen Anspruch auf ein Basiskonto.
6.1Deutschland
Ein gewöhnliches Girokonto ist ein Zahlungsdiensterahmenvertrag. Die Bank kann ihn nach § 675h BGB nur kündigen, wenn er auf unbestimmte Zeit geschlossen und das Kündigungsrecht vereinbart ist, und mit einer Frist von mindestens zwei Monaten. Unabhängig davon hat jeder Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der Europäischen Union nach § 31 Zahlungskontengesetz Anspruch auf einen Basiskontovertrag bei jedem Institut, das Zahlungskonten für Verbraucher anbietet. Die Bank muss den Vertrag spätestens zehn Geschäftstage nach Eingang des Antrags anbieten. Ablehnen darf sie unter anderem, wenn du bereits ein nutzbares Zahlungskonto in Deutschland hast; das gilt aber nicht, wenn dieses Konto gekündigt wurde. Ein Basiskonto kann die Bank nur aus den Gründen kündigen, die § 42 Zahlungskontengesetz abschließend aufzählt.
6.2Österreich
Das österreichische Verbraucherzahlungskontogesetz gibt jedem Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der Europäischen Union das Recht, ein Basiskonto bei einem in Österreich ansässigen Kreditinstitut zu eröffnen. Beide Gesetze setzen dieselbe EU-Richtlinie 2014/92/EU um.
6.3Schweiz
Die Schweiz ist nicht Mitglied der Europäischen Union, die Richtlinie gilt dort nicht. Ein Anspruch auf ein Basiskonto nach EU-Recht besteht deshalb nicht. Wer in der Schweiz eine Kündigung erhält, sollte die Vertragsbedingungen seiner Bank lesen und die Frage früh klären, bevor Lohn oder Miete über ein anderes Konto laufen müssen.
Ein Basiskonto ist ein Zahlungskonto. Ein Depot gehört nicht dazu. Wo US-Bürger in Europa Wertpapiere halten können und welche Fonds sie besser meiden, beschreibt unser Beitrag zum Depot für US-steuerpflichtige Personen.
Deine US-Steuerpflicht als Amerikaner in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
7Was die Meldung der Bank für deine eigenen Pflichten bedeutet
Die FATCA-Meldung deiner Bank ist eine Meldung über dich, nicht deine Meldung. Sie ersetzt nichts, was du selbst abgeben musst. Liegen deine Auslandskonten zusammen zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahr über $10.000, gibst du den FBAR auf FinCEN Form 114 ab. Übersteigt dein Auslandsvermögen die Schwellen der Form 8938, für Ledige mit Wohnsitz im Ausland mehr als $200.000 am Jahresende oder mehr als $300.000 im Jahresverlauf, legst du die Form 8938 deiner Steuererklärung bei. Und die Steuererklärung selbst ist fällig, sobald dein Bruttoeinkommen die Schwelle für deine Veranlagungsart erreicht.
Weil die Bank den Kontostand zum Jahresende meldet und du im FBAR den Höchststand im Jahr angibst, sind die Zahlen nicht identisch. Das ist kein Widerspruch, solange beide stimmen. Bewahre die Kontoauszüge auf: Die IRS verlangt, die Unterlagen zu jedem gemeldeten Konto fünf Jahre ab der FBAR-Frist zu behalten.
8Schritt für Schritt nach dem Brief der Bank
- Kläre, ob du US-Bürger bist. Geburt in den USA, ein US-Elternteil bei Geburt, eine Green Card: Jede dieser Fragen kann die Antwort entscheiden.
- Bist du US-Bürger, besorge dir eine Social Security Number, falls du keine hast.
- Bevor du das W-9 unterschreibst, verschaffe dir einen Überblick über die Vergangenheit: Welche Steuererklärungen und welche FBAR hättest du abgeben müssen?
- Wähle den Weg für die Vergangenheit, in der Regel die Streamlined Foreign Offshore Procedures, wenn kein Vorsatz vorlag.
- Gib der Bank die verlangten Unterlagen innerhalb der Frist, die sie setzt.
- Bist du kein US-Bürger mehr, lege Selbstauskunft, Pass und Certificate of Loss of Nationality oder deine Erklärung vor.
- Richte die jährlichen Fristen ein: Steuererklärung, FBAR und gegebenenfalls Form 8938.
Wer überlegt, die US-Staatsbürgerschaft ganz aufzugeben, braucht vorher die letzten fünf Jahre in Ordnung. Was beim Ausstieg steuerlich geschieht, steht in unserem Beitrag zur Exit Tax.
- Nach FATCA müssen Banken in Deutschland, Österreich und der Schweiz Konten von US-Personen erkennen und melden; Deutschland über das Bundeszentralamt für Steuern, Österreich und die Schweiz direkt an die IRS.
- Gemeldet werden Name, Anschrift, US-Steuernummer, Kontostand zum Jahresende und bei Depots Erträge und Verkaufserlöse.
- Hinweise wie ein US-Geburtsort oder eine US-Adresse lösen eine Nachfrage aus; US-Bürger geben ihre Steuernummer meist auf einem W-9 an, wer kein US-Bürger mehr ist, belegt das mit Selbstauskunft, Pass und Nachweis.
- In Deutschland und Österreich hat jeder Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU Anspruch auf ein Basiskonto.
- Die Meldung der Bank ersetzt weder deinen FBAR noch deine Steuererklärung.
So helfen wir dir
- US-Steuern für Amerikaner im AuslandDeine US-Steuerpflicht als Amerikaner in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
- Streamlined FilingVersäumte US-Steuererklärungen und FBARs über das Streamlined-Verfahren nachholen.
- Beratung zu US-SteuernDeine US-Steuerfrage, beantwortet von Leuten, die beide Seiten kennen.