🌍 Reisen, Seminare & Workshops zu Plan B, Auswanderung & Steuern. Jetzt Termine ansehen! 🚀 →
Kanzlei Mount Bonnell

Mehr als 7,2 Millionen Menschen gingen in Bremerhaven an Bord. Heute kannst du ihren Weg dort nachgehen.

Wo Amerika am Kai begann: das Deutsche Auswandererhaus, Ellis Island und Castle Garden

Teil des Leitfadens Die Deutschen & Amerika

An der Weser in Bremerhaven steht ein Museum an genau der Stelle, an der Millionen Menschen Europa verlassen haben. Es erzählt nicht von Königen oder Kriegen, sondern vom Abschied am Kai, vom Zwischendeck und von der Ankunft in New York. Wer Vorfahren in Amerika hat, kann dort nach ihnen suchen. Wer selbst mit dem Gedanken spielt, nach Amerika zu gehen, sieht, wie es seine Vorgänger getan haben. Hier ist der Rundgang: Bremerhaven, Hamburg, die beiden großen Tore in New York und die Orte in Texas, an denen die Geschichte weitergeht.

1Der Kai, an dem Amerika anfing

Mehr als 7,2 Millionen Menschen verließen von Bremerhaven aus Europa. Das Staatsarchiv Bremen spricht von über 7 Millionen Auswanderern, die im 19. und 20. Jahrhundert über Bremen und Bremerhaven den Kontinent verließen. Ein Auswandererhaus gab es dort schon früh: In den Beständen des Staatsarchivs liegt eine Akte „Auswandererhaus“ in Bremerhaven aus den Jahren 1849 bis 1873, und 1855 verkaufte der Staat dem Besitzer dieses Hauses ein Grundstück. Der Name des heutigen Museums ist also älter als das Museum.

Nicht immer war Bremerhaven die erste Wahl. Anfang der 1850er Jahre schifften sich die meisten deutschen Auswanderer in Le Havre ein, Bremen kam auf Platz zwei. Erst mit den eigenen Dampferlinien drehte sich das Bild: In den frühen 1880er Jahren gingen über 80 Prozent über die beiden deutschen Häfen, und im frühen 20. Jahrhundert waren der Norddeutsche Lloyd aus Bremen und die HAPAG aus Hamburg die größten Reedereien der Welt. Sie beförderten die beiden größten Anteile der bis dahin größten Auswanderung über einen Ozean.

Über die deutschen Häfen fuhren nicht nur Deutsche. Zwischen 1899 und 1914 kam fast die Hälfte der europäischen Auswanderer in die USA aus Russland und Österreich-Ungarn. Rund 80 bis 85 Prozent von ihnen reisten durch Deutschland, und etwa 60 Prozent davon schifften sich in Bremen oder Hamburg ein. Für viele Familien aus dem alten Österreich war Bremerhaven deshalb ebenso der letzte Blick auf Europa wie für Hessen oder Westfalen. Auch die Schweiz wurde im 19. Jahrhundert zum Auswanderungsland; mit den großen Wellen der 1880er Jahre nach Übersee erließ der Bund 1880 ein Gesetz zum Schutz der Auswanderer und ließ die Agenturen überwachen, die Emigranten in Schweizerkolonien in Nord- und Südamerika vermittelten. Wie es den Schweizern drüben erging, erzählt unser Beitrag über die Schweizer Auswanderer.

Die großen Tore zwischen Europa und Amerika
OrtZeitraumMenschenHeute
Bremerhaven19. und 20. Jahrhundertmehr als 7,2 Millionen EinschiffungenDeutsches Auswandererhaus, eröffnet am 8. August 2005
HamburgListen 1850–1934knapp sechs Millionen Einträge in den AuswandererlistenAuswanderermuseum BallinStadt auf dem Gelände der Auswandererhallen
Castle Garden, New York3. August 1855 bis 18. April 1890über 8 Millionen Ankünfte, zwei von drei Einwanderern dieser JahreCastle Clinton National Monument
Ellis Island, New York1892–1924 als größte Station, geschlossen 1954über 12 Millionen Ankünfte, Spitzenjahr 1907 mit 1,2 MillionenMuseum seit 10. September 1990
Karlshafen und Indianola, Texasab 1844, aufgegeben 1887Haupthafen für Einwanderer nach Westtexasverlassener Ort an der Matagorda Bay

Quellen: Deutsches Auswandererhaus; hamburg.de, Link to your Roots; National Park Service, Castle Clinton History und Ellis Island Chronology; Texas State Historical Association, Handbook of Texas: Indianola. Gelesen am 24. Oktober 2026.

2Das Deutsche Auswandererhaus: ein Museum aus einer Bürgerinitiative

Das Museum geht auf Bürger zurück, nicht auf eine Behörde. 1985 gründeten Bremerhavener den Förderverein Deutsches Auswanderermuseum, ab 1998 trieb ein Initiativkreis das Vorhaben voran, und am 8. August 2005 öffnete das Deutsche Auswandererhaus. Das Haupthaus entstand als Partnerschaft mit dem Land Bremen und der Stadt Bremerhaven, die Erweiterungen von 2012 und 2021 förderten Bund, Land, Stadt und der Europäische Fonds für regionale Entwicklung. 2007 erhielt das Haus den European Museum of the Year Award.

2.1Ein Pass für eine fremde Lebensgeschichte

Zu Beginn des Rundgangs bekommt jeder Gast ein Reisedokument mit einer Reiseroute. Es führt durch das Leben eines echten Menschen, der zwischen 1683 und 1960 ausgewandert ist: vom Abschied an der Kaje über die Überfahrt bis zur Ankunft in Übersee. Die Stationen sind aufwendig inszeniert, darunter der Kai in Bremerhaven, die schwankenden Schiffe, die Station Ellis Island und Lebenswelten von Eingewanderten im New York des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Auswanderer, denen du begegnest, kamen laut Museum aus Oldenburg, Sachsen, Österreich-Ungarn und Russland.

Der zweite Teil dreht die Richtung um. Er beginnt in der Bundesrepublik nach 1945 und erzählt, wie Menschen nach Deutschland eingewandert sind und dort ein neues Zuhause gefunden haben. Die erweiterte Dauerausstellung wurde am 26. Juni 2021 eröffnet. Die Frage, die das Haus über alles stellt, ist dieselbe wie vor 150 Jahren: Was kann ich tun, damit mein Leben besser wird?

3Familienrecherche im Museum

Wer Vorfahren sucht, kann das im Museum selbst tun. Die eigenständige Familienrecherche ist im Eintrittspreis enthalten und während der Öffnungszeiten möglich. Zur Verfügung stehen zwei externe Datenbanken. Die erste ist Ancestry mit den Passagierlisten der Schiffe, die in US-Häfen einliefen, den Hamburger Passagierlisten von 1877 bis 1914 und den amerikanischen Volkszählungen, die seit 1790 alle zehn Jahre stattfinden. Die DNA-Datenbank von Ancestry ist ausdrücklich nicht freigeschaltet.

Die zweite sind die Bremer Passagierlisten von 1920 bis 1939. Knapp 3.000 Listen liegen noch im Archiv der Handelskammer Bremen; sie machen nach Angaben des Museums 70 Prozent der Listen der Schiffe aus, die 1907/08, 1913/14 und zwischen 1920 und 1939 von Bremerhaven nach Amerika, Kanada, Südamerika oder Australien fuhren. Alle übrigen Bremer Listen sind vernichtet.

Zwei praktische Hinweise. Das Museum übernimmt keine individuellen Rechercheaufträge. Und die Ergebnisse kannst du dir nicht nach Hause mailen, die Funktion ist aus Datenschutzgründen abgeschaltet. Das Museum empfiehlt, den Bildschirm mit dem Handy zu fotografieren. Deutsche Gründlichkeit beim Datenschutz, auch für Urgroßväter, die seit über hundert Jahren tot sind. Welche Quellen du schon vorher von zu Hause durchsuchen kannst, steht in unserem Leitfaden zu Passagierlisten und Ahnenforschung.

4BallinStadt Hamburg: die Stadt vor der Abfahrt

In Hamburg hatte die Auswanderung einen eigenen Stadtteil. Albert Ballin, Generaldirektor der HAPAG, wollte den Auswanderern auf der Zwischenstation ihrer Reise eine Unterkunft schaffen. 1901 eröffnete die HAPAG unter seiner Leitung die Auswandererstadt auf der Veddel. Die Auswandererhallen wurden zum Magneten und zogen Millionen Menschen in die Stadt und den Hafen. Auf diesem Gelände steht das Auswanderermuseum BallinStadt. Es erzählt die Geschichte der Auswandererhallen und die Wege der Menschen bis in die Länder, die von ihnen geprägt wurden.

Auch hier wird gesucht: An Terminals im Museum greifst du über Ancestry auf die Hamburger Passagierlisten mit knapp sechs Millionen Einträgen zu. Die Originale, 555 Bände aus den Jahren 1850 bis 1934, liegen im Staatsarchiv Hamburg. Bremerhaven und Hamburg ergänzen sich also: Bremen hat das Museum am historischen Kai, Hamburg die besser erhaltenen Listen.

Wie man nach Amerika kam: fünf Epochen
ZeitraumVerkehrsmittelWie die Reise organisiert war
vor 1820Segelschifforganisiert, oft als Redemptioner: Überfahrt gegen spätere Arbeit
1820–1865Segelschifforganisiert, aber selbst bezahlt
1866–1930Dampferunabhängig oder über die Familie
1930–1965Motorschiff und Flugzeugpolitisch geprägt, eher Eliten und Flüchtlinge
seit 1965Flugzeugunabhängig

Quelle: Drew Keeling, „The Business of Migration since 1815“, Immigrant Entrepreneurship, German Historical Institute, Tabelle 1. Gelesen am 24. Oktober 2026.

5Castle Garden: das erste Tor in New York

Am anderen Ende der Reise lag zuerst kein Museum, sondern ein Theater. Die Festung Southwest Battery an der Südspitze Manhattans entstand zwischen 1808 und 1811, hieß ab 1817 Castle Clinton und wurde ab 1824 als Castle Garden zum Restaurant, Theater und Opernhaus. 1850 gab die schwedische Sängerin Jenny Lind hier ihr Amerika-Debüt. Fünf Jahre später sangen dort andere Stimmen.

Am 3. August 1855 öffnete Castle Garden als Landestelle für Einwanderer, die erste offizielle Einwanderungsstation des Landes. In den folgenden 34 Jahren kamen über 8 Millionen Menschen durch Castle Garden in die Vereinigten Staaten, zwei von drei Einwanderern dieser Zeit. Am 18. April 1890 wurde die Station geschlossen, als der Bund die Einwanderung selbst übernahm. Wer einen Vorfahren sucht, der zwischen 1855 und 1890 in New York ankam, sucht also in Castle Garden und nicht auf Ellis Island. Das Gebäude an der Südspitze Manhattans ist heute das Castle Clinton National Monument.

6Ellis Island: drei bis sieben Stunden bis Amerika

1892 öffnete die Einwanderungsstation auf Ellis Island; die Irin Annie Moore war die erste Einwanderin, die dort abgefertigt wurde, und bis zum Ende des ersten Geschäftsjahres kamen über 400.000 Menschen durch. Von 1892 bis 1924 war Ellis Island die größte und geschäftigste Station des Landes, mit über 12 Millionen Einwanderern. Die Kontrolle dauerte im Schnitt etwa drei bis sieben Stunden. Für die meisten war die Insel eine „Insel der Hoffnung“, für die Abgewiesenen eine „Insel der Tränen“.

Die Holzbauten brannten am 14. Juni 1897 ab. Am 17. Dezember 1900 öffnete das neue, feuerfeste Hauptgebäude, und gleich am ersten Tag wurden 2.251 Menschen untersucht. 1907 war das Spitzenjahr mit 1,2 Millionen Untersuchten. Mit dem National Origins Act von 1924 mussten Einwanderer ihr Visum schon vor der Abreise in einem amerikanischen Konsulat holen, und die Zahl der Einwanderer sank stark. Am 12. November 1954 verließen die letzten Festgehaltenen die Insel. Präsident Lyndon Johnson stellte sie am 11. Mai 1965 unter den Schutz des Statue of Liberty National Monument. Die Restaurierung von 1986 bis 1990 kostete 156 Millionen Dollar; am 10. September 1990 öffnete das Museum für das Publikum.

Seit 1924 beginnt der Weg nach Amerika also beim Konsulat und nicht mehr am Hafen. Daran hat sich im Prinzip nichts geändert: Wer heute auswandert, klärt das Visum vor der Abreise. Welche Wege es gibt, steht im Überblick US-Visum und Greencard.

7Erinnerungsorte in Texas

Für die Texas-Deutschen endete die Überfahrt nicht in New York, sondern am Golf. 1844 wählte Prinz Carl zu Solms-Braunfels, Generalkommissar des Adelsvereins, einen Strandabschnitt an der Matagorda Bay als Landeplatz für die Einwanderer nach Westtexas. Er hieß kurz Karlshafen. Daraus wurde der Hafen Indianola, zeitweise der zweitwichtigste Hafen von Texas und der wichtigste Einwandererhafen für den Westen des Landes. Der Hurrikan vom 16. September 1875 verwüstete die Stadt, der vom 20. August 1886 und ein Feuer zerstörten sie fast ganz. 1887 war der Ort verlassen.

Weiter im Inland ist die Erinnerung lebendiger. In Fredericksburg, einer Gründung des Adelsvereins, steht im alten Hotel der Familie Nimitz, deren Enkel Chester W. Nimitz im Zweiten Weltkrieg die Pazifikflotte führte, das National Museum of the Pacific War. Die deutschen Städte und Dörfer des Hill Country stellt unser Beitrag zu den deutschen Orten in Texas vor, die Geschichte der Siedler der Beitrag über die Deutschen in Texas.

Das übernehmen wir
Visa-Fahrplan

Schriftlich, welches Visum zu dir und deiner Familie passt, erstellt mit unserem Immigration Attorney.

Zur Leistung →

8Das neueste Kapitel

Ein Museum über Auswanderung ist immer auch ein Spiegel. Die Menschen in Bremerhaven, Hamburg und auf Ellis Island waren keine Abenteurer aus Romanen, sondern Bauern, Handwerker, Kaufleute und Familien, die sich ein besseres Leben bauen wollten. Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bauen seit Jahrhunderten in Amerika, und unsere Mandanten sind das neueste Kapitel dieser Geschichte. Statt einer Koje im Zwischendeck haben sie eine Gesellschaft, ein Visum und einen Plan.

Wer nach dem Museumsbesuch wissen will, wie sich dieses Amerika heute anfühlt, kann es auf der Investoren-Erlebnisreise Texas selbst erleben. Mehr zur ganzen Geschichte findest du im Überblick Die Deutschen und Amerika und im Beitrag Emigration nach Übersee.

Zusammengefasst
  • Über Bremerhaven gingen mehr als 7,2 Millionen Menschen an Bord; das Deutsche Auswandererhaus erzählt ihren Weg seit 2005 am historischen Ort.
  • Im Eintritt ist eine eigene Familienrecherche in zwei Datenbanken enthalten; Rechercheaufträge übernimmt das Museum nicht.
  • In Hamburg erinnert die BallinStadt an die Auswandererhallen der HAPAG auf der Veddel.
  • In New York waren Castle Garden (1855 bis 1890) und Ellis Island (ab 1892) die Tore, durch die Millionen kamen.
  • In Texas erinnern Indianola, der alte Landeplatz Karlshafen, und das Hill Country an die Ankunft der Deutschen.

So helfen wir dir

Perspektive Ausland · Veranstaltung

Investoren-Erlebnisreise Texas

Austin, Texas · 8. bis 12. März 2027

Fünf Tage in Austin mit Sebastian Sauerborn, damit du Texas selbst erlebst: Firmen, Visa, Immobilien, Banking und die Menschen vor Ort. Deine US-Firmengründung im Wert von $3.500 ist im Ticket enthalten, dazu ein Jahr New Horizons Club.

  • Schlüsselfertige US-Firmengründung im Wert von $3.500
  • 1 Jahr New Horizons Club im Wert von $1.299
  • Fünf Tage Programm auf Deutsch, Begleitperson kostenlos
Sebastian Sauerborn
Sebastian Sauerborn
Gründer der Kanzlei Mount Bonnell, Austin, Texas
8 Minuten Lesezeit · Stand: Oktober 2026

Mehr zum Thema Deutsche, Österreicher und Schweizer in Amerika

Alle Beiträge →