Sie kamen mit Kanonen, Tischwäsche und zwölf Gedecken. Geblieben sind Städte.
Deutsche in Texas: Wie ein Postbeamter auf der Flucht, 21 Adelige ohne Land und über 7.000 Auswanderer das Hill Country deutsch machten
Teil des Leitfadens Die Deutschen & Amerika
Wer heute nach Texas zieht, folgt einer Spur, die fast 200 Jahre alt ist. In den 1840er Jahren kamen Deutsche zu Tausenden an die Küste des Golfs von Mexiko, angeworben von einem Verein deutscher Fürsten und Grafen, der ein neues Deutschland jenseits des Atlantiks gründen wollte. Das neue Deutschland wurde nichts. Die Städte stehen bis heute: New Braunfels, Fredericksburg, Boerne, Comfort. Hier steht, wer kam, warum, was schiefging und was blieb, mit Jahreszahlen und Quellen.
Die wichtigste Quelle für diese Geschichte ist das Handbook of Texas der Texas State Historical Association (TSHA). Wo dieser Leitfaden Zahlen nennt, stammen sie von dort, aus der Forschung des Texas German Dialect Project an der University of Texas at Austin oder aus dem U.S. Census Bureau. Die Geschichte der Deutschen in Amerika insgesamt erzählt die Übersicht Die Deutschen & Amerika.
1Ein Brief aus dem Paradies: Friedrich Ernst und die ersten Siedler
Am Anfang steht ein Mann, der eigentlich nach Missouri wollte. Christian Friedrich Dirks, Postangestellter im Herzogtum Oldenburg, verließ seine Heimat 1829 mit Frau und fünf Kindern, und zwar eilig: Der Herzog warf ihm anschließend vor, eine große Summe aus der Postkasse unterschlagen zu haben. In Amerika nannte er sich Friedrich Ernst. Auf dem Schiff nach New Orleans las er einen Prospekt über Stephen F. Austins Kolonie in Texas, das damals noch zu Mexiko gehörte, und änderte das Ziel. Am 16. April 1831 erhielt er eine League Land, gut 4.400 Acres, im Nordwesten des heutigen Austin County. Die Ernsts gelten als erste deutsche Familie in Texas.
Wichtiger als das Land war ein Brief. Im Februar 1832 schrieb Ernst einem Freund in der Heimat, Texas habe ein Klima ohne Winter wie Sizilien, Wild und Fisch im Überfluss, kaum Steuern, und Land koste nicht mehr als die Gebühr des Landvermessers. Der Brief erschien in einer Zeitung in Nordwestdeutschland und in einem Auswandererratgeber. Was er wegließ, erwähnte er nicht. So funktionieren „Amerikabriefe“ bis heute.
Der Brief löste aus, was Historiker Kettenwanderung nennen: Menschen aus denselben Dörfern folgten einander und ließen sich wieder als Nachbarn nieder. 1834 gründeten Familien aus Oldenburg und Westfalen um Ludwig von Roeder und Robert Kleberg die Siedlung Cat Spring. Ernst selbst legte 1838 auf seinem Land die Ortschaft Industry an. Der Name soll auf den Fleiß der ersten Bewohner zurückgehen und auf die Zigarren, die Ernst aus eigenem Tabak herstellte. Industry gilt als erste dauerhafte deutsche Siedlung in Texas. Ernst wurde Friedensrichter, beherbergte Neuankömmlinge in seinem Haus und hieß bald „Vater der Einwanderer“. Er starb 1848.
Aus diesen Anfängen entstand der „German Belt“, ein Gürtel deutscher Siedlungen quer durch Zentraltexas, von Galveston und Houston im Osten bis Kerrville, Mason und Hondo im Westen. Wie die Orte darin heute aussehen, zeigt der Leitfaden Deutsche Orte in Texas mit Karte.
2Der Adelsverein: 21 Adelige, ein großer Plan und kein Land
Am 20. April 1842 trafen sich in Biebrich am Rhein, bei Mainz, 21 deutsche Adelige und gründeten vorläufig einen Verein. Offiziell hieß er „Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas“, in die Geschichte ging er als Adelsverein ein. Das Ziel: eine organisierte Massenauswanderung, die arme Bauern versorgen, der deutschen Industrie Absatzmärkte schaffen und den Herren Ansehen und Gewinn bringen sollte. Die Republik Texas war damals unabhängig, und mancher Fürst rechnete sich politischen Einfluss aus.
Woher kam die Begeisterung? Unter anderem aus Büchern. Das wirkungsvollste schrieb ein Altösterreicher: Carl Anton Postl, ein Ordenspriester aus Mähren, der 1823 aus Prag verschwand und als Charles Sealsfield in Amerika wieder auftauchte. Sein Roman „Das Kajütenbuch“ (1841) zeichnete Texas als große Hoffnung der Welt, als Land, in dem man abends Nägel säe und morgens Hufeisen ernte. Das TSHA-Handbuch zählt den Roman zu den Büchern, die den Adelsverein motivierten.
Am 25. März 1844 wurde der Verein formell gegründet. Als Generalkommissar schickte er Prinz Carl zu Solms-Braunfels nach Texas, einen Offizier, der damals in der kaiserlichen Armee Österreichs diente. Solms reiste, so das Handbook, mit zwei Kanonen, Tischwäsche und zwölf Gedecken. In Texas stellte er fest, dass der Verein für sein erstes Land weder Boden noch Siedlungsrechte erworben hatte. Inzwischen hatte der Verein Siedlungsrechte am Fisher-Miller-Landgebiet gekauft, zwischen Llano und Colorado River, mehr als drei Millionen Acres im Land der Comanchen, weit weg von jeder Küste.
Im Dezember 1844 landeten die ersten Auswanderer an einem Strand der Matagorda Bay, den Solms als Hafen ausgesucht hatte: Carlshafen, später Indianola. Indianola wurde zum Haupthafen für Einwanderer nach Westtexas, bis Hurrikane die Stadt 1875 und 1886 zerstörten. Seit 1887 ist der Ort verlassen.
3New Braunfels und Fredericksburg: die Kolonien, die blieben
Weil am Fisher-Miller-Land nichts vorbereitet war, kaufte Solms im März 1845 zwei Leagues Land an den Comal Springs. Am Karfreitag, dem 21. März 1845, erreichte ein Wagenzug unter Nicolaus Zink den Platz. Die Siedlung bekam den Namen von Solms' Stammsitz an der Lahn: New Braunfels. Im Sommer lebten dort 300 bis 400 Menschen. Solms verließ Texas im Mai 1845 wieder; ein Zeitgenosse nannte ihn einen „texanischen Don Quijote“.
Sein Nachfolger war ein preußischer Verwaltungsjurist, Otfried Hans Freiherr von Meusebach. Kurz nach seiner Ankunft legte er den Adelstitel ab und nannte sich John O. Meusebach. Er übernahm einen Verein in Schieflage: Schulden, zu wenig Bargeld, zu viele Menschen in zu kurzer Zeit, der Krieg mit Mexiko im Landegebiet, ein strenger Winter, Seuchen. Zwischen Oktober 1845 und April 1846 brachte der Verein 5.257 Auswanderer nach Texas, mehr als er versorgen konnte. Ein Teil von ihnen starb an Seuchen, andere blieben in Galveston, Houston oder San Antonio.
Trotzdem gründete Meusebach eine zweite Stadt. Am 8. Mai 1846 erreichte ein Wagenzug mit 120 Siedlern nach 16 Tagen den Platz am Zusammenfluss zweier Bäche nahe dem Pedernales. Meusebach nannte den Ort Fredericksburg, nach Prinz Friedrich von Preußen, einem einflussreichen Vereinsmitglied. Jeder Siedler erhielt ein Grundstück in der Stadt und zehn Acres Ackerland. Eine Epidemie tötete im Sommer und Herbst 1846 zwischen 100 und 150 Bewohner; nach zwei Jahren hatte die Stadt trotzdem fast 1.000 Einwohner. Was Fredericksburg bis heute ausmacht, von der Vereinskirche bis zu den Sonntagshäusern, steht im Leitfaden Fredericksburg, Texas.
Wirtschaftlich war der Adelsverein ein Fiasko. Ende 1847 stand er vor der Pleite, 1853 übertrug seine Nachfolgegesellschaft das Vermögen an die Gläubiger. Das Handbook nennt als Gründe nicht Gier, sondern fehlenden Geschäftssinn, die Ränke von Landspekulanten und die Naivität der Adeligen. Sein bleibendes Verdienst: Er machte Texas zu einem festen Ziel der deutschen Auswanderung.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1831 | Friedrich Ernst aus Oldenburg erhält im April eine Landzuteilung in Stephen F. Austins Kolonie; erste deutsche Familie in Texas |
| 1832 | Ernsts langer Brief über Texas zirkuliert in Deutschland und löst Kettenwanderung aus |
| 1834 | Siedler aus Oldenburg und Westfalen lassen sich in Cat Spring nieder |
| 1838 | Ernst legt auf seinem Land die Ortschaft Industry an, die erste deutsche Stadt in Texas |
| 1842 | 21 Adelige gründen am 20. April in Biebrich bei Mainz vorläufig den Adelsverein |
| 1844 | Formelle Gründung am 25. März; im Dezember landen die ersten Auswanderer bei Carlshafen, dem späteren Indianola. Henri Castro gründet Castroville mit Siedlern aus dem Elsass |
| 1845 | Gründung von New Braunfels am 21. März (Karfreitag) |
| 1846 | Der erste Wagenzug mit 120 Siedlern erreicht am 8. Mai den Platz von Fredericksburg |
| 1847 | Meusebach-Comanchen-Vertrag am San Saba (1. und 2. März); Gründung von Castell, Bettina und weiteren Siedlungen am Llano |
| 1853 | Die Nachfolgegesellschaft des Adelsvereins überträgt im September ihr Vermögen an die Gläubiger |
| 1854 | Über 500 Wenden aus der Lausitz kommen unter Pastor Johann Kilian nach Texas und gründen Serbin |
| 1862 | Gefecht am Nueces (10. August): deutsche Unionisten aus dem Hill Country werden auf dem Weg nach Mexiko angegriffen |
Quellen: Handbook of Texas Online (TSHA), Einträge „Ernst, Johann Friedrich“, „Industry, TX“, „Cat Spring, TX“, „Adelsverein“, „Castroville, TX“, „New Braunfels, TX“, „Fredericksburg, TX“, „Meusebach-Comanche Treaty“, „Castell, TX“, „Serbin, TX“, „Nueces, Battle of the“. Gelesen am 24. Oktober 2026.
4Ein Vertrag mit den Comanchen
Das Fisher-Miller-Land hatte eine Bedingung: Bis zum Herbst 1847 musste es zumindest teilweise besiedelt und vermessen sein. Es war aber das Jagdgebiet der Comanchen, und Vermesser weigerten sich hineinzugehen. Am 22. Januar 1847 brach eine bewaffnete Gruppe aus Deutschen, Mexikanern und amerikanischen Vermessern von Fredericksburg auf; Meusebach stieß zwei Tage später dazu. Der Gouverneur von Texas ließ ihn noch vor den Folgen warnen. Da liefen die Gespräche schon.
Am 1. und 2. März 1847 einigte sich Meusebach am unteren San Saba mit den Häuptlingen Buffalo Hump, Santa Anna und anderen. Die Comanchen nannten ihn wegen seines roten Bartes „El Sol Colorado“. Der Vertrag erlaubte den Siedlern, ungehindert ins Land der Comanchen zu ziehen, und den Comanchen, in die Siedlungen zu kommen; beide Seiten versprachen, Unrecht zu melden. Zwei Monate später wurde er in Fredericksburg bestätigt. Er öffnete mehr als drei Millionen Acres für die Besiedlung. Das Original liegt seit 1972 in der Texas State Library.
Im selben Jahr entstanden am Llano fünf Siedlungen: Bettina, Castell, Leiningen, Meerholz und Schoenburg. Nur Castell überlebte, im Jahr 2000 mit 72 Einwohnern. Bettina, benannt nach der Schriftstellerin Bettina von Arnim, war eine Kommune hochgebildeter Freidenker, die weniger als ein Jahr hielt. Aus ihr gingen dennoch ein bedeutender Chirurg in San Antonio, der spätere Kongressabgeordnete Gustav Schleicher und ein Leiter des texanischen Landamts hervor. Bettina gehörte zu den sogenannten Lateinischen Siedlungen, Orten, deren Bewohner so gebildet waren, dass man sie „Lateiner“ nannte. Dazu zählten auch Millheim, Latium, Sisterdale und Tusculum, aus dem später Boerne wurde. Viele Lateiner waren Flüchtlinge der gescheiterten Revolution von 1848; ihre Geschichte erzählt der Leitfaden über die Forty-Eighters.
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5Jedes Tal ein anderes Deutschland
Wer sich die Texasdeutschen als einheitliche Gruppe vorstellt, liegt falsch. Das Handbook zählt auf: Bauern und Intellektuelle, Protestanten, Katholiken, Juden und Atheisten, Preußen, Sachsen, Hessen und Elsässer, Abolitionisten und Sklavenhalter. Die meisten waren Bauern und Handwerker aus der Mittelschicht, nicht arm: Die Überfahrt erforderte eine erhebliche Summe Bargeld. Selbst im Hill Country unterschied sich jedes Tal. Am Llano lebten strenge Methodisten, die Tanz, Alkohol und Karten mieden. Am Pedernales feierten Lutheraner und Katholiken in Tanzhallen. Am Guadalupe saßen die Freidenker, Nachfahren politischer Flüchtlinge, laut Handbook die einzige ländliche Hochburg des Agnostizismus in Texas. Drei Täler, drei Deutschlands, und nur in einem davon wurde nicht getanzt.
5.1Elsässer, Wenden und Westfalen
Parallel zum Adelsverein brachte der Franzose Henri Castro mehr als 2.000 deutschsprachige Siedler, vor allem aus dem Elsass, nach Medina County. Castroville, gegründet 1844, heißt bis heute „Little Alsace“. 1854 kamen über 500 Wenden, Sorben aus der Lausitz, unter Pastor Johann Kilian und gründeten Serbin in Lee County; viele sprachen Sorbisch und Deutsch. 1889 gründeten die Brüder Flusche mit Katholiken aus Iowa und Kansas die Kolonie Muenster in Nordtexas, benannt nach der Hauptstadt Westfalens.
5.2Schweizer und Österreicher
Schon Stephen F. Austin dachte 1830 in einem Brief über Schweizer und deutsche Einwanderer nach, weil sie gegen die Sklaverei seien und nicht die angloamerikanische Spekulationswut hätten. Die Schweizer blieben in Texas wenige, aber auffällige. Der Schweizer Texas Ranger Johann Jacob Rahm half Prinz Solms 1845, den Platz für New Braunfels zu finden, und bekam dafür ein graviertes Gewehr. Ein Jahr später starb er in New Braunfels bei einem Duell. Deutschschweizer gründeten die Siedlung Schoenau in Austin County mit einem eigenen Männerchor, Vernon in Wilbarger County wurde 1893 von Schweizern besiedelt. Die Geschichte der Schweizer in Amerika insgesamt steht im Leitfaden Schweizer Auswanderer in Amerika.
Österreichische Siedlungen gab es in Texas nie, Österreicher schon. Der in Wien geborene George Bernard Erath kämpfte in der Texanischen Revolution und setzte sich später als Abgeordneter für den Anschluss an die USA ein. In San Antonio gründeten Einwanderer aus Österreich-Ungarn 1916 einen eigenen Verein, der bis in die 1950er Jahre bestand. 1990 lebten laut Handbook rund 2.500 Österreicher in Texas. Mehr über die Österreicher in Amerika steht im Leitfaden Österreicher in Amerika.
6Union, Nueces und der lange Abschied von der Sprache
Viele Deutsche im Hill Country lehnten Sklaverei und Sezession ab. Im August 1862 versuchte eine Gruppe von 61 bis 68 Unionisten, überwiegend deutsche Intellektuelle aus der Gegend um Comfort, nach Mexiko zu entkommen. Am 10. August griffen konföderierte Reiter ihr Lager am Nueces an. 19 Unionisten starben im Gefecht, neun Verwundete wurden wenige Stunden später hingerichtet. Konföderierte sprachen von einer Aktion gegen Aufständische, viele Deutsche im Hill Country von einem Massaker. Seit dem 10. August 1866 steht in Comfort das Denkmal „Treue der Union“, das einzige deutschsprachige Denkmal für die Union im Süden, an dem die Gefallenen begraben liegen.
Nach dem Bürgerkrieg legten in Galveston wieder Schiffe mit Deutschen an. Von 1865 bis Anfang der 1890er Jahre kamen wahrscheinlich rund 40.000, mehr als in den 30 Jahren davor. 1880 war ein Drittel der Bevölkerung San Antonios deutsch. In den 1890er Jahren erreichte der deutsche Einfluss in Texas seinen Höhepunkt. Danach setzten zwei Weltkriege, das Ende der Einwanderung in die ländlichen Gemeinden und schlicht der Alltag der Assimilation zu. Anfang der 1950er Jahre verstummte die deutschsprachige Presse in Texas. Wie es der Sprache erging, erzählt der Leitfaden Texasdeutsch, was Deutschamerikanern in den Kriegen widerfuhr, der Leitfaden Deutschamerikaner im Ersten und Zweiten Weltkrieg.
Einer der bekanntesten Söhne dieser Welt kam 1885 in Fredericksburg zur Welt: Chester W. Nimitz, Enkel eines deutschen Einwanderers und Hotelbesitzers, später Flottenadmiral, der im Zweiten Weltkrieg die alliierten Streitkräfte im Pazifik zum Sieg führte. Dass ein Texasdeutscher die US-Marine gegen Japan führte, gehört zu den schönen Pointen dieser Geschichte.
7Wie viele Deutsche in Texas leben
Schon 1850 stellten Menschen deutscher Geburt oder Abstammung mehr als 5 Prozent der Bevölkerung von Texas, und dieser Anteil hielt sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Bei der Volkszählung 1990 gaben 2.951.726 Texaner ganz oder teilweise deutsche Abstammung an, 17,5 Prozent der Bevölkerung. Damit waren Deutsche laut Handbook die drittgrößte Herkunftsgruppe des Staates.
Die jüngste Zahl stammt aus dem American Community Survey 2024 des Census Bureau: 2.436.652 Texaner geben deutsche Abstammung an, rund 7,8 Prozent von gut 31,3 Millionen Einwohnern. Nur in Pennsylvania, Ohio und Kalifornien sind es mehr. Die beiden Zahlen von 1990 und 2024 stammen aus verschiedenen Erhebungen mit unterschiedlicher Fragestellung; dass weniger Menschen eine deutsche Abstammung nennen, heißt nicht, dass es weniger Nachfahren gibt. Das Handbook bemerkt trocken, dass sich die meisten Texaner deutscher Abstammung ohnehin nicht als Deutsche verstehen. Sie sind Texaner. Wie die deutsche Gemeinschaft heute lebt, mit Konsulat, Vereinen und Schulen, zeigt der Leitfaden Die deutsche Community in Texas.
| Zeitpunkt | Zahl | Was gezählt wurde |
|---|---|---|
| 1844–1847 | über 7.000 | Deutsche, die in diesen Jahren nach Texas kamen, die meisten über den Adelsverein |
| 1850 | 8.266 | in Deutschland Geborene in Texas; zusammen mit ihren Kindern mehr als 5 Prozent der Bevölkerung |
| 1860 | rund 30.000 | Texasdeutsche, Eingewanderte und ihre in Amerika geborenen Kinder; die Zahl der in Deutschland Geborenen lag über 20.000 |
| 1865 bis Anfang der 1890er | wahrscheinlich rund 40.000 | neu angekommene Deutsche, mehr als in den 30 Jahren vor dem Bürgerkrieg |
| 1880 | ein Drittel | Anteil der Deutschen an der Bevölkerung von San Antonio |
| 1990 | 2.951.726 | Texaner mit ganz oder teilweise deutscher Abstammung, 17,5 Prozent der Bevölkerung (Volkszählung) |
| 2024 | 2.436.652 | Texaner, die deutsche Abstammung angeben, rund 7,8 Prozent der Bevölkerung (American Community Survey, Schätzung) |
Quellen: TSHA, Handbook of Texas Online, Einträge „Germans“ und „Adelsverein“; Boas und Pierce (2011), zitiert vom Texas German Dialect Project, tgdp.org („About Texas German“, nach Jordan 1975); U.S. Census Bureau, American Community Survey 2024, 1-Jahres-Schätzung, Tabelle B04006. Die Zahlen von 1990 und 2024 beruhen auf unterschiedlichen Erhebungen und sind nicht direkt vergleichbar. Gelesen am 24. Oktober 2026.
8Das nächste Kapitel
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- Die deutsche Einwanderung nach Texas beginnt 1831 mit Friedrich Ernst aus Oldenburg, dessen Briefe eine Kettenwanderung auslösten; Industry gilt als erste deutsche Stadt in Texas.
- Der Adelsverein brachte ab Dezember 1844 über 7.000 Deutsche nach Texas, gründete New Braunfels (1845) und Fredericksburg (1846) und ging trotzdem pleite.
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