Am 1. Juni holt Delaware sich seine Jahressteuer, und wer schweigt, zahlt jeden Monat anderthalb Prozent dazu
Die Jahressteuer der Delaware LLC war gestern fällig, für das Steuerjahr 2025 noch mit 300 Dollar; ab dem Steuerjahr 2026 sind es 400 Dollar. Wer nicht zahlt, zahlt anderthalb Prozent Zinsen je angefangenem Monat. Das steht so im Gesetz.
Es ist der zweite Delaware-Termin des Jahres, und er trifft eine völlig andere Gruppe als der erste. Am 1. März waren die Kapitalgesellschaften dran. Gestern waren es die LLC.
Und weil im deutschsprachigen Internet über die amerikanische LLC viel geschrieben und wenig nachgelesen wird, hier die Zahlen aus dem Gesetz selbst.
Was im Delaware Code steht
Der Abschnitt 18-1107 des sechsten Titels regelt es unmissverständlich. Jede inländische und jede zum Geschäftsbetrieb in Delaware registrierte ausländische Gesellschaft mit beschränkter Haftung zahlt eine jährliche Steuer in Höhe von 400 Dollar. Für jede eingetragene Serie kommen 100 Dollar hinzu.
Fällig ist der Betrag am ersten Juni nach Ablauf des Kalenderjahres, oder bei Löschung der Gesellschaft.
Und wenn er offen bleibt: Die Steuer verzinst sich mit anderthalb Prozent für jeden Monat oder Teilmonat bis zur vollständigen Zahlung.
Vierhundert Dollar gelten ab dem Steuerjahr 2026 und sind damit erstmals am 1. Juni 2027 fällig. Für die Zahlung von gestern, das Steuerjahr 2025, verlangte Delaware noch dreihundert Dollar. Wer für die Zeit ab 2026 mit dreihundert kalkuliert, sollte die Zahl korrigieren.
Was eine LLC in Delaware sonst nicht muss
Anders als die Kapitalgesellschaft reicht sie keinen Jahresbericht ein. Sie meldet keine Direktoren, keine Gesellschafter, keine Adressen an den Bundesstaat. Sie zahlt ihre Pauschale, und das war es.
Genau diese Schlichtheit ist der Grund, warum Delaware für Holdinggesellschaften so beliebt ist. Es gibt wenig zu tun und wenig, was schiefgehen kann.
Und genau diese Schlichtheit verführt dazu, die Gesellschaft zu vergessen. Vierhundert Dollar sind kein Betrag, der auffällt, wenn er ausbleibt, und der Bundesstaat schickt keine Rechnung an dich, sondern höchstens an deinen Registered Agent.
Was passiert, wenn man es vergisst
Zunächst laufen Zinsen. Danach verliert die Gesellschaft ihren guten Stand. Nach drei Jahren ohne Zahlung wird sie in Delaware üblicherweise für aufgelöst erklärt.
Aufgelöst heißt nicht verschwunden. Die Verbindlichkeiten bleiben, die Steuerpflichten gegenüber der Bundesebene bleiben, und wer die Gesellschaft wiederbeleben will, zahlt alle offenen Jahre plus Zinsen plus eine Wiederherstellungsgebühr.
Ich habe Fälle gesehen, in denen jemand eine vergessene Gesellschaft nach fünf Jahren reaktivieren wollte, weil ein Vertrag daran hing, und am Ende einen vierstelligen Betrag für eine Firma zahlte, die nie einen Umsatz gemacht hatte.
Wofür sich eine Delaware-LLC wirklich eignet
Nach zwei Jahren Beratungspraxis mit europäischen Gründern lässt sich das ziemlich klar sortieren.
Gut geeignet: als Holding, die Beteiligungen hält und selbst nichts tut. Als Gesellschaft für Investoren, die das Recht dieses Staates kennen und verlangen. Als Vehikel für Verträge zwischen mehreren Parteien, die ein neutrales, ausgereiftes Gesellschaftsrecht wollen.
Schlecht geeignet: als operative Gesellschaft für einen Betrieb, der ganz woanders sitzt. Wer in Florida verkauft, in Texas lagert und in Kalifornien Kunden besucht, hat von Delaware nichts als eine zweite Registrierung.
Die Frage ist also nie, ob Delaware gut ist. Delaware ist ausgezeichnet. Die Frage ist, ob es für dich etwas leistet, das ein anderer Bundesstaat nicht auch leistet.
Was eine LLC für Deutsche steuerlich bedeutet
Und hier kommt der Punkt, an dem im deutschsprachigen Netz das meiste Unheil angerichtet wird.
Eine amerikanische LLC ist steuerlich ein Chamäleon. In den Vereinigten Staaten kann sie als transparent, als Personengesellschaft oder als Kapitalgesellschaft behandelt werden, je nach Wahl. Deutschland entscheidet dagegen nach eigenen Maßstäben, ob es sie als Kapitalgesellschaft oder als Personengesellschaft ansieht, und stellt dabei auf die tatsächliche Ausgestaltung ab.
Das kann dazu führen, dass dieselbe Gesellschaft in beiden Ländern unterschiedlich eingeordnet wird. Und wo zwei Rechtsordnungen dieselbe Gesellschaft verschieden sehen, entstehen Lücken und Doppelbelastungen, die man mit dem Abkommen nicht immer auflösen kann.
Wer also in Deutschland wohnt und eine amerikanische LLC hält, sollte diese Frage vor der Gründung klären und nicht nach der ersten Steuererklärung. Die Konstellation ohne amerikanische Betriebsstätte, um die sich das meiste Marketing dreht, behandelt unsere Schwesterkanzlei Nullsteuer LLC. Die Grundlagen stehen in Besteuerung deiner US-LLC und in steuerliche Behandlung an deinem Wohnsitz.
Der Vergleich, den man einmal machen sollte
Wer eine Holding sucht, vergleicht üblicherweise Delaware und Wyoming. Hier die nüchterne Gegenüberstellung.
Delaware: 400 Dollar jährlich für die LLC, kein Jahresbericht, ein eigenes Gericht für Gesellschaftsrecht mit jahrzehntelanger Rechtsprechung, und ein Name, den jeder Investor und jede Bank kennt.
Wyoming: deutlich niedrigere Jahresgebühren, ein einfaches Register, ebenfalls keine Einkommensteuer des Bundesstaats, aber ohne die gewachsene Rechtsprechung und ohne den Namen.
Für eine Familienholding ohne Investoren und ohne Streitpotenzial ist Wyoming in aller Regel die vernünftigere Wahl. Für alles, wo später Kapital, Gesellschafterstreit oder ein Verkauf im Raum steht, ist Delaware das Geld wert.
Was in beiden Fällen gleich bleibt: Die Gesellschaft muss geführt werden, sie hat Fristen, und sie hat Meldepflichten gegenüber der Bundesebene, die von der Wahl des Staates völlig unberührt sind.
Was du in dieser Woche tun solltest
Prüfe online, ob deine Gesellschaft in gutem Stand geführt wird. Beide Register sind öffentlich, es dauert zwei Minuten.
Prüfe, ob die Zahlung angekommen ist. Wenn du über einen Dienstleister zahlst, bedeutet dessen Rechnung nicht, dass er auch überwiesen hat.
Prüfe dein Zahlungsmittel beim Registered Agent. Abgelaufene Karten sind die häufigste Ursache für abgebrochene Vertretungsverhältnisse und damit für verlorene Post vom Bundesstaat.
Und trage dir den 1. März und den 1. Juni fest ein, je nachdem, welche Rechtsform du hast. Zwei Daten, ein Kalender, und dieses Thema ist für immer erledigt.
Und eine Bemerkung zur Bequemlichkeit
Die amerikanische LLC ist im deutschsprachigen Netz zu einem Versprechen geworden, das sie nicht halten kann. Man liest von Anonymität, von Steuerfreiheit, von unbürokratischer Führung.
Anonymität gegenüber der Öffentlichkeit gibt es in manchen Bundesstaaten. Anonymität gegenüber der Bundesbehörde gibt es nicht, und gegenüber der Bank erst recht nicht.
Steuerfreiheit gibt es nur, wenn tatsächlich keine steuerpflichtige Anknüpfung in den Vereinigten Staaten besteht, und dann stellt sich sofort die Frage, was dein Wohnsitzstaat dazu sagt. Für einen in Deutschland Ansässigen ist die interessante Steuerfrage fast nie die amerikanische.
Unbürokratisch ist sie in der Führung tatsächlich, verglichen mit einer GmbH. Sie hat nur Fristen, an die niemand erinnert, und Meldungen, deren Verletzung fünfstellig sanktioniert wird.
Wer das weiß und trotzdem gründet, gründet richtig. Wer es nicht weiß, gründet ein Problem, das erst in drei Jahren sichtbar wird.
Was der 1. Juni sonst noch bedeutet
Er ist in Delaware nicht nur der Stichtag für die Jahressteuer der LLC. Für Kapitalgesellschaften, die im Vorjahr eine hohe Franchise Tax hatten, ist er zugleich der Termin für die erste Rate der Vorauszahlung des laufenden Jahres.
Der Delaware Code sieht dafür einen eigenen Rhythmus vor: vierzig Prozent zum 1. Juni, zwanzig Prozent zum 1. September, zwanzig Prozent zum 1. Dezember und der Rest zum 1. März.
Das betrifft nur größere Gesellschaften, aber wer eine hat, sollte diese vier Termine im Kalender haben und nicht nur den einen im März.
Und noch ein Detail, das in der Praxis regelmäßig übersehen wird: Wer im Lauf eines Jahres gründet, zahlt bei einer Kapitalgesellschaft für dieses Jahr anteilig, bei einer LLC aber die volle Jahressteuer, denn Delaware rechnet sie nicht anteilig ab. Die Pflichten beginnen in beiden Fällen sofort. Eine im November gegründete Gesellschaft hat bereits im folgenden Frühjahr ihren ersten Termin.
Die drei Sätze, die ich am häufigsten sage
Erstens: Die Rechtsform folgt dem Geschäft, nicht umgekehrt. Wer erst die LLC gründet und dann überlegt, was er damit macht, hat die Reihenfolge vertauscht.
Zweitens: Der Sitzstaat folgt der Tätigkeit. Wer in Florida arbeitet, gründet in Florida, es sei denn, es gibt einen konkreten Grund dagegen.
Drittens: Eine amerikanische Gesellschaft ist billig zu gründen und nicht kostenlos zu führen. Wer die laufenden Kosten nicht einplant, hat in drei Jahren ein Problem, das teurer ist als alles, was er gespart hat.
Wenn du deine bestehende Gesellschaft prüfen lassen oder die Fristen abgeben willst, sprich mit der Kanzlei Mount Bonnell in Austin, Texas.
Der Grundsatz, der über allem steht
Eine amerikanische Gesellschaft ist ein Werkzeug, kein Statussymbol. Sie ist schnell gegründet, günstig geführt und außerordentlich flexibel, solange man sie führt.
Was sie nicht ist: eine Lösung für ein Problem, das man noch nicht benannt hat. Wer nicht sagen kann, was seine Gesellschaft tun soll, in welchem Bundesstaat sie tätig sein wird und wie das Geld zu ihm zurückkommt, sollte mit der Gründung warten, bis er es kann.
Diese drei Fragen kosten ein Gespräch. Sie falsch zu beantworten kostet Jahre.
Und eine praktische Empfehlung zum Schluss
Lege für jede amerikanische Gesellschaft, die du hältst, eine einzige Seite an. Darauf: Name, Bundesstaat, Registrierungsnummer, Gründungsdatum, Steuernummer, Registered Agent mit Vertragslaufzeit, Bank, und die drei bis fünf jährlichen Fristen mit Datum.
Diese eine Seite ist mehr wert als jeder Ordner. Sie beantwortet in zehn Sekunden die Fragen, die dir eine Bank, ein Käufer, ein Anwalt oder ein Prüfer stellt, und sie zeigt dir jedes Jahr im Januar, was ansteht.
Wer mehrere Gesellschaften hat, hat mehrere solcher Seiten und eine Übersicht darüber. Das ist die gesamte Verwaltung, die eine gut geführte amerikanische Struktur braucht.
Die Frage, die man sich einmal im Jahr stellen sollte
Brauche ich diese Gesellschaft noch?
Wenn ja: Fristen in den Kalender, Registered Agent prüfen, Zahlungsmittel aktualisieren. Zwei Stunden im Jahr.
Wenn nein: ordentlich auflösen. Das kostet einmal Gebühren und beendet die Pflichten in Delaware und, wenn es sauber gemacht wird, auch die auf Bundesebene.
Was man nicht tun sollte, ist die dritte Variante: sie liegen lassen und hoffen. Denn während der Bundesstaat nach drei Jahren aufgibt, gibt die Bundessteuerbehörde nicht auf. Für nicht eingereichte Erklärungen und fehlende Meldungen über Geschäfte mit dem ausländischen Gesellschafter läuft keine Verjährung, solange nichts eingereicht ist.
Wie das zusammenhängt, steht in Compliance bei der US-LLC und in Laufende Verwaltung von US-Gesellschaften.
Nachtrag: Wie es weitergeht, steht in Delaware hat still die Preise erhöht, und deine LLC zahlt jetzt 400 Dollar im Jahr.
Beratung & Umsetzung
Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.