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Kanzlei Mount Bonnell

Zu Hause zeigst du die Karte und gehst. Hier kommt die Rechnung nach.

Arzt und Zahnarzt in den USA: wer dich behandelt, wer zahlt und wie du die Rechnung klein hältst

Teil des Leitfadens Ankommen in den USA: deine ersten 90 Tage als Checkliste, vom Flughafen bis zum eigenen Führerschein

Amerikanische Ärzte sind gut, und sie sind teuer. Wer weiß, wohin er mit welchem Problem geht, welche Praxis zum Netzwerk seiner Versicherung gehört und welche Rechte er bei der Rechnung hat, bezahlt einen Bruchteil dessen, was andere für dieselbe Behandlung zahlen.

Wer zum ersten Mal in Amerika zum Arzt geht, erlebt zwei Überraschungen. Die erste ist oft angenehm: eine moderne Praxis und ein Arzt, der sich Zeit nimmt. Die zweite kommt Wochen später mit der Post: eine Rechnung, oft von mehreren Absendern, mit Positionen, die niemand vorher erwähnt hat. Zwischen diesen beiden Erlebnissen liegt das, was du über das amerikanische Gesundheitssystem wissen musst.

Dieser Leitfaden erklärt, wie Netzwerk und Versicherung zusammenhängen, was ein Arztbesuch kostet, wann du zum Hausarzt, zur Urgent Care oder in die Notaufnahme gehst, welche Rechte du bei der Rechnung hast, wie du an Rezepte kommst und was beim Zahnarzt anders ist. Welche Versicherung zu dir passt, steht in eigenen Beiträgen, etwa unter Krankenversicherung USA: Kosten und im Leitfaden zur Krankenversicherung nach Alter. Wann du dich versichern kannst und solltest, zeigt die Checkliste für die ersten 90 Tage.

1Erst die Versicherung, dann der Arzt

In Deutschland, Österreich und der Schweiz suchst du dir einen Arzt und zeigst deine Karte. In den USA beginnt die Suche bei der Versicherung. Jede Versicherung hat ein Netzwerk: die Ärzte, Kliniken und anderen Anbieter, mit denen sie Verträge geschlossen hat. Gehst du zu einem Arzt in diesem Netzwerk, gilt der Preis, den die Versicherung mit ihm ausgehandelt hat, und du zahlst deinen Anteil nach deinem Vertrag.

Gehst du zu einem Arzt außerhalb des Netzwerks, wird es teurer. Viele Verträge zahlen dann gar nicht, andere nur einen kleineren Teil. Den Rest trägst du, und der Arzt ist an keinen ausgehandelten Preis gebunden. healthcare.gov nennt als Beispiel eine Beteiligung von 40 Prozent außerhalb des Netzwerks, die in der Regel höher liegt als innerhalb.

Welche Art von Netzwerk du hast, hängt vom Vertragstyp ab. Bei manchen Verträgen brauchst du eine Überweisung vom Hausarzt, bevor du zum Facharzt gehst, bei anderen nicht. Die Unterschiede erklärt der Beitrag HMO, PPO, POS und EPO, die Begriffe rund um Selbstbehalt und Prozentanteil die Beiträge zum Selbstbehalt und zur Coinsurance.

2Was ein Arztbesuch kostet

Feste Preise wie in der deutschen Gebührenordnung gibt es in den USA nur in staatlichen Programmen wie Medicare. Sonst setzt jeder Anbieter eigene Preise, und jede Versicherung handelt eigene Rabatte aus. Einen Anhaltspunkt geben staatliche Erhebungen. Nach dem Medical Expenditure Panel Survey der Bundesbehörde AHRQ lagen die Gesamtausgaben für einen Arztbesuch in der Praxis 2016 im Durchschnitt bei 265 Dollar, der Median bei 116 Dollar. Beim Hausarzt waren es im Durchschnitt 186 Dollar, beim Orthopäden 419 Dollar. Die Zahlen sind ältere Werte und zeigen die Größenordnung, nicht den Preis von heute.

Bei Besuchen, für die der Patient selbst etwas zahlte, lag dieser Anteil im Median bei 30 Dollar. Für Krankenhausaufenthalte gelten andere Dimensionen: healthcare.gov nennt bis zu 7.500 Dollar für die Behandlung eines Beinbruchs und rund 30.000 Dollar für einen dreitägigen Krankenhausaufenthalt. Genau dafür gibt es die Obergrenze für deine eigenen Kosten. Bei Verträgen aus dem Marketplace beträgt sie für 2026 höchstens 10.600 Dollar für eine Person und 21.200 Dollar für eine Familie, für 2027 höchstens 12.000 und 24.000 Dollar. Ist sie erreicht, zahlt die Versicherung für den Rest des Jahres die gedeckten Leistungen im Netzwerk voll.

Die Prämie zählt nicht zur Obergrenze, ebenso wenig Leistungen, die dein Vertrag nicht deckt. Wer außerhalb des Netzwerks behandelt wird, kann deutlich mehr zahlen. Das ist der wichtigste Grund, das Netzwerk ernst zu nehmen.

Was ein Arztbesuch in der Praxis kostete (Gesamtausgaben je Besuch, 2016)
FachrichtungDurchschnitt
alle Arztbesuche in der Praxis$265 (Median $116)
Hausärzte (Primary Care)$186
Kinderärzte$169
Psychiater$159
Kardiologen$335
Orthopäden$419
Selbst gezahlter Anteil, wenn etwas selbst gezahlt wurdeMedian $30, je nach Fachrichtung $25 bis $40

Quelle: Agency for Healthcare Research and Quality, Medical Expenditure Panel Survey, Statistical Brief #517 (Oktober 2018), Werte für 2016. Gesamtausgaben aus allen Quellen, also Versicherung und Patient zusammen. Gelesen am 24. Oktober 2026.

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3Einen Hausarzt finden

Such dir deinen Hausarzt, den Primary Care Physician, solange du gesund bist. Er ist deine erste Anlaufstelle für Vorsorge, Impfungen, Krankheiten ohne Eile und laufende Behandlungen, und bei manchen Verträgen schreibt er die Überweisungen zum Facharzt. Wer erst mit Fieber sucht, sucht unter Zeitdruck, und eine Praxis, die neue Patienten aufnimmt, findet sich nicht immer am selben Tag.

Am einfachsten ist die Suche über das Verzeichnis deiner Versicherung. Ruf die Praxis an, bevor du einen Termin vereinbarst, und frag, ob sie neue Patienten nimmt und ob sie deinen Vertrag akzeptiert. Ein Verzeichnis kann veraltet sein, und eine kurze Frage am Telefon erspart dir eine Rechnung außerhalb des Netzwerks.

Ein Vorteil, den viele nicht kennen: Vorsorgeleistungen wie Impfungen und Früherkennungsuntersuchungen sind bei Ärzten im Netzwerk in der Regel ohne Zuzahlung gedeckt, auch wenn du den Selbstbehalt noch nicht erreicht hast. healthcare.gov weist darauf hin, dass das nicht in jedem Fall garantiert ist. Frag deshalb bei der Terminvergabe nach, ob der Termin als Vorsorge abgerechnet wird. Die Grundlagen beschreibt auch der Beitrag 5 Fakten zur medizinischen Grundversorgung.

4Urgent Care, Notaufnahme oder Hausarzt?

Zwischen Hausarzt und Krankenhaus gibt es in den USA eine dritte Ebene: die Urgent Care. Gemeint ist die Behandlung einer Krankheit, einer Verletzung oder eines Zustands, der so ernst ist, dass ein vernünftiger Mensch sofort Hilfe sucht, aber nicht so schwer, dass er in die Notaufnahme gehört. Eine Schnittwunde, eine Ohrenentzündung am Wochenende, ein verstauchter Knöchel: Das ist Urgent Care. Du brauchst meist keinen Termin, und auch hier gilt: Prüf vorher, ob die Einrichtung zum Netzwerk deiner Versicherung gehört.

Die Notaufnahme, der Emergency Room, ist für echte Notfälle da: Brustschmerzen, Atemnot, schwere Verletzungen. Im Notfall wählst du 911. Krankenhäuser mit Notaufnahme, die an Medicare teilnehmen, müssen nach dem Bundesgesetz EMTALA von 1986 jeden untersuchen, der wegen eines Notfalls kommt, und ihn stabilisieren, unabhängig davon, ob er zahlen kann. Das schützt dich in der Not, nicht vor der Rechnung danach.

Manche Verträge enthalten auch Telemedizin, also ein Gespräch mit einem Arzt per Video. Ob und zu welchen Bedingungen deiner das tut, steht in den Vertragsunterlagen. Die Tabelle fasst zusammen, wohin du mit welchem Problem gehst.

Wohin mit welchem Problem
AnlaufstelleWofürWas du wissen solltest
Hausarzt (Primary Care Physician)Vorsorge, Impfungen, Krankheiten ohne Eile, laufende Behandlung, ÜberweisungenVorsorge im Netzwerk meist ohne Zuzahlung; Termin nötig, für Routine oft mit Wartezeit
Urgent CareKrankheit oder Verletzung, die sofort behandelt werden sollte, aber keine Notaufnahme brauchtohne Termin; prüf vorher, ob die Einrichtung im Netzwerk ist
Notaufnahme (Emergency Room)echte Notfälle, Notruf 911Krankenhäuser mit Notaufnahme, die an Medicare teilnehmen, müssen untersuchen und stabilisieren, unabhängig von der Zahlungsfähigkeit; Schutz vor Rechnungen außerhalb des Netzwerks
ZahnarztZähne, meist eigene VersicherungZahnbehandlung für Erwachsene ist keine Pflichtleistung der Krankenversicherung

Quelle: healthcare.gov, Glossary (Urgent care, Emergency room care) und Preventive care benefits; CMS, Emergency Medical Treatment and Labor Act (EMTALA) und Medical bill rights; healthcare.gov, Dental coverage. Gelesen am 24. Oktober 2026.

5Schutz vor Überraschungsrechnungen

Ein Beispiel: Du gehst in ein Krankenhaus deines Netzwerks, und ein Arzt, den du nie ausgesucht hast, rechnet außerhalb des Netzwerks ab. Dagegen schützt dich der No Surprises Act. Er gilt für die meisten Arten von Krankenversicherung und schützt vor überraschenden Rechnungen außerhalb des Netzwerks bei Besuchen in der Notaufnahme, bei Behandlungen, die mit einem Besuch in einem Krankenhaus, einer Krankenhausambulanz oder einem ambulanten OP-Zentrum deines Netzwerks zusammenhängen, und bei Rettungsflügen.

Wer keine Versicherung hat oder sie nicht nutzt, hat einen eigenen Anspruch: Die Anbieter müssen in der Regel einen Kostenvoranschlag in gutem Glauben ausstellen, den Good Faith Estimate. Du bekommst ihn, wenn du den Termin mindestens drei Arbeitstage (Montag bis Freitag) vorher vereinbarst oder ausdrücklich danach fragst. Liegt die Rechnung später mindestens 400 Dollar über dem Voranschlag, kannst du sie anfechten.

Prüf jede Rechnung, bevor du zahlst. Vergleiche sie mit der Abrechnung deiner Versicherung, der Explanation of Benefits, die dir zeigt, was berechnet, was gezahlt und was dein Anteil ist. Liegt die Rechnung über deinem Anteil laut Abrechnung, sprich mit der Praxis; Fragen dazu, was gedeckt ist, beantwortet die Versicherung.

6Rezepte und Medikamente

Ein Rezept aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz löst eine amerikanische Apotheke in aller Regel nicht ein; nur sehr wenige dürfen das, und das regelt jeder Bundesstaat selbst. Für die Ankunft erlaubt die Arzneimittelbehörde FDA Ausländern ohne Green Card, einen Vorrat für 90 Tage mitzubringen oder schicken zu lassen; wer länger bleibt, kann sich weitere Medikamente schicken lassen. Nimm eine Kopie des Rezepts auf Englisch mit, und für Medikamente, die in den USA als Betäubungsmittel gelten, prüf die zusätzlichen Regeln der Drogenbehörde DEA, auf die auch die Grenzbehörde CBP verweist.

Willst du nach den ersten drei Monaten Medikamente in einer amerikanischen Apotheke holen, brauchst du einen Arzt vor Ort, der das Rezept neu ausstellt. Das ist ein weiterer Grund, den Hausarzt früh zu suchen. Bring zum ersten Termin eine Liste deiner Medikamente mit Wirkstoff und Dosierung mit, denn Markennamen unterscheiden sich zwischen Europa und Amerika oft.

7Der Zahnarzt

Beim Zahnarzt endet die Krankenversicherung meist. Zahnbehandlung für Erwachsene gehört in den USA nicht zu den Pflichtleistungen einer Krankenversicherung, und die Verträge müssen sie nicht anbieten. Für Kinder bis 18 Jahre ist es anders: Hier ist Zahnbehandlung eine Pflichtleistung, und im Marketplace muss eine Zahnversicherung für das Kind als Teil des Vertrags oder als eigener Vertrag angeboten werden. Abschließen musst du sie trotzdem nicht.

Für Erwachsene gibt es eigene Zahnversicherungen, im Marketplace und auf dem freien Markt. Sie kosten eine eigene Prämie und können Wartezeiten haben, in denen sie bestimmte Leistungen noch nicht zahlen, obwohl du die Prämie schon zahlst. Frag vor dem Abschluss genau danach.

Günstiger behandelt wirst du an den Zahnkliniken der Universitäten. Dort behandeln Studierende unter enger Aufsicht erfahrener, zugelassener Zahnärzte, und die Behandlung kostet weniger; das empfiehlt auch das National Institute of Dental and Craniofacial Research der Bundesgesundheitsbehörde NIH. Eine zweite Möglichkeit sind die staatlich geförderten Gesundheitszentren, in denen du nach deinem Einkommen zahlst. Und ein einfacher Rat: Lass vor dem Umzug noch einmal alles machen, was ohnehin ansteht.

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8Ohne Versicherung zum Arzt

Wer, aus welchem Grund auch immer, ohne Versicherung zum Arzt geht, ist in den USA ein Selbstzahler. Das ist nicht verboten und nicht unüblich, aber teuer, wenn man es nicht plant. Frag bei der Terminvergabe nach dem Preis für Selbstzahler und nach dem Good Faith Estimate, auf den du dann Anspruch hast. Frag ausdrücklich nach einem Preis für Selbstzahler, bevor die Behandlung beginnt.

Für einfache Behandlungen kommen auch die staatlich geförderten Gesundheitszentren infrage. Die Bundesbehörde HRSA führt eine Suche nach Gesundheitszentren in deiner Nähe, und dort richtet sich der Preis nach dem, was du zahlen kannst. Im Notfall gilt das Gesetz EMTALA unabhängig von der Versicherung.

Die bessere Lösung ist, gar nicht erst ohne Versicherung dazustehen. Wer aus dem Ausland in die USA zieht, kann sich im Marketplace in der Regel innerhalb von 60 Tagen nach dem Umzug versichern, auch außerhalb der jährlichen Einschreibefrist. Bis die Versicherung greift, sollte eine Reise- oder internationale Krankenversicherung laufen. Wie du die ersten Monate so ordnest, dass keine Lücke entsteht, zeigt die Checkliste für die ersten 90 Tage.

Zusammengefasst
  • In den USA zählt zuerst das Netzwerk deiner Versicherung: Ärzte im Netzwerk haben Verträge mit ihr, außerhalb zahlst du in der Regel mehr.
  • Ein Arztbesuch in der Praxis kostete nach der staatlichen Erhebung MEPS im Jahr 2016 im Durchschnitt $265, beim Hausarzt $186; healthcare.gov nennt bis zu $7.500 für einen Beinbruch.
  • Vorsorge beim Arzt im Netzwerk ist meist ohne Zuzahlung, Urgent Care deckt das Dringende ohne Notfall ab, die Notaufnahme die echten Notfälle.
  • Der No Surprises Act schützt vor überraschenden Rechnungen außerhalb des Netzwerks; ohne Versicherung hast du Anspruch auf einen Kostenvoranschlag und kannst eine Rechnung anfechten, die ihn um mindestens $400 übersteigt.
  • Zahnbehandlung für Erwachsene ist keine Pflichtleistung; Zahnkliniken an Universitäten behandeln günstiger.

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Sebastian Sauerborn
Sebastian Sauerborn
Gründer der Kanzlei Mount Bonnell, Austin, Texas
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