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Kanzlei Mount Bonnell

Dein Föhn hat 230 Volt gelernt. Amerika spricht 120.

Handy, Internet und Strom in den USA: anmelden ohne Kreditgeschichte, mit eSIM, 120 Volt und dem richtigen Stecker

Teil des Leitfadens Ankommen in den USA: deine ersten 90 Tage als Checkliste, vom Flughafen bis zum eigenen Führerschein

Telefon, Internet und Strom sind die ersten Verträge in Amerika, und sie fragen nach etwas, das du noch nicht hast: einer Kreditgeschichte. Mit Prepaid, eSIM und den Regeln für Kautionen kommst du trotzdem schnell ans Netz, und die Rechnungen, die dann kommen, öffnen dir die nächste Tür.

Die ersten Verträge, die du in Amerika abschließt, sind nicht die großen. Es sind Telefon, Internet und Strom. Sie entscheiden darüber, ob du in der ersten Woche erreichbar bist, ob deine Kinder abends ihre Hausaufgaben hochladen können und ob das Licht angeht, wenn du die Tür zur neuen Wohnung aufschließt. Und sie stellen dir gleich am Anfang eine sehr amerikanische Frage: Wie steht es um deine Kreditgeschichte?

Als Neuankömmling hast du keine. Das ist kein Hindernis, solange du die Wege daran vorbei kennst. Dieser Leitfaden zeigt, wie du ohne Bonitätsprüfung zu einer amerikanischen Nummer kommst, ob dein Telefon aus Europa funktioniert, wie du Internet und Strom anmeldest, was eine Kaution kosten darf und warum dein Föhn aus Deutschland in Amerika ein Fall für den Spannungswandler sein kann. Wo diese Schritte in deinen ersten Wochen stehen, zeigt die Checkliste für die ersten 90 Tage.

1Warum der erste Vertrag nach deiner Bonität fragt

In Amerika bezahlst du viele Dienstleistungen nachträglich. Der Anbieter liefert einen Monat lang und schickt dann die Rechnung. Er geht damit ein Risiko ein, und dieses Risiko misst er an deiner Kreditgeschichte. Die Telekommunikationsbehörde FCC beschreibt das für Mobilfunk ausdrücklich: Verträge, die am Monatsende nach der erbrachten Leistung abgerechnet werden, verlangen bei einem neuen Konto oft eine Bonitätsprüfung, können eine Mindestlaufzeit haben und eine Gebühr bei vorzeitiger Kündigung.

Für Strom gilt dasselbe Prinzip, nur geregelter. In Texas darf ein Stromanbieter im Wettbewerbsmarkt von Kunden ohne nachgewiesene Kreditwürdigkeit eine Kaution verlangen, die Höhe ist aber begrenzt. Und beim Internet zu Hause hängt es vom Anbieter ab, ob er nach deiner Bonität fragt oder mit einer Vorauszahlung zufrieden ist.

Die Lösung für die ersten Wochen ist deshalb einfach: Was du im Voraus bezahlst, braucht keine Kreditgeschichte. Und was du danach pünktlich bezahlst, hilft dir, eine aufzubauen. Wer schon vor dem Umzug ein Konto und eine Kreditgeschichte in den USA aufbaut, kommt an und fängt nicht bei null an.

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2Die erste Nummer: Prepaid, eSIM oder Vertrag

Für die ersten Tage reicht ein Prepaid-Tarif, als SIM-Karte oder als eSIM. Du zahlst im Voraus, meist für einen Monat, und in der Regel fragt niemand nach deiner Bonität. Manche Anbieter aktivieren die eSIM nur, solange du in den USA bist; prüf deshalb schon vor dem Flug, ob dein Telefon unterstützt wird, dann hast du kurz nach der Landung eine amerikanische Nummer. Das ist mehr als Bequemlichkeit: Bank, Vermieter, Schule und Versorger wollen eine amerikanische Nummer, und viele Dienste schicken ihre Bestätigungscodes nur dorthin.

Einen Vertrag mit Rechnung kannst du später abschließen, wenn du eine Kreditgeschichte hast oder der Anbieter eine Kaution akzeptiert. Er bindet dich aber. Die FCC weist darauf hin, dass solche Verträge eine Mindestlaufzeit und eine Gebühr bei vorzeitiger Kündigung haben können. Lies die Bedingungen, bevor du unterschreibst.

Deine Nummer von zu Hause musst du nicht aufgeben. Viele behalten sie für die Bank in der Heimat, für Familie und für Codes deutscher, österreichischer oder Schweizer Dienste. Prüf nur, was dich das Roaming kostet, wenn das Telefon in Amerika die alte SIM eingelegt hat. Ein Telefon mit zwei SIM-Plätzen oder mit eSIM neben der physischen SIM löst das elegant.

3Funktioniert dein Telefon aus Europa?

In den meisten Fällen ja, aber nicht automatisch. Zwei Dinge müssen stimmen. Erstens muss das Telefon entsperrt sein. Entsperren heißt nach der Definition der FCC nur, eine Software abzuschalten, die verhindert, dass ein Telefon für das Netz eines Anbieters im Netz eines anderen genutzt wird. Ein Telefon, das du in Europa mit Vertrag gekauft hast, kann noch an deinen Anbieter gebunden sein; selbst voll bezahlte Telefone können nach Angaben der FCC eine kurze Zeit gesperrt sein, etwa 60 Tage, zum Schutz vor Diebstahl und Betrug. Und wer seinem Anbieter noch Geld schuldet oder im Vertrag steckt, bekommt die Entsperrung oft erst, wenn alles bezahlt ist.

Zweitens muss das Telefon technisch zum amerikanischen Netz passen. Die FCC sagt deutlich, dass ein entsperrtes Telefon nicht mit jedem Netz kompatibel ist, weil die Anbieter unterschiedliche Frequenzen und Techniken nutzen. Frag deshalb vor dem Kauf einer SIM oder eSIM beim Anbieter nach, ob dein Modell unterstützt wird.

Willst du dein Telefon später bei einem anderen amerikanischen Anbieter nutzen, hilft dir eine Selbstverpflichtung: Die landesweiten Anbieter haben sich im Verhaltenskodex ihres Branchenverbands verpflichtet, ihre Regeln zum Entsperren zu veröffentlichen und Anfragen zu beantworten, und die FCC verweist darauf.

4Internet zu Hause

Welche Internetanbieter es an deiner Adresse gibt, hängt stärker vom Ort ab als in Europa. Die Auswahl kann von Straße zu Straße verschieden sein. Die FCC führt dafür die National Broadband Map: Sie zeigt für einzelne Adressen im ganzen Land, welche Internetdienste verfügbar sind, und dazu Karten der Mobilfunkabdeckung. Prüf deine Adresse, bevor du einen Mietvertrag unterschreibst, wenn du von zu Hause arbeitest. Eine Wohnung ohne schnelles Internet ist für Unternehmer schnell ein teurer Kompromiss.

Beim Vergleich hilft eine Pflicht, die die FCC den Anbietern auferlegt: Für jeden Internettarif, den ein Anbieter verkauft, muss er ein standardisiertes Datenblatt zeigen, das Broadband Consumer Label. Es muss am Verkaufsort gut sichtbar sein, also auf der Website neben dem beworbenen Tarif, im Laden und am Telefon, und es muss auf Englisch und in jeder anderen Sprache vorliegen, in der der Anbieter wirbt. Für die großen Anbieter gilt diese Pflicht seit dem 10. April 2024, für Anbieter mit höchstens 100.000 Anschlüssen seit dem 10. Oktober 2024.

Frag beim Vertrag zusätzlich nach Gebühren für den Router, nach dem Preis nach einem Einführungsangebot und nach Datenobergrenzen. Wer mit der Bonitätsprüfung Probleme hat, fragt nach einer Vorauszahlung oder einer Kaution.

5Strom: wer liefert, und wer entscheidet

Wer deinen Strom liefert, regelt jeder Bundesstaat selbst. Vielerorts meldest du dich einfach beim zuständigen Versorger an. Texas ist anders. In weiten Teilen des Staates ist der Strommarkt für den Wettbewerb geöffnet, und du wählst deinen Anbieter selbst. Die Aufsichtsbehörde, die Public Utility Commission of Texas, betreibt dafür die offizielle Vergleichsseite Power to Choose, auf der alle Anbieter ihre Tarife kostenlos einstellen können.

Gib dort deine Postleitzahl ein. Findet die Seite keine Tarife, liegt deine Adresse möglicherweise in einem Gebiet, das nicht für den Wettbewerb geöffnet ist; dann meldest du dich beim örtlichen Versorger an. Wo du wählen kannst, vergleiche nicht nur den Preis je Kilowattstunde, sondern auch die Laufzeit, die Grundgebühr und die Strafe bei vorzeitiger Kündigung. Und plane den Starttermin so, dass der Strom an dem Tag fließt, an dem du einziehst.

Für Florida, Kalifornien und New York gilt: Erkundige dich beim Vermieter oder Makler, welcher Versorger für die Adresse zuständig ist, und melde dich dort rechtzeitig an. Wasser, Abwasser und Müll laufen oft über die Stadt und manchmal über den Vermieter.

6Die Kaution ohne Kreditgeschichte

Für die Stromanbieter im texanischen Wettbewerbsmarkt hat die Aufsichtsbehörde die Kaution genau geregelt. Die Kaution darf insgesamt höchstens den höheren der beiden Werte betragen: ein Fünftel der geschätzten Jahresrechnung oder die geschätzten Rechnungen der nächsten zwei Monate. Der Anbieter darf die geschätzte Jahresrechnung für neue Kunden am durchschnittlichen Verbrauch vergleichbarer Kunden festmachen.

Ohne Kaution kommst du durch, wenn du als kreditwürdig giltst. Bei jedem Anbieter gilt als kreditwürdig, wer 65 Jahre und älter ist und keine offene Stromrechnung hat. Beim verbundenen Anbieter des örtlichen Netzbetreibers (Affiliated REP) und beim Versorger letzter Instanz (Provider of Last Resort) reicht auch, dass du in den letzten zwei Jahren Kunde eines Stromanbieters warst, dort nichts offen hast und in den letzten zwölf Monaten höchstens einmal zu spät gezahlt hast, oder dass du bei einer Auskunftei eine ausreichende Bonität hast. Andere Anbieter dürfen eigene zusätzliche Wege zulassen. Und statt der Kaution kann jemand für dich bürgen, mit einer schriftlichen Vereinbarung über höchstens den Betrag der Kaution; der verbundene Anbieter und der Versorger letzter Instanz müssen dir das anbieten.

Für die meisten Neuankömmlinge bleibt es zunächst bei der Kaution. Sie ist ärgerlich, aber kalkulierbar. Wichtiger ist, was danach kommt: Jede Rechnung, die du pünktlich bezahlst, ist ein Baustein, und mit einer Kreditgeschichte kann die Kaution beim nächsten Vertrag entfallen. Wie du sie gezielt aufbaust, zeigen die Beiträge US-Credit-Score für Einwanderer und Erste Bank und Bonität nach dem Umzug.

Stromkaution in Texas: was der Anbieter verlangen darf
RegelInhalt
Höchstbetragder höhere Wert von einem Fünftel der geschätzten Jahresrechnung und den geschätzten Rechnungen der nächsten zwei Monate
Kreditwürdig bei jedem Anbieterab 65 Jahren ohne offene Stromrechnung
Zusätzlich beim verbundenen Anbieter und beim Versorger letzter InstanzKunde eines Stromanbieters in den letzten zwei Jahren, nichts offen und in den letzten zwölf Monaten höchstens einmal zu spät gezahlt; oder ausreichende Bonität bei einer Auskunftei
Statt der Kautionschriftliche Bürgschaft eines Dritten über höchstens den Betrag der Kaution; Pflichtangebot beim verbundenen Anbieter und beim Versorger letzter Instanz

Quelle: Public Utility Commission of Texas, 16 Texas Administrative Code § 25.478 (Credit Requirements and Deposits), gilt für Stromanbieter im Wettbewerbsmarkt. Gelesen am 24. Oktober 2026.

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7Volt, Hertz und Stecker

Amerikanische Steckdosen liefern 120 Volt bei 60 Hertz, mit den Steckertypen A und B: zwei flache Stifte, beim Typ B mit einem runden Erdungsstift darunter. In Deutschland und Österreich sind es 230 Volt bei 50 Hertz mit dem Schukostecker, in der Schweiz ein eigener Stecker vom Typ J. Für deine Geräte heißt das zweierlei.

Einen Steckeradapter brauchst du fast immer. Ob du zusätzlich einen Spannungswandler brauchst, steht auf dem Typenschild oder dem Netzteil. Laptops, Telefone und viele Ladegeräte vertragen 100 bis 240 Volt und 50 bis 60 Hertz; sie laufen mit einem einfachen Adapter. Geräte, die nur für 230 Volt gebaut sind, etwa viele Föhne, Wasserkocher oder Küchenmaschinen, brauchen einen Wandler oder laufen nur mit einem Bruchteil ihrer Leistung, und manche nehmen Schaden. Bei Geräten mit Motor oder Uhr kann auch die andere Frequenz stören.

Unser Rat: Nimm Elektronik mit, die ein Weitbereichsnetzteil hat, und kauf Küchengeräte und Werkzeug in Amerika neu. Ein Spannungswandler für einen Wasserkocher ist schwer und teuer, ein amerikanischer Wasserkocher ist es nicht. Welche Möbel und Geräte sich im Container lohnen, steht im Leitfaden Container, Spedition, Kosten.

Strom im Vergleich
LandSpannungFrequenzSteckertypen
USA120 V60 HzA, B
Deutschland230 V50 HzF
Österreich230 V50 HzC, F
Schweiz220 V50 HzC, J

Quelle: U.S. Department of Commerce, International Trade Administration, Electric Current Worldwide (Tabelle aller Länder, Archivkopie von legacy.trade.gov). Spannung je Haushaltsanschluss einphasig. Gelesen am 24. Oktober 2026.

8Die Rechnungen als Adressnachweis

Telefon, Internet und Strom haben in Amerika eine zweite Aufgabe: Ihre Rechnungen beweisen, wo du wohnst. Texas etwa verlangt für den Führerschein zwei gedruckte Adressnachweise mit deinem Namen und deiner texanischen Adresse, einer davon muss zeigen, dass du seit mindestens 30 Tagen in Texas wohnst. Anerkannt werden ausdrücklich Rechnungen für Strom, Wasser, Gas, Internet, Kabelfernsehen und Handy, die nicht älter als 180 Tage sind. Ausgedruckte elektronische Rechnungen zählen.

Daraus folgt eine einfache Regel: Lass die Verträge von Anfang an auf deinen Namen laufen, nicht auf den des Vermieters oder eines Mitbewohners, und lass die Rechnungen an die Adresse schicken, die auf deinem Führerschein stehen soll. Wer in der ersten Woche Strom und Internet auf sich anmeldet, kann nach 30 Tagen die beiden Adressnachweise für den Führerschein zusammenhaben. Wie es dort weitergeht, steht im Leitfaden Führerschein umschreiben, wie du die Wohnung dazu findest, im Leitfaden Wohnung mieten ohne Credit Score.

Zusammengefasst
  • Ein Handyvertrag mit Rechnung verlangt in den USA oft eine Bonitätsprüfung; für den Anfang ist Prepaid, auch als eSIM, der schnelle Weg.
  • Dein Telefon aus Europa funktioniert, wenn es entsperrt ist und technisch zum Netz des Anbieters passt; auch voll bezahlte Telefone können eine Zeit lang gesperrt sein.
  • Welche Internetanbieter es an deiner Adresse gibt, zeigt die National Broadband Map der FCC; jeder Anbieter muss beim Verkauf ein Datenblatt mit Preis, Gebühren und Geschwindigkeit zeigen.
  • In weiten Teilen von Texas wählst du den Stromanbieter auf Power to Choose; die Kaution ohne Kreditgeschichte ist gedeckelt.
  • In den USA kommen 120 Volt bei 60 Hertz aus Steckdosen der Typen A und B; Strom-, Internet- und Handyrechnungen gelten in Texas als Adressnachweis für den Führerschein.

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Sebastian Sauerborn
Gründer der Kanzlei Mount Bonnell, Austin, Texas
8 Minuten Lesezeit · Stand: Oktober 2026

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