Texas will die doppelte Steuer auf Plattformgebühren abschaffen, und wer online verkauft, sollte die nächsten Wochen genau verfolgen
Eine Anordnung des Comptrollers vom 30. September 2026 soll Gebühren von Marktplätzen und Lieferplattformen aus der Sales Tax nehmen. Gelten wird das erst nach dem Regelverfahren mit 30 Tagen Stellungnahmefrist.
In der Werkstatt hinter dem Haus in South Austin riecht es nach Leder und Bienenwachs. Anna sitzt an der Nähmaschine, Tobias fotografiert auf der Werkbank eine Umhängetasche im Abendlicht, das schräg durch das Fenster fällt. Vor drei Jahren haben die beiden Freiburg verlassen. Heute verkaufen sie ihre Taschen über zwei große Online-Marktplätze in alle fünfzig Bundesstaaten.
Und seit einem Jahr zahlen sie auf jeden Verkauf eine Steuer, von der sie bis zum Herbst 2025 nie gehört hatten.
Am 30. September 2026 hat der texanische Comptroller, der oberste Finanzbeamte des Staates, eine Anordnung unterschrieben, die diese Steuer abschaffen soll. Für Anna und Tobias und für zehntausende kleine Händler, Restaurants und Selbständige in Texas ist das eine gute Nachricht. Aber sie gilt noch nicht, und wer das übersieht, plant falsch.
Dieselbe Rechnung, zweimal besteuert
Texas erhebt keine Einkommensteuer, aber eine Umsatzsteuer, die Sales Tax. Sie beträgt auf Ebene des Staates 6,25 Prozent, dazu kommen Städte, Landkreise und Sonderbezirke mit bis zu 2 Prozent, zusammen höchstens 8,25 Prozent. Wie diese Steuer grundsätzlich funktioniert, haben wir im August in Kein Preis in Amerika stimmt, bis du an der Kasse stehst beschrieben.
Besteuert werden in Texas nicht nur Waren, sondern auch bestimmte Dienstleistungen, darunter seit 1987 die sogenannten Data Processing Services, die Datenverarbeitung. Das Gesetz stammt aus einer Zeit der Großrechner und der Lohnbuchhaltung auf Lochkarten. Zwanzig Prozent des Entgelts für Datenverarbeitung sind steuerfrei, auf die übrigen achtzig Prozent fällt die Steuer an.
Im Jahr 2025 hat die damalige Leitung des Comptroller-Amtes ihre Verwaltungsvorschrift zu dieser Steuer erweitert. Seit dem 1. Oktober 2025 steht in Regel 3.330 des texanischen Verwaltungskodex, dass Leistungen eines Marktplatzbetreibers an seine Händler zur steuerpflichtigen Datenverarbeitung gehören können, wenn sie das Speichern von Produktangeboten und Fotos, das Führen von Transaktionsaufzeichnungen und Auswertungen umfassen.
In der Praxis heißt das: Auf die Gebühr, die ein Händler dem Marktplatz zahlt, fällt Sales Tax an. Und auf den Verkauf an den Kunden fällt, wie immer, ebenfalls Sales Tax an. Derselbe Verkauf wird zweimal besteuert.
Wen das getroffen hat
Nicht nur Online-Händler. Die Anordnung des Comptrollers zählt auf, wer betroffen ist: Händler auf Online-Marktplätzen, Restaurants, die über Lieferplattformen ausliefern, Familien, die ein Zimmer kurzzeitig vermieten, Fahrer bei Fahrdiensten, Hundesitter und Menschen, die über Apps Möbel aufbauen oder Besorgungen erledigen.
Bei einem Runden Tisch Anfang September haben kleine Unternehmer dem Comptroller geschildert, was das für sie bedeutet. Sie sagten, die Steuer benachteilige texanische Händler gegenüber Konkurrenten aus anderen Staaten, sie mache Restaurants finanziell instabiler, und jeder Dollar, der dafür abfließe, fehle für Maschinen, Personal und Wachstum.
Was der Marktplatz ohnehin für dich erledigt
Um zu verstehen, warum die doppelte Steuer so viele überrascht hat, muss man wissen, wie Sales Tax für Online-Händler in Texas sonst läuft. Seit 2019 sind Marktplatzbetreiber in Texas verpflichtet, die Sales Tax auf Verkäufe über ihre Plattform selbst beim Kunden zu erheben und an den Staat abzuführen. Der einzelne Händler muss sich darum für diese Verkäufe nicht kümmern.
Für Anna und Tobias war das eine Erleichterung. Ihre Taschen werden in Kalifornien, Florida und New York gekauft, und um die Steuer in jedem dieser Staaten kümmert sich der Marktplatz. Sie dachten, mit Sales Tax hätten sie nichts zu tun.
Dann kam im Herbst 2025 eine neue Zeile auf ihre Gebührenabrechnung. Nicht auf den Verkauf an den Kunden, sondern auf die Gebühr, die sie selbst dem Marktplatz zahlen. Eine Steuer auf ihre Betriebsausgaben, ausgewiesen von einem Unternehmen, das gleichzeitig die Steuer auf ihre Verkäufe abführt. Viele kleine Händler haben das zunächst für einen Fehler gehalten.
Es war keiner. Es war eine neue Auslegung einer alten Regel.
Die Anordnung DH-2026-01
Der Comptroller, seit dem 1. August im Amt, hat die Executive Order DH-2026-01 unterzeichnet. Sie weist sein Amt an, im Texas Register unverzüglich eine Änderung der Regel 3.330 zu veröffentlichen. Der Absatz, der die Leistungen der Marktplatzbetreiber erfasst, soll gestrichen werden. Ein neuer Absatz soll ausdrücklich klarstellen, dass Gebühren, Provisionen und sonstige Entgelte, die eine Plattform einem Händler für das Einstellen, Anbieten oder Vermitteln von Verkäufen berechnet, weder steuerpflichtige Datenverarbeitung noch steuerpflichtiger Informationsdienst sind.
Der Comptroller begründet das deutlich. Das Gesetz von 1987 sei nie für Plattformen geschrieben worden, ein Comptroller dürfe keine neuen Steuern auf dem Verwaltungsweg erfinden, und das zu viel erhobene Geld habe dem Staat nie gehört.
Warum es noch nicht gilt
Und jetzt der Satz, der in vielen Meldungen untergeht. Die Anordnung selbst sagt in Punkt 3 ausdrücklich, dass die Änderung der Regel erst mit dem Abschluss des gesetzlich vorgeschriebenen Verfahrens rechtlich wirksam wird. Nach der Veröffentlichung im Texas Register folgt eine öffentliche Stellungnahmefrist von 30 Tagen. Erst danach kann das Amt die Änderung endgültig beschließen.
Bis dahin gilt die Regel in ihrer heutigen Fassung. Wer heute eine Rechnung eines Marktplatzes bekommt, auf der Sales Tax auf die Gebühr ausgewiesen ist, schuldet diese Steuer weiterhin. Wer Plattformgebühren selbst einkauft, ohne dass der Anbieter Steuer berechnet, muss sie nach heutigem Stand gegebenenfalls als Use Tax selbst anmelden.
Ob für die Vergangenheit Erstattungen möglich werden, lässt die Anordnung offen. Sie spricht davon, das Geld dorthin zurückzugeben, wo es hingehört, regelt aber kein Erstattungsverfahren. Wer in den vergangenen zwölf Monaten erhebliche Beträge gezahlt hat, sollte seine Belege aufbewahren und die weitere Entwicklung im Blick behalten.
Anna und Tobias, durchgerechnet
Die beiden haben im vergangenen Jahr Taschen für 180.000 Dollar verkauft. Die Marktplätze haben ihnen dafür an Gebühren und Provisionen zusammen 20.000 Dollar berechnet.
Von diesen 20.000 Dollar sind nach der heutigen Regel achtzig Prozent steuerpflichtig, also 16.000 Dollar. Bei 8,25 Prozent kombiniertem Steuersatz in Austin sind das 1.320 Dollar im Jahr. Zusätzlich zu der Sales Tax, die ihre Kunden auf die Taschen selbst zahlen.
1.320 Dollar klingen für ein Unternehmen mit 180.000 Dollar Umsatz nicht dramatisch. Aber Anna und Tobias verdienen nach Material, Versand, Gebühren und Werkstattmiete vielleicht fünfzehn Prozent vom Umsatz, also rund 27.000 Dollar. Die doppelte Steuer kostet sie fast fünf Prozent ihres Gewinns. Ein Restaurant mit Lieferdienst, das jedes Jahr Plattformgebühren von 60.000 Dollar zahlt, verliert auf diese Weise 3.960 Dollar.
Sobald die geänderte Regel wirksam ist, entfallen diese Beträge für die Zukunft.
Texas und das Versprechen der Einfachheit
Man kann diese Anordnung politisch lesen, und der Comptroller formuliert sie selbst sehr politisch. Aber für jemanden, der überlegt, sein Unternehmen nach Texas zu bringen, ist eine andere Lesart interessanter.
Texas hat ein Steuersystem, das auf wenigen, klaren Säulen steht: keine Einkommensteuer für natürliche Personen, eine Franchise Tax für Unternehmen, die für die Berichte 2026 und 2027 erst ab einem Jahresumsatz von 2,65 Millionen Dollar greift, und die Sales Tax. Wenn eine Behörde diese Säulen über Verwaltungsvorschriften ausdehnt, untergräbt sie das Versprechen der Einfachheit. Dass ein neuer Amtsinhaber das binnen zwei Monaten nach Amtsantritt zurücknehmen will, ist ein Signal, dass dieses Versprechen in Texas politisches Gewicht hat.
Gleichzeitig zeigt der Fall, wie schnell sich die Steuerlage auch in einem steuergünstigen Staat ändern kann. Eine Regel, die im Oktober 2025 in Kraft trat, ein Runder Tisch im September 2026, eine Anordnung am letzten Tag des Monats. Wer in Texas Geschäfte macht, sollte seine Steuerpflichten nicht einmal beim Gründen klären und dann vergessen, sondern jedes Jahr neu ansehen.
Für wen jetzt der richtige Moment ist
Für Händler, die ihre Ware über Plattformen verkaufen und einen Standort in Amerika suchen, wird Texas mit dieser Änderung wieder etwas attraktiver. Ein Lager in Texas, eine Werkstatt, ein kleines Team: Das ist die Konstellation, in der eine eigene Texas LLC fast immer die passende Struktur ist, weil sie dort sitzt, wo das Geschäft tatsächlich stattfindet. Warum Texas als Standort so viele Unternehmer aus Europa anzieht, beschreiben wir in Firmengründung in Texas.
Wer schon eine texanische Gesellschaft hat, sollte zwei Dinge prüfen lassen. Erstens, ob seine Plattformen in den vergangenen zwölf Monaten Sales Tax auf Gebühren berechnet haben, und in welcher Höhe. Zweitens, ob seine eigenen Sales-Tax-Meldungen vollständig sind, denn die Doppelbesteuerung endet für die Zukunft, die Pflicht zur Steuer auf den eigentlichen Verkauf bleibt. Bei beidem unterstützen wir im Rahmen unserer Steuerdienstleistungen für Unternehmen.
Und wer gerade erst plant, sollte Texas nicht nur mit den Gründungskosten vergleichen, sondern mit dem ganzen Steuerbild über fünf Jahre: Bundessteuern, Franchise Tax, Sales Tax, und die Steuer im Heimatland. Genau das leistet unser schriftliches Steuerkonzept, abgestimmt mit deinem Steuerberater zu Hause.
Die Franchise Tax bleibt, wie sie ist
Nichts, und das ist wichtig. Die Änderung betrifft ausschließlich die Sales Tax auf Plattformgebühren. Die jährliche Meldung zur Franchise Tax bleibt bestehen, auch für Gesellschaften unter der Umsatzschwelle, die nur den Public Information Report einreichen. Was dabei bis zum 15. Mai zu tun ist, steht in Texas kennt keine Einkommensteuer und trotzdem eine Frist.
Wer hofft, die Änderung bedeute, dass Online-Händler in Texas gar keine Steuern mehr zahlen, wird enttäuscht. Sie bedeutet, dass derselbe Umsatz nicht mehr zweimal besteuert werden soll. Das ist weniger spektakulär, aber es ist genau das, worauf ein kleines Unternehmen angewiesen ist: Regeln, auf die man sich verlassen kann.
Zurück in die Werkstatt
Anna hat die Nachricht am Abend des 30. September auf dem Handy gelesen, zwischen zwei Nähten. Sie hat Tobias gerufen, und die beiden haben eine Flasche Wein aufgemacht, die eigentlich für Weihnachten gedacht war.
Am nächsten Morgen haben sie ihre Steuerunterlagen aus dem Schrank geholt und angefangen, die Gebührenrechnungen der letzten zwölf Monate zu sortieren. Nicht weil sie schon wissen, ob sie etwas zurückbekommen, sondern weil sie gelernt haben, dass man in Amerika vorbereitet sein muss, wenn sich eine Tür öffnet.
Das ist vielleicht die beste Beschreibung dafür, was Texas für Menschen wie Anna und Tobias ist. Kein Paradies ohne Regeln. Sondern ein Ort, an dem eine Werkstatt hinter dem Haus zu einem Unternehmen werden kann, das in alle fünfzig Staaten liefert, und an dem eine Regierung zuhört, wenn kleine Unternehmer sagen, dass etwas nicht stimmt. Mehr über das Leben und Arbeiten im Lone Star State findest du in unserem Bereich Texas, alle Gründungspakete mit Preisen unter Leistungen.
Beratung & Umsetzung
Wenn du prüfen möchtest, was das für deine persönliche Situation bedeutet, vereinbare am besten ein Beratungsgespräch.