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Kanzlei Mount Bonnell

Ein Brief von USCIS mit vierzehn Seiten Fragen. Das ist kein Nein, das ist eine Prüfung.

EB-1C abgelehnt oder RFE erhalten? Die fünf Streitpunkte, an denen Petitionen hängen

Teil des Leitfadens EB-1C: die Green Card für Manager und Führungskräfte, die mit ihrer Firma nach Amerika gehen

Kaum ein Schreiben von USCIS sorgt für so viel Unruhe wie ein Request for Evidence, kurz RFE. Es kommt in einem dicken Umschlag, zitiert Gesetze und Entscheidungen und listet auf, was der Behörde an deiner EB-1C-Petition nicht reicht. Ein Nein ist es nicht. Es ist die Aufforderung, Lücken zu schließen, und es kommt mit einer Frist.

Dieser Leitfaden zeigt, wie oft USCIS die EB-1C tatsächlich ablehnt, was die verschiedenen Schreiben bedeuten, welche fünf Streitpunkte fast jede Rückfrage ausmachen und welche Wege nach einer Ablehnung bleiben. Die Grundlagen der Kategorie stehen im Leitfaden EB-1C Voraussetzungen.

1Wie oft USCIS die EB-1C ablehnt

Die Zahlen sind beruhigender, als es die Erzählungen in Foren vermuten lassen. USCIS veröffentlicht vierteljährlich, wie viele Petitionen je Kategorie eingehen, genehmigt und abgelehnt werden. In den ersten drei Quartalen des Haushaltsjahres 2026, also von Oktober 2025 bis Juni 2026, genehmigte die Behörde 9.421 EB-1C-Petitionen und lehnte 275 ab. Rechnerisch endeten damit knapp 3 von 100 Entscheidungen mit einer Ablehnung.

Der Vergleich mit der Schwesterkategorie zeigt, warum die EB-1C für Unternehmen so attraktiv ist. Bei der EB-1A für außergewöhnliche Fähigkeiten lehnte USCIS allein von April bis Juni 2026 mehr als doppelt so viele Petitionen ab, wie es genehmigte. Die EB-1C fragt nach Tatsachen, die ein Unternehmen gestalten und belegen kann; die EB-1A fragt nach Anerkennung, die man hat oder nicht hat.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Wie viele EB-1C-Petitionen vor der Entscheidung eine Rückfrage bekommen, weist USCIS in diesen Daten nicht aus. Und die niedrige Quote sagt nichts über deinen Fall. Sie zeigt nur, dass gut vorbereitete Petitionen in dieser Kategorie die Regel sind.

Entscheidungen über EB-1C-Petitionen (E13) im Haushaltsjahr 2026
QuartalGenehmigtAbgelehntAnteil Ablehnungen an den Entscheidungen
Oktober bis Dezember 20252.429753,0 %
Januar bis März 20263.3341043,0 %
April bis Juni 20263.658962,6 %
Zusammen9.4212752,8 %
Zum Vergleich: EB-1A (E11), April bis Juni 20261.3482.83267,8 %

Quelle: USCIS, Form I-140 by Fiscal Year, Quarter, and Case Status, FY2026 Q3 (Datenstand Juli 2026); Anteile von der Kanzlei berechnet. Rückfragen (RFE) weist USCIS in diesen Daten nicht aus.

2RFE, NOID und Ablehnung: was der Brief bedeutet

USCIS hat drei Möglichkeiten, wenn die eingereichten Unterlagen nicht ausreichen. Fehlen Pflichtunterlagen, kann die Behörde sofort ablehnen oder sie nachfordern. Sind alle Pflichtunterlagen da, belegen aber die Voraussetzungen nicht, kann sie ablehnen, mit einem Request for Evidence weitere Nachweise anfordern oder mit einer Notice of Intent to Deny (NOID) ankündigen, dass sie ablehnen will, und die Gründe nennen.

Die Fristen stehen in den Vorschriften. Für eine Antwort auf ein RFE setzt USCIS eine Frist von höchstens zwölf Wochen, für eine Antwort auf eine NOID höchstens 30 Tage. Verlängert wird keine von beiden. Wer Premium Processing gebucht hat, muss wissen: Die Frist von 45 Werktagen läuft mit dem RFE ab und beginnt mit dem Eingang deiner Antwort neu. Die Antwort kommt in einem Paket, vollständig, mit allen angeforderten Unterlagen.

Lies das Schreiben zweimal. USCIS nennt in der Regel genau, welche Voraussetzung es für nicht belegt hält und welche Art von Nachweis es erwartet. Eine gute Antwort beantwortet jeden Punkt in der Reihenfolge des Schreibens, mit Belegen, und erklärt, warum die Belege die Voraussetzung erfüllen.

Eine Grenze setzt die Antwort allerdings selbst. Nach den Vorschriften muss die Voraussetzung schon am Tag des Einreichens erfüllt gewesen sein und bis zur Entscheidung fortbestehen. Ein RFE ist deshalb die Gelegenheit, zu belegen, was damals schon war: die Rolle, die Struktur, das Jahr im Ausland. Wer nach dem Einreichen erst Mitarbeiter einstellt oder die Beteiligung umbaut, um die Rückfrage zu beantworten, belegt damit eher eine Lücke als ihre Schließung. Dann ist oft eine neue Petition auf der verbesserten Grundlage der ehrlichere und schnellere Weg.

Die fünf Streitpunkte und ihre Nachweise
StreitpunktWas USCIS prüftTypische Nachweise
Leitende Tätigkeit in den USAÜberwiegend leitend als Manager, Function Manager oder ExecutiveStellenbeschreibung mit Zeitanteilen, Befugnisse, Budgetverantwortung
Personal und StrukturGenug Mitarbeiter oder Dienstleister für das Tagesgeschäft, vernünftiger Bedarf der OrganisationOrganigramm, Stellenbeschreibungen und Lohnnachweise der Mitarbeiter, Verträge mit Dienstleistern
Jahr im AuslandEin Jahr leitend in den drei Jahren vor Petition oder letzter EinreiseBestätigung des Arbeitgebers, Organigramm im Ausland, Lohnabrechnungen
Verbindung der GesellschaftenEigentum und Kontrolle, beim Einreichen und bis zur Green CardSatzung, Gesellschafterliste, Anteilsübertragungen, Beschlüsse
Geschäftsbetrieb und ZahlungsfähigkeitEin Jahr regelmäßige Geschäfte in den USA, laufende Geschäfte im Ausland, Gehalt ab dem Priority Date gedecktRechnungen, Verträge, Kontoauszüge, Steuererklärungen, Jahresabschlüsse

Quelle: 8 CFR 204.5(g)(2) und (j); 8 U.S.C. 1101(a)(44); USCIS Policy Manual Vol. 6 Part F Chapter 4 (Stand 23. Oktober 2026). Gelesen am 24. Oktober 2026.

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3Streitpunkt eins: die Tätigkeit ist nicht überwiegend leitend

Der häufigste Einwand betrifft die Rolle selbst. Das Gesetz verlangt, dass du in den USA überwiegend als Manager oder Executive arbeitest, und der Policy Manual von USCIS ist hier deutlich: Wer nur den Gesetzestext wiederholt oder umschreibt, erfüllt die Beweislast nicht. Eine Stellenbeschreibung aus Formeln wie „steuert die strategische Ausrichtung“ und „trifft weitreichende Entscheidungen“ provoziert fast zwangsläufig die Rückfrage, was du an einem normalen Dienstag tust.

Erledigst du auch operative Aufgaben, muss die Beschreibung zeigen, welcher Anteil leitend ist und welcher nicht. Beim Function Manager verlangt USCIS ausdrücklich die Zeitanteile je Aufgabe und den Nachweis, dass du die Funktion steuerst, statt sie selbst auszuführen. Wie man die drei Rollen unterscheidet und eine Stellenbeschreibung aufbaut, die einer Rückfrage standhält, steht im Leitfaden Manager, Executive oder Function Manager.

4Streitpunkt zwei: zu wenig Personal unter dir

Der zweite Einwand folgt aus dem ersten. Wer überwiegend leiten soll, braucht Menschen, die die laufende Arbeit erledigen. Der Policy Manual hält fest, dass auch ein Ein-Personen-Büro nicht ausgeschlossen ist, dass aber der einzige Mitarbeiter normalerweise den größten Teil seiner Zeit mit der Alltagsarbeit verbringt. Ein Executive braucht genug Personal, eigene Mitarbeiter oder Vertragspartner, damit er sich auf die Leitung konzentrieren kann.

Gegen diesen Einwand hilft das Gesetz selbst. Schaut USCIS auf die Personalstärke, muss es den vernünftigen Bedarf der Organisation berücksichtigen, gemessen an Zweck und Entwicklungsstand. Diesen Bedarf musst du belegen: mit Zahlen zum Geschäft, mit Verträgen über ausgelagerte Leistungen, mit der Rolle der Muttergesellschaft. Künstliche Hierarchiestufen und aufgeblähte Titel helfen dagegen nicht; USCIS darf die Aufgaben und Gehälter der Mitarbeiter mit ihrer Position im Organigramm abgleichen. Wie kleine Gesellschaften diese Hürde nehmen, beschreibt der Leitfaden EB-1C für kleine und neue US-Tochtergesellschaften.

5Streitpunkt drei: das Jahr im Ausland

Das Gesetz verlangt mindestens ein Jahr leitender Tätigkeit für die Gruppe im Ausland, innerhalb der drei Jahre vor der Petition, oder, wenn du schon in den USA für die Gruppe arbeitest, innerhalb der drei Jahre vor deiner letzten Einreise als Nichteinwanderer. Das Jahr muss nicht zusammenhängend sein, es muss aber leitend gewesen sein. Rückfragen entstehen, wenn das Organigramm der ausländischen Gesellschaft fehlt, wenn die Stelle im Ausland eher fachlich als leitend war oder wenn die Zeiträume nicht aufgehen.

Eine Falle betrifft Menschen, die die Gruppe zwischenzeitlich verlassen haben. Nach einer verbindlichen Entscheidung von USCIS (Matter of S-P-, Inc., Adopted Decision 2018-01) erfüllt die Voraussetzung nicht mehr, wer nach der Einreise als Nichteinwanderer mehr als zwei Jahre nicht für die Gruppe gearbeitet hat. Er braucht dann ein weiteres Jahr leitender Tätigkeit im Ausland. Wer mit einem anderen Visum für eine fremde Firma in den USA gearbeitet hat, sollte diesen Punkt vor dem Antrag klären.

6Streitpunkt vier: die Verbindung der Gesellschaften

Die US-Gesellschaft muss dieselbe Gesellschaft, die Mutter, eine Tochter oder eine Schwestergesellschaft deines Arbeitgebers im Ausland sein. USCIS prüft das an Eigentum und Kontrolle: wem die Anteile gehören und wer die Gesellschaft tatsächlich lenkt. Bei Schwestergesellschaften, die denselben Personen gehören, müssen die Anteile ungefähr gleich verteilt sein. Beruht die Kontrolle auf Stimmrechtsvollmachten, müssen diese vom Einreichen bis zur Entscheidung unwiderruflich sein.

Die Verbindung muss nicht nur beim Einreichen bestehen, sondern bis zur Green Card halten, und mindestens eine Gesellschaft der Gruppe im Ausland muss bis dahin weiter Geschäfte machen. Zieht das gesamte Geschäft in die USA, entfällt die Grundlage. Bei Umstrukturierungen kann nach Matter of F-M- Co. (Adopted Decision 2020-01) ein Rechtsnachfolger die Verbindung tragen, wenn das belegt ist. Eine unselbständige Zweigniederlassung einer ausländischen Firma kann die Petition nicht stellen; die US-Gesellschaft muss eine eigene juristische Person sein.

7Streitpunkt fünf: Geschäftsbetrieb und Zahlungsfähigkeit

Die US-Gesellschaft muss beim Einreichen seit mindestens einem Jahr regelmäßig, systematisch und fortlaufend Waren oder Dienstleistungen erbringen. Ein Jahr Existenz im Register des Bundesstaats genügt nicht. Lieferungen an verbundene Gesellschaften zählen mit. Rückfragen kommen, wenn die ersten Monate nach der Gründung kaum Umsätze zeigen oder die Belege erst kurz vor dem Antrag einsetzen. Eine Regel für neue Niederlassungen wie beim L-1 gibt es bei der EB-1C nicht.

Dazu kommt die Zahlungsfähigkeit. Der Arbeitgeber muss belegen, dass er das angebotene Gehalt ab dem Priority Date bis zur Green Card zahlen kann, mit Jahresberichten, Bundessteuererklärungen oder geprüften Abschlüssen; USCIS kann zusätzlich Gewinn- und Verlustrechnungen, Kontoauszüge oder Personalunterlagen anfordern. Zeigt die erste Steuererklärung einer jungen Tochter einen Verlust, gehören zusätzliche Belege in die Petition, etwa Kontoauszüge und Lohnunterlagen, die zeigen, dass das Gehalt tatsächlich gezahlt wird.

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8Nach der Ablehnung: Berufung, Motion oder neue Petition

Gegen eine Ablehnung gibt es zwei förmliche Wege, beide mit dem Formular I-290B und einer Gebühr von $800. Die Berufung (Appeal) geht an das Administrative Appeals Office und muss mit der Begründung innerhalb von 30 Tagen nach Zustellung der Entscheidung eingehen. Ein Antrag auf Wiederaufnahme oder Überprüfung (Motion to Reopen, Motion to Reconsider) geht an die Stelle, die entschieden hat, ebenfalls innerhalb von 30 Tagen. Die Motion to Reopen stützt sich auf neue Tatsachen, die Motion to Reconsider auf einen Rechtsfehler.

Oft ist eine neue Petition der schnellere Weg. Sie kann jederzeit gestellt werden, mit Premium Processing beschleunigt werden und alle Lücken schließen, die die Ablehnung benannt hat. Zu bedenken ist: Eine abgelehnte Petition begründet kein Priority Date. Für in Europa Geborene spielt das wenig Rolle, solange die EB-1 current ist. Ein bewilligtes L-1A hilft übrigens nur begrenzt: USCIS berücksichtigt es, ist aber nicht daran gebunden und soll bei einer Ablehnung kurz erklären, warum es trotzdem nicht reicht. Dein L-1A ist ein eigener Status, und ein Antrag auf die Green Card gilt dafür nach dem Gesetz nicht als Absicht, die Heimat aufzugeben; wie viel Zeit dir das L-1A lässt, steht im Leitfaden Vom L-1A zur EB-1C Green Card.

Wer eine Rückfrage bekommt, sollte sie nicht allein beantworten, und wer abgelehnt wurde, sollte vor dem nächsten Schritt prüfen lassen, ob die Lücke in den Unterlagen lag oder in der Struktur. Das eine löst ein besser belegter Antrag, das andere nur eine Änderung im Unternehmen. Die Kosten einer neuen Petition stehen im Leitfaden EB-1C Kosten, den Weg der Unterlagen beschreibt Ablauf und Unterlagen.

Fristen und Wege nach einer Rückfrage oder Ablehnung
SchrittFristGebühr
Antwort auf Request for Evidence (RFE)wie im Schreiben gesetzt, höchstens zwölf Wochen, keine Verlängerungkeine
Antwort auf Notice of Intent to Deny (NOID)wie im Schreiben gesetzt, höchstens 30 Tage, keine Verlängerungkeine
Berufung (Appeal) oder Antrag auf Wiederaufnahme oder Überprüfung (Motion), Formular I-290B30 Tage nach Zustellung der Entscheidung$800
Neue Petition (I-140)jederzeit$715 (Papier) oder $665 (online), plus Asylum Program Fee

Quelle: 8 CFR 103.2(b)(8)(iv), 103.3(a)(2)(i), 103.5(a)(1)(i); USCIS, Form G-1055 Fee Schedule, Edition 10/16/26. Gelesen am 24. Oktober 2026.

Zusammengefasst
  • USCIS lehnt EB-1C-Petitionen selten ab: In den ersten drei Quartalen des Haushaltsjahres 2026 waren es 275 Ablehnungen bei 9.421 Genehmigungen.
  • Rückfragen und Ablehnungen drehen sich um fünf Punkte: leitende Tätigkeit, Personal, Jahr im Ausland, Verbindung der Gesellschaften, Geschäftsbetrieb und Zahlungsfähigkeit.
  • Für die Antwort auf eine Rückfrage gibt es höchstens zwölf Wochen, auf eine Absichtserklärung zur Ablehnung höchstens 30 Tage, ohne Verlängerung.
  • Nach einer Ablehnung bleiben 30 Tage für Berufung oder Motion; oft ist eine neue, besser belegte Petition der schnellere Weg.

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Sebastian Sauerborn
Sebastian Sauerborn
Gründer der Kanzlei Mount Bonnell, Austin, Texas
8 Minuten Lesezeit · Stand: Oktober 2026

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