Die meisten der 40 Millionen Amerikaner mit deutschen Wurzeln kennt niemand. Ein paar kennt die ganze Welt.
Berühmte Deutschamerikaner: vom Drillmeister in Valley Forge bis zum Admiral aus Fredericksburg
Teil des Leitfadens Die Deutschen & Amerika
Frag einen Amerikaner nach einem berühmten Deutschamerikaner, und er denkt eine Weile nach. Dabei hat er die Antwort vermutlich an: Jeans. Die Deutschen, Österreicher und Schweizer haben Amerika geprägt wie kaum eine andere Einwanderergruppe, und sie haben es so leise getan, dass man ihre Namen oft für amerikanisch hält. Hier sind die Menschen, die man kennen sollte, vom Drillmeister in Valley Forge bis zum Admiral aus dem texanischen Hill Country. Und vorneweg die Zahl, die zeigt, wie viele Unbekannte hinter ihnen stehen.
1Vierzig Millionen, und kaum einer fällt auf
In der American Community Survey 2024 nannten 40.218.028 Menschen in den Vereinigten Staaten eine deutsche Abstammung. Das ist mehr als jeder neunte Amerikaner und mehr als bei jeder anderen Herkunft; das Census Bureau bezeichnet Deutsch als die am häufigsten genannte Abstammung des Landes. Irisch folgt mit 32,4 Millionen, Englisch mit 31,0 Millionen. Dazu kommen 861.324 Menschen mit schweizerischen und 575.672 mit österreichischen Wurzeln.
In Wisconsin gibt jeder Dritte deutsche Vorfahren an. In Texas sind es 2,4 Millionen Menschen, mehr als in Wisconsin, aber in einem Staat mit fünfmal so vielen Einwohnern. Zehn Jahre zuvor, in der Erhebung von 2014, waren es landesweit noch 46,0 Millionen. Die Herkunft ist im Census eine Selbstauskunft, Mehrfachnennungen sind möglich. Wie viele sich deutsch nennen, hängt also auch davon ab, wie man sich selbst sieht.
Warum diese Gruppe so unsichtbar blieb, erzählen unsere Beiträge Deutschamerikaner: die stille Mehrheit und Eine vergessene Geschichte. Hier geht es um die, die man trotzdem kennt.
| Herkunft | Menschen | Anteil an der Bevölkerung |
|---|---|---|
| Deutsch | 40.218.028 | 11,8 % |
| Irisch | 32.392.581 | 9,5 % |
| Englisch | 31.017.275 | 9,1 % |
| Italienisch | 16.271.362 | 4,8 % |
| Schweizerisch | 861.324 | 0,3 % |
| Österreichisch | 575.672 | 0,2 % |
| Pennsylvania German | 208.665 | 0,1 % |
| Zwei Bundesstaaten im Vergleich | ||
| Texas, deutsch | 2.436.652 | 7,8 % von 31.290.831 |
| Wisconsin, deutsch | 2.009.447 | 33,7 % von 5.960.975 |
| Zum Vergleich zehn Jahre früher | ||
| Deutsch, ACS 2014 | 46.047.113 | 14,4 % von 318.857.056 |
Quelle: U.S. Census Bureau, American Community Survey 1-Year Estimates 2024 und 2014, Tabelle B04006 (People Reporting Ancestry). Mehrfachnennungen möglich, Anteile selbst berechnet auf die Gesamtbevölkerung der Tabelle (2024: 340.110.990). Gelesen am 24. Oktober 2026.
2Die Gründerzeit der Republik: ein Preuße und ein Schweizer
Friedrich Wilhelm von Steuben wurde am 17. September 1730 in der Festungsstadt Magdeburg geboren und trat mit 17 Jahren in die preußische Armee ein. Am 23. Februar 1778 meldete er sich bei George Washington in Valley Forge. Ein Soldat erinnerte sich an ihn als die leibhaftige Verkörperung des Kriegsgottes Mars, mit riesigen Pistolenhalftern und martialischem Auftreten. Washington ernannte ihn zum vorläufigen Generalinspekteur. Steuben fand, so beschreibt es der National Park Service, eine Armee, der es an allem fehlte, nur nicht am Mut.
Er schrieb den Drill für die Kontinentalarmee und im Winter 1778/79 in Philadelphia das Exerzierreglement, das als Blue Book bekannt wurde. Die kleine Pointe der Geschichte: Der Originaltext entstand auf Französisch, mit Hilfe eines französischen Freiwilligen, und wurde erst dann ins Englische übersetzt. Ein Preuße schrieb also auf Französisch das Lehrbuch der amerikanischen Armee. Illustriert hat es Pierre Charles L'Enfant, der später Washington, D.C. entwarf.
Der zweite Mann der Gründerjahre kam aus der Schweiz. Albert Gallatin, 1761 in eine aristokratische Familie geboren, wanderte 1780 nach Amerika aus, saß von 1795 bis 1801 im Repräsentantenhaus und war dann von 1801 bis 1814 Finanzminister. Auf ihn geht laut Finanzministerium das Gesetz von 1801 zurück, das dem Finanzminister einen jährlichen Bericht vorschreibt. Ein Schweizer, der den Amerikanern das ordentliche Berichtswesen beibrachte: Klischees haben manchmal einen wahren Kern.
3Zwei Texaner mit deutschen Wurzeln: Nimitz und Eisenhower
Chester William Nimitz wurde am 24. Februar 1885 in Fredericksburg geboren, der Stadt, die der Adelsverein gegründet hatte. Sein Vater starb vor seiner Geburt; die Vaterfigur seiner Kindheit war sein Großvater Charles H. Nimitz, ein deutscher Einwanderer, früherer Seemann und Besitzer des Nimitz Hotels. Chester wollte eigentlich nach West Point, bekam keinen Platz und ging stattdessen an die Marineakademie in Annapolis, die er 1905 als Siebter von 114 abschloss.
Nach dem Angriff auf Pearl Harbor übernahm er am ersten Weihnachtstag 1941 die Pazifikflotte und führte die alliierten Streitkräfte im Pazifik bis zur Kapitulation Japans; am 2. September 1945 unterzeichnete er für die USA an Bord der Missouri in der Bucht von Tokio. Im alten Hotel seines Großvaters in Fredericksburg entstand später das National Museum of the Pacific War. Mehr zur Stadt steht in unserem Beitrag über Fredericksburg.
Dwight D. Eisenhower, der 34. Präsident der Vereinigten Staaten, wurde 1890 in Denison in Texas geboren. Seine Familie trug ursprünglich einen anderen Namen. Laut der Eisenhower Presidential Library kamen sein Ururur-Großvater Hans Nicholas Eisenhauer und dessen Sohn Johann Peter 1741 mit dem Schiff Europa nach Amerika und ließen sich, wie viele Deutsche ihrer Zeit, in Pennsylvania nieder. Die Familie war lutherisch und schloss sich später den River Brethren an. Aus Eisenhauer wurde Eisenhower, und aus dem Enkel von Einwanderern aus Pennsylvania ein Präsident.
Auch der Rest des texanischen Who's who hat deutsche Namen. Das Handbook of Texas zählt Chester W. Nimitz im Militär, Robert J. Kleberg in der Viehzucht, Gustav Schleicher in der Politik und Charles A. Schreiner im Handel zu den Texas-Deutschen, die sich einen Namen gemacht haben. Die ganze Geschichte der Siedler erzählt unser Beitrag über die Deutschen in Texas.
4Unternehmer, deren Namen jeder kennt
Levi Strauss wurde am 26. Februar 1829 im oberfränkischen Buttenheim geboren und gründete sein Geschäft in San Francisco, als die Stadt noch ein rauer, lauter Ort war. Sein Name ist für immer mit der ersten Bluejeans verbunden, die er mitentwickelt hat. Nach dem Erdbeben und dem Feuer von 1906 baute sein Unternehmen wieder auf und wurde stärker als vorher.
William E. Boeing kam 1881 in Detroit zur Welt, als Sohn von Wilhelm Böing aus Hohenlimburg, heute ein Teil von Hagen. Der Vater war Holzunternehmer, der Sohn ging auf ein Internat in der Schweiz und nach Yale, investierte in Wälder im Staat Washington und gründete einen der ersten großen Flugzeughersteller. Frederick Weyerhaeuser aus Niedersaulheim in Rheinhessen kam 1852 mit achtzehn Jahren an, arbeitete als Brauer, Feldarbeiter und bei der Eisenbahn und baute das größte Holzunternehmen des Landes auf. Claus Spreckels aus Lamstedt im heutigen Landkreis Cuxhaven wurde als „Zuckerkönig“ von Hawaii und dem Westen einer der zehn reichsten Amerikaner seiner Zeit.
Die ganze Galerie von Steinway bis Pfizer zeigt unser Beitrag über deutsche Unternehmer in Amerika. Und warum fast jede alte amerikanische Brauerei einen deutschen Namen trägt, erklärt der Beitrag über die Brauer.
5Wissenschaft, Erfindungen und eine Hollywood-Ingenieurin
Albert Einstein verließ Deutschland 1932 und kehrte nie zurück. Im März 1933 gab er die deutsche Staatsbürgerschaft erneut auf, sein Besitz in Deutschland wurde beschlagnahmt, und sein Name stand auf der ersten Liste der Nationalsozialisten mit Menschen, denen die Staatsbürgerschaft aberkannt wurde. Er hatte bereits zugesagt, an das Institute for Advanced Study in Princeton zu gehen, kam im Oktober 1933 in den Vereinigten Staaten an und wurde 1940 amerikanischer Staatsbürger.
Eine der überraschendsten Erfinderinnen Amerikas kam aus Österreich. Hedy Lamarr, 1914 geboren, war ein Star des goldenen Hollywood. Zusammen mit dem Komponisten George Antheil entwickelte sie ein Verfahren mit Frequenzsprüngen, das funkgesteuerte Torpedos vor Entdeckung und Störung schützen sollte, festgehalten im US-Patent 2.292.387. Die National Inventors Hall of Fame nahm sie 2014 auf und nennt das Verfahren eine wichtige Entwicklung für die drahtlose Kommunikation.
In Texas hat die Wissenschaft ebenfalls einen deutschen Vater. Ferdinand Lindheimer, am 21. Mai 1801 in Frankfurt am Main geboren, floh 1834 als politischer Flüchtling, sammelte als erster ständig in Texas lebender Pflanzensammler und gilt als Vater der texanischen Botanik. 1844 schloss er sich dem Adelsverein an, ließ sich in New Braunfels am Comal River nieder und war ab 1852 rund zwanzig Jahre mit der Neu-Braunfelser Zeitung verbunden. Und das Census Bureau erinnert selbst daran, dass Deutsche die Raketen bauten, die Menschen zum Mond brachten. Wer dazu mehr wissen will, liest unseren Beitrag über deutsche Erfinder und Wissenschaftler in den USA.
6Österreicher, die Amerika geprägt haben
Felix Frankfurter wurde am 15. November 1882 in Wien geboren. Präsident Franklin D. Roosevelt nominierte ihn am 5. Januar 1939 für den Supreme Court, wo er den Sitz von Benjamin N. Cardozo übernahm; am 17. Januar bestätigte ihn der Senat. Ein Wiener als Hüter der amerikanischen Verfassung, und das über zwei Jahrzehnte.
Arnold Schwarzenegger kam am 30. Juli 1947 in Thal in Österreich zur Welt und regierte von 2003 bis 2011 als Gouverneur Kalifornien. Dass ein Junge aus einem österreichischen Dorf über einen der größten amerikanischen Bundesstaaten regiert, ist vielleicht die amerikanischste Geschichte in dieser Liste. Und schon früher kamen Österreicher über akademische Wege, wie der Ökonom Joseph Schumpeter, den das Deutsche Historische Institut als Beispiel für Intellektuelle aus Österreich-Ungarn nennt, die über ihre Hochschulverbindungen nach Amerika gingen. Die ganze österreichische Geschichte erzählt unser Beitrag über die Österreicher in Amerika.
| Person | Herkunft | In Amerika |
|---|---|---|
| Friedrich Wilhelm von Steuben | geboren 17. September 1730 in Magdeburg, Preußen | ab 23. Februar 1778 in Valley Forge, Generalinspekteur der Kontinentalarmee |
| Albert Gallatin | Schweizer, geboren 1761, ausgewandert 1780 | Finanzminister 1801–1814 |
| John Sutter | Schweizer Einwanderer | Sutter's Fort und New Helvetia 1839–1849, Goldfund an seinem Sägewerk 1848 |
| Ferdinand Lindheimer | geboren 21. Mai 1801 in Frankfurt am Main | Vater der texanischen Botanik, ab 1844 in New Braunfels |
| Levi Strauss | geboren 26. Februar 1829 in Buttenheim, Oberfranken | Kaufmann in San Francisco, Mitbegründer der Bluejeans |
| Frederick Weyerhaeuser | geboren 21. November 1834 in Niedersaulheim, Rheinhessen | ab 1852 in den USA, größtes Holzunternehmen des Landes |
| Chester W. Nimitz | geboren 24. Februar 1885 in Fredericksburg, Texas; Großvater deutscher Einwanderer | Oberbefehlshaber der Pazifikflotte ab 1941 |
| Dwight D. Eisenhower | geboren 1890 in Denison, Texas; Vorfahren 1741 aus Deutschland eingewandert | 34. Präsident der USA |
| Felix Frankfurter | geboren 15. November 1882 in Wien | Richter am Supreme Court ab 1939 |
| Albert Einstein | gab im März 1933 die deutsche Staatsbürgerschaft erneut auf | ab Oktober 1933 in Princeton, US-Bürger 1940 |
| Hedy Lamarr | geboren 1914 in Österreich | Schauspielerin und Erfinderin, US-Patent 2.292.387 |
| Arnold Schwarzenegger | geboren 30. Juli 1947 in Thal, Österreich | Gouverneur von Kalifornien 2003–2011 |
Quellen: National Park Service, Valley Forge (Steuben); U.S. Department of the Treasury (Gallatin); California State Parks (Sutter's Fort, Marshall Gold Discovery); Handbook of Texas (Lindheimer, Nimitz); GHI Immigrant Entrepreneurship (Strauss, Weyerhaeuser); Eisenhower Presidential Library und Texas Historical Commission (Eisenhower); Federal Judicial Center (Frankfurter); American Institute of Physics (Einstein); National Inventors Hall of Fame (Lamarr); California State Library (Schwarzenegger). Gelesen am 24. Oktober 2026.
7Schweizer: Gold, Geld und New Helvetia
Der berühmteste Schweizer im amerikanischen Westen hat dem Goldrausch seinen Ort gegeben. John Sutter, ein Schweizer Einwanderer, nannte seine riesige mexikanische Landzuteilung im kalifornischen Central Valley „New Helvetia“. Sein Fort war von 1839 bis 1849 das wirtschaftliche Zentrum der ersten dauerhaften europäischen Siedlung im Tal. 1848 fand James W. Marshall im Abflusskanal des Sägewerks, das er gemeinsam mit Sutter baute, glitzernde Goldflocken. Die Nachricht löste die größte Massenwanderung der westlichen Hemisphäre aus. Die California State Parks verschweigen dabei nicht, dass das Fort mit der ausgebeuteten Arbeit indigener Menschen gebaut und betrieben wurde.
Mit Albert Gallatin stellte die Schweiz schon im Jahr 1801 den Finanzminister der Vereinigten Staaten. Die Geschichte von New Glarus und den Glarnern erzählt unser Beitrag über die Schweizer Auswanderer in Amerika.
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8Das neueste Kapitel
Steuben brachte Disziplin, Gallatin Ordnung in die Finanzen, Strauss die Hose, Nimitz die Flotte und Lamarr ein Patent, das niemand von ihr erwartet hätte. Die Liste ließe sich lange fortsetzen, und sie zeigt vor allem eines: Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bauen seit Jahrhunderten in Amerika. Die meisten von ihnen stehen in keinem Lexikon, sondern auf Grundbucheinträgen, Firmenregistern und Grabsteinen im Mittleren Westen und in Texas.
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- Über 40 Millionen Menschen in den USA geben eine deutsche Abstammung an, so viele wie bei keiner anderen Herkunft; dazu kommen Hunderttausende mit schweizerischen und österreichischen Wurzeln.
- Schon die junge Republik verdankte dem Preußen Steuben eine disziplinierte Armee und dem Schweizer Gallatin dreizehn Jahre an der Spitze des Finanzministeriums.
- Zwei der bekanntesten Deutschamerikaner des 20. Jahrhunderts kamen aus Texas: Chester W. Nimitz aus Fredericksburg und Dwight D. Eisenhower aus Denison.
- Österreicher wie Felix Frankfurter, Hedy Lamarr und Arnold Schwarzenegger und Schweizer wie John Sutter schrieben eigene Kapitel.
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