Den Zoll zahlt, wer in Amerika importiert. Die erste Frage lautet also nicht, wie hoch er ist, sondern wer ihn schuldet.
Zölle USA aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: die 10-Prozent-Regel für EU-Ware, die 12,5 für Schweizer Ware und die Ausnahmen, an denen deine Kalkulation hängt
Teil des Leitfadens Erfolgreich in die USA expandieren
Wer Ware aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz in die USA liefert, rechnet mit mehreren Zollschichten zugleich: dem regulären Satz des US-Zolltarifs, einem länderbezogenen Zuschlag und, für bestimmte Warengruppen, eigenen Sätzen für Stahl, Autos oder Arzneimittel. Dieser Leitfaden zeigt jede Schicht mit Datum und Rechtsgrundlage, erklärt Zolltarifnummer, Zollwert und Ursprung und sagt, was Bond, Broker und das Ende der De-minimis-Grenze für dich bedeuten.
Kaum ein Thema hat Exporteure aus Deutschland, Österreich und der Schweiz so oft umplanen lassen wie der amerikanische Zoll. Rechtsgrundlagen wurden ersetzt, Sätze geändert, Ausnahmen eingeführt. Für deine Kalkulation zählt am Ende eine einfache Frage: Welcher Satz gilt am Tag der Einfuhr für genau deine Ware, und wer zahlt ihn?
Dieser Leitfaden beantwortet sie Schicht für Schicht, jeweils mit Datum und Fundstelle. Er gehört zu unserem Überblick über den US-Markteintritt, der Rechtsform, Standort, Visum und Steuern zusammenführt. Warum der Schritt nach Amerika trotzdem oft einfacher ist als gedacht, zeigen unsere 10 Fakten zum US-Markteintritt. Hier geht es um die Ware selbst: wie sie eingereiht, bewertet und verzollt wird.
1Wer in Amerika den Zoll schuldet
Zoll schuldet in den USA nicht der ausländische Verkäufer, sondern der Importer of Record. Das ist die Partei, die die Ware bei U.S. Customs and Border Protection (CBP) zur Einfuhr anmeldet. Das Gesetz verlangt von ihr, die Anmeldung mit angemessener Sorgfalt abzugeben, im Gesetzestext „reasonable care“, und dazu Einreihung, Wert und Satz anzugeben, die CBP für die Festsetzung braucht.
Wer Importer of Record ist, entscheidet dein Vertrag. Verkaufst du ab Werk oder frei Hafen, und dein amerikanischer Kunde meldet die Ware an, schuldet er den Zoll. Lieferst du verzollt bis zur Tür, bist du selbst der Importeur, mit allen Pflichten. Viele Lieferverträge aus Europa lassen genau diese Frage offen. Sie gehört an den Anfang jeder Preisverhandlung, und sie ist eng mit der Wahl deines Vertriebsmodells in den USA verbunden.
Eine Gesellschaft ohne Sitz in den USA darf selbst importieren, aber nur unter zwei Bedingungen. Sie braucht einen Vertreter im Bundesstaat des Einfuhrhafens, der für sie Zustellungen entgegennehmen darf, und sie muss einen Bond mit einem in den USA ansässigen Bürgen stellen. Für die erste formelle Einfuhr meldet sie sich mit CBP Form 5106 an; als Kennung dient die Employer Identification Number des IRS. Wer eine US-Corporation als Tochter gründet, nutzt deren EIN und hat die Frage des Vertreters damit gelöst.
Einen Customs Broker brauchst du nicht zwingend. Wer nur für eigene Rechnung Zollgeschäfte erledigt, benötigt keine Lizenz. In der Praxis übergeben die meisten Importeure die Anmeldung trotzdem einem lizenzierten Broker. Der handelt nur mit einer gültigen Vollmacht, für die CBP das Formular 5291 vorsieht.
2Die Zollschichten für Ware aus der EU und der Schweiz
Die unterste Schicht ist der reguläre Zollsatz des Harmonized Tariff Schedule of the United States (HTSUS), die Spalte „General“. Er hängt allein an der Zolltarifnummer und reicht von frei bis zu zweistelligen Sätzen. Er gilt für Waren aus allen Ländern mit normalen Handelsbeziehungen, also auch für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Darüber liegt seit dem 24. Juli 2026 ein Zuschlag nach Section 301 des Trade Act of 1974. Der Handelsbeauftragte der USA (USTR) hat am 12. März 2026 Untersuchungen gegen 60 Volkswirtschaften eingeleitet, weil sie die Einfuhr von Waren aus Zwangsarbeit nicht wirksam verbieten, darunter die Europäische Union und die Schweiz. Die Maßnahmen dazu hat USTR am 28. Juli 2026 im Federal Register veröffentlicht, anwendbar auf Einfuhren ab 0:01 Uhr Ostküstenzeit am 24. Juli 2026.
Für Ware aus der EU wirkt der Zuschlag als Aufstockung. Liegt der reguläre Satz unter 10 Prozent, wird so viel aufgeschlagen, dass die Summe genau 10 Prozent ergibt. Liegt er bei 10 Prozent oder darüber, ist der Zuschlag null. Für Schweizer Ware gilt dieselbe Mechanik mit 12,5 Prozent. Im Zolltarif stehen dafür die Positionen 9903.05.38 und 9903.05.39 für die EU und 9903.05.73 und 9903.05.74 für die Schweiz. Ausgenommen sind die Waren der Anhänge I und II der Bekanntmachung, Informationsmaterial, Spenden und Reisegepäck für den persönlichen Gebrauch.
Was davor galt, ist für offene Einfuhrvorgänge wichtig. Vom 7. August 2025 an galt für Ware aus der EU ein Gesamtsatz von 15 Prozent nach Executive Order 14326, gestützt auf den International Emergency Economic Powers Act (IEEPA). Am 20. Februar 2026 hat der Supreme Court in der Sache Learning Resources, Aktenzeichen 24-1287, entschieden, dass dieses Gesetz keine Zölle trägt. Am selben Tag beendete Executive Order 14389 die Erhebung, und Proklamation 11012 setzte nach Section 122 einen befristeten Zuschlag von 10 Prozent für Einfuhren vom 24. Februar bis zum 24. Juli 2026. Was das Urteil verfassungsrechtlich bedeutet, beschreibt unser Beitrag zum Urteil des Supreme Court.
Die gezahlten IEEPA-Zölle erstattet CBP samt Zinsen. Dafür gibt es im ACE-Portal die Funktion CAPE, in die der Importer of Record oder sein Broker eine Liste der betroffenen Einfuhren als CSV-Datei hochlädt, bis zu 9.999 Einfuhren je Erklärung. Nach Annahme rechnet CBP mit 60 bis 90 Tagen bis zur elektronischen Erstattung auf das im Portal hinterlegte Bankkonto. Die erste Phase umfasst noch nicht liquidierte Einfuhren und solche innerhalb von 80 Tagen nach Liquidation. Wer importiert hat, sollte deshalb prüfen, welche Vorgänge noch offen sind.
| Schicht | Rechtsgrundlage | Ware aus der EU (Deutschland, Österreich) | Ware aus der Schweiz | Gilt seit |
|---|---|---|---|---|
| Regulärer Zollsatz | HTSUS, Spalte 1 General | je Zolltarifnummer, von frei bis zweistellig | je Zolltarifnummer, von frei bis zweistellig | laufend |
| Länderzuschlag | Section 301, Forced-Labor-Verfahren | Aufstockung auf 10 Prozent insgesamt; liegt der reguläre Satz bei 10 Prozent oder mehr, kein Zuschlag | Aufstockung auf 12,5 Prozent insgesamt; liegt der reguläre Satz bei 12,5 Prozent oder mehr, kein Zuschlag | 24. Juli 2026 |
| Stahl, Aluminium, Kupfer | Section 232, Proklamation 11021 | 50 Prozent auf den vollen Zollwert, für bestimmte Folgeprodukte 25 Prozent | wie EU | 6. April 2026 |
| Mobile Industriemaschinen aus Stahl oder Aluminium | Section 232, Proklamation 11032 | 15 Prozent einschließlich regulärem Satz, bis 31. Dezember 2027 | wie EU | 8. Juni 2026 |
| Autos und Autoteile | Section 232, Proklamation 10908 | 15 Prozent einschließlich regulärem Satz | keine entsprechende Sonderregel | 1. August 2025 (EU-Regel) |
| Patentierte Arzneimittel | Section 232, Proklamation 11020 | 15 Prozent | 15 Prozent (Schweiz und Liechtenstein gemeinsam) | 31. Juli oder 29. September 2026, je nach Hersteller |
Quelle: USTR, Federal Register 91 FR 47318 (28. Juli 2026); Proklamationen 11021 (91 FR 18203), 11032 (91 FR 34085), 11020 (91 FR 18183); Commerce und USTR, 90 FR 46136 (25. September 2025); HTSUS-Positionen 9903.05.38, 9903.05.39, 9903.05.73, 9903.05.74, abgerufen am 24. Oktober 2026.
Die US-Corporation (Inc) für Wachstum, Investoren und Visum.
3Stahl, Autos, Pharma: die Warengruppen mit eigenen Regeln
Neben dem Länderzuschlag gibt es Zölle nach Section 232 des Trade Expansion Act of 1962, die an bestimmte Warengruppen anknüpfen. Für deine Kalkulation ist eine Regel entscheidend: Waren, die einem Section-232-Zoll unterliegen, sind vom Section-301-Zuschlag ausgenommen. Die Bekanntmachung vom 28. Juli 2026 nennt dafür ausdrücklich Waren aus Aluminium, Stahl und Kupfer und ihre Folgeprodukte, Pkw und leichte Nutzfahrzeuge und ihre Teile, Holzprodukte, mittlere und schwere Nutzfahrzeuge und Busse und Halbleiter.
Für Stahl, Aluminium und Kupfer gilt seit dem 6. April 2026 Proklamation 11021: 50 Prozent auf die meisten Waren aus diesen Metallen und bestimmte Folgeprodukte, 25 Prozent auf weitere gelistete Folgeprodukte und bestimmte Kupferwaren, jeweils auf den vollen Zollwert, unabhängig vom Metallanteil. Für eine Liste von Industriemaschinen und Anlagen gilt bis zum 31. Dezember 2027 ein Gesamtsatz von 15 Prozent einschließlich des regulären Satzes. Proklamation 11032 hat diese Gruppe ab dem 8. Juni 2026 um Landmaschinen und bestimmte Heizungs- und Klimatechnik erweitert und für mobile Industriemaschinen aus der EU, der Schweiz und Liechtenstein ebenfalls 15 Prozent einschließlich regulärem Satz festgelegt, bis zum 31. Dezember 2027.
Für Autos und Autoteile gilt Proklamation 10908 vom 26. März 2025 mit einem Grundsatz von 25 Prozent. Für Fahrzeuge und Teile aus der EU haben Handelsministerium und USTR die Belastung mit Wirkung zum 1. August 2025 auf 15 Prozent einschließlich des regulären Satzes begrenzt; liegt der reguläre Satz bei 15 Prozent oder mehr, entfällt der Section-232-Zoll. Für die Schweiz enthält die Umsetzung des Rahmens vom 18. Dezember 2025 keine vergleichbare Regel für Fahrzeuge.
Patentierte Arzneimittel und ihre Wirkstoffe unterliegen nach Proklamation 11020 vom 2. April 2026 grundsätzlich 100 Prozent. Für Ware aus der EU und für die Schweiz und Liechtenstein gemeinsam beträgt der Satz 15 Prozent. Die Sätze gelten ab dem 31. Juli 2026 für die im Anhang III genannten Hersteller und ab dem 29. September 2026 für alle anderen. Generika sind ausgenommen. Daneben laufen weitere Section-232-Maßnahmen, etwa für Holz, Schnittholz und ihre Folgeprodukte (Proklamation 10976), schwere Nutzfahrzeuge (10984), Halbleiter (11002), Verkehrsflugzeuge und Triebwerke (11040), Polysilizium (11052) und Drohnen (11055). Wer in diesen Gruppen liefert, prüft den Satz an der jeweiligen Proklamation.
Zwei Untersuchungen nach Section 301 betreffen den deutschsprachigen Raum zusätzlich. Im März 2026 hat USTR Untersuchungen zu struktureller Überkapazität in der Industrie eingeleitet, veröffentlicht am 17. März 2026, unter anderem gegen die EU und die Schweiz. Am 18. Juni 2026 folgte eine Untersuchung zur Vergütung innovativer Arzneimittel in Deutschland. Stand Oktober 2026 sind zu beiden keine Maßnahmen im Federal Register veröffentlicht.
4Die Zolltarifnummer entscheidet über den Satz
Jeder Satz hängt an der Einreihung der Ware. Die ersten sechs Stellen folgen dem Harmonisierten System der Weltzollorganisation, das mehr als 5.000 Warengruppen mit einem sechsstelligen Code ordnet und von mehr als 200 Ländern genutzt wird. Deine europäische Zolltarifnummer und die amerikanische stimmen deshalb in den ersten sechs Stellen überein. Danach gehen die Systeme eigene Wege: Die USA unterteilen weiter bis zur zehnten Stelle, und erst dort steht der Satz, den CBP anwendet.
Den regulären Satz findest du in der Datenbank der U.S. International Trade Commission unter hts.usitc.gov. CBP weist selbst darauf hin, dass diese Recherche nur so gut ist wie die Angaben, die du hineingibst, und dass nicht der Importeur, sondern CBP den richtigen Satz festlegt. Wer Gewissheit vor der ersten Lieferung will, beantragt ein Binding Ruling. CBP erteilt es schriftlich für einen konkret beschriebenen, künftigen Vorgang; Anträge zur Einreihung gehen an die National Commodity Specialist Division in New York.
Wie stark die Einreihung über die Belastung entscheidet, zeigt die Section-301-Regel. Bei einer Ware mit einem regulären Satz von 2 Prozent macht der Zuschlag für EU-Ware 8 Prozentpunkte aus, bei einer Ware mit 16,5 Prozent null. Zwei ähnliche Produkte können so ganz unterschiedlich belastet sein. Die Tabelle rechnet die Regel an fünf Zolltarifnummern durch.
| Ware | Zolltarifnummer | Regulärer Satz | Gesamt bei EU-Ursprung | Gesamt bei Schweizer Ursprung |
|---|---|---|---|---|
| Kosmetik (sonstige Schönheitsmittel) | 3304.99.50 | frei | 10 % | 12,5 % |
| Spielzeug | 9503.00.00 | frei | 10 % | 12,5 % |
| Sonnenbrillen | 9004.10.00 | 2 % | 10 % | 12,5 % |
| Lederschuhe über $2,50 je Paar | 6403.99.90 | 10 % | 10 % | 12,5 % |
| Pullover aus Baumwolle | 6110.20.20 | 16,5 % | 16,5 % | 16,5 % |
Quelle: USITC, Harmonized Tariff Schedule (hts.usitc.gov), Spalte 1 General, abgerufen am 24. Oktober 2026; Regel nach USTR, 91 FR 47318. Eigene Rechnung, ohne Prüfung von Ausnahmen der Anhänge I und II und ohne Section-232-Waren.
5Zollwert und Ursprung: was CBP wirklich verzollt
Verzollt wird der Transaktionswert, also der Preis, der für die Ware beim Verkauf zur Ausfuhr in die USA tatsächlich gezahlt wird oder zu zahlen ist. Kosten für den internationalen Transport und die Versicherung bis in die USA gehören nicht dazu. Hinzugerechnet werden dagegen Verpackungskosten des Käufers, Verkaufsprovisionen, die der Käufer trägt, Beistellungen wie Werkzeuge oder Formen, Lizenzgebühren, die Bedingung des Kaufs sind, und Erlöse aus einem Weiterverkauf, die an den Verkäufer zurückfließen.
Verkauft deine GmbH an ihre eigene US-Tochter, sind Käufer und Verkäufer verbundene Personen. Der Transaktionswert gilt dann nur, wenn die Beziehung den Preis nicht beeinflusst hat oder der Wert nah an Vergleichswerten liegt. Der Verrechnungspreis, den dein Steuerberater für die Gewinnaufteilung festlegt, wirkt also auch beim Zoll. Beide Seiten sollten ihn gemeinsam festlegen, nicht nacheinander.
Der zweite Hebel ist der Ursprung. Ursprungsland ist das Land, in dem die Ware hergestellt, erzeugt oder gewonnen wurde. Wird sie in einem anderen Land weiterverarbeitet, wechselt der Ursprung nur, wenn diese Verarbeitung eine wesentliche Umwandlung bewirkt, im Zollrecht „substantial transformation“. Eine Ware aus Asien, die in Deutschland nur umgepackt wird, bleibt asiatischen Ursprungs, auch wenn sie aus Hamburg verschifft wird. Umgekehrt zählt eine in Österreich gefertigte Maschine, die über ein Lager in der Schweiz ausgeliefert wird, als Ware aus der EU.
Für den Section-301-Zuschlag entscheidet der Ursprung über 10 oder 12,5 Prozent. Für Schweizer Hersteller mit Zulieferteilen aus der EU, und für deutsche Hersteller mit Fertigung in der Schweiz, ist er deshalb eine echte Rechengröße. Zusätzlich verlangt das Gesetz, dass jede Ware ausländischen Ursprungs gut sichtbar, lesbar und dauerhaft mit dem englischen Namen des Ursprungslands gekennzeichnet ist, damit der letzte Käufer in den USA ihn erkennt.
6De minimis: die 800-Dollar-Grenze und ihr Ende
Lange konnte eine Sendung bis 800 Dollar Warenwert je Person und Tag zollfrei in die USA. Diese Grenze aus 19 U.S.C. 1321 trug ganze Geschäftsmodelle: Ein Onlineshop in Europa versandte einzeln an amerikanische Kunden, ohne Zoll und ohne förmliche Anmeldung. Seit dem 29. August 2025 ist die Befreiung für alle Länder ausgesetzt, zuerst durch Executive Order 14324. Weil diese Anordnung auf die IEEPA-Notlagen gestützt war, hat Executive Order 14388 vom 20. Februar 2026 die Aussetzung fortgeführt, ausdrücklich auch für Postsendungen.
CBP hat die Aussetzung zusätzlich in seine eigenen Verordnungen übernommen: für alle Transportwege außer der Post mit Wirkung zum 24. Juni 2026, für Postsendungen zum 24. Juli 2026, mit einem neuen vereinfachten Verfahren für Post. Für Postsendungen, die besondere Behördenauflagen haben oder Zusatzzöllen aus Kapitel 98 oder 99 unterliegen, hat CBP die Pflicht zur förmlichen Anmeldung auf den 20. Januar 2027 verschoben. Gesetzlich entfällt die Grundlage der Befreiung ab dem 1. Juli 2027 durch Section 70531 des Public Law 119-21. Unberührt bleibt die Befreiung echter Geschenke bis 100 Dollar.
Für den Versandhandel heißt das: Jede Sendung wird ordentlich eingeführt, und Zoll, Gebühren und Formalitäten fallen bei jeder einzelnen an. Bis 2.500 Dollar Warenwert ist eine vereinfachte Einfuhr möglich, für Waren mit Zusatzzöllen aus Kapitel 99 aber nur bis 250 Dollar. Weil die Positionen des Section-301-Zuschlags dort stehen, gilt die niedrigere Grenze für alle Waren aus der EU und der Schweiz, die unter diese Positionen fallen. Viele Händler bündeln deshalb und verzollen die Ware einmal in größerer Menge, bevor sie aus einem Lager in den USA ausliefern. Wie sich das auf Shop, Retouren und Sales Tax auswirkt, beschreiben unser Leitfaden zu Shopify und dem eigenen Onlineshop für US-Kunden und unser Beitrag zum Ende der De-minimis-Regel. Wer über Amazon verkauft, findet die Besonderheiten im Leitfaden Verkaufen auf Amazon USA.
7Bond, Broker und die Fristen der Abwicklung
Für eine formelle Einfuhr verlangt CBP eine Sicherheit, den Customs Bond. Es gibt ihn als Einzelbond für eine einzige Einfuhr und als laufenden Bond für alle Einfuhren eines Zeitraums. Der Mindestbetrag liegt bei 100 Dollar; bei der Höhe berücksichtigt CBP unter anderem den Wert der Ware, die bisherige Zahlungsmoral und die Art der Überwachung. Ist ein Bond zu niedrig, setzt CBP eine Frist von 15 Tagen zur Nachbesserung. Eine Gesellschaft ohne Sitz in den USA braucht einen Bürgen mit Sitz in den USA.
Bei Seefracht kommt eine zweite Frist hinzu, die oft übersehen wird. Für den Importer Security Filing müssen Verkäufer, Käufer, Importeur, Empfänger, Hersteller, Lieferadresse, Ursprungsland und die Zolltarifnummer spätestens 24 Stunden vor der Verladung im Abgangshafen übermittelt sein. Die Daten dafür kommen aus Europa, aus deinem Haus. Auf der europäischen Seite brauchst du für die Ausfuhr eine EORI-Nummer, die in der ganzen EU gilt und in Deutschland kostenlos über das Zoll-Portal beantragt wird.
Zur Einfuhr zahlt der Importeur neben dem Zoll Gebühren: die Merchandise Processing Fee von 0,3464 Prozent des Werts, seit dem 1. Oktober 2026 mindestens 34,58 und höchstens 670,86 Dollar je formeller Einfuhr, und bei Seefracht über die gelisteten Häfen die Harbor Maintenance Fee von 0,125 Prozent.
Mit der Freigabe ist die Einfuhr nicht abgeschlossen. Endgültig festgesetzt wird der Zoll erst mit der Liquidation; erfolgt sie nicht binnen eines Jahres, gilt die Anmeldung als liquidiert, sofern die Frist nicht verlängert oder ausgesetzt wurde. Gegen die Festsetzung kann der Importeur binnen 180 Tagen nach Liquidation Protest einlegen. Wer eine Einreihung oder einen Wert korrigieren will, hat also ein Zeitfenster, und es schließt sich.
| Punkt | Wert | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Merchandise Processing Fee | 0,3464 % des Werts, mindestens $34,58, höchstens $670,86 je formeller Einfuhr | 19 CFR 24.23; Werte ab 1. Oktober 2026 nach 91 FR (31. Juli 2026) |
| Harbor Maintenance Fee | 0,125 % des Werts bei Seefracht über Häfen der Liste | 19 CFR 24.24 |
| Vereinfachte Einfuhr (informal entry) | bis 2.500 Dollar Warenwert; für Waren mit Zusatzzöllen aus Kapitel 99, Unterkapitel III und IV, nur bis 250 Dollar | 19 CFR 143.21 |
| De minimis | $800 je Person und Tag, für alle Länder ausgesetzt seit 29. August 2025, gesetzlich aufgehoben ab 1. Juli 2027 | 19 U.S.C. 1321; E.O. 14324, E.O. 14388; Public Law 119-21, Sec. 70531 |
| Geschenke | bis $100, nicht ausgesetzt | 19 U.S.C. 1321(a)(2)(A) |
| Mindestbetrag eines Bonds | $100 | 19 CFR 113.13 |
| Importer Security Filing (Seefracht) | spätestens 24 Stunden vor Verladung im Abgangshafen | 19 CFR 149.2 |
| Liquidation | binnen 1 Jahr nach Einfuhr, sonst gilt die Anmeldung als liquidiert | 19 U.S.C. 1504 |
| Protest | binnen 180 Tagen nach Liquidation | 19 U.S.C. 1514(c)(3) |
Quelle: eCFR Titel 19, Stand 22. Oktober 2026; CBP, Customs User Fees To Be Adjusted for Inflation in Fiscal Year 2027 (Federal Register, 31. Juli 2026); US Code Titel 19; CBP, 91 FR 37789 (24. Juni 2026).
Rechtsform, Bundesstaat und Steuerfolgen, bevor du dich festlegst.
8Was der Zoll für deine Struktur bedeutet
Aus all dem folgt eine Frage, die über den Zoll hinausgeht: Wer soll in den USA der Importeur sein? Liefert deine GmbH an einen amerikanischen Distributor, trägt er Zoll, Anmeldung und Haftung, und du verkaufst zu einem Preis, der das einrechnen muss. Importiert deine eigene US-Gesellschaft, liegt alles in deiner Hand: der Bond, der Broker, die Fristen, aber auch die Möglichkeit, Ware einmal in größerer Menge zu verzollen und aus einem Lager in den USA zu verkaufen. Welche Modelle es gibt und welche Steuerfolgen sie haben, beschreibt unser Leitfaden zum Vertrieb in den USA; den Vergleich von Niederlassung und Tochter findest du unter Niederlassung oder Tochtergesellschaft.
Wer ein Lager plant, sollte die Freihandelszonen kennen. In einer Foreign-Trade Zone nach 19 U.S.C. 81a bis 81u lagert Ware, bevor sie in den Wirtschaftskreislauf der USA eintritt; Waren mit Section-301-Zuschlag dürfen dort allerdings nur mit dem Status „privileged foreign“ nach 19 CFR 146.41 aufgenommen werden. Welche Bundesstaaten zusätzlich mit Förderung und Steuerbefreiungen für Lager und Produktion werben, steht in unserem Leitfaden zur Standortwahl und Förderung.
Zwei Pflichten laufen neben dem Zoll her. Wer an Endkunden verkauft, schuldet ab den Schwellen der Bundesstaaten Sales Tax; die Regeln dazu stehen in unserem Überblick zur Sales Tax in den USA. Und wer importiert, übernimmt für viele Waren Pflichten anderer Behörden und die Produkthaftung des Herstellers; dazu mehr im Leitfaden Produkthaftung und Produktzulassung. Ziehst du selbst mit Hausrat in die USA, gelten dafür eigene Regeln, beschrieben unter Umzug in die USA und Zoll.
- Den Zoll schuldet der Importeur, der Importer of Record. Liefert deine GmbH verzollt, ist sie das selbst; liefert sie an einen US-Kunden, der einführt, zahlt der Kunde.
- Seit dem 24. Juli 2026 stockt ein Section-301-Zuschlag Ware aus der EU auf 10 Prozent und Schweizer Ware auf 12,5 Prozent Gesamtzoll auf; Waren mit höherem regulärem Satz zahlen nur diesen.
- Stahl, Aluminium, Kupfer, Autos, Arzneimittel und weitere Warengruppen haben eigene Sätze nach Section 232 und fallen nicht unter den Section-301-Zuschlag.
- Über den Satz entscheiden Zolltarifnummer, Zollwert und Ursprung; verbindlich legt ihn CBP fest, vorab per Binding Ruling.
- Die De-minimis-Grenze von 800 Dollar ist seit dem 29. August 2025 ausgesetzt und entfällt gesetzlich ab dem 1. Juli 2027; jede Sendung wird ordentlich eingeführt.
So helfen wir dir
- Markteintritt USATochtergesellschaft, Personal, Steuern: dein Start im US-Markt.
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