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Gemischte Signale zur Krypto-Regulierung in den USA: Darauf müssen sich Investoren einstellen

Die Regulierung von Kryptowährungen steht momentan im Fokus von US-Gesetzgebern und -Regierungsbehörden. Ein aktueller Bericht der Biden-Administration skizziert Gesetzesvorschläge, die den Kryptowährungsmarkt stärker regulieren würden.

In den letzten Monaten haben sowohl der Vorsitzende der US-Notenbank Jerome Powell als auch der Vorsitzende der Securities and Exchange Commission (SEC), Gary Gensler, ihre Besorgnis über die mangelnde Regulierung von Kryptowährungen geäußert.

Trotz der unterschiedlichen Signale haben sich einige Schlüsselthemen herauskristallisiert: die Bekämpfung von Kriminalität und Steuerhinterziehung, die Stablecoin-Regulierung und das Potenzial für Anlageinstrumente wie Krypto-ETFs und weitere Fonds.

Für viele Krypto-Enthusiasten ist die dezentralisierte Natur digitaler Währungen, die im Gegensatz zu traditionellen Währungen nicht von einer Institution oder Regierungsbehörde kontrolliert werden, ein ausschlaggebender Faktor. 

Jedoch können regulatorische Vorgaben zum Anlegerschutz beitragen. „So sehr ich auch die Dezentralisierung und den geringen staatlichen Eingriff schätze, bin ich dennoch froh, dass hingeschaut wird, da es bei Kryptowährungen nicht selten zu Betrugsfällen kommt“, sagt Kiana Danial, Autorin von „Cryptocurrency Investing for Dummies“.

Im Folgenden werden die neuesten Vorschläge und wie sich diese auf Krypto-Investoren auswirken könnten, zusammengefasst:

Kriminalität und Steuerhinterziehung

Die Regulierung von Kryptowährungen wurde in den letzten Monaten von US-Gesetzgebern in die parteiübergreifenden Gespräche über ein Infrastrukturgesetz aufgenommen.

Eine mögliche Bestimmung würde den Broker-Begriff erweitern, um Unternehmen einzuschließen, die den Handel mit digitalen Vermögenswerten erleichtern – beispielsweise Kryptobörsen. Diese Art von Änderung würde sich auf die Steuerberichterstattung auswirken, sodass der IRS effektiver nach Steuerhinterziehern fahnden könnte.

Darüber hinaus hat sich Gensler für stärkere Regulierungen und die Verhinderung von Ransomware-Angriffen ausgesprochen, wodurch die Colonial Pipeline im Mai 2021 lahmgelegt wurde. Der Angriff auf die Pipeline war einer von mehreren öffentlichkeitswirksamen Fällen, in denen Hacker Bitcoin-Lösegeld forderten.

Gensler hat nicht gesagt, wie genau die SEC vorgehen wollte, um diese Form von Verbrechen zu verhindern. Dennoch wurde verdeutlicht, dass die Behörde auch weiterhin im vollen Rahmen ihrer Befugnisse operieren wird.

„Die SEC wird ihre Befugnisse weiterhin so weit wie möglich ausschöpfen“, sagte Gensler bei einem Auftritt auf dem Aspen Security Forum in Colorado.

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des US-Finanzministeriums äußerte die gleichen Bedenken wie Gensler und stellte fest, dass Kryptowährungen „ein erhebliches Problem bei der Aufdeckung darstellen, da sie illegale Aktivitäten erleichtern, einschließlich Steuerhinterziehung.“

Was Anleger wissen sollten

Nach einem potenziellen neuen Gesetz, das von Gesetzgebern in Betracht gezogen wird, wären Unternehmen, die Kryptohandel erleichtern, dazu verpflichtet, ab der Steuersaison 2024 Steuerinformationen über diese Geschäfte an den IRS zu melden, ähnlich wie Broker dies bereits bei traditionellen Anlagen wie Aktien betreiben.

„Der Gesetzentwurf ist im Allgemeinen anlegerfreundlich gestaltet, weil dieser die Einhaltung der Steuerbestimmungen für Kryptowährungen erleichtert“, sagt Shehan Chandrasekera, CPA und Leiter der Steuerstrategie bei CoinTracker.io, einem Krypto-Steuersoftwareunternehmen. „Dies wird dadurch gewährleistet, dass Börsen, sollte das Gesetz verabschiedet werden, 1099-B Steuerformulare mit Kostenbasisinformationen an die Investoren ausgeben müssen.“

Das bedeutet konkret, dass die Börse eine Aufzeichnung von steuerpflichtigen Ereignissen auf der Plattform bereitstellen würde, z. B. wie viel der Bitcoin zum Kauf- und Verkaufszeitpunkt wert war. Heute melden nur einige Börsen diese Informationen.

„Dies wird den Aufwand für die Krypto-Steuererklärung erheblich reduzieren“, so Chandrasekera.

Es ist bereits heute wichtig, dass Sie Aufzeichnungen über Kapitalgewinne oder -verluste aus Ihren Kryptogeschäften führen, da diese in den Federal Tax Returns angegeben werden. Aber diese Verordnung würde dies noch einmal wichtiger machen, da die IRS leichter in der Lage wäre, Steuerhinterzieher im Zusammenhang mit Kryptowährungen ausfindig zu machen. 

Stablecoin-Verordnung

Die Biden-Administration hat am 1. November einen Bericht veröffentlicht, der spezifische Gesetzesvorschläge für eine neue Regulierung von Stablecoins enthält. Die vorgeschlagene Gesetzgebung würde Stablecoin-Emittenten effektiv als Banken klassifizieren und sie einer ähnlichen Aufsicht unterwerfen, um den Verbraucherschutz zu erhöhen.

Stablecoins sind Kryptowährungen, die an eine bestehende Währung gekoppelt sind. USDT (Tether) ist beispielsweise an den Kurs des US-Dollars gebunden, sodass der Wert konstant einem Dollar entspricht. Die SEC ist jedoch nicht die einzige Behörde, die sich für die Regulierung ausspricht.

Gensler hat hierzu in der Vergangenheit angedeutet, dass eine verstärkte Stablecoin-Regulierung zur Verbrechensbekämpfung hilfreich wäre, da „der Großteil dessen, was auf [Kryptobörsen und -Plattformen] passiert, Kryptowährung zu Kryptowährung betrifft.“

Gensler sagte auch, dass durch Ausschluss des US-Dollars am direkten Krypto-zu-Krypto-Handel Kriminelle eher in der Lage sein könnten, öffentliche Maßnahmen und andere Sanktionen zu umgehen, die darauf abzielen, Geldwäsche zu verhindern oder die Einhaltung von Steuerzahlungen zu gewährleisten.

PROFI-TIPP

Abgesehen von den bundesstaatlichen Vorschriften wurden viele landesspezifische Kryptowährungsgesetze verabschiedet. Informieren Sie sich, welche Vorschriften in Ihrem Staat gelten.

Obwohl der Gesetzgeber neue Gesetze erlassen müsste, um den Bericht der Biden-Regierung in die Tat umzusetzen, wird dennoch deutlich, dass dem Kryptowährungsmarkt große Aufmerksamkeit zuteilwird. „Das Fehlen einer angemessenen Aufsicht birgt Risiken für die Nutzer und das breitere [Kryptowährungs-]System“, sagte Finanzministerin Janet Yellen in dem Bericht.

Was Anleger wissen sollten

Stablecoins werden am häufigsten von fortgeschrittenen Händlern verwendet, um die Gebühren für Krypto-Transaktionen zu reduzieren. Der Bericht der Biden-Administration weist jedoch auf das Potenzial von Stablecoins als zukünftiges digitales Zahlungssystem für den Mainstream hin. Kryptowährungen befinden sich als Anlageklasse noch in den Kinderschuhen, sodass jede neue Regulierung Auswirkungen auf das Anlageportfolio haben kann.

Anleger müssen wahrscheinlich keine unmittelbaren Änderungen an ihrem Portfolio aufgrund der vorgeschlagenen neuen Gesetzgebung vornehmen, da Stablecoins keine solche bedeutende Wertanlage wie volatilere Kryptowährungen wie der Bitcoin darstellen. Wenn Sie in Kryptowährungen investieren und langfristiges Wachstum anstreben, empfehlen Experten, sich an etablierte Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum zu halten. 

Sie sollten zudem darauf achten, eine Kryptobörse zu wählen,  die sich an die kommenden Richtlinien der Bundes- und Landesregulierungsbehörden in den Vereinigten Staaten hält. Dazu gehören viele etablierte, in den USA ansässige Börsen mit hohem Handelsvolumen wie Coinbase oder Gemini.

„Ich kaufe meine Kryptowährungsanlagen derzeit nur bei regulierten Brokern. Dies ist ein Luxus, den andere Länder in dieser Form nicht haben“ so Danial.

Kryptowährungs-ETFs

Während die Regierung über mögliche Wege nachdenkt, um die Verwendung von Kryptowährungen für illegale Aktivitäten und Steuerhinterziehung zu erschweren, gibt es für Amerikaner immer noch keine Möglichkeit, Kryptowährungen über traditionelle Anlagekonten wie die von Fidelity oder Vanguard zu kaufen. 

Obwohl ein Bitcoin-gebundener ETF vor kurzem an der Börse debütierte, hat die SEC noch keinen börsengehandelten Fonds für Kryptowährungen genehmigt, trotz mehrerer vorgeschlagener Fonds von verschiedenen Institutionen und Börsen. Gensler enthüllte jedoch am Dienstag, dass dies vielleicht schon bald geschehen würde. 

„Wir machen dies auf dem Aktienmarkt und auf den Anleihemärkten; wo es die Leute wahrscheinlich auch möchten,“ sagte Gensler. Er räumte jedoch ein, dass es bereits SEC-Anmeldungen für ETFs gegeben hat: „Ich gehe davon aus, dass wir einige neue ETFs unter dem sogenannten Investment Companies Act haben werden. In Kombination mit anderen Bundesgesetzen bietet das Gesetz einen erheblichen Anlegerschutz.“

Der Investment Companies Act verlangt von Unternehmen, einschließlich Investmentfonds, Informationen über ihre Finanzen und Investitionen regelmäßig offenzulegen.

„Solange ein ETF nicht zugelassen ist, gibt es nicht wirklich eine Möglichkeit, ein Wertpapier zu kaufen, das den Preis einer bestimmten Kryptowährung genau nachbildet“, sagt Jeremy Schneider, der Experte für persönliche Finanzen und Gründer von Personal Finance Club. Das bedeutet, dass die einzige Möglichkeit für Investoren darin besteht, Coins direkt an einer Börse zu erwerben.

Während es einige Verwirrung darüber gab, ob Kryptowährungen Wertpapiere sind (und der SEC-Regulierung unterliegen), stellte Gensler klar, dass jedes Initial Coin Offering (ICO), das er gesehen habe, ein Wertpapier sei: „Im Allgemeinen erwarten die Anleger, die diese Tokens kaufen, Gewinne. Daneben gibt es eine kleine Gruppe von Unternehmern und Technologen, die die Projekte aufbauen … Ich glaube, wir haben jetzt einen Kryptomarkt, in dem viele Tokens möglicherweise nicht registrierte Wertpapiere ohne erforderliche Offenlegungen oder Marktaufsicht sind.“

Gensler bekräftigte jedoch, dass die SEC zuständig ist und „unsere Bundeswertpapiergesetze gelten.“ 

Was Anleger wissen sollten

Kryptowährungs-ETFs sind in den USA noch nicht verfügbar, können aber eine Möglichkeit für Anleger darstellen, in Kryptowährungen einzusteigen, ohne direkt an einer Börse zu handeln.

Wenn Sie sich für Kryptowährungen interessieren, könnten diese Fonds Ihnen dabei helfen, Ihre Bestände über verschiedene Coins zu diversifizieren, wie ein herkömmlicher ETF oder Indexfonds. Jedoch sind auch diese Anlagen an den Kryptomarkt gebunden. Wenn Sie auf einen Bitcoin-ETF warten, weil Sie nicht bereit sind, das Risiko einzugehen, sollten Sie sich überlegen, ob Kryptowährungen überhaupt in Ihr Portfolio gehören.

In der Zwischenzeit könnte Genslers Haltung, dass jeder ICO ein Wertpapier darstellt, bedeuten, dass sich Investoren an die SEC wenden sollten, um verbesserten Verbraucherschutz zu erhalten, sobald die Regulierung konkreter wird.

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