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Die Sales Tax in den USA

Von Importzoll bis Nexus – hier erfahren Sie alles zum Thema Sales Tax

In Amerika gibt es keine klassische Umsatzsteuer, wie wir sie hier in Deutschland haben. Die Sales Tax in den USA wird von den Kunden erst an der Kasse bezahlt und muss im Geschäft oder Online-Shop nicht am Preis ausgewiesen werden. Das bedeutet für den Kunden, dass er für einen Schokoriegel, der im Regal mit 99 Cent ausgewiesen ist, an der Kasse über einen Dollar bezahlt.

Dies bietet den Unternehmen die Möglichkeit, billige Preise zu verlangen und somit auch wettbewerbsfähiger zu sein. Aber wie genau funktioniert das Prinzip der Sales Tax? Wie hoch fällt diese aus? Und wie funktioniert die Sales Tax über E-Commerce? Diese Fragen soll dieser Artikel beantworten.

Ein Überblick über die Sales Tax

Um die Sales Tax vollumfänglich verstehen zu können, sollte man sich zunächst einmal mit den Grundlagen auseinandersetzen.

Jeder Bundesstaat in den USA kann seine eigene Sales Tax festsetzen, es gibt keine allgemeine Vorschrift. Staaten in denen die Sales Tax hoch ausfällt, sind beispielsweise Kalifornien, Indiana oder Mississippi mit 7% Sales Tax des Bundesstaates. In Colorado, Alabama und Georgia hingegen gibt es eine sehr niedrige Sales Tax von 2-4%. Jedoch ist die Sales Tax mit der des einzelnen Bundesstaates noch nicht abgeschlossen. Denn in 38 Bundesstaaten der USA ist es erlaubt, dass jedes County auch noch eine lokale Sales Tax aufschlägt. Diese kann mitunter bis zu 7% betragen. Wenn man nicht zu Hause ist, wo man sich mit dem Steuersatz auskennt, kann man tatsächlich nie sicher wissen, wie viel man der Kasse bezahlen wird.

Dieses komplexe System an lokaler und staatlicher Sales Tax bewirkt auch, dass viele Unternehmen von Gegenden mit hohen Sales Tax-Raten abweichen und gezielt Bundesstaaten suchen, die sowohl eine niedrige Sales Tax haben, als auch etwaige andere steuerliche Begünstigungen mit sich bringen. 

Was sind die sogenannten Resale Documents?

Ähnlich wie bei uns ist die Sales Tax eine Steuer, die beim Verkauf eines Produkts beziehungsweise einer Dienstleistung verlangt wird und an den Staat entrichtet werden muss. Dabei muss die Sales Tax schlussendlich aber nur der Endkunde tragen. Im Normalfall muss jeder Zwischenhändler keine Sales Tax bezahlen. 

Dies aber nur unter der Voraussetzung, dass auch die nötigen Dokumente vorgewiesen werden können. Im Zuge des Unternehmensalltags ist es normal, dass sowohl Produkte gekauft und verkauft werden. Wenn Sie die nötige Dokumentation haben, dass Sie die gekauften Produkte unternehmensintern weiterverarbeiten bzw. weiterverkaufen, müssen Sie in Folge auch keine Sales Tax darauf zahlen. Wichtig ist hierbei die Resale Documentation

Wichtig ist zu wissen, dass es für jeden Bundesstaat verschiedene Bestimmungen gibt. Denn während Sie für mehrere Staaten ein Dokument ausfüllen können, gilt dies jedoch nicht für alle. Es gibt zwei anerkannte Resale Dokumente, die für mehrere Staaten gelten:

  • Multistate Tax Commission’s Uniform Sales & Use Tax Certificate (38 Staaten)
  • Streamlined Sales Tax Exemption Certificate (24 Staaten)

Wie aber vorhin schon erwähnt, akzeptieren nicht alle Bundesstaaten diese Art von Dokumenten. Verkäufer und Zwischenhändler müssen sich also im Vorhinein bestens darüber informieren, welche Dokumente sie benötigen, um in keinem der Bundesstaaten die Sales Tax entrichten zu müssen. Dies trifft Online-Händler natürlich im Besonderen, da eine Bestellung aus jedem Bundesstaat erfolgen kann, während dies bei einem Laden mit einem festen Standort nicht der Fall ist. 

Was ist die Bedeutung des Nexus?

Wenn Sie als Unternehmer ein normales physisches Geschäft in einem der Bundesstaaten haben, ist das Sammeln und Entrichten der Sales Tax ziemlich einfach, da ja alle Geschäftsfälle in einem Bundesstaat geschehen. Komplizierter wird es aber, wenn Sie einen Online-Shop betreiben, Ihr Geschäft im E-Commerce Bereich liegt oder Sie einfach viele Verkäufe in andere Bundesstaaten haben.

In diesem Fall spielt der Begriff des Nexus eine zentrale Rolle. Das Wort bedeutet auf Deutsch so viel wie Verbindung oder Verknüpfung, womit überprüft wird, ob der Verkäufer eine Verbindung zu dem Bundesstaat hat, in das er das Produkt verkauft. Versendet ein lokaler Fahrradladen also beispielsweise gelegentlich ein Fahrrad in einen anderen Bundesstaat, muss er dort keine Sales Tax entrichten. Diese ist nur gültig für Käufe in dem Bundesstaat, in dem sich der Laden befindet.

Wie lässt sich dies jedoch auf Online-Shops übertragen? Während früher auch bei Online-Shops eine physische Verbindung zu dem Bundesstaat, in das die Produkte verkauft wurden, nötig war, ist diese Regelung überarbeitet worden. Dies liegt ganz einfach daran, dass Online-Unternehmen mit Absicht ihren Standort in einen Bundesstaat mit geringer Bevölkerung verlegt haben, um in den großen Staaten wie Kalifornien oder Florida keine Sales Tax entrichten zu müssen.

Seit 2018 wird jedoch nicht mehr die physische, sondern die wirtschaftliche Präsenz untersucht. “Die alte Regelung der physischen Präsenz sei in Zeiten von E-Commerce veraltet.”, so die Meinung des Obersten Gerichtshofs der USA. Mit dem neuen Prinzip müssen Unternehmer unter Voraussetzung der folgenden Punkte Sales Tax bezahlen:

  • Affiliate Nexus: Wenn ein in den USA ansässiges Unternehmen Ihre Waren empfiehlt und eine Kommission beim Verkauf bekommt, müssen Sie Sales Tax an diesen Bundesstaat entrichten. Dies natürlich auch, wenn Sie nicht in dem Bundesstaat oder der USA leben.
  • Economic Nexus: Der wirtschaftliche Nexus beschreibt einen Schwellenwert an Umsätzen oder Transaktionen, der ausschlaggebend für die Sammlung und Entrichtung der Sales Tax ist. Die Höhe dieser Schwelle legt jeder Bundesstaat selbst fest, weshalb man sich als Verkäufer genauestens darüber informieren muss, in welche Bundesstaaten man seine Waren versendet.

Da dieser Prozess mitunter sehr aufwendig sein kann, bieten sich Programme an, die diese Aufgabe übernehmen. Die Software TaxJar.com beispielsweise registriert alle Verkäufe in die einzelnen Bundesstaaten und informiert den Verkäufer, sobald er die Grenze eines Bundesstaates überschritten hat, in diesem nun Nexus hat und die Sales Tax entrichten muss.

Mehr Informationen zu den gültigen Nexus-Gesetzen je Bundesstaat finden Sie in unserem umfangreichen Leitfaden zu wirtschaftlichen Nexus Gesetzen im Kontext der US Sales Tax.

Sales Tax für Marketplace-Verkäufer

Die Sales Tax müssen auch Marketplace-Verkäufer beachten. In der Regel hängt es dabei von verschiedenen Kriterien ab, ob sich ein Marktplatzverkäufer in einem US-Bundesstaat registrieren muss. Ausschlaggebend dafür sind nicht nur physische Präsenz und ein Lager vor Ort, sondern auch wirtschaftliche Tätigkeiten und Kunden im jeweiligen Staat. Sobald ein Staat sowohl Marktplatz-Vermittler- als auch wirtschaftliche Nexus-Gesetze besitzt, stellt sich die Frage nach der Registrierung für die Verkäufer.

Den Gesetzen der einzelnen US-Bundesstaaten für Marketplace-Verkäufer haben wir eine eigene Seite gewidmet. Alle Registrierungsanforderungen und eine Tabelle mit Auslösern der Sales Tax finden Sie hier.

Was muss überhaupt versteuert werden?

Tatsächlich wird auch nicht auf jedes Produkt oder jede Dienstleistung eine Sales Tax erhoben. Und gelegentlich kann man sich überhaupt nicht sicher sein, in welche Kategorie eine Bestellung nun fällt und welcher Prozentsatz bei der Besteuerung relevant ist. 

Lässt ein Unternehmen beispielsweise seine IT-Infrastruktur erneuern, muss es dazu neue Computer kaufen, kann das System aber auch mit Servern und Extras gleich komplett einrichten lassen. Dabei wurde mit dem Anbieter natürlich ein Gesamtpreis verhandelt, der nun versteuert werden muss. Welche Besteuerung ist nun ausschlaggebend?

  • Produkte: Im Normalfall sind alle Produkte besteuerbar, das heißt bei allen Produkten muss eine Sales Tax verlangt und an die Behörden entrichtet werden. Jedoch gibt es auch ein paar Ausnahmen, wie zum Beispiel Nahrungsmittel. Diese sind in den meisten Staaten von der Sales Tax befreit. Dasselbe gilt aber auch noch für verschreibungspflichtige Medikamente.
  • Online-Produkte: Digitale Produkte können in vielen verschiedenen Formen auftreten. Dazu zählen visuelle, digitale Produkte wie Filme oder Videos, auditive Produkte wie Musik und Alben oder aber E-Books. Die meisten Bundesstaaten regeln digitale Produkte anders. Deshalb müssen sich Unternehmen hier im Vorhinein immer informieren, ob sie Sales Tax an die jeweiligen Behörden zahlen müssen oder nicht.
  • Dienstleistungen: Während früher noch keine Sales Tax auf Dienstleistungen verlangt wurde, hat sich dies mittlerweile geändert. Heutzutage muss eine Sales Tax auf die meisten Arten von Dienstleistungen entrichtet werden. Die Besteuerung von Dienstleistungen unterscheidet sich je nach Bundesstaat. Beispielsweise auf die meisten professionellen Services wie jene von Ärzten oder Rechtsanwälten muss meist keine Sales Tax entrichtet werden. Im Gegensatz dazu werden Dienstleistungen, die in Zusammenhang mit dem Verkauf bzw. der Herstellung von Waren stehen, in der Regel besteuert. Beinhaltet eine Tätigkeit eine Dienstleistung und Material (z.B. Baubranche), so sind die beiden Komponenten ggf. gesondert zu betrachten. Während auf die Leistung des Unternehmens bzw. eines Dienstleisters oft keine Sales Tax anfällt, kann das verwendete Material – abhängig von den Regelungen des jeweiligen Staates – für das Unternehmen selbst oder den Auftraggeber Sales Tax-pflichtig sein. Die Unterscheidung ist hier teils sehr verscheiden. In den meisten Bundesstaaten wird beurteilt, was den Hauptzweck der Leistung darstellt.

Wichtig zu verstehen ist in diesem Kontext, dass sich die Besteuerung mit der Sales Tax lediglich auf verkaufte Produkte oder Dienstleistungen bezieht. Unabhängig davon ist zu evaluieren, wo die generierten Gewinne zu versteuert sind. Diese Seite beschreibt nur die erhobene Sales Tax. Wo die Besteuerung Ihrer Gewinne letzten Endes passiert, müssen Sie unabhängig davon betrachten.

Zu welchem Zeitpunkt muss die Sales Tax bezahlt werden?

Zwar ist es bei einem Onlineshop relativ einfach, die Sales Tax von den Kunden zu erheben, die Weitergabe an die jeweilige Finanzbehörde des Bundesstaates ist jedoch komplizierter. Auf folgende Dinge sollte unbedingt geachtet werden, wenn der Sales Tax Bericht abgegeben wird:

  1. Fälligkeitszeitpunkt ermitteln: In den meisten Bundesstaaten ist dies der 20. des Folgemonats. Also müssen beispielsweise die gesammelten Steuern des Monats April am 20. Mai gezahlt werden. Auch hier ist die Regelung jedoch nicht überall einheitlich, weshalb man sich vorher informieren sollte.
  2. Frequenz der Zahlung: Manchmal kann es auch vorkommen, dass nicht jeden Monat die Sales Tax entrichtet werden muss, sondern nur einmal pro Jahr oder in jedem Quartal. Dies kann stark abhängig sein von dem Umsatz,denn je höher dieser ausfällt in dem Bundesstaat, desto öfter müssen Sie die Sales Tax vermutlich bezahlen. 
  3. Sales Tax Return Bericht schreiben: Während dies vielleicht einfach klingen mag, ist es tatsächlich nicht immer so. Manche Bundesstaaten haben einfache Vorschriften für den Sales Tax Bericht, denn diese verlangen nur die genaue Menge an Sales Tax, die eingesammelt wurde.

Manche Staaten verlangen jedoch einen genauen Bericht, mit der Angabe der Adressen und der lokalen Sales Tax von den Kunden. Schwieriger wird es zudem noch, wenn der Umsatz aus mehreren Quellen stammt und jeweils die Sales Tax entrichtet werden muss.

  1. Sales Tax Bericht senden: Der womöglich einfachste Schritt ist die Einreichung des Berichts an die jeweilige Behörde. Bei den meisten Behörden kann der Bericht einfach online hochgeladen oder versendet werden.

    Auch hier ist wieder die Software TaxJar.com zu empfehlen, die hilft einen Überblick in dem Sammelsurium unterschiedlicher Sales Taxes und Steuerregelungen zu bewahren und viele Schritte automatisch durchführt.

    Import und Export

    Auch Import- und Exportrechte muss man als Unternehmer beachten, da hierbei nicht nur Steuern, sondern auch Zölle anfallen können.

    Auf fast alle Waren wird in den USA ein Importzoll erhoben, dieser ist beim Dropshipping nicht vom Endkunden, sondern vom Importeuer, also dem Verkäufer zu tragen. Meist beträgt der Zoll jedoch nur 3% des Warenwertes, was keinen großen Einfluss auf den Gewinn haben sollte.

    Der Export gestaltet sich natürlich um einiges komplizierter und hängt vor allem davon ab, in welches Land exportiert werden soll. Der Export in die EU beispielsweise wird in naher Zukunft problematischer werden. Mit einer neuen E-Commerce Direktive, die im Juli 2021 in Kraft treten soll, müssen Unternehmen aus Übersee jetzt eine Umsatzsteuer bezahlen, wenn diese Produkte in die EU exportieren wollen. Wie hoch die Steuer ist, hängt dann wiederum von dem jeweiligen Zielland ab.

    Sowohl beim Import als auch beim Export von Waren kann eine spezielle Lizenz erforderlich sein. Ob Sie eine solche benötigen, können Sie bei der US Costums and Border Protection erfragen.

    Fazit: Die Sales Tax in den USA

    Auch wenn die Sales Tax in den USA für Endkunden oft sehr kompliziert ist und vor allem Besucher der USA nicht verstehen, warum sie an der Kasse mehr bezahlen müssen, als an den Regalen ausgeschrieben war, bietet dieses System doch enorme Vorteile für Unternehmer und insbesondere Dropshipper. Die Preise können künstlich niedrig gehalten werden, da die Umsatzsteuer nicht bereits enthalten sein muss. Mit der richtigen Software zum Entrichten der Sales Tax und den notwendigen Resale Documents stellt auch der Rest keinen enormen Aufwand dar und ist den Steuerregelungen in der EU auf jeden Fall vorzuziehen.

    Sollten Sie darüber nachdenken, auch in den USA als Verkäufer aktiv zu werden, empfiehlt sich wahrscheinlich sogar die Gründung eines Unternehmens vor Ort. Um sich darüber weiter informieren zu lassen, zögern Sie nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen.