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Deutsche in den USA: Zwischen Sehnsucht und Diffusion

Illusionen und Chancen unter red, white and blue

Jedes Jahr verlassen fast 300.000 Deutsche ihre Heimat. Die überwiegende Mehrheit von ihnen sind gut ausgebildete, hochqualifizierte Fachkräfte, die die erdrückende Steuerlast, die Bevormundung bis in die kleinsten Lebenslagen, aber auch die Dominanz offen linksextremer Utopien im gesamten Bildungs- und Gesellschaftswesen nicht mehr mittragen wollen. Etwa 10.000 von ihnen haben die Vereinigten Staaten als Ziel, die neben Österreich und der Schweiz unter den beliebtesten drei Zielländern ist.

Hier treffen sie nicht nur auf je nach Bundesstaat deutlich geringere Steuern und Abgaben, eine meist konservativere Gesellschaftsauffassung, sondern auch auf Lebenshaltungskosten, die mitunter deutlich höher sein können als in Deutschland. Bei der Auswanderung in die USA spielt vor allem der Freiheitsgedanke eine entscheidende Rolle, sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten selbst zu verwirklichen – ganz ohne Bundeskleingartenverordnung, dem Mecklenburger Landesseilbahngesetz, obwohl es im Bundesland gar keine Seilbahn gibt oder dem deutschen Steuerrecht, das 60 Prozent aller weltweit über das Thema Steuern gedruckten Literatur ausmacht.

Doch die extrem leistungsorientierte Arbeitswelt und das kaum existente soziale Sicherungsnetz erlauben nur wenige Fehler. Manche Deutsche, die die Rundum-Versicherung aus ihrer Heimat gewohnt sind, verlassen ihr „land of hope and dreams“ rasch nach den ersten gescheiterten Gehversuchen wieder.

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Auswanderung ist nicht wie im Fernsehen

Die Gegenwart deutscher Auswanderer in die USA ist häufig geprägt von mitunter geschmacklosen bis sozialpornographischen Fernsehserien, gut verdienenden Expats oder Aussteigern, aber in Wirklichkeit besteht noch heute ein engmaschiges Netzwerk deutscher Communities, die einwanderungswilligen Deutschen mit Rat und Tat zur Seite stehen und liebgewonnene Traditionen und Bräuche aus der Heimat bis heute aktiv leben.

Diese Netzwerke waren vor allem im 19. Jahrhundert von elementarer Bedeutung, aber auch in den 1940er Jahren, wo viele vorwiegend jüdische Deutsche ins amerikanische Exil gingen, aber auch noch in den 1960er Jahren, als sich etwa Pferdezüchter aus Kärnten im Mittleren Westen ansiedelten, ohne aber ihre Familienbande in den österreichischen Bergbauerndörfern aufzulösen. Die Gesangs-, Trachten- und Heimatvereine bestanden einfach mit einer Dependance in Milwaukee fort.

Wenngleich die deutsche Sprache das amerikanische Englisch zwar prägte wie sonst kaum eine andere, ist die deutsche Kultur in den USA längst nicht so präsent, wie man vermuten möchte, wie in einem anderen Artikel bereits dargelegt. Doch nicht nur die Bewohner von Heidelberg oder einem der Dutzend Berlins und Hamburgs zeigen sich ihrer deutschen Herkunft wieder verstärkt zugetan, auch Deutsch als Fremdsprache wird an den Schulen immer beliebter und hat neben Spanisch in vielen Counties das Französische überholt.

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Las Vegas: Undenkbar ohne Deutsche

Das deutsche Erbe vieler Gemeinden des Mittleren Westens, aber auch in Texas, North Dakota oder Pennsylvania ist unübersehbar. Dennoch zieht es die meisten deutschen Auswanderer nach New York. In Pemberton Heights im angrenzenden New Jersey sind über fünf Prozent der Einwohner in Deutschland geboren. Deutsche arbeiten hier vor allem die Finanzwirtschaft, die mehr als ein Drittel der Gesamtwirtschaftsleistung New Yorks ausmacht.

Doch nicht nur die sinnbildhaft amerikanischste Stadt zieht noch heute Deutsche an, auch der erste Bürgermeister von Las Vegas war Deutscher und das erste Hotel der Stadt etwa gehörte einer Familie Matzdorf. Auch, wenn Glücksspiel und Tourismus die Metropole prägen, so zieht sie heutzutage zahlreiche Technologie-Firmen und damit deutsche Fachkräfte an, die auch in den zahlreichen Unternehmen aus Luft- und Raumfahrt oder der Telekommunikation arbeiten, die in Las Vegas ansässig sind.

Die meisten Deutschen, die sich nur temporär in den Staaten aufhalten, leben sinnigerweise in Washington D.C. Botschaften und Konsulate, Wirtschaftsverbände, Presse, NGOs und Hilfsorganisationen haben hier ihren Sitz, sodass die entsendeten Arbeitnehmer samt Familie hier landen, was auch die hohe Dichte deutscher und internationaler Schulen erklärt.

Und weil der Deutsche nicht nur gern arbeitet, sondern vor allem als Rentner seinen Lebensabend gern im Warmen verbringt, verschlägt es ihn längst nicht mehr nur auf die Kanaren oder nach Thailand, besonders der Südzipfel Floridas ist gegenwärtig sehr deutsch geprägt – manche Siedlungen beherbergen fast 30 Prozent Deutsche! Denns Florida liegt nicht nur räumlich am dichtesten an Europa, sondern garantiert ganzjährig sonniges Strandfeeling und rheumafreundliche Temperaturen. Miami, Orlando oder Tampa sind allerdings durch ihre Seehäfen, die Ölindustrie und Handelszentren auch für Arbeitnehmer interessant, weshalb viele deutsche Konzerne dort eigene Büros unterhalten.

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Nationalbewusstsein als Gegenpol zur Globalisierung

Während in der Geschichte die deutsche Sprache oft unterdrückt wurde, sich deutsche Siedler quer durchs Land verstreuten, verschwand im Gegensatz zu italienischen oder irischen Einflüssen das deutsche Erbe schleichend aus dem kulturellen amerikanischen Alltag. Doch je kleiner die Welt wird, desto größer wird auch die Sehnsucht nach Heimat und Tradition. Es ist nicht so, dass die unzähligen deutschen Kulturvereine mit fast 200jähriger Tradition irgendwann eingeschlafen sind, sie wurden nur weniger, ihre Mitglieder älter und die altertümlichen Dialekte wie Texas-Deutsch werden kaum noch gesprochen.

Aber gerade in jüngster Zeit erfahren Events wie die Wahl zur Miss German-America große Beliebtheit, zum Wurstfest in New Braunfels reisen tausende Besucher an, Initiativen wie „Heimat abroad“ oder Vereine wie die Schuhplattler of San Francisco, der Damenchor Frohsinn, der Sacramento Turnverein oder die zahlreichen Schützenvereine gewinnen wieder junge Mitglieder hinzu. Die Kölschen Funken Ruut-Wiess in New York oder die Karnevalsgesellschaften in San Diego oder Phoenix feiern mit gewohnt rheinischem Frohsinn die fünfte Jahreszeit und auch steirische, Kärntner oder Salzburger Volksvereine führen nicht nur die Bräuche der alten Heimat fort, sondern schaffen für die jüngere Generation gezielt Anlaufpunkte, Werteanker und nicht zuletzt auch Freizeitmöglichkeiten, die in mancher dünn besiedelten Gegend doch arg begrenzt sind.

Je mehr die Welt von Globalisierung und Auflösung der Nationalstaaten geprägt ist, desto mehr besinnen sich auch viele Deutschamerikaner auf ihre Wurzeln. Sie lernen die Sprache ihrer Väter, pflegen deutsche Traditionen und Bräuche und sind dabei mitunter deutscher, als man es in Deutschland je erleben könnte. Das Deutschland in Amerika ist zweifelsohne ein wichtiger Baustein im amerikanischen Mosaik, aber es ist vielleicht auch eine verbliebene Möglichkeit, deutsche Kultur zu leben und zu bewahren, wie sie in Deutschland selbst immer kleiner wird.

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